48 Balthasars Bericht

Verstehe einer die Frauen…
Heute war Uriel hier in meinem Büro und fragte, ob ich mich freimachen könne – ich verpasste dem Rekruten, der Fisch in einer kleinen Tunnelung über meinem Büro (die, die traditionell zum Belauschen meiner Gespräche dient) verstecken wollte, noch den Notwendigen Abriss (ich war gnädig, schließlich hatte ich Besuch, der sich nicht aufregen darf). Danach ließ ich meine Unterlagen liegen, stand auf und geleitete Uriel, die gern nach Chrystalbell wollte, in den Raum nach Überallhin und erklärte ihr (nachdem ich sie zusehen ließ, wie ich den geheimen Öffnungsmechanismus betätigte), dass dies eine Option für Rekruten sei, jederzeit überall hin zu können, jedoch ohne Rückkehrmöglichkeit (Sollen die Racker doch kreativ werden – es ist das eine, schnell irgendwo sein zu können, aber für die Rückkehr hat man meist Zeit).
Doch die Hexenmeisterin, die den Raum kontrolliert, hat mir eine Falle gestellt: Wie sie mir später erst erklärte, sollte mich das Portal bei meiner ersten Reise nach Chrystalbell in die Damenumkleide des dortigen Badehauses bringen. Anscheinend hat auch sie ein Auge auf das elektronische Spielegerät geworfen, um welches die Rekruten derzeit in einem Wettkampf streiten, bei dem es darum geht, wer mir den besten Streich spielen kann (wie ich auch schon zu Uriel sagte: Ich habe keine Ahnung von dem Wettkampf oder dem Preis).
Wie dem auch sei, schon kurz darauf waren wir im Statuenpark von Chrystalbell, den Uriel mir gern zeigen wollte. Warum wir dort waren, weiß ich nicht genau, doch wir unterhielten uns über die diversen Statuen (den “Äonenphönix der Mysterien”, den einer meiner Baumeister erschaffen hat und den wir einmal mitten in der Nacht dort aufstellten, ignorierte sie), bis sie mir plötzlich vorwarf, ich würde nur meine Pflicht kennen und würde auch nur aus der Pflicht heraus Zeit mit ihr verbringen – anscheinend gehe ich nur aus Pflicht in Konzerte und Theater? Keine Sorge, meine Liebe…
Nun, wir unterhielten uns auch über die Welten und wie langweilig für uns alles sei – es gäbe ja nichts mehr, was uns nicht gelänge. Ich erwähnte unser jährliches Manöver in der “Würfelwelt” (MS-4-385-2), um uns Demut zu lehren, während sie das Initium bisher kaum verlassen hatte. Sie versteht anscheinend auch nicht das Prinzip des Nervenkitzels.
Aber das kann man ihr ja beibringen – also nahm ich sie mit nach Terra/ Gaia-R1 (Standart-Realität), um für sie einen Bleistift, ein Notizbuch und ein paar Würfel zu besorgen – und mitten in der Kölner Innenstadt wundert sie sich, dass man uns erkennen könnte? In Köln?! sehr witzig! Aber da zeigt sich, dass man eben nicht nur zu Hause sitzen sollte, sondern auch mal an die frische Luft muss. Sei es drum. Auf jeden Fall nahm ich sie mit zu der wöchentlichen Spiele-Runde mit meinen Rekruten – und ich denke, sie hatte Spaß und ihre Augen haben beim Würfeln geleuchtet. Ich denke, sie weiß nun wieder, was das Abenteuer bedeutet… Und vielleicht, nur vielleicht, hat sie auch erkannt, dass zwar die Pflicht bei mir an erster Stelle steht – aber dahinter ist in meinem Leben noch Raum für vieles. Und vielleicht hat sie auch Recht, dass ich mangels Alternativen zu viel arbeite…




















































Kommentare