Kapitel 21
Der Moment war vorbei. Und der Nachhall des eben erlebten durchflutete immer noch seine Venen.
Dann kam ein mentaler Stoß der Kael aus seiner Euphorieriss.
Ein mentaler Stoß schlug gegen sein Bewusstsein.
Alpha.
Kaels Körper spannte sich sofort an. Der Wolf reagierte aufmerksam und klar Alarmiert. Die Verbindung zum ihm wurde sofort hergestellt.
Du musst kommen, kam Ashers Stimme durch den Mindlink. Jetzt sofort.
Ich warte in deinem Wohnbereich.
Kael schloss für einen Herzschlag die Augen. Die Welt zog sich auseinander, Pflicht und Nähe kollidierten schmerzhaft. Warum ausgerechnet jetzt. Warum musste der Moment mit Livia jetzt aufhören.
Was ist passiert?, fragte er zurück.
Eine kurze Pause. Kael vermutete nach dieser Stille nichts gutes. Die Stille zog sich dahin so dass er selbst auch langsam unruhig wurde.
Wir sind uns nicht sicher.
Kael zog sich beherrscht zurück, sammelte sich, zwang den Wolf zur Ruhe. Als er Livia ansah, musste wohl bedauern seinen Blick trüben, denn seine Trauer spiegelte sich in ihren Augen wieder.
„Es tut mir leid“, sagte er leise. „Ich muss weg.“
Sie brauchte einen Moment, um sich zu orientieren, nickte dann langsam. „Ist etwas passiert?“
„Vielleicht“, antwortete Kael ehrlich. „Ich komme so schnell wie möglich zurück.“
Er strich ihr kurz über die Wange, eine ruhige, vertraute Geste. „Ruh dich aus. Fühl dich hier wie zu Hause.“
Sie lächelte schwach. „Pass auf dich auf.“
Asher wartete bereits im Wohnzimmer, die Arme verschränkt, der Blick angespannt. Als Kael eintrat, hob er den Kopf.
„Endlich“, sagte er trocken. „Ich habe versucht, dich zu erreichen.“
„Du hast mich erreicht“, entgegnete Kael trotzig.
Asher zog eine Augenbraue hoch. „Nicht sofort.“
Ein kurzer Blick ging Richtung Schlafzimmer, wobei er leicht in der Luft schnüffelte. Asher hatte die Frechheit zu grinsen.
Kael ignorierte ihn.
„Was ist passiert?“, fragte er knapp.
Bevor sie sich auf dem Weg machten, betrat Liv den Wohnbereich. Eingehüllt in seiner Kleidung. Das gefiel ihm. So roch sie nach Ihm und jeder andere Gestaltwandler würde wissen das sie vergeben war. Und die Menschen? Nun, dafür brauchte es eine andere Art um sie als sein zu markieren. Die Art die einen Ring beinhaltete. Ein verträumten grinsen Stahl sich auf sein Gesicht. Schnell orientierte er sich wieder auf Asher.
Sie verabschiedeten sich noch kurz, bevor sie sich auf den Weg machten.
Die Fahrt zum Rudelhaus verlief schweigend. Kael spürte den Wolf unter der Oberfläche. Er war unruhig und hatte das Gefühl das erwas auf sie zukam. Etwas stimmte nicht – aber es ließ sich nicht greifen.
Als sie ankamen, traf es ihn sofort.
Diesmal war da ein fremder Geruch. Mit Absicht hinterlassen und dennoch hatte er nichts gemerkt.
Und nicht nur der Geruch war diesmal präsent.
Die Botschaft, prankte an den Außenwänden des Rudelhauses.
Groß mit dicker roter Farbe geschmiert. Rote Farbe, die im Schein der Lampen dunkel wirkte.
SIE GEHÖRT MIR
Kael blieb stehen.
Der Wolf knurrte tief, unsicher, irritiert. Besitzansprüche waren nichts Ungewöhnliches bei den Gestaltwandlern. Aber die Frage blieb wer gemeint war. Es gab keinen Hinweis. Die Nachricht war absichtlich vage gehalten. Der Geruch hing dennoch verwildert in der Luft. Aber nur um das Rudelhaus herum. Als er den morgendlichen Wald absuchte, fand er keinen weiteren Geruch. Die Hexe musste dafür verantwortlich sein.
„Hat es jemand gesehen?“, fragte Kael ruhig.
Die Antworten waren vorsichtig. Patrouillen hatten ihre Runden gemacht. Niemand hatte etwas bemerkt, gesehen oder gespürt. Keine Hexerei, die gespürt wurde.
„Das könnte vieles bedeuten“, sagte Asher leise. „Ein Wilder. Oder jemand, der will, dass wir das glauben.“
Kael nickte langsam. Sein Blick blieb auf den Worten hängen.
Sie.
Nicht mein Gebiet.
Nicht mein Rudel.
Aber was dann.
„Und es ist nicht klar, wer gemeint ist“, fuhr Asher fort. „Das macht es gefährlicher.“ Das hatte er sich ebenfalls schon gedacht.
Kael sagte nichts weiter. Asher hatte es ohnehin auf den Punkt gebracht.
Die Rudelsitzung, die er kurz danach einberief, begann mit lauten Stimmeb und leisen Geflüster von niederrangigen Omegas. Vermutungen wurden geäußert. Einige sprachen von dem abtrünnigen Wolf, auf was er es abgesehen hatte und wie unberechenbar er eingeschätzt wurde. Andere wiederum von der Magie, von Verschleierung, die diese Hexe wirkte.
„Wenn es der Abtrünnige ist, testet er unsere Grenzen“, sagte jemand.
„Wenn er mit einer Hexe zusammenarbeitet“, entgegnete ein anderer, „ist keiner mehr Sicher.“
Kael hörte zu. Sagte lange nichts.
„Was sicher ist“, sagte er schließlich ruhig, „ist, dass jemand versucht, Unruhe zu säen. Und dass diese Nachricht absichtlich offen gehalten wurde.“
Ein Murmeln ging durch den Raum.
„Niemand handelt allein“, fuhr Kael fort. „Wer auch immer das war, er hat größeres im Sinn.“
Er ließ den Blick über das Rudel schweifen. „Bis wir wissen, wer dahintersteckt, behandeln wir alle Möglichkeiten als Real.“
Die Sitzung endete mit klaren Anweisungen.
Aber er konnte in den einzelnen Gesichtern Unsicherheiten erkennen. Sie fürchteten sich vor die Zukunft.
Hexerei führte bei den meisten Wölfen Unbehagen aus. Ihr Instinkt riet sie permanent auf der Hut zu sein, da Hexerei unbeständig war. Man wusste nie woran man war.
Als sich der Raum leerte, bedeutete Kael Mira, ihm zu folgen. Sie zog eine Augenbraue hoch, tat es aber wortlos.
„Was gibt’s, großer Bruder?“, fragte sie trocken.
„Ich brauche deine Hilfe“, sagte Kael ruhig. „Nicht fürs Rudel. Eher Privat.“
Das machte sie sofort aufmerksam. „Dann für wen?“
„Für Livia.“
Eine kurze Pause. Dann: „Ich höre.“
Kael lehnte sich leicht gegen die Fensterfront, sah hinaus in den von Bäumen und Sträuchern übersätenWald. „Sie hat mir von einer Freundin erzählt. Von Früher. Ihr Name ist Belle.“
„Ihre Beste Freundin?“
„Ja, genau“
Miras Ton wurde weicher. „Haben sie sich aus dem Augen verloren?“
„Nicht aus eigenem Antrieb, ungewollt. Ich kann nicht genauer darüber reden.“, informierte Kael. „Ich möchte, dass du sie findest. Wenn es möglich ist.“
„Soll ich diskret vorgehen?“
„Sehr“, sagte Kael. „Ich weis das du die beste dafür bist. Ich will Livia die Möglichkeit geben, etwas zurückzubekommen, das ihr gefehlt hat. Das sie vermisst.“ Das hatte Kael bei ihrer Erzählung gemerkt.
Mira schwieg einen Moment. „Das ist… ungewöhnlich für dich.“
„Ich weiß.“
„Und was, wenn Belle damit abgeschlossen hat?“
Kael zögerte nicht. „Dann akzeptieren wir das.“
Mira atmete hörbar aus. „In Ordnung. Ich sehe, was ich herausfinden kann.“
„Danke“, sagte Kael.






























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