23 Zwischen den Tagen

Liebes Tagebuch,
heute schreiben wir den 08.12.03-I-II und ich habe es leider bisher nicht geschafft Balthasar in seinen Stollen zu besuchen. Zum einen lag es daran, dass ich weiter in die Gemeinschaft des Dorfes integriert worden bin, was auch weitere Aufgaben beinhaltete, zum einem liegt des daran, dass das Hochfest „Dies lucis“ näher rückt und man mich gebeten hat die Zeremonie zu leiten. Normalerweise würde dies Mariel als Hohepriesterin machen, doch man will sich nicht die Ehre entgehen lassen, dass die Zeremonie von mir als Erzengel geführt wird. Natürlich hätte ich auch „nein“ sagen können, doch ich mag die Bewohner Kitarys, die mich so nett aufgenommen haben, nicht enttäuschen. Ich werde deswegen, wahrschlich erst im nächsten Jahr dazukommen mir die Stollen anzusehen. Nun ja, die Stollen werden mir ja nicht wegrennen.
Ich habe die Ausgaben des Himmelsboten in letzter Zeit stark verfolgt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es zu früh ist, sich erneut mit Balthasar in der Öffentlichkeit zu zeigen. Aber ich muss sagen, dass der Pressesprecher der Dämonen A. einen guten Job macht und für Information verpackt in Unterhaltung sorgt. Wer genau lesen kann, der erhält alle nötigen Informationen und das in unterhaltsamer Weise. Mein Volk scheint wirklich zwiegespalten zu sein, aber das kann ich ihnen nicht verübeln. Zu lange besteht die Kluft zwischen Dämonen und Engel und so mancher Engel ist sehr nachtragend. Was auch wieder verständlich ist, denn schließlich geht es um unsere Kinder. Wenn Balthasars Wunsch in Erfüllung gehen soll, bedarf es noch einiges an Überzeugungsarbeit. Es ist ein gefährliches Spiel auf Messerschneide. Wenn Gabriel und ich unsere wahren Beziehungen zu den Dämonen zu früh preisgeben, könnte das die Hälfte der Bevölkerung schlecht aufnehmen und unsere Führung in Frage stellen. Zudem würde die andere Hälfte uns verteidigen, was, wenn alles schiefläuft, zu einen Bürgerkrieg ausarten könnte – ich will daran nicht denken. Auch wenn es schwierig aussehen mag, Kitary ist der beste Beweis dafür, dass es möglich ist, dass Dämonen und Engel friedlich miteinander leben können. Ich wünsche mir, dass es irgendwann im ganz Initium so sein wird, dass Dämonen und Engel zusammenleben können.
Ich bin nur froh, dass die Expedition in die Bergen so glimpflich verlaufen ist. Zum Glück wachen die Dämonen gut und konnten die Engel beschützen. Zumindest hat die Kirche jetzt einen guten Grund, warum sie erstmal niemanden mehr aussenden. Ich frage mich, ob Gabriel und Balthasar sich abgesprochen haben und das Ganze so inszeniert haben. Denn es spielt beiden ziemlich in die Karten. Gabriel kann so einerseits die Bevölkerung beschwichtigen und gleichzeitig die Ermittlungen behindern, sodass nicht zu viel und zu früh über die 10. Legion rauskommt. Oder wittere ich schon Ränkespiel wo keines ist? Das Leben meines Vertreters ist auf jeden Fall schwieriger als bisher angenommen. Der arme Gabriel steht seit Jahrmillionen zwischen den Stühlen. Aber ich vermute, dass Balthasar ihm genaue Instruktionen übermittelt, um diesen Balanceakt zu bewerkstelligen. Denn ich schätze Balthasar als jemanden ein, der selten das Ruder abgibt und so gut wie es geht alles unter Kontrolle behält.
Allerdings muss ich sagen, dass ich es seltsam finde, dass es mich anscheinend doppelt gibt – laut Zeitungsbericht. Ich frage mich, was sich Balthasar wohl dabei gedacht hat diese Illusionen von mir auszusenden? Wollte er wohlmöglich meinen Aufenthalt in Kitary verschleiern, damit ich meine Ruhe habe? Kann sein. Wäre nur nett gewesen, wenn er mir vorher was davon gesagt hätte. Einerseits ist es ja süß von ihm, dass er mich beschützen will. Doch anderseits bin ich auch trotz Schwangerschaft nicht schwach und ohne Einfluss. Zudem würde es keiner wagen mir auf die Nerven zu gehen, niemand legt sich mit einer werdenden Mutter an – insbesondere dann nicht, wenn diese Mutter Uriel heißt und die Herrin des Initiums ist. Balthasar unterschätzt scheinbar meinen Einfluss bei den Engeln, für die ich schon fast eine Göttin bin. Wenn ich sage „spring“, dann wird höchstens noch gefragt „wie hoch denn?“. Klar, gibt es auch jene, die mich dann hinterfragen, aber auch die würden im ersten Moment springen. Nun ja, ich für meinen Teil, werde mir erstmal einen Tee holen, es mir gemütlich machen und dann später zu Bett gehen. Ich bin gespannt, was für Ereignisse sich in der nächsten Zeit sich noch ergeben werden. Hoffentlich welche, die Dämonen und Engel zusammenbringen werden.



















































Kommentare