11 Ein langersehntes Wiedersehen

Liebes Tagebuch,
wir schreiben heute den 30. Tag des 7. Monats im 3. Jahr der 1. Äon des 2. Zeitalters (30.07.03-I-II).
Ich schreibe Dir, weil ich gestern Nacht unerwarteten Besuch erhalten habe. Nein, nicht von
Balthasar. Sondern meine Tochter stand vor meiner Tür. Wie lang ich mich nach diesem Moment
gesehnt habe! Aber wollen wir von vorne beginnen.
Ich war allein in meinem Haus und saß in meinem großen Lesesessel, während ich gedankenverloren
in die Flammen des Kaminfeuers blickte. Als es plötzlich an der Tür zu meinem Wohnzimmer klopfte.
Irritiert darüber, dass ich keinen Engel vor der Tür im mentalen Netz spüren konnte, erhob ich mich
aus meinem Sessel und ging zu Tür, um nachzusehen, wer da war. Ich öffnete die Tür und konnte
meinen Augen nicht glauben – vor mir stand meine Tochter Liriel und grinste mich freudig an. „Hi
Mutter. Sorry für die späte …“, doch ich ließ sie ihren Satz nicht beenden, sondern nahm sie einfach in
meine Arme und drückte sie fest an mich. Tränen stahlen sich in meine Augen, doch das war mir egal.
Mein „kleines“ Mädchen war wieder zuhause. Nach einer gefüllten Ewigkeit ließ ich meine Tochter
wieder los, um sie von oben bis unten zu begutachten. Sie sieht genauso aus, wie an den Tag, wo sie
gegangen ist. Ich weiß nicht wie sie das macht, aber sie sieht jung wie ein junges Mädchen aus.
Geduldig nimmt Liriel meine Begutachtung hin und wartet darauf, dass ich fertig mit dieser bin. „Gut
siehst du aus, Liriel. Willkommen zuhause.“, sagte ich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, „Ich habe
dich vermisst.“ „Ich habe dich auch vermisst, Mutter. Wir haben einiges zu erzählen und zu
besprechen.“, meinte Liriel und lächelte. Wie sehr habe ich ihr herzerwärmendes, freches Lächeln
vermisst. Ich ließ sie ins Wohnzimmer und Liriel sah sich um. Schnell fand sie was sie suchte und
kramte sämtliche Kissen und Decken zusammen. Verwundert beobachte ich meine Tochter wie sie
Kissen und Decken auf dem weichen Teppich vor dem Karmin ausbreitete. Als sie fertig mit ihrem
Werk war, bedeutete sie mir mich zu setzen und mich hinzulegen. Noch etwas verwundert ließ ich
mich darauf ein und folgte ihren Anweisungen. Liebevoll stopfte sie mir ein besonders großes Kissen
in den Rücken und deckte mich zu, bevor sie auch sich selbst mit der selben Decke zudeckte und sich
an meine Seite kuschelte. „So lässt es sich besser reden – Früher haben wir oft so vor dem Karmin
gelegen und uns Dinge erzählt. Doch konnte ich dir damals nicht alles erzählen.“, begann Liriel und
erzählte mir von ihrem Vater und all dem was damals wirklich passiert war. Sie erzählte jedoch nicht
nur von ganz Früher, sondern auch von ihrer Zeit im Exil. „Morgen früh werde ich abgeholt, um
meinen Dienst bei der 10. Legion anzutreten. Bitte, erschreck nicht. Aber derjenige, wer mich abholt
ist mein Lebensgefährte Duriel. Mit anderen Worten, werde ich Dir morgen endlich deinen
Schwiegersohn vorstellen können.“, meinte Liriel und erzählte mir begeistert von Duriel. Er scheint ein
guter Mann zu sein und ich freue mich für Liriel, dass sie jemanden gefunden hat. Noch lange
erzählten wir – bis tief in die Nacht hinein. Es überraschte mich, wie gut meine Tochter informiert war
über die Geschehnisse im Initium. Doch anderseits – schließlich ist ihr Vater der Anführer des
Geheimdienstes des Ewigen Darchens. Dass Liriel der 10. Legion beitreten wird, löste in mir
gemischte Gefühle aus. Doch sie versprach, dass sie mich oft besuchen würde. Irgendwann sind wir
dann am Kamin zusammen eingeschlafen. Am nächsten Morgen lag ich alleine im Deckenparadies
und dachte schon, dass ich es mir nur eingebildet habe, dass Liriel hier war. Doch da kam auch schon
Liriel mit einem Tablett ins Zimmer und wünschte mir freudestrahlend einen guten Morgen. Sie setzte
sich zu mir und drückte mir erstmal eine Tasse Kaffee in die Hand. Sie hatte uns Pancakes zum
Frühstück gemacht. Dann brachten wir noch das Wohnzimmer gemeinsam wieder in Ordnung, bevor
ich kurz im Bad verschwand, um mich frisch zu machen. Schließlich wollte ich nicht mit zerzausten
Haaren meinen Schwiegersohn begrüßen. Ich weiß nicht, wer nervöser war – Ich oder Duriel. Aber
der Mann machte einen guten Eindruck auf mich und wie liebevoll er immer Liriel ansah. Die beiden
scheinen wirklich für einander geschaffen zu sein. Ich freue mich einfach für meine Tochter. Dann
wurde es leider schon Zeit sich zu verabschieden. „Keine Sorge Mutter, wir sehen uns spätestens am
22.10 wieder.“, meinte Liriel leicht hin. „Wieso das denn? Wieso ist dieses Datum so besonders?“,
fragte ich verwundert nach und Liriel sah aus als hätte sie sich verplappert. Dann grinste sie mich
frech, aber liebenswert an und sagte: „Darauf musst du selbst draufkommen.“ Seitdem rätsele ich
herum, was dieses Datum zu sagen hat. Aber was soll schon in fast 3Monaten denn schon sein?… Ob
mich Balthasar dann wieder aufsuchen wird? Wenn ich an unser letztes Treffen denke… MOMENT!
Das kann doch nicht sein! Oder etwa doch? Okay – erstmal tief durchatmen! Am 22.10 werde ich es
mit Sicherheit wissen, ob unsere Nacht Konsequenzen hatte. Beim Ewigen! Ich könnte erneut Mutter
werden!






















































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