Kapitel 20 – Blutschwur
Kapitel 20 – Blutschwur
Aurelie
Von all den Mitgliedern der königlichen Familie, die er hätte am Leben lassen können, musste es ausgerechnet Ashur sein.
„Wieso …?“
„Deine Familie hat die letzten Jahrhunderte nur Unheil über das Land gebracht. Deswegen.“ Sein Blick lag stechend auf mir, funkelnd in einer Mischung aus Grau und Blau und mit einer Intensität, die mir den Atem abschnürte.
„Ich meinte … wieso habt Ihr ihn am Leben gelassen? Wieso ausgerechnet ihn?“ Wieso nicht Alexander …?
„Er ist der Kronprinz und soll mir noch ein paar Antworten geben. Ausserdem ist er eine gute Versicherung, sollten andere Pläne scheitern. Wie zum Beispiel der Blutpakt mit dir“, erklärte er nüchtern. Dabei nahm er die Hand von meiner Schulter und drehte sich mir komplett zu. Unter seiner nun komplett auf mich gerichteten Aufmerksamkeit machte ich mich noch kleiner. Aber ich verstand ihn nicht.
„Ich verstehe nicht, Fürst Cyrus.“ Ich schluckte. „Was, wenn er es schafft auszubrechen und Euch stürzt?“
Seine Augen wurden schmaler und ich richtete meinen Blick schnell wieder zu Boden. Hatte ich zu viel gewagt? Ich wusste nicht, ob … Vielleicht hatte Aurillia recht. Er würde mich benutzen und danach … danach würde er mich loswerden. Beim Gedanken daran fing ich an, zu zittern.
„Ohne fremde Hilfe wird er es nicht schaffen, auszubrechen. Oder hast du etwa vor, ihm zur Flucht zu verhelfen?“ Schmerzhaft fest packten die Finger des Fürsten mein Kinn und hoben es an. Seine Augen pendelten zwischen meinen hin und her.
„N…Nein!“, stotterte ich. Mein Atem ging schnell und unregelmässig. Selbst mein Herz donnerte in meinen Ohren, während ich in diese kalten, unberechenbaren Augen aufsah; von den blutbefleckten Händen dieses Mörders in Position gehalten wurde.
„Braves Mädchen. Du wirst von heute an tun, was ich von dir verlange. Verstanden?“ Seine Stimme wurde leiser, aber zugleich um einiges tiefer, bedrohlicher.
Mein ganzer Körper bebte vor Angst. Angst vor diesem Mann, der in der heutigen Nacht der meinige werden sollte. „Ja“, stiess ich keuchend aus und versuchte, trotz seines festen Griffs um mein Kinn, zu nicken.
„Gut. Dann mach dich fertig. Die Sachen wurden dir bereits ausgehändigt.“ Er liess mein Kinn los und legte seine Hand wieder auf meine Schulter. Ein unnatürlich schweres und erdrückendes Gefühl überkam mich. Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und ging zurück ins Schlafzimmer.
Einen Moment blieb ich noch wie erstarrt draussen auf dem Balkon stehen. Meine Knie bebten unter mir, obgleich ich nur wenige Worte mit diesem Mann gewechselt hatte. Obschon ich seine Gegenwart nur so kurz hatte erdulden müssen. Daran würde ich mich fortan gewöhnen müssen. Ich müsste ihn heiraten. Den heiligen Blutschwur mit ihm eingehen – ein Bund, der sich einzig durch den Tod des einen wieder lösen liesse.
Mit Tränen in den Augen hob ich meinen Blick und liess meinen Kopf in den Nacken fallen. Blinzelnd sah ich zum rot leuchtenden Stern der Ignis-Robur auf. Hell stand er am Himmel. Doch im Gegensatz zum beruhigenden Gefühl, das er mir sonst immer vermittelte, fühlte ich heute nur Angst. Angst und Hohn. So nahe er dem Stern des Ora-Fides stand, fühlte ich mich verhöhnt. Heute Nacht sollten sich unsere beiden Familien vereinigen. Zwei Familien, auserwählt von den Göttern. Und doch hatten sie uns ihre Kräfte seit Generationen nicht mehr geschenkt. Wir waren unwürdig geworden. Hier stand ich, unter dem Licht der rot leuchtenden Göttin und wusste keine Worte mehr. Mein letztes Gebet war schon Jahre her.
„War das dein Plan?“, flüsterte ich leise in den Himmel hinauf und eine Träne rann mir über die Wange. „Du leuchtest, gleich neben Ora-Fides?“, fuhr ich anklagend fort. „Willst du mir damit sagen, du unterstützt das?!“, schrie ich schliesslich und fiel weinend auf meine Knie. „Kinder sollten doch heilig sein. Das habt ihr Götter uns gelehrt. In jeder Schrift steht es geschrieben.“ Die Stimme heiser und rau murmelte ich vor mich hin: „Aber den Bogen habe ich mit meiner Unfähigkeit zu reifen wohl endgültig überspannt.“
Eine ganze Weile später, ich konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, brachten mich Emili und Aurillia wieder hinein in das warme, geheizte Gemach meines Zukünftigen. Allein beim Gedanken an ihn zog sich alles in mir angsterfüllt zusammen. Nur zu genau sah ich das Gemetzel von letzter Nacht noch vor meinem geistigen Auge.
Aurillia und Emili sprachen mir Mut zu, aber ihre Worte flogen ungehört an mir vorbei. Zu tief war ich meinen Gedanken, in meiner Angst versunken, als dass ich mich noch auf den Moment hätte konzentrieren können. Ich funktionierte lediglich; mein Blick war ins Nichts gerichtet. Ich hob meine Arme, wenn sie sagten, ich solle sie heben, und ich senkte sie wieder, als sie mir sagten, ich solle es tun. Manchmal mussten sie nachhelfen, damit ich mich bewegte, so sehr war ich abgelenkt. Es war, als würde ein furchtbarer Sturm in mir toben und alles mitreissen, was ich bis jetzt gekannt hatte.
Irina war weg. Ich würde sie vermutlich niemals wieder sehen. Emili und Aurillia waren zwar nett, aber ich kannte sie nicht. Und sie verstanden mich nicht. Für Aurillia war ich eine verzogene, kleine Prinzessin, die alles hatte, was man sich wünschen konnte und für Emili … nun, was Emili von mir hielt, konnte ich nicht sagen. Ich hatte das Gefühl, sie dachte, ich sei undankbar. Immerhin machte ich hier gerade eine gute Partie, nicht?
Die ganze Situation kam mir so unglaublich seltsam vor. So unglaublich abstrus. Vor wenigen Jahren noch hatte ich versucht den König dazu zu bringen, einer Heirat mit eben jenem Fürsten zuzustimmen. Nun wurde ich dazu gezwungen. Alle Gerüchte, die mir meine Familie über ihn erzählt hatten, entsprachen der Wahrheit. Er war grausam, furchteinflössend und empathielos. Er war niemand, mit dem ich freiwillig den heiligen Bund eingehen wollte – auch damit hatten sie recht behalten.
„Und fertig!“, jauchzte Aurillia, strahlend vor Begeisterung.
Die beiden Mädchen schoben mich vor einen Spiegel. Ich trug ein Kleid aus rot eingefärbter Muschelseide. Der feine Stoff reichte bis hin zum Boden und auch meine Arme waren davon bedeckt. Zu den Enden hin wurde er weiter, wo er am Oberarm noch eng an meiner Haut anlag. Passend zu festlichen Anlässen fanden sich kunstvolle, goldene Stickereien darauf, die in feinen Linien das Wappen der Königsfamilie auf dem Rock abbildeten, immer und immer wieder. Klein, aber doch unübersehbar für ein geübtes Auge. Der Ausschnitt war gerade. Es war das zeremonielle Kleid der Prinzessin gewesen und diese war ein Kind … gewesen.
Mein weissblondes Haar hatten die beiden in einer einfachen Frisur halb hochgesteckt. Mit der Länge, die es momentan hatte, konnte man nicht besonders viel anstellen, allerdings schien es, durch die penetrante, rote Farbe des Kleides, ebenfalls in einem leichten Rotton zu schimmern. Das Prinzessinnendiadem aus den königlichen Kronjuwelen hatten sie mit zwei Zöpfen aus meinen langen Fransen auf meinem Haupt befestigt.
Aurillia tauchte hinter mir auf und hielt die Ohrringe sowie das Collier der Königin in meine Sichtweite. Bestimmt schüttelte ich den Kopf, unterbrach mein andauerndes Schweigen aber nicht. Ich konnte nicht sprechen. Zu tief sass der Kloss in meinem Hals.
„Dann bist du fertig“, flüsterte Emili leise und ich nickte apathisch. Zum ersten Mal, seit ich zu den Sternen emporgeblickt hatte, fokussierte sich mein Blick auf etwas. Auf die Tür. Langsam ging ich darauf zu. Zitternd und mit verschwitzten Händen; wusste ich doch, was mich erwartete. Emili öffnete mir und Aurillia schon mich hindurch, sodass ich keinen Schritt mehr zurückweichen konnte.
Da stand er. Der Fürst hatte sich ebenfalls umgezogen und trug eine schwarze Stoffhose und eine schwarze Tunika mit Stehkragen. Darüber eine Weste und einen langen Mantel. Die Ärmel und der Kragen wurden von silbernen Stickereien geschmückt; auf der Weste glänzte sein silbernes Wappen. Er kam mir entgegen und hielt dabei einen schwarz-silbernen Wendeumhang in den Händen, den er mir mit der schwarzen Seite nach aussen um die Schultern legte. Eine unnatürliche Schwere legte sich über mich. Bei jedem meiner Schritte würde das Silber aufflackern.
„Wo ist der Schmuck?“
„In der Schatulle“, erwiderte ich bestimmt. Meine Hände hatte ich zu festen Fäusten geballt, um sie am Zittern zu hindern.
Ich sah, dass der Fürst wütend die Augen zusammenkniff. Aber er schwieg. Mit einer Hand ergriff er mein Handgelenk, mit der Anderen packte er zwei weitere Kleidungsstücke, die noch auf dem Sofa gelegen hatten. Eines davon war rot, das andere silbern.
„Wir müssen los.“
Gemeinsam liefen wir die Gänge des Palastes entlang. Das schummrige Licht der Kerzen erhellte unseren Weg nur mässig, dennoch waren seine Schritte schnell und bestimmt. Meine hingegen waren gehetzt, weil ich seinen grossen Schritten kaum folgen konnte.
Schwer atmend bat ich: „Könntet Ihr ein wenig langsamer … laufen?“ Ich stolperte über das bodenlange Kleid und fiel hin. Im letzten Moment riss ich meine Hände nach vorn, um mich vor dem Aufprall zu schützen. Trotzdem spürte ich, wie mich meine Rippe schmerzhaft an ihre Existenz erinnerte und verzog daraufhin leicht das Gesicht. Schnell negierte ich den Ausdruck von Schmerz wieder.
Mit verschränkten Armen und hochgezogener Augenbraue kam der Fürst etwas weiter vorne zum Stehen und betrachtete mich … gelangweilt?
„Steh auf. Der Hohepriester wartet auf uns. Oder soll ich dich tragen?“ Spott lag in seiner Stimme.
„Nein!“, platzte es schnell aus mir heraus und ich rappelte mich auf. „Nein, ich kann laufen“, sagte ich, murmelte aber noch dazu: „Nur nicht so schnell.“
Der Marsch ging weiter, dieses Mal nicht ganz so schnell, aber immer noch schnell genug, dass ich schliesslich völlig ausser Atem ankam. Es ging mehrere Stockwerke hinunter, bis ich endlich eine Vermutung hegte, wo wir hingingen.
Wir waren in den Berg vorgedrungen, an dem das Schloss erbaut war. Hier unten, in einer versteckten, heiligen Höhle, herrschte eine gänzlich andere Atmosphäre als oben im Schloss. Die Wände waren aus rauem, ungeschliffenem Stein, einzig ein kleines Loch über unseren Köpfen liess ein klein wenig Mondlicht ein. Überall sprossen Pflanzen aus den eigentlich massiven Steinwänden hervor, blühend in einem strahlenden Weiss. Fast die Hälfte des Raumes wurde von einem kleinen, unterirdischen See eingenommen. Er schimmerte leicht im strahlenden Schein des Mondes. Doch heute reflektierte er auch die beiden Leitsterne unserer Götter. Insgesamt wirkte der Raum magisch. Als wäre er von den Göttern selbst erschaffen worden.
„Atemberaubend“, hauchte ich. Dabei entging mir, gefangen in meiner Faszination, dass ich nicht die Einzige war, die so reagierte.
„Willkommen, meine Kinder“, erklang plötzlich die Stimme des Hohepriesters und riss sowohl mich als auch den Fürsten aus unserer Träumerei.
Der Fürst ergriff meine Hand und führte mich näher an den Rand des Sees, an dem der Hohepriester stand. Hinter ihm war die Oberfläche des Sees konstant in Bewegung; ein leises Wasserrauschen erfüllte die Höhle mit Frieden. Die Quelle des heiligen Wassers, die unsere Art erschuf. Die teils sanften, teils wilden Wirbel im Wasser nahmen meine Aufmerksamkeit noch für einen Moment für sich ein, ehe sich der Hohepriester räusperte. Fürst Cyrus und ich standen uns gegenüber, direkt vor dem Hohepriester, dahinter lag der See der Götter friedlich und still.
„Heute vereinen wir zwei Vampire, zwei Häuser und zwei Lande“, begann er mit tiefer Stimme und hob verkündend die Hände. „Fürst Cyrus aus dem Hause des Ora-Fides, sprich deinen ersten Schwur.“ Seine Stimme hallte von den steinernen Wänden zurück und erfüllte diesen heiligen Ort.
Mit tiefer, selbstsicherer Stimme begann der Fürst zu sprechen: „Ich, Fürst Cyrus der Ostlande und treuer Untertan der Götter, schwöre hiermit, dass ich die hier anwesende Prinzessin Aurelie Nayara Athanasia vor all ihren Feinden beschützen werde.“
Noch während die Worte des Fürsten langsam verklangen, wandte sich der Hohepriester mir zu: „Prinzessin Aurelie Nayara Athanasia aus dem Hause der Ignis-Robur, sprich deinen ersten Schwur.“
Angespannt schluckte ich. Ich hatte mir keinen Schwur überlegt! Ich hatte bis eben nicht gewusst, was mich hier erwarten würde! Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Meine Hände wurden wieder schwitzig und ich versuchte sie möglichst unbemerkt an meinem seidenen Rock abzuwischen, was nicht wirklich klappte.
„Ich …“, begann ich zögerlich, noch immer nicht wissend, was ich schwören sollte. Der Fürst warf mir einen stechenden Blick zu, drohend, sodass mir das Blut in den Adern gefror. „Ich schwöre …“ Schliesslich kam mir spontan etwas in den Sinn, was sich so gut wie jeder Erwachsene wünschte. Also räusperte ich mich und erinnerte mich an die alten Floskeln, die ich vor so vielen Jahren einmal im Unterricht gelernt hatte. „Unter dem Auge der Göttin Ignis-Robur, schwöre ich, dem hier anwesenden Fürst Cyrus der Ostlande aus dem Hause des Ora-Fides, brav zu sein.“
Ich hatte meinen Titel weggelassen. Ich hatte meinen Namen weggelassen. Beides hätte ich erwähnen müssen. Aber ich konnte es nicht. Stattdessen lag jetzt der ungläubige, fassungslose und in höchstem Masse irritierte Blick des Fürsten auf mir.
Der Hohepriester legte mir einen schweren, kalten Gegenstand in die Hand, den ich aus Reflex umklammerte. Er ergriff je eine unserer Hände und führte meine zu der des Fürsten hin. Erst jetzt bemerkte ich, dass er mir ein Messer in die Hand gegeben hatte. Verwirrt sah ich zum Hohepriester, dann zum Fürsten hin, der mittlerweile doch beinahe schon belustigt wirkte.
„Prinzessin, Ihr schneidet nun in die Hand des Fürsten, während er Euch sein zweites Versprechen gibt.“
„Wa…!“ Bei den ernsten Blicken verstummte ich schnell wieder und drückte meine Empörung dahin, wo sie hergekommen war. In mein tiefstes Inneres. „Gut …“, murmelte ich kleinlaut und hob leicht den Blick zum Fürsten mir gegenüber. Er erwiderte ihn furchtlos. Aber auch genauso emotionslos. Dabei waren wir gerade dabei, einen Bund fürs Leben zu schliessen! Das sollte nicht emotionslos sein!
Ehe mir die Tränen kommen konnten, verdrängte ich meine Gedanken. Das Messer in meiner Hand zitterte. Dennoch steuerte ich damit langsam auf die freigelegte, nach oben schauende Handinnenfläche des Fürsten zu, welcher nicht einmal mit der Wimper zuckte. Immer wieder huschte mein Blick zu seinen Augen hoch, so blau wie der Himmel an einem sonnigen Tag und gleichzeitig so grau wie der Himmel an einem regnerischen Tag. Doch er wartete nur. Ungeduld blitzte mir entgegen, was mich schnell dazu brachte, mich wieder meiner Aufgabe zu widmen. Ihn zu schneiden. Vorsichtig legte ich den Dolch an und zog damit über seine Haut. Allerdings blutete es kein Stück. Unsicher hob ich den Kopf, doch der Fürst hob nur seine Augenbrauen. Schwer schluckend versuchte ich es erneut. Dieses Mal gab ich ein wenig mehr Druck auf die Klinge, bis tatsächlich das erste Rot aus der Wunde trat und sich in seiner Hand sammelte. Vor Schreck hätte ich beinahe den Dolch fallen lassen, doch ehe er mir aus der Hand fallen konnte, hatte sich die andere, unverletzte Hand des Fürsten um meine geschlossen.
„Fester. Zieh einen Strich“, forderte er kalt und genau so lief es mir den Rücken hinunter. Eiskalt.
Dennoch tat ich wie befohlen und zog dieses Mal einen Strich durch seine bereits blutende Hand, wobei ich noch ein wenig mehr Druck ausübte. Als es genug war, streckte er seine Hand vor und drehte sie über einem Kelch, den der Hohepriester hielt, um. Dabei sprach er seinen zweiten Schwur: „Prinzessin Aurelie Nayara Athanasia vom Geschlecht der Ignis-Robur, ich schwöre dir, dich zu nähren, auf dass du gut wächst und gedeihst.“
Hiess das, ich sollte regelmäßig zu essen bekommen? Während sein Blut in den Kelch tropfte, schlich sich ein Lächeln auf meine Lippen. Also würde ich nicht mehr darauf hoffen, dass in der Küche irgendwelche Abfälle übrig blieben. Der Gedanke erleichterte mich.
Nun aber verlangte der Priester nach meiner Hand und hielt sie daraufhin dem Fürsten entgegen, welcher indessen auch den Dolch an sich genommen hatte. Meine Augen wurden gross, als mir bewusst wurde, was gleich passieren würde. Aber ich hatte schon Schlimmeres erlebt, nicht? Also würde ich auch so einen kleinen …
„Ah!“ Schnell klatschte ich mir meine unversehrte Hand auf den Mund. Ungläubig sah ich auf meine Rechte, aus der das Blut nur so quoll. Augenblicklich fluteten Tränen meine Augen, während der Priester meine Hand ergriff und sie ebenfalls über den Kelch kippte, sodass mein Blut hineinlief. Erwartungsvoll sah er mich an.
„Oh, eh … ich …“
„Richtet Euren Schwur nun direkt an ihn“, erklärte der Hohepriester und deutete auf den Fürsten.
Prompt wurde ich rot. Nun gut. Was sollte ich ihm schwören? Was wollte er noch? „Fürst Cyrus der Ostlande, ich schwöre Euch, Euch von nun an immer mit Ehrlichkeit zu begegnen und nicht absichtlich Unwahrheiten von mir zu geben.“
Mit diesen Worten war auch meine Hand vom Hohepriester entlassen, woraufhin ich sie schnell an meine Brust zog. Nach wie vor blutete sie stark, wohingegen der Schnitt des Fürsten bereits wieder grösstenteils verheilt war. Die Wunde tat weh und würde die nächsten Wochen noch einiges an Ärger mit sich bringen, da war ich mir sicher. Mitten auf der Hand. Unpraktischer ging es wirklich nicht. Wie sollte ich denn da … arbeiten.
Abrupt wurden meine wirren Gedanken unterbrochen.Wieder hallte die alte Stimme des Hohepriesters durch den heiligen Raum: „Nun kommt zu Eurem dritten und letzten Schwur.“


































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