Noshiko-Kapitel 9
Blinzelnd kam ich zu mir. Alles tat weh und mein Kopf pochte so stark, dass ich schon instinktiv nach meinen Medikamenten greifen wollte. Dabei stellte ich jedoch fest, dass es nicht ging. Meine Hände waren auf meinen Rücken gebunden und das Seil rieb unangenehm.
Überrascht darüber, versuchte ich, mich daran zu erinnern, was geschehen war.
Ich war mit Yuri in der Stadt und dann war da Kean gewesen.
Mein Kopf schmerzte heftig, was dafür sorgte, dass ich kaum etwas sehen konnte. Nur langsam klärte sich mein Blick. Ich war in einem dunklen Raum. Zumindest glaubte ich das. Es war schwer zu sagen.
Langsam versuchte ich mich zu bewegen, doch es ging nicht. Selbst meine Beine konnte ich kaum bewegen. Auch diese waren gefesselt.
Warum machte man sich so viel Mühe, um mich zu fesseln?
Ich rüttelte etwas an den Seilen und wollte sogar Magie nutzen, doch stattdessen bekam ich einen Stromstoß, der meinen Körper komplett lahmlegte. Es war viel stärker als das, was ich von Yuri kannte.
Irgendjemand wollte, dass ich mich nicht befreien konnte, egal was ich tat. Warum?
Wo war ich hier und was wollte Kean von mir?
Es war seltsam. So etwas war mir noch nie passiert. Wo war ich hier nur hineingeraten? Hatte es etwas damit zu tun, was Yuri in der Gasse getan hatte?
Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich noch einmal auf meine Magie, bevor ich sie in einen heftigen Stoß in die Seile leitete.
Obwohl es schmerzte, als der Blitz durch meinen Körper ging, spürte ich, dass er nicht mehr ganz so stark war.
Von dieser Art von Zauber hatte ich gehört. Das erste Mal war besonders stark und dann wurde es immer schwächer. Es ging also darum, wer länger durchhielt. Ich oder der Zauber.
Leider war der Zauber stärker. Keuchend rang ich nach Luft und hatte das Gefühl gleich zusammenzusacken. Vor meinem Blick wurde es erneut schwarz, doch nicht so sehr, dass ich ohnmächtig wurde.
Was sollte ich nur tun? Würde jemand nach mir suchen? Satoru würde vielleicht Großmutter Bescheid geben, wenn ich am Abend nicht anrief. Und Yuri? Machte er sich Sorgen um mich? Würde er mich hier finden?
Erschöpft lehnte ich meinen Kopf an die Wand, an der ich saß.
Ich konnte nicht sagen, wie viel Zeit verging, doch langsam beruhigte sich mein Körper wieder. Das Problem war nur, dass ich Hunger bekam. Zudem spürte ich das Flüstern in meinem Kopf, das mir riet, ich solle es weiter versuchen, es würde nicht mehr viel fehlen. Danach sollte ich nach Kean suchen und ihn töten, damit er Yuri nicht erpressen konnte.
Ich sträubte mich vehement.
Wahrscheinlich verletzte ich mich am Ende nur selbst. Ich wollte auch niemanden töten.
Die Zeit verging. Wahrscheinlich sogar Stunden, denn mein Mund war trocken und Durst machte sich in mir breit. Wollten mich meine Entführer verhungern lassen? Warum kam niemand, um nach mir zu sehen?
Ich nahm meine Kraft zusammen und begann, mich durch den Raum zu bewegen. Das ging jedoch nur robbend, weshalb ich nur langsam vorankam. Schließlich schaffte ich es, an den Wänden etwas zu entdecken, das wie eine Tür wirkte. Unten drunter kam Luft hervor.
Mit letzter Kraft warf ich mich gegen die Tür, was aber nur dafür sorgte, dass meine Schulter schmerzte.
Ich versuchte es ein paar Mal, bevor mein Körper nachgab und ich zusammensackte.
Mein Blick verschwamm, während ich um Atem rang. Ich begann gerade geistig abzudriften, als die Tür geöffnet wurde und ich umfiel, weil ich gegen dieser lag.
Mit verschwommenen Blick versuchte ich etwas zu erkennen, doch leider sah ich nur schemenhafte Umrisse. Wer war das, der sich über mich gebeugt hatte?
Man drückte mir ein nasses Tuch an die Lippen, sodass ich wenigstens etwas zum Trinken hatte, bevor man mich zurückschob. Ich hörte Männer sprechen. „Pass auf, dass sie uns nicht wegstirbt, sonst bekommen wir nicht, was wir wollen“, sagte eine tiefe Stimme.
„Ach, die schafft das schon. Sind wahrscheinlich die Drogen, die sie bekommen hat“, erwiderte eine andere, männliche Stimme, die mich an Kean erinnerte.
Von was für Drogen sprach er?
Hatte er mir etwa etwas gegeben oder ging er davon aus, dass Yuri mich gefügig gemacht hatte?
„Lass mich doch eine Runde mit ihr spielen“, bat eine weitere Stimme, die mir gar nicht gefiel. Wer war das und warum klang er so ekelhaft?
„Na gut, aber mach sie nicht kaputt“, lachte Kean, was mir einen Schauer über den Rücken jagte. Keinen angenehmen, wie es bei Yuri manchmal der Fall war.
Ich hörte, wie sich Schritte in meine Richtung bewegten und dann wurde ich an den Haaren gepackt und in den Raum geworfen. Die Tür ging zu, weshalb es dunkel wurde. So konnte ich leider nicht sehen, wer es war.
Mein Herz begann, heftig zu schlagen. „Bitte, ich brauche meine Medikamente“, flüsterte ich, weil sich Angst in mir breit machte, dass es schlimm enden könnte.
Der Mann lachte rau. „Klar, Medikamente“, sagte er herablassend, als würde er mir nicht glauben.
Ich spürte, wie er mich packte und dann meine Beine löste, bevor er mein Kleid zerriss.
Er griff mir an die Brust und drückte diese fest. „Was hast du denn da feines?“, fragte er und betrachtete die leicht schimmernden Ringe an meinen Brustwarzen.
Er beugte sich sogar nach vorn und biss hinein, was dafür sorgte, dass ein Schrei meine Kehle verließ. Es tat so weh und fühlte sich ekelhaft an.
„Lass deine Magie frei“, flüsterte die Stimme in meinem Kopf. „Lass mich dir helfen.“
Ich wehrte mich dagegen und auch gegen die Berührungen des Fremden. Ich wollte das nicht. Er sollte aufhören!
„Lass das“, keuchte ich, weil er mir weh tat und mich an Stellen berührte, die er nicht berühren sollte.
Er lachte lediglich, als wäre es ihm egal, bevor er seine Hand über meinen Bauch wandern ließ. „Bist du immer so zickig? Kein Wunder, dass Yuri dich unter Drogen setzen musste“, lachte er, bevor er eine Hand zu meiner Mitte wandern ließ. Als er mich dort berührte, gab ich der Stimme in meinem Kopf nach. Sie übernahm die Oberhand. Magie flutete mich, vernebelte meine Sinne und explodierte in einem ohrenbetäubenden Knall. Zumindest nahm ich das so wahr.
Ich fühlte mich schwerelos und geborgen, bis ich plötzlich das Gefühl hatte zu fallen. Ich stürzte zurück in meinen Körper, der unangenehm kribbelte.
Im Raum war es hell geworden und ich fragte mich wieso, bis mir auffiel, dass ich leuchtete. Meine Hände waren befreit, weshalb ich mir zuerst die schmerzenden Handgelenke rieb, bis ich mich genauer umsah. Was waren das für rote Flecke an den Wänden und was für weiße, kleine Stückchen? War das da ein Büschel Haare?
Schlagartig wurde mir schlecht, denn dieses Bild weckte Erinnerungen an die Szene bei meinen Eltern. Es war schon wieder passiert. Ich hatte die Kontrolle verloren und hatte getötet.
Panik packte mich. Ich wollte aufstehen und rennen, doch ich konnte nicht. Meine Beine trugen mich nicht, weshalb ich nach vorn fiel. Genau in das Blut, auf dem ich wohl auch ausgerutscht war.
Mein Atem ging schneller, während meine Sicht verschwamm und mir erneut schwarz vor Augen wurde.




































Kommentare