Noshiko-Kapitel 17
Die nächsten Tage war Yuri irgendwie komisch. Er behielt mich noch mehr im Blick als sonst. Er folgte mir sogar ins Bad, wenn ich baden ging. Als hätte er Angst, dass ich in der Badewanne ertrank. „Wir werden trotzdem weiterhin Übungen machen“, sagte er entschieden. „Du musst deinen Körper wieder stärken, nachdem du dich selbst in diese Situation gebracht hast.“ Ich hörte an seiner Stimme, dass er wirklich nicht begeistert war. Fast schon wütend.
Generell wirkte er, als würde er dafür sorgen wollen, dass ich mir nicht noch mehr schadete.
Ein leises Seufzen verließ meine Kehle, bevor ich mich aus der Badewanne erhob. „Wir müssen reden“, sagte ich ernst. Vielleicht würde ich jetzt einen Fehler machen, doch ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte. Noch nie hatte sich jemand so große Sorgen oder so ein Aufhebens um mich gemacht. Nicht, nachdem meine Eltern tot waren.
Yuri hob eine Augenbraue. „Willst du mit mir Schluss machen?“, fragte er, was mich schief lächeln ließ.
„Nein, das ist es nicht, aber es geht um die Tabletten“, sagte ich ernst.
„Die bekommst du nicht wieder“, antwortete er entschieden, wobei er wirklich nicht klang, als würde er zurückweichen.
Ich nahm das Handtuch und hüllte mich darin ein, bevor ich Yuri deutete, dass er in das Schlafzimmer gehen sollte. Sein Bad war zwar sehr schön, aber hier konnte man nicht in Ruhe reden.
Erst, als wir beide in den Sesseln saßen, begann ich zu sprechen.
„Ich bekomme diese Tabletten, um meine Magie im Zaun zu halten“, erklärte ich, obwohl er das schon wusste. „Wenn sie ausbricht, bin ich eine Gefahr für meine Umgebung. Aber nicht nur für diese. Sollte die Magie so sehr außer Kontrolle geraten, dass ich … Großmutter nennt es ‚erwachen‘. Ich weiß nicht genau, was das heißt, aber Großmutter sagt, dass dieses Erwachen meinen Körper komplett zerstören würde, weil ich nicht für diese Art von Macht geboren bin“, erzählte ich, wobei ich Mühe hatte, die richtigen Worte zu finden. Es war so schwierig zu erklären. „Ich würde mich also umbringen.“
Yuri starrte mich lediglich an und schwieg, bevor er sich durch seine blonden Haare fuhr. „Das heißt, wenn du sie nicht nimmst, könnte es sein, dass ein Ausbruch dich tötet. Nimmst du sie, schadest du deinem Körper und tötest dich im Grunde auch“, stellte er fest.
So hatte ich das zwar noch nie gesehen, aber irgendwie hatte er Recht, weshalb ich nickte.
„Leider ist dem so“, flüsterte ich und bekam plötzlich Angst, dass er mich deshalb von sich schieben würde. Wer wollte schon jemanden in seiner Nähe, der sowieso bald sterben würde?
Yuri erhob sich, kam auf mich zu und zog mich an sich. „Was mache ich nur mit dir?“, fragte er und vergrub seinen Kopf an meiner Schulter. „Da finde ich schon jemanden, der mich länger interessiert und dann kommt das“, grummelte er, wobei er mich sehr fest an sich drückte.
Er war irgendwie schon sehr süß, wenn er so war. Allerdings tat er mir auch sehr leid.
„Es tut mir leid“, murmelte ich und spürte, wie mir plötzlich die Tränen kamen, obwohl ich es gar nicht wollte. Woher kam diese plötzliche Angst?
Ich drückte mich fester an ihn, weil ich schon wieder diese Stimme in meinem Kopf hörte. Weil ich mich auf mein klopfendes Herz und Yuris Geruch konzentrierte, hörte ich nicht genau, was sie sagte. Lediglich, dass ich mich der Kraft hingeben sollte, konnte ich verstehen.
Ich schmiegte mich an ihn und rieb meine Wange an seiner Brust. Im Grunde wusste ich nichts über ihn. Bisher war es mir egal gewesen, doch nicht mehr.
„Erzähl mir etwas über dich“, bat ich, weil ich das Gespräch in eine andere Richtung lenken wollte. Ich spürte jedoch sofort, wie er sich versteifte. Kein gutes Zeichen.
„Sicher, dass du das willst?“, fragte er zögernd. Er schien kein Interesse daran zu haben, über sich zu erzählen.
„Ich möchte mehr über dich erfahren“, stimmte ich zu und blickte sogar bittend zu ihm nach oben. Er sah an die Wand und reagierte nicht direkt.
„Mir wäre es lieber, wenn wir … nicht darüber sprechen“, murmelte er. Ein Zeichen für mich, dass es nicht einfach werden würde, mit ihm zu sprechen. Nicht über dieses Thema.
„Findest du es nicht gerecht, da du so viel über mich weißt?“, fragte ich und versuchte es so. Vielleicht brachte es etwas.
Yuri schnaubte leise. „Nein. Ich weiß im Grunde auch nichts über dich. Außer deine Krankheit.“
Irgendwie hatte er schon Recht. Ich verzog unwillig meinen Mund. „Und nun?“, fragte ich, da mir die Situation unangenehm war.
„Ungeduldiges, kleines Püppchen“, sagte er neckend. „Ich lasse mich trotzdem nicht davon abbringen, mit dir deinen Körper zu stärken. Schon allein, weil ich es mag, andere zu triezen“, gab er zu, was mich lachen ließ. Manchmal war er sehr direkt mit dem, was er wollte.
„Du magst es also, andere leiden zu sehen“, stellte ich fest. „Ist ja nicht so, als wüsste ich das nicht.“ Aufreizend blickte ich zu ihm nach oben. Er ahnte sicher, auf was ich hinauswollte.
„Kleines Luder“, flüsterte er, bevor er sich zu meinen Lippen beugte.
Ich lachte. Dass ich versuchte, ihn zu verführen, musste er mitbekommen. Ich ließ sogar meine Hände auffordernd über seinen Rücken wandern. Allerdings hatte ich kein Glück.
„Glaubst du wirklich, du würdest so um die Übungen herumkommen?“, wollte er wissen. Erwischt. Yuri war einfach zu gut.
„Vielleicht“, antwortete ich unschuldig. „Immerhin bin ich erst zusammengebrochen. Willst du mich gleich wieder zur Ärztin schleppen müssen?“, fragte ich, denn ich wusste nicht, ob es eine gute Idee war, gleich wieder irgendwas zu tun.
„Wenn es sein muss, ja“, sagte er unnachgiebig. Ich verzog meine Lippen und löste mich ein Stück von ihm, bevor ich ihm sogar mit der flachen Hand auf die Brust schlug.
„Du bist gemein“, jammerte ich wie ein kleines Mädchen. Einfach, weil ich wissen wollte, wie er darauf reagierte.
Ich erhielt lediglich ein erheitertes Lachen. „Das war ein Schlag wie von einem Kleinkind“, bemerkte er herablassend.
„Ich hatte auch nicht vor, dir weh zu tun“, murrte ich. Manchmal war er wirklich arrogant. Irgendwie mochte ich das aber auch an ihm.
Yuri griff nach meiner Hand und zog mich zu sich, bevor er mir tief in die Augen blickte. „Du wirst nicht darum herumkommen“, drohte er mit rauer Stimme. „Solange du diese Dinger nimmst, wird dein Körper abbauen, also müssen wir dagegen etwas tun, damit du dich zumindest wohler fühlst und nicht so leicht drauf gehst. Verstanden?“
Ich nickte lediglich. Es blieb mir im Grunde nichts anderes übrig. Mir war bewusst, dass er mich nicht einfach so gehen lassen würde.
„Aber was genau willst du tun?“, fragte ich zögerlich. Das Schwimmen war missglückt und wenn ich ehrlich war, hatte ich ein bisschen Angst, wieder unterzugehen.
„Wir werden einige Dinge ausprobieren“, sagte er entschieden. „Wir fangen langsam an“, fügte er hinzu, als würde er mich beruhigen wollen. „Sam kennt in der Stadt einen guten Kampfkunstlehrer. Vielleicht schauen wir dort vorbei.“
„Kampfkunst?“, fragte ich, weil ich noch nicht wusste, was ich davon halten sollte.
Yuri nickte. „Ja. Kampfkunst ist gut, um den Körper zu stärken“, behauptete er.
Ich gab ein nachdenkliches Geräusch von mir, bevor ich mich auf die Zehenspitzen stellte und ihn sanft küsste. „Ich möchte nur ungern zu Fremden“, gestand ich zögerlich.
„Dann musst du mit mir als Trainer vorliebnehmen“, antwortete er grimmig. Ich wusste, er würde ein strenger Lehrer sein, doch das war mir egal. Seltsamerweise vertraute ich ihm, auch wenn ich nicht wusste, wo das herkam.





















































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