Kapitel 39 – Epilog

Epilog

Astaroth war kein Atem, kein Fleisch, kein Klingen von Knochen. Er war Wille. Splitter. Erinnerung an ein ganzes Wesen, das einmal alles gehört hatte und dem nun alles fehlte.
Im Moment seines Zerfallens hatte er nicht gelitten — Schmerz war ein menschliches Konzept, Verlust nicht. Er hatte nur registriert: Körper zerstört. Wirt unbrauchbar. Rückzug.
Er löste sich in Luftfäden, glitt in kalten Boden, in Schatten zwischen Rinden und in Stellen, an denen der Mond nicht hinfiel. Eine Spur von dem, was einmal ein Dämonenfürst gewesen war, und nun nur ein Gedanke ohne Zunge.
Er brauchte einen Körper. Aber wichtiger: Er brauchte einen Willen.
Schwache zerbrachen, bevor er sie betrat. Schwache waren Müll.
Er suchte Stärke — nicht die Art, die Muskeln wog, sondern die Art, die brannte und andere verbrannte. Die Art, die aus Trotz bestand. Die Art, die nie kniete.
Die Welt zog an ihm vorbei wie Rauch. Er jagte keinen Duft, kein Geräusch — er jagte Emotion. In der Ferne war Angst, in Wäldern war Wut, in Städten war Chaos. Alles brauchbar, nichts ausreichend.
Bis er es roch.
Nicht mit einer Nase. Mit dem Teil in ihm, das früher Befehle brüllte und Heere marschieren ließ.
Hass.
Nicht roher Hass, nicht plump. Spitzer, kalter Hass. Hass, der nicht weinte, sondern wartete. Hass, der Namen kannte.
Er folgte ihm aus dem Wald heraus, über kalten Asphalt, an Menschen vorbei, durch Türen, bis er ihn fand.
In einem Apartment in der Stadt saß eine Frau vor einem Spiegel. Innen glänzend wie Stahl, außen makellos aufgetragen. Sie hielt ein Glas Wein in der Hand, und spielte nicht elegant — sie hielt es wie eine Waffe.
Er kannte solche Menschen. In früheren Zeitaltern waren sie seine Priester gewesen.
Ihr Blut war ruhig, aber ihr Geist schrie.
„Belle Carter,“ flüsterte sie vor sich hin, fast liebevoll tödlich. „Kleine Niemand-Anwältin. Kleiner Bauernzug. Und Cade…“
Cade und Belle.
Die Namen erzeugten Regungen in ihr, die heiß und giftig waren. Das war kein Liebeskummer. Das war ein Anspruch, der verweigert worden war — und Anspruch war die reinste Form von Hass.
Astaroth sammelte sich, nahm Form an wie ein Schatten, der nachdenklicher wurde. Er brauchte keinen Rituale, keine Einladung, keine Kerze. Man musste ihn nur wollen.




Und sie wollte.
Nicht ihn.
Aber Macht. Vergeltung. Beachtung.
Und Macht war genug.
Er trat hinter sie. Kein Schritt, kein Rascheln — einfach Präsenz. Seraphinas Körper spannte sich, die Luft wurde schwerer.
„Wer ist da?“ fragte sie, ohne sich umzudrehen. Ihre Stimme war keine Angst. Nur Anspannung. Kontrolle.
Gut.
Er legte sich wie ein Schleier um ihre Gedanken. Zeigte ihr kein Gesicht — er hatte keins. Zeigte ihr nur Wärme, wie eine Hand an ihrem Hals.
Ich habe dich auserkoren.
Sie fror ein, dann flackerte etwas Dunkles auf — ein Lächeln. „Und wer hört meinen Namen ohne Erlaubnis?“
Jemand, der dir geben kann, was du willst.
Sie lachte trocken. „Und was glaubst du, will ich?“
Cade, Belle. Oder deren Fall. Oder Schmerz für beide. Oder das Ende. Hass hat viele Formen. Ich wähle keine. Ich benutze sie nur.
Seraphina stellte das Glas ab. Langsam. Präzise. Kein Zittern.
„Warum gerade ich?“
Weil du brennst. Weil du denkst, dass du mehr verdienst, als du bekommen hast. Weil du nicht verzeihst.
Sie schloss kurz die Augen. Das war keine Erschütterung — das war Anerkennung.
„Und was willst du?“
Einen Körper. Eine Stimme. Hände. Möglichkeiten.
Endlich drehte sie sich um. Ihre Pupillen waren groß, der Atem flach, aber ihr Kinn erhoben. „Ich weiß, was du bist.“
Oh?
Die Frau lächelte kalt. „Ich habe mich mit Dämonen beschäftigt, bevor ich wusste, dass sie existieren. Macht ist selten sauber.“
Astaroth legte sich dichter an ihre Gedanken, streifte ihren Geist wie kalte Tinte. Sie zuckte nicht zurück. Sie öffnete Türen, die andere verriegelt hätten. Seraphina, bekam er ihren Namen aus ihren Gedanken.
Du verstehst die Bedingung.
„Dass ich meine Seele verliere?“ Sie schnaubte. „Ich habe seit Jahren keine, die mir noch etwas bedeutet.“
Astaroth pausierte. Das war ein Satz, den er kannte. Menschen sagten ihn, bevor sie Altar wurden.
Dann gib mir Raum. Ich werde dich nicht töten. Du wirst leben. Beobachten. Lenken.
„Und diese beiden?“
Sie werden fallen. Oder leiden. Oder beten. Du darfst wählen.
Etwas in Seraphina entspannte sich. Kein Frieden — ein Entschluss.
„Gut. Ich will das ganze Rudel von Cade vernichten. Und seine Firma gehört ebenfalls mir.“




Sie setzte sich auf den Bettrand, legte den Kopf leicht zurück und sagte: „Wenn du zustimmst, werde ich mich nicht wehren. Komm.“
Er stürzte nicht. Er kroch. Er formte sich. Krallte sich unter ihre Haut, in ihre Adern, in ihre Sinne. Seraphina zuckte einmal, scharf, wie jemand, der Eiswasser trinkt.
Dann öffnete sie die Augen.
Und die Augen waren nicht mehr rein hellblau.
In ihren Pupillen glänzte Schwarz wie Tinte, die sich weigerte, zu verlaufen.
Sie lächelte in den Spiegel. Astaroth in ihr lächelte mit.
Ein guter Wirt. Stark. Stolz. Ungebrochen.
Damit kann man arbeiten.
Und irgendwo tief im Dunkeln dachte Astaroth nur eines:
Belle Carter entkommt mir nicht. Dieses ganze Rudel wird ausgelöscht, sie entkommen nicht, auch nicht ihre Verbündeten. Und dann war da noch die Tochter Astartes … Astaroth lächelte grimmig. Er würde sie alle vernichten.
Jeder der sich ihm in den Weg stellte würde sterben.

Ende Buch 3

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