Kapitel 15 – Mir und Loich

Kapitel 15 – Mir und Loich

 

Aurelie

Und wieder einmal machte ich mich auf den Weg in den Thronsaal. Irina wartete schon vor der Seitentür und informierte mich, dass die Herren bereits da wären. Perfekt, dachte ich mir gestresst.

Mit hocherhobenem Kopf, den Kleidern meines Gemahls und der Hoffnung, dass nicht noch weiteren Personen meine bald schon offensichtliche Reife auffallen würde, betrat ich also den Thronsaal. Während meines Ganges zum Thron sah ich mich nicht um. Vorerst ignorierte ich die beiden Männer, die da standen, und steuerte stattdessen direkt auf das kleine Podest zu.

Irina folgte mir wortlos.

Sobald ich saß, atmete ich einmal tief, aber unauffällig durch. Ich erblickte Leeander an der Seite der beiden Männer. Unauffällig gab ich Irina ein Zeichen, welches sie glücklicherweise richtig interpretierte.

„Vor euch befindet sich Aurelie Nayara Athanasia, letzte aus dem Geschlecht der Ignis-Robur und Königin des Goldenen Reiches. Geht auf die Knie!“

Obgleich sichtlich überrascht, beugten die beiden gestandenen Männer ohne zu zögern das Knie. „Meine Königin“, sprachen sie synchron und neigten demütig den Kopf.

„Erhebt euch“, verlangte ich nach einem Moment der Stille. „Nennt mir eure Namen.“

Der Rechte begann. Er trug sein schwarzes Haar kurz, seine Gesichtszüge waren scharf. „Ich bin Herzog Delrid Mir, Majestät. Berater des … ehemaligen Fürsten des Ostens.“

„Mein Name ist Baron Glimdur Loich, Majestät. Ich war in derselben Funktion tätig.“ Dieser Mann trug kein Haar auf dem Kopf, hatte dafür aber umso buschigere, blonde Augenbrauen, einen ebenso blonden, langen Bart und eisblaue Augen.

„Meinen Informationen nach seid ihr auf Wunsch des Königs hier, ist das korrekt?“

„Ja, Majestät“, antworteten beide synchron.

Trotz ihrer Bestätigung sah ich vergewissernd zu Lee, der mir beruhigenderweise zunickte. „Und seid ihr auch bereit, hier eine langfristige Position einzunehmen?“, fragte ich. „Eure Familien dürften natürlich nachreisen.“

„Deswegen sind wir hier, Majestät“, erwiderte Loich. „Aber wenn ihr uns die Frage gestattet …, wo ist seine Majestät?“

Meine Lippen verzogen sich zu einem bitteren Stirch. „Ich gestatte die Frage nicht. Vorerst.“ Womöglich war es nicht die beste Idee, jedem zu erzählen, dass der König ausgeflogen war. Zudem ich selbst nicht wusste, wo er sich befand oder wann er gedachte zurückzukehren. Schon über eine Woche war er wie vom Erdboden verschluckt.



Die beiden Männer tauschten einen kurzen Blick. Wieder war es Loich, der das Wort ergriff. „Gut. Wann sollen wir unsere Aufgaben aufnehmen? Wenn König Cyrus wieder zugegen ist oder schon vorher? Und wisst Ihr, worin Ihr Unterstützung benötigt? König Cyrus‘ Brief war diesbezüglich sehr wage gehalten.“

„Drei Minister des Inneren Rats sind … mittlerweile ihres Dienstes entlassen. Darunter der Meister des Handels, der Meister der Münze und der Meister der Stadt. Momentan kümmert sich Graf Demos Targes, der Minister der Wache, gleichzeitig um die Belange der Stadt. Einer von euch sollte sich dementsprechend dieser Aufgabe widmen. Die Aufgaben des Meisters der Münze sind vorerst bei Graf Zyrill Dreidolch, dem Meister der Bündnisse, in guten Händen. Ich selbst habe mich vorübergehend den Handelsangelegenheiten angenommen. Auch diese Aufgabe wird einer von euch übernehmen.“

„Verzeiht, Majestät, aber … Ihr habt die Handelsangelegenheiten selbst in die Hand genommen?“, fragte Loich ungläubig, die Augenbrauen hochgezogen.

Meine Miene wurde kälter. „Ja. Gibt es damit ein Problem?“

„Nein … nur, Ihr … seid ein Kind. Wir haben zugegebenermaßen schon von eurer Vermählung und Krönung gehört, sind aber doch ein wenig überrascht.“

Ich blickte den beiden Männern abwechselnd in die Augen. „Körperlich bin ich noch ein Kind. Das mag stimmen. Leider blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst darum zu kümmern.“ Kurz herrschte Stille. „Insofern es euch möglich ist, nehmt die Aufgaben bitte sofort auf. Es bedarf einer Menge Einarbeitungszeit.“

Wieder warfen sich die beiden Berater einen Blick zu. „Hat der König zu diesen drastischen Mitteln gegriffen?“ Damit waren wohl die Hinrichtungen gemeint. „Er sprach in dem Brief über etwas, das uns sehr beunruhigte.“

„Ach ja?“

Loich sah zu Leeander. Erst, als dieser nickte, schien sich der Vampir einen Ruck zu geben. „Nun, ich habe den Brief dabei, den der König mir schrieb.“

Ich nickte Leeander zu, der mich fragend ansah.

„Wenn Ihr den Brief dabei habt und ihn erwähntet, gehe ich davon aus, dass ihr auch gewillt seid, ihn Ihrer Majestät zu überreichen?“, meinte Lee und trat auf Loich zu.

Diese neigte sein Haupt. „Ja, natürlich.“ Er griff in seine Umhängetasche und holte ein mehrmals geknicktes Blatt Papier heraus, das er dem Grigoroi reichte.“



Leeander kam auf mich zu und gab mir den Brief in die ausgestreckte Hand. „Danke, Leeander.“ Ich räusperte mich. „Irina, würdest du mit den Herren kurz vor der Tür warten? Ich möchte mit Leeander sprechen.“

Irina nickte und geleitete die beiden Vampire wortlos vor die Tür. Beide wirkten höchst angespannt, hatten sich aber standesgemäß verneigt.

Sobald die Flügeltüren wieder ins Schloss gefallen waren, sah ich seufzend zu Lee auf. „Kann ich den beiden vertrauen? Sind sie Cyrus treu?“ Mir selbst war nur Irina treu ergeben. Gezwungenermaßen. Aber ich war mir sicher, dass sie mich auch so niemals verraten würde. Und Aurillia und Emili natürlich, aber die beiden hatten im Schloss bedauerlicherweise nichts zu sagen. Daher war ich gezwungen, denen zu trauen, denen mein Gemahl traute. Die Frage war nur, wie viel Vertrauen konnte ich ihm selbst entgegenbringen?

Lee sah mich mit ernster Miene an. „Cyrus hätte sie nicht angefordert, wenn er ihnen nicht vertraut. Allerdings möchte ich anmerken, dass sie bisher nur Berater waren. Sie hatten nie die ausführende Gewalt inne, wie ein Minister sie hat. Die Ostlande sind ein ruhiges, harmonisches Fürstentum. Cyrus konnte es ohne Probleme allein regieren. Nur selten hat er die Hilfe seiner Berater in Anspruch genommen.“ Der Grigoroi verzog missmutig sein Gesicht. Es war ihm anzusehen, dass er seine nächsten Worte sehr genau abwägte. „Die Berater standen schon an der Seite seines Vaters und sind ihm treu. Allerdings machten sie bisher auch keinen Hehl daraus, diese Treue nicht für die Krone zu empfinden. Was wiederum mit den bisherigen Herrschern und nicht mit dem Reich an sich zu tun hat.“

„Ihr Misstrauen gilt mir“, stellte ich fest. Als nachkomme der Ignis-Robur sahen sie in mir einen Feind.

„Ja, sehr wahrscheinlich. Die Ostlande und das Königshaus haben seit dem Tod von Cyrus‘ Eltern kein gutes Verhältnis. Euer Onkel hat Titel zurückgefordert. Und Strafzahlungen erhoben, weil er der Meinung war, der Adel des Ostens sei auf Kosten der Krone erblüht. Das hat die meisten Adelshäuser in den Ruin getrieben.“ Er räusperte sich. „Zudem werden in den Ostlanden keine Geschwister verheiratet. Das gilt als unnatürlich.“





„Oh, ich bin ausgesprochen froh, dass es nicht so weit gekommen ist“, merkte ich an und fügte ernst hinzu: „Da hätte ich mich eher noch persönlich gerichtet.“

„Ich hoffe, Cyrus findet Ashur und lässt sich Zeit damit, ihn zu töten. Ich bin selten einem so unangenehmen Individuum begegnet.“ Er räusperte sich erneut und deutete auf den Brief. „Wir sollten die Berater nicht zu lange warten lassen. Lest den Brief und entscheidet dann, wie ihr vorgehen wollt. Aber die beiden Männer wären eine große Hilfe.“

Ja. Wenn sie mir vertrauen würden, wären sie das.

Seufzend öffnete ich den Brief und begann zu lesen.

 

Geehrter Baron Loich

Ich wende mich zu aufreibenden Zeiten an Euch, in Bitte um Eure Unterstützung.

Die Machtübernahme des Goldenen Reichs ist gelungen, das Königshaus ist gestürzt und die Fürsten Andyr und Kretos stehen auf meiner Seite. Allerdings musste ich meine Pläne ein wenig anpassen.

Der Versuch, die Sklaverei abzuschaffen, stößt im Goldenen Reich auf massiven Widerstand. Der innere Rat ist durchzogen von Machtgier und Korruption. Ich befürchte zudem, dass der Palast voll von Lügen, Intrigen und Verrat ist.

Ich weiß nicht, wem ich trauen kann. Daher erbitte ich um Eure umgehende Unterstützung.

Gezeichnet, Cyrus, Sohn aus dem Geschlecht des Ora-Fides, König des Goldenen Reichs

 

Ich seufzte tief und reichte den Brief an Lee weiter. Nach einer Weile begann ich zu sprechen: „Also sehen sie in mir die Lügen, Intrigen und den Verrat. Was auch sonst.“ Ich rieb mir die Augen und schüttelte den Kopf. „Ein Hoch auf meine glorreiche Regentschaft“, murmelte ich sarkastisch. Mit diesen Worten erhob ich mich und winkte Lee zu. „Komm, wir führen das Gespräch in einem der Salons fort.“ Wenn ich weiter die unantastbare Königin mimte, würde das nie was werden. „Oh, eine Frage hätte ich allerdings noch, Lee.“ Ich wandte mich um und sah ihn an. „Traust du ihnen den Posten eines Ministers zu? Die ausführende Gewalt? Ich könnte verlangen, dass sie die erste Zeit ihre Handlungen von mir absegnen lassen müssen“, überlegte ich laut. „Das gäbe beiden Seiten Sicherheit.“

„Ich rechne damit, dass Cyrus jeden Tag zurückkehrt. Lasst die Berater die Unterlagen sichten. Wenn sie irgendwo Handlungsbedarf sehen, sollen sie diese mit Euch erklären. Dann könnt Ihr die notwendigen Schritte einleiten.“ Nachdenklich blieb er stehen und hob die Hand ans Kinn. „Lasst sie vorerst im Rang eines Beraters. Titel sind schnell gegeben. Sagt ihnen, sie sollen sich ihrer neuen Aufgabe erst als würdig erweisen.“ Dann wedelte er kurz mit dem Brief. „Und dankt Baron Loich für seinen Vertrauensvorschuss.“



„Gut, das kann ich machen“, murmelte ich, unsicher, wie ich über eine mögliche baldige Rückkehr meines Gemahls denken sollte. Natürlich war ich ohne ihn völlig überfordert mit all dem Organisieren, Hängen, Regieren … aber mit ihm, da machte ich nichts, außer in meinen Gemächern zu verfaulen und darauf zu hoffen, ihm aus dem Weg gehen zu können.

Ich trat auf die großen Flügeltüren zu. Gerade als ich die Hand danach ausstrecken wollte, stand Leeander plötzlich vor mir und drückte sie für mich auf.

„Bitte, meine Königin“, sagte er mit einer kleinen Verbeugung.

Augenbrauen hebend, sah ich ihn an. Schließlich unterdrückte ich ein Seufzen und trat durch die Tür. „Danke, Lee.“

Vor den Flügeltüren fand ich die beiden Berater in einem offenbar angeregten Gespräch, welches ich unterbrochen hatte. „Entschuldigt, die Herren. Ich wollte nicht unterbrechen.“ Jetzt, wo ich nicht mehr auf dem erhöhten Podest stand, kam ich mir auf einmal ganz schön klein vor. „Ich dachte, wir verlegen das Gespräch in den Salon? Das ist bestimmt bequemer.“

„Sehr gerne, Majestät“, antwortete Herzog Mir. Würde er Minister, müsste ich ihm wohl einen niederen Titel geben müssen. Die Minister hatten nicht umsonst alle denselben Rang. Aber die Entscheidung musste ich ja nicht fällen. Gesetzt dem Fall, mein Gemahl kam wirklich wieder. Aber was, wenn er Ashur nicht tötete, sondern von ihm ungebraucht würde?

Ich ging vor. Die Herren folgten mir allesamt, wobei Irina versetzt hinter mir ging und Lee das Schlusslicht bildete. Ich winkte Irina nach vorn. „Kannst du Emili und Aurillia bitte Bescheid geben? Sie sollen Tee und Gebäck bringen.“

Wortlos nahm Irina den Befehl an und verschwand bei der nächsten Abbiegung.

Beim Salon angekommen, öffnete mir Lee erneut die Tür und ließ mich zuerst eintreten. Ich bedankte mich, ließ mich auf einem der Sofas nieder und deutete den Herren, sich ebenfalls zu setzen.

Die beiden Berater ließen sich jeweils auf einem Sessel mir gegenüber nieder. Während sich Herzog Mir bequem zurücklehnte und die Beine überschlug, lehnte sich Baron Loich ein wenig nach vorn. Lee trat auf diesen zu und gab ihm den Brief zurück. Danach positionierte er sich links von mir. Denn der Platz zu meiner Rechten stand Irina zu.



„Ich danke für Euren Vertrauensvorschuss, Baron Loich.“ Ich deutete auf den Brief, wandte mich dann beiden zu und lehnte mich genauso wie Herzog Mir in die Polster zurück. „Ich kann auch euer beider Misstrauen verstehen. Mit den Lügen, den Intrigen und dem Verrat werde, in den Augen eines Außenstehenden, wohl oder übel ich gemeint sein. Der Teil, der mich tatsächlich betrifft, findet sich im Brief allerdings weiter oben. Ich befürchte, ich bin der Umstand, weswegen mein werter Gemahl seine Pläne anpassen musste.“ Missmutig verzog sich mein Gesicht. „Und auch wenn ihr es mir nicht glauben mögt, so stehe ich doch gegen ausnahmslos alles, was König Alaric jemals veranlasst hat.“

„Wir werden unsere Vorurteile gegenüber dem Goldenen Reich auf ein Mindestmaß beschränken, Majestät. Aber wir werden dennoch in alle Richtungen wachsam sein.“

Was so viel bedeutete wie, dass sie mir kein Stück über den Weg trauten. Genial.

Herzog Mir deutete mit erhobener Augenbraue auf meinen Oberkörper. Diesen Wink quittierte ich mit einem möglichst unauffälligen Schielen nach unten. Meine er meine Brüste? Hatte er etwas gesehen? Für einen kurzen Moment stockte mein Herz. Ich holte Luft, vielleicht um mich in irgendeiner Weise zu verteidigen, beließ es aber schließlich bei einem sanften, absolut aufgesetzten Lächeln und setzte mich wieder gerader hin.

„Das verstehe ich natürlich. Aufmerksamkeit ist wichtig.“ Nur nicht, wenn sie auf meinen Oberkörper gerichtet war.

„Nun, Eure doch recht schlichte Aufmachung beweist, dass Ihr nicht in die Fußstapfen des alten Königs treten wollt“, meinte der Herzog und lächelte milde.

Neben ihm schmunzelte Baron Loich hörbar. „Die Kleidung von König Cyrus, nehme ich an?“

„Äh …“ Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. „Nun ja, er hat mir meine weggenommen, also habe ich mir erlaubt, mich an seinem Schrank zu bedienen.“

„Warum hat er Euch Eure Kleider weggenommen?“, fragte Baron Loich.

Der Herzog schnalzte mit der Zunge. „Das geht uns nichts an, mein Guter.“

„Nennen wir es eine kleine Meinungsverschiedenheit zwischen Eheleuten. Mit der Folge, dass er mich als Kind betitelt hat und es als angemessen befand, mir vernünftige Kleidung zu verwehren.“ Ich lächelte schwach. „Ich bin mir sicher, Ersteres kennt auch ihr.“



Herzog Mir verzog unzufrieden das Gesicht und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein ohnehin schon ernstes Gesicht wirkte beinahe angsteinflößend und seine stechenden Augen wurden kalt. „Ihr seid die Königin. Lasst Euch niemals, wirklich niemals, zu einer Rechtfertigung verleiten!“

„Sie hat bloß meine Frage beantwortet“, beschwichtigte der Baron.

„Eine Frage, die dir nicht zustand, zu stellen, Glimdur. Du hast mit deiner Frage die Königin kompromittiert.“

„Äh …“ Ich räusperte mich. „Ich habe sicher noch einiges zu lernen“, gestand ich Mir zu. „Aber ich gebe mein Bestes und solange der König nicht zugegen ist, werde ich mich weiter darum bemühen, dieses Land nach bestem Gewissen zu führen. Also, kommen wir zum Geschäftlichen.“

Beide Männer nickten zustimmend. „Ich habe mich mit Leeander beraten und er hat mir versichert, ihr beide seit meinem Gatten treu. Entsprechend würde ich euch anbieten, vorerst als Berater die Unterlagen zu sichten, mich über die vorzunehmenden Schritte zu informieren und mich in ihrer Ausführung zu beraten. Somit wird euch noch keine ausführende Macht zu Teil, ihr könnt euch aber beweisen und ich habe die Angelegenheiten im Blick.“

Bitte, bitte, stimmt zu! Ich hatte alle Mühe, nicht flehend zu den beiden Männern aufzusehen. Denn wenn das mit der Pergament-Arbeit so weiterging, dann dauerte es nicht mehr lange, und ich würde wahnsinnig!

„König Cyrus bat uns um unsere Hilfe. Wir hätten den Weg nicht auf uns genommen, wenn wir nicht schon diese Absicht gehabt hätten.“ Baron Loich lächelte. Er schien freundlicher, offener als der Herzog zu sein.

Mein Blick glitt zum Herzog, der mich noch immer streng musterte. Er senkte leicht den Blick und legte den Kopf schief, als würde er lauschen. „Ich akzeptiere“, kam es kurz angebunden über seine Lippen. „Ich werde jedoch abwarten, was ein Gespräch mit König Cyrus ergibt, bevor ich auch nur im Entferntesten erwäge, meine Familie in dieses Schloss zu holen. Ich werde sie sicher nicht Verrat und Intrigen aussetzen.“

„Das ist natürlich vollkommen verständlich“, beteuerte ich.

Es klopfte an der Tür. Irina trat ein und nahm sofort ihren Platz stehend zu meiner Rechten ein. Emili und Aurillia trugen Tabletts mit Tee und Gebäck. Diese stellten sie wortlos auf dem kleinen Tisch zwischen mir und den Männern ab, schenkten Tee ein, knicksten vor mir und verschwanden sofort wieder.



Lächelnd sah ich ihnen zu, so lange, bis mir bewusst wurde, wieso der Herzog so verschlossen war. Wieso hatte er seinen Kopf zur Seite gelegt? War mein Herz jetzt etwa …? Das durfte doch nicht wahr sein, verdammt! Targes hatte mir gesagt, dass es sich bei Anstrengung verlangsamt hatte, aber jetzt auch schon im Ruhezustand? Dabei hatte ich keine Zeit, mir jetzt darüber Gedanken zu machen!

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