17 Ein nächtliches Lied

 

Heute schreiben wir den 10.11.03-I-II und die Tage sind ruhig vergangen – zu ruhig fast. Mutter hat
sich gut in Kitary eingelebt und genießt scheinbar das einfache Leben hier. Sie wirkt zufrieden, doch
ich beobachte, dass sie abends stehts auf den Balkon ihres Hauses geht und stumm zu den Sternen
hinaufblickt. Ihr Blick ist so voller Sehnsucht, dass es einem das Herz zerreißt. Doch wenn man sie
darauf anspricht, so sagt sie, dass sie nicht reden will. Ich respektiere das natürlich, doch mache ich
mir auch Sorgen um sie. Seit einer Woche hat Mutter angefangen sogar zu singen – zunächst nur eine
Melodie gesummt, doch heute hat sie erstmals das Lied richtig gesungen. Ich habe gelauscht und mir
den Text notiert:

In jener Nacht, als Sterne schwiegen,
fand mein Herz im Stillen dich.
Ein Blick, ein Hauch – so tief gelegen,
doch trugst du Dunkel neben mich.
Seitdem vergeht kein Tag im Licht,
an dem mein Herz dich nicht vermisst.

Du warst so nah – und doch verborgen,
ein stummer Wächter meiner Zeit.
Ich suchte dich in jedem Morgen,
doch blieb nur deine Dunkelheit.
Und trotzdem fühlte ich dich hier,
die Schatten flüstern: „Ich bin bei dir.“

Wo dein Schatten mein Licht berührt,
entsteht ein Tanz, der Welten führt.
Kein Sturm, kein Schwur, kein Eid zerreißt,
was tief in uns verwurzelt heißt.
Ich bin das Licht, du bist das Schweigen,
doch will ich dir die Liebe zeigen.
Wenn du mich willst – dann bleib bei mir.
Lass meine Sehnsucht wohnen in dir.

Ich weiß, dein Weg bleibt stets im Nebel,
und meiner leuchtet für das Heer.
Doch glaub mir, Balthasar, mein Leben
fühlt sich so oft wie halb nur mehr.
Denn was ist Glanz, wenn keiner sieht –
wie sehr er ohne Furcht zieht?

Wo dein Schatten mein Licht berührt,
entsteht ein Tanz, der Welten führt.
Kein Sturm, kein Schwur, kein Eid zerreißt,
doch blieb nur deine Dunkelheit.
Und trotzdem fühlte ich dich hier,
die Schatten flüstern: „Ich bin bei dir.“
Wenn du mich willst – dann zeig dich mir.
Lass meine Sehnsucht wohnen in dir.

Ich fürchte kein Dunkel,
nicht deinen Eid, nicht meine Pflicht.




Ich trag dich mit, wohin ich geh,
ob du nun bleibst… oder verwehst.
Ich bin das Licht, du bist der Schleier –
doch meine Liebe brennt wie Feuer.
Wenn du mich willst – dann zeig dich mir.
Lass meine Sehnsucht wohnen in dir.

Ich fürchte kein Dunkel,
nicht deinen Eid, nicht meine Pflicht.
Ich fürchte nur,
dass du mein Licht vergisst…

Wo dein Schatten mein Licht berührt,
hab ich dich längst tief in mir gespürt.
Du musst nicht reden, musst nicht schwören –
nur diesen einen Schritt mir gönnen.
Ich bin bereit…
bist du es auch?

Mutter vermisst meinen Vater wirklich sehr, der momentan einfach zu beschäftigt ist. Jetzt wo die
anderen Legionen von der Zehnten wissen, ändert sich Vieles und das bedeutet gerade für meinen
Vater eine Menge Arbeit. Ich werde Vater Bericht erstatten wegen Mutters abendliches Verhalten.
Hoffentlich nimmt sich Vater dann auch mal Zeit für sich und Mutter. Man könnte schon fast meinen,
dass Vater sich in die Arbeit stürzt, um Mutter aus dem Weg zu gehen – Sag bloß er fürchtet sich?
Nein, dass ist Unsinn. Balthasar und Angst? Wohl kaum… oder ist da was dran? Ich werde es
herausfinden!

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