Kapitel 13 – Planen einer intensiven Zusammenkunft

Kapitel 13 – Planen einer intensiven Zusammenkunft

 

Aurelie

Gilead und ich saßen beieinander und tauschten uns über Sharifas Zukunftspläne aus. Jetzt, wo Cyrus mir erlaubt hatte, zu tun, was ich wollte, störte es ihn sicher nicht, wenn ich mit meinem Liebsten ein paar Stunden in Zweisamkeit verbrachte. Schön wäre es nur, wäre es die zutrauliche Art von Zweisamkeit und nicht die, in der wir uns über mögliche politische Verbindungen seiner Schwester unterhielten.

Seufzend fuhr ich mir durchs Gesicht. Gilead und ich hatten es uns in der Bibliothek bequem gemacht. Dort saßen wir nebeneinander, dicht an dicht über ein Pergament mit unzähligen Namen gebeugt, die wir aufgeschrieben, ausgeschlossen, durchgestrichen oder noch in Auswahl hatten. Natürlich könnte man die Hochzeitsplanung auch erst dann machen, wenn Sharifa ihre Reife durchlebt hatte. Aber so hielt man es für gewöhnlich nicht, da viele der männlichen Vampire von ihrer Gemahlin Jungfräulichkeit erwarteten. Und da Vampire nach Abschluss ihrer Reife sehr schnell sexuell aktiv wurden, vermählte man die Kinder oft schon um die fünfzig. Wenn ich jetzt so darüber nachdachte, war meine Verbindung mit Ashur wohl bereits seit meiner Geburt vorbestimmt gewesen.

„Genug für heute?“, wollte mein Liebster fürsorglich wissen, woraufhin ich erleichtert nickte.

„Ja, wahrlich, das reicht.“ Immerhin hatten wir die möglichen Kandidaten schon einmal stark eingeschränkt. Aber schlussendlich würde es als neues Familienoberhaupt Gilead zufallen, den Mann zu wählen, den er für seine Schwester wollte. Wenngleich dieses Recht mittlerweile eigentlich mir zustand. Entsprechend würde ich die Korrespondenz führen müssen.

Seit dem letzten Streitgespräch zwischen Cyrus und mir waren weitere zwei Wochen vergangen. Wochen, in denen ich mich meinem Gemahl gegenüber sehr distanziert verhalten hatte. Meine Lust hatte ich unterdrückt, und wenn, dann nur mit Lyssas Hilfe gezähmt bekommen.

Lyssa bereitete mir Sorgen. Seit dem Gespräch mit Cyrus verhielt sie sich merkwürdig, doch sie wollte mir nicht sagen, was los war. Manchmal wirkte sie glücklich und dann, ganz abrupt, schlug ihre Stimmung zu einer depressiven um.

„Liebste, du summst“, bemerkte Gilead mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen, die mich direkt dazu einluden, meine auf sie drauf zu legen. Vorerst blieb es aber bei der Einladung.



„Gilead? Ich habe mit meinem Gemahl gesprochen.“

„Ist das der Grund, warum du so gut gelaunt bist?“ Er legte vorsichtig einen Arm um mich. „Worüber habt ihr gesprochen?“

Ich lächelte sanft. „Nein, der Grund für meine gute Laune ist deine Anwesenheit, Liebster.“ Vertrauensvoll schmiegte ich mich in seine halbe Umarmung. „Wir haben über meine Worte und Taten … da hinten gesprochen.“ Ich deutete auf die Ecke der Bibliothek, in der wir uns vor Wochen zusammengesetzt hatten. Gequält lächelnd fuhr ich fort: „Ich bin aufgewacht und konnte mich an nichts erinnern, also musste ich auf sein Wort vertrauen. Aber ich bezweifle, dass er dergleichen erfunden hätte.“ Ungeduldig biss ich mir auf die Lippe. „Nun, und jetzt ist es so … er war nicht einmal im Ansatz wütend darüber.“

„Ärgert es dich? Wünschst du dir, er hätte anders reagiert?“ Seine große Hand streichelte über meinen Rücken und massierte mich dabei sanft.

Überrascht sah ich auf. „Nein, wieso? Er meinte, wenn ich mit dir schlafen wollte, stehe dem nichts im Weg. Aber er will dabei sein.“ Bei meinen letzten Worten verzog ich mein Gesicht. Wir hatten uns nach dem letzten Streit nicht versöhnt. Und dennoch konnte ich nicht verhindern, dass mir beim Gedanken daran, mit den beiden Männern ein Bett zu teilen, ganz heiß wurde und ich meine Oberschenkel zusammendrücken musste.

„Dabei sein, im Sinne von zusehen? Oder will er sich beteiligen?“ Gilead strich über meinen unteren Rücken und glitt dann mit seinen Fingern an meine Seite, um dort mit zwei Fingern an meiner Taille auf- und abzugleiten.

„Ich …“ Wem gefiel denn zusehen? „Ich denke, mitmachen …?“ Ich schluckte. „Ist das … findest du das … also würdest du … wollen?“

„Nur, wenn du es willst, Liebste. Ich kann ihn ausbremsen. Dafür sorgen, dass er dir nicht weh tut.“ Ganz leicht beugte er sich zu mir; seine Nase landete an meiner Wange. Dadurch spürte ich seinen heißen Atem an meinem Hals. „Was gefällt dir denn besonders? Und was absolut gar nicht?“

Scharf atmete ich ein. „Ich will! Und … und die letzten Male war er auch ganz vorsichtig. Also, es war nicht oft, sondern nur … ich glaube zweimal. Er macht mich wahnsinnig …“

Sanft küsste er mich seitlich am Kiefer, während seine Hände mich umfassten. „Du musst dich nicht rechtfertigen, Liebste.“ Stimmt, das hatte ich getan. Aber es war auch fraglich, ob ich noch bei Verstand war, wenn ich mich freiwillig meinem Vergewaltiger hingab. „Was gefällt dir denn? Was fühlt sich für dich gut an?“



Ich überlegte kurz. Oder auch lang. Mein Mund war halb geöffnet, bereit, Worte zu formen. „Ich … mag es nicht, wenn er versucht, mich von hinten zu nehmen. Ich bin kein Tier …“

„Du sagst, er macht dich wahnsinnig. Im guten oder negativen Sinne?“ Seine Zunge leckte über meinen Hals. „Mir gefällt alles, solange meine Partnerin dabei auf ihre Kosten kommt.“ Langsam glitt seine Hand höher, bis unter meine Brüste. Seine Finger fuhren die Rundungen meines Busens entlang. „Am meisten mag ich es, wenn sie weiß, was sie will und beim Akt die Kontrolle übernimmt, anstatt nur mich die ganze Arbeit machen zu lassen.“ Seine Fangzähne glitten leicht über die empfindliche Haut an meinem Hals. „Ich mag es aber auch, ihr einen Teil ihrer Sinne zu rauben.“

Ich erzitterte unter seinen Worten, seinen Berührungen. Atmen konnte ich nur noch schwer und stoßweise. „Ich bin gern oben“, gestand ich. „Dann habe ich die Kontrolle. Und ich mag es, wenn du so redest“, hauchte ich und presste meine Beine noch fester zusammen.

„Und du glaubst, du kommst damit klar, wenn dich zwei Männer zeitgleich berühren? Die Hände und Lippen überall auf deinem Körper sind?“ Seine Hände hatten sich weiter nach oben gearbeitet und er strich nun mit den Fingerspitzen über meine Brüste, direkt über meine empfindlichen Brustwarzen. „Willst du wissen, wer gerade wo ist? Von wem du berührt, geküsst und zum Höhepunkt gebracht wirst? Es kann sehr befreiend sein, wenn deine Augen verbunden sind.“

Meine Mitte pochte erregt. Mit jedem seiner Worte wurde die süße Qual stärker. Könnte ich ihre Berührungen unterscheiden? Irgendwie wollte ich, was er vorschlug. Mich von ihnen verwöhnen lassen. Bei Gilead konnte ich mir sicher sein, dass er mir niemals weh tun würde.

Ich nickte. „Ja!“ Meine Hände fanden seine Wangen und zogen seinen Mund zu meinen Lippen. Eindringlich küsste ich ihn. Meine Zunge passierte seine Lippen und fand seine in einem wilden Kampf. Seine Zunge neckte mich, spielte mit mir und wurde gleich darauf fordernder. Er umgriff mit seinen Händen meine Taille und zog mich auf seinen Schoß. Deutlich spürte ich seine wachsende Erregung, an der ich mich wollüstig rieb.

Im Gleichklang stöhnten wir auf. „Gilead …“, murmelte ich keuchend gegen seine Lippen, ehe sie mich wieder einnahmen. Ich konnte und wollte mich nicht gegen diese Lust wehren, die er in mir entfachte. Aber ich hatte eigentlich nicht vor, Cyrus zu betrügen. Er hatte gebeten, dabei zu sein. Das war ein Kompromiss, und ich hatte gesagt, ich ginge ihn ein. Andererseits hatte Cyrus gesagt, ich könnte machen, was ich wollte.



„Hast du Bedenken?“, flüsterte er leise. Seine Hände zogen an meinem Kleid und hoben meinen Rock. „Oder hat er dir verboten, dich Männern hinzugeben, wenn er nicht dabei ist? Ich kann dich auch auf seinem Schreibtisch nehmen, direkt vor seinen Augen. Wir wären in kürzester Zeit dort.“

„Hat er“, keuchte ich. „Aber dann, vor zwei Wochen, hat er gesagt, ich kann machen, was ich will.“ Meine Hände glitten von seinen Wangen über seine Brust bis zu seinem Gürtel. „Er sollte besser auf seine Worte achten, fürchte ich.“ Mit diesen Worten öffnete ich Gileads Gürtel und griff mit der Hand hinein.

„Naya … Ich weiß, dass dir die Lust sagt, du musst sie hier und jetzt stillen.“ Er küsste mich wieder und schob zeitgleich mein Becken etwas weiter weg. „Aber wenn er gesagt hat, du kannst tun, was du willst … solltest du es dann auch wirklich tun?“ Seine Männlichkeit zuckte unter meinem Schoß, als wolle sie, dass ich mein Vorhaben trotz seiner Worte in die Tat umsetze.

Sanft bewegte ich meine Hand, die sein Glied umfasste. „Du meinst, weil er es nur in der Wut gesagt hat? Ich habe seitdem keinen mehr, der mir hinterherläuft. Das ist doch gut? “, fragte ich verwirrt.

„Ja. Aber ihr seid verheiratet, Nayara. Wenn du ihm jetzt entgegenkommst …“ Der Rest ging in einem leidenschaftlichen Kuss unter.

Grob drückte ich ihn weg. „Das tut er doch aber auch nicht!“ Verständnislos sah ich ihn an. Die Lust war mir vergangen. Ich stieg von ihm runter und strich mir den Rock wieder glatt. Mich an meiner Stuhllehne abstützend, senkte ich den Kopf und schüttelte ihn leicht.

„Entschuldige, Nayara. Ich möchte nur nicht der Grund sein, weswegen er dir deine Privilegien wieder entzieht.“ Gilead streckte mir seine Hand hin. „Er will die Kontrolle behalten und dich überwachen. Die Tatsache, dass er dir so viel Freiraum gibt, kann auch bedeuten, dass er nur auf einen Fehler von dir wartet.“

„Ja, wahrscheinlich hast du recht“, seufzte ich. „Willst du heute Abend vorbeikommen? Dann warne ich ihn vor, damit er heute keines seiner Flittchen zu sich bestellt …“ Meine Stimme nahm einen verbitterten Ton an, als ich an die ganzen anderen Frauen dachte. Beinahe jede Nacht hörte ich sie. Die einzige Verbesserung zum Harem war, dass ich nicht mehr gezwungen war, mit ihnen zusammenzuleben. Ich musste nicht mehr zuhören, wie sie mich als prüde und unfähig beschimpften.



Die Opfer des Brandes suchten meine Träume teilweise immer noch heim. Ich schlief nicht besonders gut. Und immer, wenn ich eingeschlafen war, kamen die Bilder wieder. Sie brachten mich dazu, aufzustehen und zum Abort zu rennen. Ich musste mich nicht immer übergeben, aber das Gefühl davon war da. Der Geruch nach Blut und Feuer.

„Am besten warte ich hier. Falls der König ausgerechnet heute nicht will.“ Gilead grinste schief. „Ich sollte trotz allem nicht deine Gemächer aufsuchen. Am Ende reißt er mir noch die Eier ab.“

„Nein …, eigentlich meinte ich seine. Ich lasse ihn doch nicht in mein Bett“, erklärte ich, wobei die Idee für mich völlig absurd war. Das war mein Platz, da hatte er absolut nichts zu suchen. „Ich werde dir einen Boten zukommen lassen, der dich informiert, sollte der König dich sehen wollen.“ Ich zwinkerte ihm zu.

Gilead stand auf, richtete seine Hose und machte den Gürtel wieder zu. Er kam auf mich zu und nahm mein Gesicht in beide Hände. Sofort prallten seine Lippen wieder auf meine. Der Kuss war stürmisch und leidenschaftlich, als befürchte er, der König würde nicht zustimmen. „Dann bis heute Abend, Liebste.“

Noch atemlos von dem stürmischen Überfall, raunte ich keuchend: „Bis heute Abend, Liebster.“

Nur wenige Minuten später stand ich vor der Tür zu Cyrus‘ Arbeitszimmer, in dem er sich immer verkroch. Ich war nervös. Was, wenn er seine Meinung geändert hatte? Wenn er doch nicht mehr wollte?

„Bleibst du draußen stehen, oder kommst du rein?“, kam es nach einigen langsamen, beruhigenden Atemzügen aus dem Arbeitszimmer gerufen.

Erst zuckte ich zusammen, dann verdrehte ich die Augen und griff nach der Türklinke. Als ich meinen Gemahl entspannt hinter seinem Schreibtisch sitzen sah, wie er eine Augenbraue gehoben und die Arme verschränkt hatte, biss ich mir augenblicklich auf die Lippe. Es war wie ein natürlicher Reflex. Er sah gut aus in dieser Position. Das Leinenhemd umspannte eindrücklich seine Schultern. Und auf einmal fiel mir wieder ein, wie lecker sein Blut doch schmeckte, und wie lange ich es schon nicht mehr gekostet hatte.

„Was lässt dein Herz so dermaßen aus dem Takt geraten?“ Seine Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Lächeln, während sein Blick forschend auf mir lag.



Nur mit Mühe unterbrach ich meinen von seinem Körper gefesselten Blick und sah ihm in die Augen. „Mir ist nur gerade wieder eingefallen, wie gut du schmeckst“, erklärte ich, ohne hörbare Emotion in der Stimme.

Seine Augenbrauen gingen noch ein Stück höher. „Das beruht auf Gegenseitigkeit, wie du weißt.“ Er beugte sich vor, wodurch die Muskeln an seinen Oberarmen noch deutlicher zum Vorschein kamen.

„Gut. Dann können wir heute Abend ja wieder beieinander liegen“, erklärte ich.

Cyrus lehnte sich wieder zurück. Die Überraschung zeichnete sich deutlich in seinem Gesicht ab. „Die Abstände werden kürzer. Sicher, dass du nicht noch zwei Wochen warten willst?“

„Mit Gilead.“

„Ah, ich verstehe.“ Das Lächeln in seinem Gesicht verschwand. „Nach ihm riechst du also.“

Ich verdrehte die Augen. „Wir haben über Sharifa geredet. Und dann erst über die Möglichkeit-“ Ich räusperte mich verlegen. Bis jetzt hatte das doch alles so gut funktioniert! Ich hatte mich einfach nicht verunsichern lassen und die Oberhand über das Gespräch behalten, doch jetzt brachte er mich aus dem Konzept! „-dass er sich zu uns gesellen könnte.“ Oder viel mehr, dass wir Cyrus in unser Liebesspiel einbinden müssten.

„Du hast dich ihm also nicht hingegeben?“ Cyrus legte seinen Kopf leicht schräg. Diesmal glitt sein Blick über meinen ganzen Körper.

„Nun …“ Ich spiegelte seine Haltung. „Schleimhäute sind schon aufeinandergetroffen …“

Wider Erwarten fing er an, zu lachen. In einer schnellen Bewegung stand er auf und kam auf mich zu. Dabei lag sein Blick auf meinen Lippen. „Und du bist dir sicher, dass du das wirklich willst? Zwei Männer?“

„Das hat er mich auch gefragt.“ Am liebsten wäre ich ein Stück zurückgewichen. Wieso näherte er sich mir jetzt? Ich hatte ihn nur informieren wollen …

„Es kann sich für dich anfühlen, als würdest du benutzt werden. Zwei Männer, die sich schamlos an dir bedienen.“ Seine Augen wurden etwas dunkler, seine Stimme rauer.

„Das wäre ja nicht das erste Mal, nicht?“, entgegnete ich scharf. „Und Gilead würde niemals so mit mir umgehen. Dafür hat er zu großen Respekt vor mir.“

„Wir können gern danach noch mal über deine Ansichten reden“, erwiderte er trocken. „Heute Abend, neunzehn Uhr. Es sei denn, du überlegst es dir anders.“ Cyrus wandte sich ab und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. Damit war das Gespräch beendet.



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