Der Anfang eines roten Fadens

27.02.2026


Sanft fügt sich eins zum anderen.

Zart wird ein Bild sichtbar.

Wie ein Kreis, der sich langsam schließt.

 

Ich fühle. 

Es fühlt sich richtig an.

Es ist die richtige Zeit.

 

In meinem Kopf springen gerade unzählige Gedanken und Ideen durcheinander.

Ich weiß im Moment noch nicht, ob das die richtigen Zeilen für den Beginn meines neuen Buches sind.

 

„Im Wald findest Du die Antwort.“

„Ja, Kind, warum weinst Du?“

„Du bist ein gutes Medium.“

 

Sätze. 

Ausgesprochene, kurze Sätze. 

Das sind Sätze, die mich – manche seit fast 30 Jahren – begleiten.

 

„Du bist ein gutes Medium“ ist dabei der älteste Satz in meinem Leben.

Ich war 20 Jahre alt, als er zu mir gesagt wurde.

Der damalige Lebensgefährte einer sehr spirituellen Frau sprach ihn aus.

 

Und ich?

Ich lächelte gezwungen, bedankte mich höflich – und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte.

 

Die Medien. 

Das Medium.

Ein Medium war für mich ein Radiosender.

Ein Fernsehapparat.

Oder vielleicht noch meine eigene Sprache – in Wort, Schrift oder Bild.

Also ein Mittel, um andere Menschen zu berühren.

 

Aber ich selbst?

Alles, was ich zu dieser Zeit über mich wusste und spürte –  

was mir gespiegelt wurde – 

war mein eigenes Sein, das auf andere Menschen beruhigend, wohltuend und kraftgebend wirkte.

 

Ich denke hier an diese außergewöhnliche Frau.

Sie verbrachte über Jahre hinweg freiwillig und mit großer Freude jeden Morgen eine volle Stunde mit den Hunden und mir.

Und das, obwohl sie für eine Stunde ihrer Zeit normalerweise mehrere hundert Euro von ihren Klienten nahm – Menschen, die aus ganz Deutschland und teilweise von weit her zu ihr reisten, um ihre Aura und ihre besonderen Fähigkeiten zu spüren.

 

Für mich war sie einfach da.

 

Oft sagte sie, ich würde sie erden – bei mir könne sie einfach nur sein.

 

Auch das verstand ich damals nicht.

Aber ich spürte: 

Ich tat ihr gut.

 

„Du bist ein gutes Medium.“

 

Dieser eine Satz brannte sich tief in meine Gedanken ein.

Ganz leise – und doch so eindringlich, so nährend und still, dass ich immer wieder zu ihm zurückkehrte, ohne ihn je ganz zu verstehen.



 

Eine kleine, längst vergessene Erinnerung flammt in mir auf.

Sie liegt noch ein paar Jahre weiter zurück.

 

„Das machst Du gut. Du gibst Deinem Großvater Vertrauen. Bleib bei ihm.“

Ich streichelte sanft die Hand meines Großvaters.

Wir sahen uns in die Augen.

Leise flüsterte ich:

„Langsam einatmen … und langsam wieder ausatmen.

Genau.

Langsam einatmen … und langsam wieder ausatmen.

Ich bin da.

Alles ist gut.“

 

Mein Großvater hatte in dieser Nacht einen Schlaganfall erlitten.

Meine Großmutter sprach mit dem Notarzt.

Ich saß bei meinem Großvater.

Ich wusste nicht, was ich hier tat.

Aber es fühlte sich richtig an.

Es fühlte sich vertraut an. 

Ich hatte keine Angst.

 

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, 

erwarten wir getrost, was kommen mag.“

 

Auch jetzt – 

viele Jahre nach diesen Momenten – 

weiß ich oft nicht, was ich tue.

 

Oft fehlen mir die passenden Antworten.

Erklären kann ich vieles nicht.

 

Es könnte alles einfach nur Zufall sein.

Manchmal aber auch Schicksal.

 

Und oft weiß ich nicht:

Was ist Zufall, was  Schicksal?

 

Aber immer …

wirklich immer …

spüre ich.

 


 

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