Kapitel 21 – Nicht reinstecken!

Kapitel 21 – Nicht reinstecken!

 

Aurelie

Den Morgen hatte ich in den Geheimgängen verbracht. Und zwar nicht irgendwo, sondern in den untersten Stockwerken. Da, wo auch die Kammer mit den seltsamen Gegenständen und Kronen war. Den Großteil der Gänge in dieser Tiefe kannte selbst ich nicht. Alex war, kaum hatten wir die Reliktkammer gefunden, gereift. Und auf eigene Faust neue Gänge zu erkunden, hatte ich mich damals nicht getraut. Das war immer etwas gewesen, was wir zusammen getan hatten. Doch nach etlichen Stunden in der Dunkelheit kehrte ich erschöpft und erfolglos in meine Gemächer zurück. Keine geheime Schatzkammer. Viele der Zugänge dort unten konnte ich nicht öffnen. Vermutlich waren sie mit der Zeit verschüttet worden. Zu meinem Leidwesen plagte mich jetzt auch noch ein stechender Kopfschmerz, der seinen Ursprung wohl im Auswendiglernen der neuen Abzweigungen hatte.

Hastig zog ich mich um, wischte die Spinnweben sowie zwei große Spinnen aus meinem Haar und fing Emili ab, die mir meine Haarpracht hochsteckte. Ängstlich quietschte sie auf, was mich dazu veranlasste, ihr durch den Spiegel entgegenzublicken. „Spinne!“

„Oh, habe ich eine übersehen?“, fragte ich lediglich ruhig und ließ mir mein Amüsement über ihre Reaktion nicht anmerken.

Wenig später saß ich im Ratssaal und blickte aus dem Fenster. Noch immer regnete es in Strömen. Und mit jedem Wort meiner Minister hatte ich das Gefühl, der Regen wurde mehr und mehr zur Traufe.

„Die Aufstände nehmen unkontrollierbare Ausmaße an, Majestät.“

„Seiblings Notizen lassen auf nichts von seinem Verrat schließen, meine Königin. Er muss die Dokumente vernichtet haben, oder jemanden gehabt haben, der es erledigt hat, bevor wir sie finden konnten.“

Ich nickte leicht. Wieder gab es nur Probleme. War es denn nicht möglich, einmal in Frieden vor sich hinzuleben?

„Es gibt auch keine Hinweise auf die angebliche Schatzkammer“, fuhr Dreidolch fort.

„Sonst wäre sie ja wohl kaum geheim“, meinte Elok, was dazu führte, dass Dreidolch gefährlich knurrte.

„Konzentrieren wir uns auf die Probleme, die akut sind und die wir am schnellsten lösen können. Wie die Aufstände der Menschen“, schlug Baron Loich vor.



Graf Targes schnaufte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich brauche mehr Männer, um das Problem an der Wurzel zu packen. Und diese kann die Krone aktuell nicht bezahlen, weil das Gold fehlt.“

Graf Dreidolch nickte zustimmend. „Ja, aktuell können wir nur die laufenden Kosten decken. Es wird womöglich Jahrzehnte dauern, bis wir durch die Steuern einen spürbaren Gewinn anhäufen.“

„Wir könnten zwei, drei Diener fragen, ob sie bereit wären, sich bei den Aufständen einzuschleichen“, schlug Herzog Mir vor. „Das birgt allerdings die Gefahr, dass sie überlaufen.“

„Ich könnte mich auch unauffällig bei den Aufständen umsehen“, bot Elok an. „Ich habe gelernt, weiterhin so zu tun, als würde ich atmen, sodass ein Mensch mein Anderssein nicht bemerkt. Und Handschuhe helfen, meine kalte Haut zu verdecken. Kein Mensch wird merken, dass ich ein Grigoroi bin.“

Von allen Seiten strömten die Vorschläge und Probleme auf mich ein. Es war so viel. Dennoch war ich unglaublich froh, dass nun immerhin Lösungsansätze geboten wurden, anstatt dass sich die Diskussion immer nur wieder um das Thema Sklaven drehte.

„Die Diener trauen mir nicht. Weder mir noch euch. Es wird dauern, bis ich ihr Vertrauen und damit ihre Treue gewinne. Dafür hat mein Onkel gesorgt. Eloks Vorschlag scheint mir hingegen machbar“, überlegte ich laut. „Was die Kosten angeht … haben wir nicht das Vermögen Seiblings? Nun, da es keinen Meister der Münze mehr gibt, geht es offiziell zurück an die Krone.“

Sofort blickte Graf Dreidolch in seine Unterlagen und kratzte sich dabei gedankenverloren mit einem Kohlestift die Nase, sodass sein Nasenrücken ganz schwarz wurde. „Nun, von Vermögen können wir hier nicht sprechen. Aber es sollte zumindest etwas helfen.“

„Es ist besser als nichts“, meinte Herzog Mir und reichte Dreidolch ein Tuch. „Eure Nase“, fügte er etwas leiser hinzu.

„Oh.“ Graf Dreidolch, nahm das Tuch entgegen und schnäuzte hinein. Vermutlich hätte ich normalerweise bei diesem Anblick gekichert. Nur war mir gerade nicht danach.

„Stimmt …“, murmelte ich leise. Seibling hatte ja Cyrus mit dem unterschlagenen Gold bezahlt, damit er seine Tochter ehelichte. „Nun gut. Dann nutzen wir das … kleine Vermögen, um so lange wie möglich die Dienerschaft zu bezahlen und das Schloss am Laufen zu halten. Ich werde, wann immer ich kann, nach der Schatzkammer suchen. Ich kenne das Schloss immerhin am besten.“ Mein Blick wanderte zu Targes. „Eure Truppen können wir bedauerlicherweise momentan nicht verstärken. Dafür fehlt es uns sowohl am Gold als auch an den Männern. Ich denke nicht, dass sich gute Männer auf der Straße finden lassen. Und für Söldner haben wir zu wenig Gold. Außerdem wäre das gefährlich, so kurz nach der gewaltsamen Übernahme.“ Ich atmete tief durch. „Hat jemand einen Einwand dagegen, wenn ich Elok damit beauftrage, sich um die Revolten zu kümmern?“



Nacheinander stimmten alle anwesenden Vampire dem Vorschlag zu. Selbst Lee nickte, wenn auch deutlich verhaltener. Einzig der Hohepriester enthielt sich seiner Stimme und senkte seinen Blick, als ich ihn ansah.

Graf Targes ergriff wieder das Wort: „Im Übrigen ist morgen die Audienz für das gemeine Volk. Ich halte es für ratsam, wenn die beiden Grigoroi bei der Königin bleiben. Ich selbst werde ebenfalls vor Ort sein und kontrollieren, dass die Bürger nur einzeln vortreten.“ Er sah zu Dreidolch, dann zu den beiden Beratern. „Vielleicht sollten wir alle zugegen sein. So erfahren wir direkt von der Quelle, wo die Probleme beim Volk liegen.“

„Und könnt mich beraten“, gab ich stumpf von mir. „Wer weiß schon, mit welchen Problemen ich morgen konfrontiert werde? Die Vampire werden sich wohl oder übel über die neuen Menschenrechte beklagen. Und die Menschen, die jetzt auch das Recht haben, vorzutreten und sich zu melden, werden über die wenigen Arbeitsplätze und garantiert auch über das besitzerische Verhalten der Vampire klagen …“ Entlöhunung, fehlende Arbeitsplätze … Wie sollte ich all diesen Problemen denn entgegenkommen? „Außerdem wird es sicher einen guten Eindruck machen, wenn die Kinderkönigin fähige Berater an ihrer Seite hat. Und Elok wird sich sofort nach der Audienz seiner neuen Aufgabe annehmen.“

Ich erntete zustimmendes Nicken von allen Seiten.

„Majestät“, setzte Dreidolch zögerlich an. „wenn Ihr erlaubt …“ Wieder zögerte er, woraufhin ich ihm zunickte. „Nun, ich glaube, es wäre besser, Ihr würdet morgen … passender gekleidet auftreten.“

Meine Miene verfinsterte sich unversehens und zwei Leute in diesem Raum wussten auch ganz genau wieso. Die Blicke von Targes und Lee lagen unverhohlen auf mir, während der restliche Tisch zustimmend nickte.

„Das wäre in der Tat wichtig“, stimmte Herzog Mir zu.

„Ihr seid die Königin, Majestät. Es ist wichtig, dass Ihr diese Rolle auch nach außen hin verkörpert. Das Volk kommt, um mit seiner Königin zu sprechen und nicht mit“, Baron Loich stockte, seufzte tief und nahm dann den Faden wieder auf, „nicht mit einer jungen Dame, die Männerkleidung trägt.“

„Gibt es noch etwas zu besprechen?“, fragte Lee und würgte damit das Gespräch über meine Kleiderwahl ab.



„Nein, ich denke, sonst ist alles gesagt“, pflichtete Targes ihm nüchtern bei.

„Gut. Dann ist die Sitzung hiermit beendet. Vielen Dank für eure Mitarbeit. Graf Dreidolch, bleibt bitte noch kurz.“ Ich erhob mich und deutete dem jungen Vampir, es mir gleichzutun. Lee blieb auf mein Zeichen hin stehen. „Graf Dreidolch, ich möchte mich noch einmal für Euer Engagement bedanken. Ich möchte, dass Ihr wisst, dass ich es nicht als selbstverständlich erachte, dass Ihr diese Bürden auf Euch nehmt.“

Der Graf verneigte sich vor mir. „Ich danke, Majestät. Doch fürchte ich, ich schulde Euch eine Entschuldigung. Ich gestehe, dass ich mich anfangs von Eurem Erscheinen blenden ließ. Ihr wirktet zu jung und unerfahren auf mich, um die Last auf Euren Schultern zu tragen.“ Er strich sich durch seine Haare. „Ihr habt eine starke Willenskraft und ich spüre, dass Ihr etwas erreichen und ändern wollt. Euer Tatendrang ist ansteckend und motiviert mich, Majestät.“

Ich lächelte sanft. Vermutlich sah ich mittlerweile keineswegs mehr wie ein Kind aus, also überraschte mich der Zeitpunkt seines Geständnisses nicht.

„Das Äußere kann trügen, das ist wahr.“

 

Nach der Besprechung mit dem Rat war es schon überraschend spät. Ich fand gerade noch die Zeit, einige Schritte mit Kaldor durch den Garten zu gehen, als die Sonne sich auch schon in Richtung Horizont absenkte und es Zeit für mein Treffen mit dem Gärtner wurde. Leonard, der dabei war, das Herz einer meiner engsten Freundinnen zu gewinnen.

Ich machte mich auf in den Thronsaal, Irina mit einem Schmunzeln an meiner Seite.

„Dir ist aber klar, dass er ein Mensch ist?“

„Ja“, antwortete ich scheinheilig.

„Und dass du die Königin bist?“

„Durchaus“, erwiderte ich bemüht, nicht zu lachen.

„Und dass ein normaler Gärtner, der nichts verbrochen hat, normalerweise nicht vor die Königin zitiert wird?“

Jetzt kicherte ich doch, wenn auch erstickt. „Das wird ein Spaß.“ Vorfreudig rieb ich meine Hände aneinander. „Man muss sich doch auch einmal den einen oder anderen Scherz erlauben, Irina.“ Als ihr Blick weiterhin streng auf mir liegen blieb, verdrehte ich die Augen. „Außerdem geht es mir nicht nur um mein Vergnügen, sondern deutlich mehr um Aurillia. Sie ist mir wichtig, und mir ist wichtig, dass es ihr gut geht.“ Ich blickte nach vorne und lehnte meine Arme auf den Lehnen des Throns ab. Leise murmelte ich: „Menschen zeigen anderen gern nur ihre schönen Seiten. Durch Angst und Konfrontation kommen auch die anderen ans Licht.“



Die beiden großen Flügeltüren des Thronsaals öffneten sich und ein junger Kerl von fünfzehn oder sechzehn Jahren trat ein. Seine Augen huschten zuerst zum riesigen Kronleuchter, den er mit offenem Mund bestaunte. Dabei trugen ihn seine Beine ganz wie von selbst nach vorne. Der junge Mensch hatte ein hübsches, freundliches Gesicht, das von der Sonne gleichmäßig gebräunt war. Seine Augen waren dunkel und doch warm. Die hellblonden Haare passten so rein gar nicht dazu. Insgesamt sah er aber ganz hübsch aus. Die blonden Haare lockten sich, standen in alle Richtungen ab und gingen ihm in ihrer wirren Form bis zum Kinn. Offenbar wurde er sich in diesem Moment seiner wirren Haare bewusst, denn er strich sich mit beiden Händen nervös darüber. Als Nächstes sah er aus den bodentiefen Fenstern, die von dunklen Vorgängen umsäumt waren. Diese wiederum waren kunstvoll mit rotem Faden bestickt worden, sodass sie ein bezauberndes Muster bildeten.

Während der junge Mann weiterging, knetete er nervös seine Finger. Nun glitt sein Blick auf die andere Seite des Thronsaals, wo die schweren Teppiche sowie die Porträts der vergangenen Könige hingen. Diesen widmete er aber nur kurz seine Aufmerksamkeit, bevor er endlich nach vorne sah.

Als er mich erblickte, weiteten sich seine Augen. Er stolperte. Einen Moment zu lange starrte er mich mit offenem Mund an, in seinem Blick sowohl Erstaunen als auch Unglauben aufblitzend. Jedoch riss sich dieser Leonard schnell zusammen, sank auf die Knie, legte seine Hände auf den Boden und drückte seine Stirn darauf.

„Leonard, richtig?“, erhob ich meine Stimme kühl.

„J…ja, Majestät“, nuschelte der Junge dem Boden entgegen und hatte ganz offensichtlich Angst.

„Nun denn. Diese Haltung ist die eines Sklaven oder von jemandem, der um sein Leben fleht. Ein Sklave bist du nicht. Bettelst du also um dein Leben?“

„I…ich weiß nicht. Muss ich d…das?“, fragte er stockend, mit unverhohlener Panik in der Stimme.

Ich schmunzelte leicht. „Hast du denn etwas getan, was dich um dein Leben fürchten lässt?“ Offenbar brauchte der Junge weniger eine Lektion als mehr ein wenig Selbstvertrauen.

Jetzt hob er den Kopf und sah mich an. „Ich habe Aurillia nur geküsst! Da war nicht mehr, ich schwöre es!“



Und wieder musste ich schmunzeln, wobei mir sein Verhalten aber auch zu denken gab. „Jetzt erhebe dich endlich. Ich werde dich doch nicht hängen lassen, nur weil du eine meiner Zofen küsst. Habe ich unter der Dienerschaft wirklich einen so schrecklichen Ruf?“

Der junge Mann stand langsam auf und versteckte sofort die dreckigen Finger hinter seinem Rücken. Den Kopf hielt er gesenkt. „Wir reden nicht über Euch, Majestät. Es heißt, Vampire können alles hören.“

Für einen Augenblick konnte ich sein wild hämmerndes Herz bis hierher hören. Und noch etwas. Es war, als könnte ich seine Angst riechen. Aber kaum waren die Eindrücke da, verschwanden sie wieder.

„Da habt ihr nicht ganz unrecht“, gestand ich ihm zu und dachte darüber nach, wie es früher, als ich selbst noch als Sklave gedient hatte, gewesen war. Niemals hatte man ein Wort über die Königsfamilie gesprochen. Wenn doch, dann nur positive Dinge. Dass der König gütig sei, man ihm dankbar sein müsse … Generell wurde nur sehr wenig über Dinge gesprochen, die nicht mit der Arbeit zu tun hatten. „Ihr habt meine Erlaubnis, in eurer Freizeit über mich zu sprechen. So auch über andere Vampire, oder wonach euch nun einmal der Sinn steht. Keiner wird euch dafür strafen und sollte es doch einer versuchen, gebt ihr die Meldung sofort an meine Zofen weiter. Solltet ihr allerdings über Verrat mir oder dem König gegenüber sprechen wollen, empfehle ich dies tunlichst außerhalb der Hörweite von Vampiren zu tun.“ Von letzterem Satz erhoffte ich mir ein kleines Lachen von ihm, oder zumindest dass er lockerer wurde.

Stattdessen wurde er blass um die Nase und wich einen Schritt zurück. „Ich würde nie über Verrat reden, M…Majestät! Ich habe ein gutes Leben hier!“

Ich verzog gequält das Gesicht. „Das war ein Scherz“, erklärte ich. „Es ist euch überlassen, worüber ihr sprecht. Ihr dürft es jedenfalls, ohne Angst vor Konsequenzen. Teile das der restlichen Dienerschaft bitte mit.“

Er nickte eifrig, wodurch die hellen Locken auf seinem Kopf anfingen zu hüpfen. „Sehr wohl, Majestät!“

„Warst du früher Sklave in diesem Schloss?“

„Nein, Majestät. Ich habe erst vor drei Wochen hier angefangen. Meine Eltern sind einfache Bauern. Sie wohnen in einem kleinen Dorf, südlich der Stadt. Etwa eine Stunde von hier.“ Er räusperte sich. „Wir sind sieben Geschwister. Ich wollte hier etwas Gold verdienen und es meinen Eltern schicken. Damit sie einen neuen Pflug kaufen können.“



„Und bist du mit deiner Arbeit hier zufrieden?“, fragte ich neugierig. „Mit deinem Lohn?“ Ich konnte nicht einschätzen, wie viel ein Mensch momentan brauchte, um zu überleben.

„Ich mag meine Arbeit sehr, sie geht mir leicht von der Hand. Ich kenne mich gut mit dem Boden aus und weiß, wann eine Pflanze blüht. Und mein Lohn ist gut, denke ich. Ich kann jede Woche etwas beiseitelegen, um es meinen Eltern zu schicken. Dann können sie in zwei, drei Jahren den Pflug kaufen.“

Meine Augen wurden riesig, bei der Zeitspanne, von der er sprach. Verwirrt sah ich zu Irina. Immerhin hatte es eine Zeit gegeben, da war sie frei gewesen. „Ist ein Pflug so teuer?“, flüsterte ich leise.

„Welchen Pflug wollen deine Eltern kaufen? Ist er mit Metall verstärkt?“, fragte Irina den jungen Mann.

Dieser nahm die Anwesenheit meiner Grigoroi erst jetzt wahr. Seine Kinnlade klappte herunter und sein Blick glitt an ihr herunter, blieb ein kleines Weilchen zu lange auf ihrem schön präsentierten Dekolleté liegen, ehe er sich besann und Irina wieder ins Gesicht sah. Hastig schüttelte er den Kopf. „Nein, er ist aus Holz. Aber es ist ein Kehrpflug mit Rädern.“

Irina nickte, dann beugte sie sich zu mir vor und senkte ihre Stimme. „Wenn der Pflug gut verarbeitet ist, ist er beinahe so teuer wie eine Kutsche. Also ja, eine normale Familie spart zwei, drei Jahre dafür. Vielleicht auch länger.“

Huch? So teuer wie eine Kutsche? Ich bezweifelte, dass sich eine Bauersfamilie in der Geschichte des Goldenen Reiches jemals eine Kutsche zugelegt hatte. Und wenn, dann wäre es mit Sicherheit nicht festgehalten worden.

Ich räusperte mich. „Und du willst also Aurillia zu deiner Familie mitnehmen?“

Der Blondschopf befeuchtete sich die Lippen. Wieder meinte ich kurz, seinen Herzschlag zu vernehmen. Es klopfte nun anders. Nicht ängstlich, sondern eher … freudig? „Ja, ich habe Lia von meinen Eltern und Geschwistern erzählt. Und von den Tieren. Und sie war so begeistert, also habe ich ihr vorgeschlagen, ihr alles zu zeigen. Wenn sie mag. Meine Eltern werden sicher nichts dagegen haben.“

Oh, ich hoffte wirklich, die Tiere waren das Einzige, was er ihr zeigen wollte …! Ich zwang ein Lächeln auf meine Lippen. „Wie alt bist du?“



„Ich bin sechzehn, Eure Majestät.“ Er neigte sein Haupt und musterte seine Schuhe. „Ich weiß, dass Lia erst in wenigen Wochen dreizehn wird. Und dass sie noch sehr jung ist.“

Ich nickte streng. „Also wirst du gut auf sie aufpassen, wenn du sie mitnimmst.“

„Ja, natürlich!“, versicherte er sofort.

Irina räusperte sich. „Und du wirst deine Finger bei dir behalten! Eure Klamotten bleiben an und du steckst nichts in sie rein! Weder deine Zunge noch deine Finger oder sonst etwas! Wenn wir erfahren, dass du dich daran nicht hältst, ist das, was du in Aurillia gesteckt hast, ab! Hast du mich verstanden?“

Der junge Mensch riss seine Augen weit auf. Dann nickte er eifrig. „Natürlich! Ich werde nichts Unehrenhaftes tun! Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich mir erst eine Frau nehmen soll, wenn ich ein eigenes Dach über dem Kopf habe, sie heiraten will und eine Familie mit ihr möchte! Sie haben mich über alles aufgeklärt, als ich ging, um Arbeit zu suchen!“

Beruhigend zu wissen, dass es noch anständige Menschen da draußen gab. „Dann sei es euch erlaubt. Du darfst gehen.“

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