Kapitel 5
Fiona
Unbeeindruckt lade ich das Gewehr nach und ziele. Gefühllos schieße ich nochmal, dieses mal um die Waffe außer Reichweite zu befördern. Diese hatte er beim Treffer in der Schulter fallen lassen.
Der Geiselnehmer hält jammernd seine blutende Schulter. Der unverletzte Polizist von den Geiseln, reißt sich aus seiner Starre und sichert die Pistole.
Da die Lage wieder unter Kontrolle der Polizei ist, beginne ich das Gewehr wieder auseinander zu bauen. Alles andere geht mich nichts weiter an.
Ich schließe gerade den Koffer, als ich in eine Umarmung gezogen werde. Gefühle wie Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen und vor allem Sehnsucht überschwemmen mich. Mit einem Mal fühle ich mich, wie ein Kind. In der Umarmung drehe ich mich um und kralle mich in die Uniform meiner Mutter.
„Ich habe dich so vermisst!“ sprechen wir beide schluchzend. Ich vergrabe meine Nase am Hals meiner Mutter. Auch wenn ich kein Werwolf bin, habe ich einige Angewohnheiten übernommen. Es beruhigt mich auf einer viel tieferen Ebene, als alles andere.
Besonders als sich dann zwei weitere Arme um meine Mutter und mich schlingen. „Meine beiden wichtigsten Frauen.“ schnurrt Dad fast schon und presst uns an sich, so als würden wir jeden Moment verschwinden. Ich erlaube es mir, diesen Moment zu genießen.
„Sergeant?“ unterbricht Agent Sharp dann zögernd den Moment. Ich entziehe mich der Umarmung meiner Eltern. Meine Mutter will nach mir greifen, als würde sie mich noch nicht loslassen wollen. Doch dem entwinde ich mich.
Agent Sharp zugewandt nicke ich. „Vielen Dank für ihren Einsatz. Wir können sie nun jederzeit zurück fliegen.“ bedankt sich Agent Sharp. Meine Mutter macht einen erstickten Laut, was mich wieder zu ihr blicken lässt. Sie hält ihre Hand vorm Mund und schaut aus, als würde sie jeden Moment losweinen. Durch ihre Finger hindurch fragt sie „Du willst schon wieder weg? Du kamst doch gerade erst!“
„Ich kam nur wegen dem Einsatz. Ich kann nicht bleiben.“ spreche ich gepresst und versuche nicht ebenfalls zu weinen. Bei meiner Mutter rollt eine Träne ihre Wange hinab.
„Er ist nicht da. Er ist mit Joschi auf einen Auftrag durch die Rudel. Vor nächster Woche kommt er nicht wieder.“ erklärt Dad und versucht meine Mutter vergeblichst zu beruhigen.
Plötzlich bin ich hin und hergerissen, was ich tun soll. Auf der einen Seite habe ich meine Familie unglaublich vermisst. Andererseits mache ich mir aber auch große Sorgen wie das Rudel reagieren würde, wenn ich plötzlich wieder da wäre. Nicht zuletzt, ob einer nicht doch Joschi und ihm Bescheid geben würde.
Was würde passieren? Wäre ich bereit, ihm gegenüber zu stehen? Gehe ich das Risiko ein?
Zwiegespalten schaue ich zu meinen Eltern. Ich kann den Wolf in Dads Augen erkennen. Hilflos schaut er zu seiner Mate in seinen Armen hinab, ehe sein Blick sehnsüchtig zu mir wandert.
Die Wärme in seinem Blick habe ich vermisst. Ich habe meine ganze Familie vermisst!
Und plötzlich ist es ganz einfach mich zu entscheiden. Ich wende mich an Agent Sharp „Könnten Sie Jemanden organisieren, der mich in vier Tagen zurück bringt?“ Sanft lächenld nickt sie „Klar kein Problem. Sie haben uns heute sehr viel geholfen.“
Meine Mutter schluchzt auf, stößt meinen verdutzten Dad von sich und zieht mich wieder in ihre Arme „Mein Krümel. Du wirst es nicht bereuen. “ Dann küsst sie mich ab. Kichernd schiebe ich sie sanft von mir weg.
„Na kommt, bringen wir euch beide nach Hause, wo ihr euch ausruhen könnt.“ bestimmt Dad und führt uns dann beide hinaus zu seinem Wagen. Als Mom ebenfalls hinten zu mir einstiegt höre ich Dads Wolf leise protestieren. Doch Mom zischt ihn nur an „Sch, ich haben meinen Krümel seid Jahren nicht mehr gesehen. Stell dich hinten an.“
Schmunzelnd beobachte ich meinen Dad, wie er schmollend losfährt. „Wie ist es dir ergangen Schatz? In welcher Truppe bist du? Ich sehe gar keine Zeichen an deiner Uniform. Auf was für Einsätze gehst du? Hast du jemanden kennengelernt?“ überhäuft mich meine Mom. „Mir geht es gut. Mit meinem Team verstehe ich mich sehr gut. Mehr darf ich nicht erzählen.“
Das Lächeln meiner Mutter gefriert für einen Moment. Sie weiß, wenn ich nicht einmal sagen darf, in welcher Einheit ich bin, dass ich auf die gefährlicheren Einsätze geschickt werde.
„Du darfst es nicht sagen.“ murmelt sie vor sich hin. Plötzlich greift sie nach meiner Hand „Schwör mir, dass du auf dich aufpasst und nichts unnötig riskantes machst!“
Sanft lächle ich sie an „Mom, ich wurde dafür ausgebildet. Ich kenne meine Fähigkeiten und die Fähigkeiten meines Teams. Aber wenn es dich beruhigt: Ich schwöre es dir.“ Etwas beruhigter nickt meine Mutter.
„Und wie ist dein Leben außerhalb des Militärs?“ fragt sie gespannt nach. Mit schiefem Lächeln sage ich „Ehrlich gesagt habe ich kein Leben außerhalb vom Militär.“ Verwirrt schaut mich meine Mutter an.
„Das meinst du nicht im Ernst?“ fragt meine Mutter nach. „Du lebst doch dein Leben oder? Du hast Spaß und hast eine eigene Familie?“ Ich schaue auf meine Hände im Schoß. „Fiona?“ fragt sie bittend nach. „Mein Team ist meine Familie. Wenn wir Urlaub bekommen, bleibe ich meistens auf der Basis oder nehme Sonderaufträge an.“ gestehe ich kleinlaut.
Mein Mutter schaut mich tadelnd und etwas enttäuscht an. „Ich half dir damals, damit du leben konntest und nicht überlebst. Da gibt es einen Unterschied und den habe ich dir beigebracht.“
Ich schaue aus dem Fenster und sage „Es hat sich einfach nicht ergeben gehabt.“ Meine Mutter holt schon Luft, um etwas zu erwidern, doch wird sie von Dad unterbrochen „Schatz, nutze lieber die wenige Zeit, die du mit Fiona hast, als ihr Vorwürfe zu machen.“ „Und wer konnte sich damals nicht genug durchsetzen, sodass wir dazu gezwungen waren, Fiona in einer Nacht und Nebelaktion aus dem Rudel zu bringen?“ schießt Mom sofort zurück.
Dad macht sich etwas kleiner, bevor sein Stolz zurück kommt „Hätte ich geahnt wie es wirklich zuging unter den Jungwölfen hätte ich schon früher die heutigen Regeln eingeführt. Fiona ist auch meine Tochter! Ich würde alles für sie tun, um sie zu beschützen. Du hast dich für den heimlichen Weg entschieden.“ Erbost schnauft meine Mutter auf „Den heimlichen Weg? Zu dem Zeitpunkt war das unser einziger Weg. Du weißt doch selbst, was die Ältesten und die Jungwölfe zugaben, nachdem du bemerkt hattest, dass Fiona weg war.“
Erstaunt, darüber dass meine Eltern sich so streiten können, unterbreche ich sie „Ich hatte nie die Absicht Streit zwischen euch beiden auszulösen.“ gebe ich kleinlaut zu. Meine Mutter wendet sich sofort mir zu. „Aber nein Krümel, gib dir nicht die Schuld daran. Wenn dieser Dickschädel von Wolf es nicht lernt, muss er mit den Konsequenzen rechnen. Und wenn ich nochmal in der Wache schlafen muss. Ich werde nie wieder zulassen, dass so mit einem Mitglied des Rudels umgegangen wird, egal ob Mensch oder Wolf!“
Überrascht frage ich nach „Du hast in der Wache geschlafen?“ „Ja. Und ich würde es wieder tun. Scheinbar lernt nicht nur mein werter Mate so, sondern das gesamte Rudel. Es ist schon erstaunlich, wie sehr eine Luna im Rudel gebraucht wird. Es hat keine zwei Tage gedauert und die Ersten sind bei der Wache aufgetaucht, um sicherzugehen, dass ich noch da bin und sie nicht verstoßen habe. Und glaube mir, da war ich kurz davor, als sich uns das gesamte Bild eröffnete. Krümel du musst so gelitten haben. Warum hast du es so tapfer ertragen?“























































Ich finde es schön wie du ihr Wiedersehen beschrieben hast, so realistisch. Nicht gleich Friede Freude Eierkuchen sondern neben der Erleichterung und Liebe eine gewisse Anspannung und Unbehaglichkeit. Deine Werke faszinieren mich jedes Mal aufs Neue <3
Danke, mir fällt auch gerade auf, dass ich das gar nicht bewusst so geschrieben habe 😅