Kapitel 15 – Emili und Aurillia
Kapitel 15 – Emili und Aurillia
Cyrus
Nachdem ich Asha in mein Bett gelegt hatte, hatte ich mich sofort auf den Weg zum Hohepriester gemacht. Er hatte gemeint, dass der Leitstern der Göttin Ora-Fides in dieser Nacht zwar besonders hell am Himmelszelt strahlen würde, die Krönung jedoch erst am morgigen Tag stattfinden solle – so wie ich es auch geplant hatte. Seine Begründung interessierte mich recht wenig, dennoch entschloss ich mich, es als gutes Omen zu nehmen, dass die Sterne meiner Entscheidung gewogen waren. Denn morgen stünde auch der Stern des Gottes Ignis-Robur im Zenit, der Gott, der über die Königsfamilie wachte. Er würde die Welt, neben dem silbern leuchtenden Stern von Ora-Fides, in einem kräftigen Rot erstrahlen lassen. Der Thronsaal wurde bereits vorbereitet und Lee hatte alle Hände voll zu tun.
„Mein Fürst.“ Er kam auf mich zu und verbeugte sich leicht. „Ich habe Nachricht von unserer Verstärkung bekommen. Morgen erreichen sie die Stadt.“
Ich nickte dankbar. „Morgen ist die Krönung. Dafür werden sie wohl zu spät kommen, aber danach können sie gleich sicherstellen, dass keine grösseren Unruhen im Volk ausbrechen. Es muss alles perfekt sein.“ Ich sah mich um und stellte fest, dass es trotz tüchtiger Arbeit noch an einigem mangelte. Wahrscheinlich hätte ich die Sklaven des alten Königs nicht so leichtfertig freilassen sollen. „Kamen schon Sklaven zurück, um als Diener zu arbeiten?“
„Einige. Aber zu wenige, mein Fürst. Ulras kümmert sich darum und sorgt auch dafür, dass die Küche wieder besetzt ist.“
Gestresst massierte ich mir den Nasenrücken. Um uns herum waren einige Menschen dabei, den Saal zu dekorieren. Der Thron wurde poliert; Stühle in den Saal getragen und aufgestellt.
„Bis morgen wird alles fertig sein“, versicherte mir Lee. „Die Einladungen an den Adel wurden verteilt und das Volk informiert. Es wird morgen auf dem Schlosshof vor dem Thronsaal seinem neuen König zujubeln.“
Wir gingen zum grossen Balkon. Die Menschen würden mich natürlich nur aus der Ferne sehen, während der vampirische Adel bei der Krönung dabei sein würde. „Lass den Schlosshof, wie er ist. Er soll weder gekehrt noch dekoriert werden. Aber weise die Bäcker an, morgen reichlich Brot für das Volk zu backen. Es sollen kleine Laibe sein, die den Bürgern geschenkt werden. Zur Feier meiner Krönung.“
Leeander neben mir seufzte und sah sich kurz um. „Cyrus, bei allem Respekt…“ Er stockte kurz und schüttelte leicht den Kopf. „Die Zeit ist zu knapp. Warum wartest du mit der Krönung nicht einfach ein oder zwei Wochen?“
„Dieses Land braucht sofort einen neuen König, Lee. Ich muss mich durchsetzen und dafür sorgen, dass mir niemand den Thron streitig macht.“
„Der Kronprinz ist im Kerker, von ihm geht keine Gefahr aus!“
Meine Gedanken schweiften sofort zu Asha, obwohl ich mich eigentlich erst später wieder mit ihr hatte befassen wollen. Warum war sie beim Bankett als Sklavin anwesend gewesen? Ihre Eltern waren tot und ich vermutete stark, dass sie dies dem König zu verdanken hatte. Vermutlich hatte er sie hinrichten lassen. Hatten ihre Eltern vielleicht gegen die Krone intrigiert? Oder lag ich vollkommen falsch?
Asha, Ashur …, war diese Ähnlichkeit nur ein Zufall? Könnte es sein, dass Asha das Kind des Kronprinzen war? Aber warum hatte er dann von ihr getrunken? Ihm musste doch bewusst gewesen sein, dass sie an seinem Gift sterben könnte. Allerdings wäre es ihm durchaus zuzutrauen, dass er sein eigenes Kind tötete. Vielleicht war ja ihre Mutter vor vielen Jahren gestorben. Oder sie wurde eingesperrt. Das würde erklären, warum Asha sagte, sie hätte ihre Eltern schon vor langer Zeit verloren. Trotzdem passte ihre Aussage nicht so ganz zu meiner Vermutung. Egal zu welcher. Und es machte auch absolut keinen Sinn, solche Vermutungen anzustellen, denn nur zu raten würde mir sicher keine Antworten liefern.
„Lee, ich möchte, dass du Nachforschungen für mich anstellst. Heute noch. Es gibt ein Vampirmädchen namens Asha. Sie ist dreiundneunzig Jahre alt. Wer waren ihre Eltern? Wer hat sie ermordet und warum?“
Leeander nickte nur. Er würde einen Weg finden, mir die gesuchten Antworten zu beschaffen. Das tat er immer. Aus diesem Grund war er auch mein erster und engster Vertrauter.
„Weisst du, wo der Fürst des Nordens ist, Lee?“
„Wahrscheinlich in der grossen Bibliothek.“
Ich nickte knapp, wandte mich vom Balkon ab und ging. Um den Thronsaal würde sich Lee weiterhin kümmern, das liess ich ganz in seiner Verantwortung.
Tatsächlich fand ich Kretos in der grossen Bibliothek. Entspannt sass er auf einer dunklen Holzbank mit roten Polstern darauf. Wie immer war Kretos er recht schlicht gekleidet. Eine hellgrüne Hose, ein dunkler Wams und nur wenig Schmuck. Es passte zu ihm, immerhin war er ein sehr junger Vampir.
Als ich auf ihn zu trat, klappte er das Buch zusammen und schenkte mir ein Lächeln. „Cyrus, ich freue mich, dass du Zeit gefunden hast“, grüsste er und wirkte dabei zufrieden, ruhig und entspannt.
Ich nahm einen Stuhl und setzte mich ihm gegenüber. „Leider habe ich aktuell nur wenig davon. Aber es wird sicherlich bald besser.“
„Dann suchst du mich aus einem bestimmten Grund auf“, stellte er fest, wirkte dabei aber keineswegs betrübt.
Instinktiv legte ich eine Hand auf seine Schulter. Als seine Eltern vor wenigen Jahren starben, stand Kretos an der Schwelle seiner Reife. Und zeitgleich kamen seine Visionen. Es war eine schwere Zeit für ihn, und ich stand an seiner Seite. Kretos war für mich wie ein kleiner Bruder, den ich nie hatte. Zumal ich auch fester Überzeugung war, dass der König es war, der seine Eltern hatte ermorden lassen. So, wie er es schon Jahrhunderte zuvor bei meinen Eltern getan hatte.
Kretos hatte mich aufgesucht und um Hilfe gebeten. Und diese hatte er auch bekommen. Eine geraume Zeit lang stand ich ihm beim Training der Kräfte bei und half ihm, den Umgang mit seinen Visionen zu erlernen. Seine Kräfte zu entfalten und zu nutzen, wie ich es einst viele Jahre zuvor lernen musste.
Unsere Kräfte waren unterschiedlich, aber beide kamen sie von den Göttern. So fanden sich auch Ähnlichkeiten und Parallelen zwischen unseren Gaben, bei denen ich ihm den rechten Weg zeigen konnte. Wie er mit seinen Gefühlen umgehen musste, beispielsweise.
Hinzu kamen die Verpflichtungen als Fürst, in die er ebenfalls eingewiesen werden musste.
Durch die ganze Zeit, die wir damals miteinander verbrachten, wurden wir nicht nur Verbündete, sondern auch Freunde. Eine äusserst wertvolle Freundschaft, wie sich nun zeigte. „Deine Vision“, begann ich und nahm meine Hand wieder von seiner Schulter. „Du hast von einer Sklavin gesprochen und ich glaube, ich habe sie gefunden. Nun, zumindest passen drei Mädchen auf die Beschreibung. Hast du einen Moment, sie dir anzusehen?“
„Aber natürlich!“, erwiderte Kretos sofort und erhob sich.
Ich stand ebenfalls auf und wir gingen zu meinen Gemächern. Ich betrat das Wohnzimmer und bedeutete Kretos, hinter mir einzutreten. Die Tür zum Ruheraum war angelehnt und ich hörte Emili und Aurillia leise miteinander reden. Aus dem Schlafzimmer trat gerade Ulras, der sehr zufrieden wirkte und ein breites Lächeln auf den Lippen trug. Als er mich sah, weiteten sich seine Augen für einen Augenblick.
„Mein Fürst!“, begrüsste er angespannt.
Ich winkte ab. „Hast du ihr gegeben, was sie will?“
„Noch nicht. Sie schlief, als ich kam, und ich wollte sie nicht wecken.“ Ich hob die Augenbrauen, was Ulras dazu veranlasste, direkt fortzufahren. „Eh, ich war also vorhin kurz bei ihr. Sie möchte nur ein Kleid und etwas zu Essen. Das wollte ich ihr gerade besorgen.“
Ich nickte knapp. Also trug Asha immer noch nichts. Das war ihr vorhin schon peinlich gewesen, also würde ich Kretos erst zu den anderen beiden Mädchen bringen.
„Eile dich, Ulras“, wies ich den Grigoroi an und führe Kretos in den Ruheraum.
Die Stimmen der beiden Mädchen drangen aus der angelehnten Tür. Bei ihren Worten musste ich schmunzeln, trotz dessen, dass ich mir der Ernsthaftigkeit der Lage durchaus bewusst war. „Was meinst du, was hat er mit uns vor?“, erklang Aurillias Stimme, mutig wie eh und je. Sie hatte mich vorhin zwar als ihren Fürsten anerkannt, aber gebrochen hatte sie das noch lange nicht.
„Weiss ich nicht“, erwiderte Emili verhalten. Generell schien sie mir eher zurückgezogen und handelte stets wohlüberlegt.
Das war der Moment, in dem ich mich entschied, die beiden zu unterbrechen. Ich trat auf die Tür zu und öffnete sie ganz. Kretos schritt leise hinter mir her.
Er konnte durchaus erhaben wirken, wenn er das wollte. Doch die meiste Zeit hatte er kein Interesse daran, sich aufzuspielen. Er wollte seine Macht nicht immerzu allen vor Augen führen und ging eher zögerlich mit dem Nutzen seiner Stellung um. Ganz im Gegenteil zu mir. Ich nutzte meine Stellung, um zu bekommen, was ich wollte. Aber im Gegensatz zum gestern tragisch verstorbenen König nutzte ich meine Macht und Stellung, um meines Volkes willen.
„Meine Damen, ich habe Besuch mitgebracht.“
Synchron hoben beide erschrocken ihren Blick. Emili erhob sich schnell und führte einen eher schlechten als rechten Knicks aus, begleitet von den ehrerbietigen Worten: „Mein Fürst.“ Nur, dass diese Ansprache bei ihr nicht wirklich ehrerbietig wirkte, sondern viel mehr kalt und ohne Inhalt.
Aurillia war ebenso aufgesprungen und sprach ihr die Worte nach. Bei ihr klangen sie gepresst und erzwungen. Den Kopf hatte sie gesenkt, den Blick stur auf ihre nackten Füsse gerichtet.
Ich betrachtete die Mädchen eine Weile. Sie hatten ihre alte Kleidung offensichtlich lediglich gewaschen und direkt wieder angezogen. Dennoch waren sie immer noch verschmutzt. Mit einem Nicken deutete ich Kretos an, sich zu setzen. Er tat es, auch wenn er leicht den Kopf schüttelte. Also war weder Emili noch Aurillia die Sklavin aus der Version.
Dennoch wollte ich ein wenig Zeit schinden, damit Asha ihre Kleidung bekam und die Gelegenheit hatte, sich rasch zurechtzumachen.
„Nun, ich habe ein paar Fragen an euch. Danach beantworte ich eine einzige von euch, solltet ihr das wünschen“, eröffnete ich das Gespräch. „Zunächst: Wie alt seid ihr und seit wann arbeitet ihr im Schloss?“
Beide Mädchen musterten mich verhalten, misstrauisch. Aurillia stellte ihre Feindseligkeit offen zur Schau.
Schliesslich ergriff Emili das Wort: „Ich bin vierzehn. Ich bin seit zwei Jahren hier.“ Bei ihrer Aussage verzog sie leicht das Gesicht. Dabei entging mir nicht, das leise Flattern ihres Herzens.
Nachdenklich zog ich die Augenbrauen zusammen. Was könnte sie dazu bewegen, zu lügen? Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Trotz meiner Bedenken wanderte mein Blick weiter zu Aurillia, die die Arme vor ihrer Brust verschränkte und selbstsicher den Kopf anhob.
„Ich bin zwölf. Und ich weiss nicht, was dich…“ Sie keuchte, als Emilis Ellbogen sie in den Bauch traf. „Was Euch das anzugehen hätte“, korrigierte sie und betonte dabei die Anstandsform besonders stark. Wieder erntete sie einen Ellbogen in den Bauch.
Ich musste mich arg zusammennehmen, nicht laut loszulachen beim Verhalten der beiden. Dabei war ich bei Respektlosigkeit normalerweise konsequenter.
„Jetzt sag schon! So schlimm kann es nicht sein!“, zischte Emili ihrer Freundin leise zu. Diese grummelte etwas Unverständliches, ehe sie misslaunig antwortete: „Ich bin seit ungefähr einem Jahr hier.“
Beide Mädchen wollten mir etwas verschweigen. Was mich zu meiner nächsten Frage brachte. Derselben, deren Antwort mich auch bei Asha brennend interessierte.
„Wie seid ihr hier gelandet?“
„Ähm …, also …“, druckste Emili herum, während Aurillia, plötzlich ganz still geworden, den Blick auf ihre nervös herumfummelnden Finger gesenkt hielt.
„Also?“, bohrte ich nach und war schon deutlich ungeduldiger als zuvor.
„Ich wurde vom Waisenhaus her gebracht. Sie sagten, die vermittelten mir eine Arbeit. Immerhin weiss ich jetzt, wo die ganzen Kinder immer hin sind, sobald sie als alt genug angesehen wurden …“
Überrascht und gleichermassen geschockt sah ich zu Kretos, dem diese Tatsache ebenfalls nicht geläufig gewesen schien.
„Und hier wurdest du gleich zur Sklavin gemacht?“
„Nein. Naja, sie wollten es, aber, als der erste Vampir von mir trinken wollte … ist er umgekippt. Dann ist er krank geworden. Und mich haben sie in die Zelle geworfen. Seit dem war ich da drin.“
„Hexe!“, flüsterte Kretos leise. So leise, dass nur ich es hören konnte. Ich stimmte ihm zu, auch wenn ich meine Gedanken für mich behielt.
Emili sass also zwei Jahre im Kerker? Unglaublich … Ich räusperte mich und sah ihr ernst entgegen. „Es ist ab sofort jedem Vampir oder Grigoroi verboten, ohne Zustimmung von einem Menschen zu trinken. Du wirst also immer höflich ablehnen. Verstanden?“
Ich sah Emili unsicher nicken und blickte dann zu Aurillia. „Und was ist deine Geschichte?“
Aurillia sah nicht auf. Sie reagierte nicht einmal im Ansatz auf meine Frage. Erst, als Emili sie leicht an der Schulter berührte, schreckte sie hoch, ihre Augen glitzernd vor unvergossenen Tränen. „Was?“, stiess sie irritiert aus, als wäre sie die letzten Minuten gar nicht anwesend gewesen. Emili musterte sie unsicher von der Seite, während Kretos meine Frage wiederholte. „Also …“ Sie schluckte schwer. „Ich …“ Verschwunden war das selbstbewusste, aufmüpfige junge Mädchen. Übrig war lediglich eine Hülle aus Unsicherheit und Schmerz geblieben. „Ich wurde verkauft“, murmelte sie schliesslich so leise, dass ich es nur gerade so verstand.
„Von wem?“, hakte ich sofort nach. Daraufhin begann Aurillia zu zittern und wurde von Emili in ihre Arme gezogen. Diese warf mir einen bösen Blick zu, den ich allerdings nur schulterzuckend erwiderte. „Also?“
Ihre zarten Hände ballten sich zu Fäusten. Entschlossen hob sie den Kopf, ihr Gesicht war rot angelaufen und unzählige Tränen rannen ihr über die Wangen. Kretos neben mir rutschte unbehaglich auf dem Sofa herum.
„Von wem wohl? Von meinen verfluchten Eltern! Ich hab mich mit Elf geweigert zu heiraten und den steinalten Mann vergrault, an den sie mich verkaufen wollten! Also haben sie mich stattdessen an den König verkauft!“
Ich hatte von ähnlichen Geschichten aus dem Goldenen Reich gehört, glaubte aber bisher, sie wären reichlich übertrieben gewesen. Die menschliche Spezies hatte zweifellos am meisten unter der Herrschaft des alten Königs gelitten.
„Ich werde solch einen Handel zukünftig nicht mehr gestatten. Aber das geht nicht von heute auf morgen.“
Ich lehnte mich zurück und musterte die Mädchen vor mir. Dabei führten mich meine Gedanken erneut zu Asha. Sie war ähnlich verängstigt wie diese beiden hier. Allerdings war Asha eine Vampirin, eine Adlige. Ganz egal, wer ihre Eltern gewesen waren. Und wenn ich mehr Informationen wollte, würde ich ihr Vertrauen gewinnen müssen. Denn ich konnte und wollte dem Kind nicht einfach so das Leben nehmen. Und um ihr etwas Sicherheit zu vermitteln, wäre es ratsam, die Kinder beisammen zu lassen.
„Ich möchte euch ein Angebot machen. Ihr müsst euch nicht heute entscheiden.“ Die Blicke der Mädchen wurden neugierig, auch wenn sie noch immer verängstigt waren. „Ich möchte, dass ihr bei Asha bleibt. Als ihre persönlichen Diener.“
Aurillia, die bis eben damit beschäftigt gewesen war, sich die Tränen aus den Augen zu wischen, hielt abrupt inne. „Wieso sollten wir Asha denn dienen?“
„Weil Asha ein Vampir ist. Ein Kind noch, wie ihr beide.“ Ich sah zu Kretos, der eine Augenbraue hob, als er die Neuigkeiten erfuhr. „Geht zu ihr, sprecht mit ihr. Asha hat Angst, genau wie ihr.“
Zwar gab es nicht wirklich Freundschaften unter Vampiren und Menschen, denn letztere lebten einfach nicht lang genug dafür. Allerdings würde es Asha aktuell sicherlich guttun, Gefährtinnen zu haben. Vor allem Emili, die einen sehr fürsorglichen Eindruck machte und Aurillia, die immer kämpfte und sich nicht gefallen liess. Sie würden sich gut ergänzen.
Die beiden Mädchen machten Augen so gross wie Teller. Nach einem Moment, den ich ihnen gab, um sich zu sammeln, setzte Aurillia an, etwas zu sagen. Emili unterbrach sie, noch bevor sie Gelegenheit hatte, sich selbst mit ihrem losen Mundwerk wieder in Schwierigkeiten zu bringen, und zog sie vom Sofa hoch.
„Natürlich. Wir gehen rüber und reden mit ihr. Über unsere Entscheidung bezüglich der Anstellung werden wir Euch später noch in Kenntnis setzen.“ Mit diesen Worten liefen die beiden Mädchen zur Tür.
Amüsiert registrierte ich, wie Kretos, als Emili an ihm vorbeilief, etwas zurückwich und sich tiefer in die Polster drückte.
Aurillia war schon halb aus dem Raum, da hielt Emili plötzlich inne. „Aber ich habe auch eine Frage an Euch, Fürst Cyrus.“
Amüsiert hob ich eine Augenbraue. „Und wieso sollte ich dir Rede und Antwort stehen?“
„Weil das Euer Angebot war. Eure Spielregeln. Haltet sie ein.“ Die Stimme der jungen Hexe war gänzlich sachlich, ohne erkennbare Verärgerung, Spott oder Hohn. Dennoch fühlte ich den Ärger in mir aufsteigen. Sie hatte recht, ich hatte es angeboten. Was ich nicht hätte tun sollen. Einer Hexe Informationen zu geben, war gefährlich.
„Was willst du wissen?“, fragte ich halb knurrend.
Leicht runzelte sie die Stirn. „Ich möchte wissen, wo wir schlafen sollen.“ Mit grossen, ungläubigen Augen sah ich sie an, woraufhin sie empört die Hände erhob und wild damit gestikulierte. Das war vermutlich das emotionalste Verhalten, was ich bisher bei ihr gesehen hatte. „Habt Ihr eigentlich auch nur die geringste Vorstellung davon, wie unbequem es ist, zwei Jahre auf einem harten, kalten, stinkenden Kerkerboden zu nächtigen?“































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