Kapitel 25 – Nein

Kapitel 25 – Nein

 

Cyrus

Eine Kutsche wurde bereits wieder beladen. Allerdings bat mich Darleen, noch eine Nacht zu bleiben. Sie wollte noch mit mir reden. Gestern hatte ich sie nach der Begrüßung nicht mehr gesehen. Auch Aurelie nicht, aber das war ja schon Normalzustand.

Mein Blick ging nach Norden, wo die Berge anfingen. Hier und da sah ich einen Hof. Zarter, weißer Rauch stieg in den Himmel empor und zeigte, dass die Menschen dort lebten und vermutlich gerade ihr Mittagessen kochten. Es gab nur wenige, größere Städte in den Ostlanden. Vielleicht war es deshalb einfacher, mit den Menschen zusammenzuleben. Im Goldenen Reich lebten Vampire und Menschen vermutlich einfach viel zu nahe aufeinander. Menschen hielten sich Tiere und sorgten dafür, dass sie in der Nähe ihres Heims waren. Und im Goldenen Reich waren es die Vampire, die Menschen wie Vieh hielten. Auch die Mauern eines Hauses konnten Zäune sein.

Die Vampire des Goldenen Reichs würden sich nie ändern. Sie sahen ihre Überlegenheit als Grund, um die Menschen zu unterdrücken. Eine simple Nahrungskette. Der Vampir hatte seine Menschen, der Mensch hatte seine Tiere.

„Hier steckst du also“, holte Darleen mich aus meinen Gedanken.

Ich riss meinen Blick von den Bergen los. „Ja, ich lasse ein paar Dinge schon packen, damit wir morgen in aller Frühe starten können.“

„Du willst das also wirklich durchziehen?“ Meine kleine Cousine kam auf mich zu und blieb nahe bei mir stehen.

Wieder sah ich zu den Bergen und atmete tief durch. „Ja, es ist besser so. Ich habe immer geglaubt, der alte König wäre ein Monster gewesen. Doch nun glaube ich, die Krone korrumpiert. Ich habe Dinge getan … Dinge, von denen ich glaubte, sie seien gut und wichtig. Dabei waren sie grausam und niederträchtig. An meinen Händen klebt Blut, Darleen.“ Je öfter ich über die letzten Monate nachdachte, desto mehr begann ich, mich selbst zu verabscheuen. „Ich habe schreckliche Dinge getan. Ich muss einfach weg. Weg von der Krone. Weg vom Schloss. Weg von der Königin.“

„Und will sie das auch?“, fragte sie leise und legte ihre Hand auf meine Schulter, damit ich mich zu ihr umdrehte.

„Sie hat diese Dinge nicht getan!“, fuhr ich meine Cousine an. „Ich habe Kinder ermordet, Darleen. Kinder! Weil ich nur daran denken konnte, dass es reinrassige Vampire sind, die Aurelie den Thron wegnehmen, sobald sie erst erwachsen sind!“ Ich strich mir durch die Haare und spürte, wie sich ein kalter Griff um mein Herz legte und mir das Atmen erschwerte. „Kinder …“, wiederholte ich. „Ich glaube, die Nachfahren von Ignis-Robur haben nicht umsonst ihre Kinder miteinander verheiratet. Sie haben das Blut rein gehalten, weil nur Nachfahren von Ignis-Robur die Krone tragen können. Jeder andere, der sich die Krone aufsetzt, ist verflucht!“



„D…du …“ Konsequent suchte sie meinen Blick, packte meine Schultern und drückte zu. „Weiß Nayara davon?!“

„Ja. Ein weiterer Grund, warum sie es nicht in meiner Nähe aushält. Du siehst also, ich muss diesen Blutschwur lösen. Aurelie hat Angst vor mir. Angst schneidet tiefer als Messer.“

Ich verließ die Stallungen und ging zurück zum Schloss. Für mich war alles gesagt. Darleen hatte ohnehin keine gute Meinung mehr von mir. Würde ich ihr noch mehr sagen, würde ich meine Cousine endgültig verlieren. Falls das nicht schon geschehen war.

„Halte gefälligst ein!“, reif sie mir hinterher und lief mir nach. „Dieses Gespräch ist noch nicht beendet, Cy!“

Ich drehte mich um und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ach, nein? Willst du noch mehr wissen?“ Meine Stimme wurde lauter, daher senkte ich sie schnell. „Ich habe einen Harem vom alten König gefunden. Seine Kinder habe ich ermordet! Und dann habe ich Aurelie zu den Frauen gesperrt. Ich habe die Königin in ihrem eigenen Schloss eingesperrt und mich mit den anderen Frauen vergnügt!“

„Du hast was?!“, schrie sie mir entgegen und blieb stehen. Die Gesichtszüge entglitten ihr und sie wurde blass. Verständnislos schüttelte sie den Kopf. „Wie konntest du nur?“

„Ich bin nicht mehr ich selbst, Darleen! Alles, wofür ich stand, habe ich verloren! Ich bin nicht besser als der alte König!“ Ich schloss die Augen und legte beide Hände an meine Schläfen. „Wie konnte ich nur glauben, alles besser zu machen? Ich bin ein Monster.“

Aufgebracht schnaufte sie. „Du hast also immer alles über Nayaras Kopf hinweg entschieden, verstehe ich das richtig, ja? Du hast immer gemacht, was du wolltest, nie bei deiner Verbundenen nach Rat gefragt? Weißt du eigentlich, was Sinn und Zweck einer Bindung ist, Cyrus?“

„Sie redet ja nicht mit mir! Sie erzählt nur, wozu sie Lust hat! Informationen muss ich ihr aus der Nase ziehen, weil sie einfach alles so lange wie möglich geheim hält! Da war ein Geheimgang im Harem! Aber sie geht lieber zu ihrem Geliebten, anstatt zu mir!“ Ich war mittlerweile so wütend, dass ich mich vor Darleen aufgebaut hatte. Als ich es merkte, ging ich einen Schritt zurück und ließ die Schultern hängen. „Aurelie ist launisch, kindisch und will überhaupt gar nicht, dass ich in ihrer Nähe bin! Den Blutschwur zu lösen, ist die einzig richtige, logische Konsequenz!“



„Hast du sie denn zumindest dieses Mal gefragt, ob sie das auch will?“, sprach sie eindringlich. „Hast du dich für deine Missetaten, die du ihr angetan hast, entschuldigt? Bist du zu ihr hin und hast um Verzeihung gebeten? So wie sich das gehört, wenn man einen Fehler begeht?“

Ich schnaufte. „Machst du Witze? Hast du mir nicht zugehört? Oder sollte ich dir noch sagen, dass ich Aurelie in der Nacht unseres Blutschwurs vergewaltigt habe? Ich nahm nicht mal Rücksicht darauf, dass sie noch Jungfrau war!“ Mein Blick glitt an Darleen vorbei. Ich konnte meiner Cousine nicht länger in die Augen sehen. „Ich entschuldige mich sicher nicht für Fehler, die unverzeihlich sind, Darleen. Wie könnte ich auch? Ich kann mir selbst nicht verzeihen. Und sie wird mir auch nie verzeihen. Niemand kann das.“ Erneut wandte ich mich ab und ging zurück zum Schloss. Die Hände steckte ich dabei in die Hosentaschen. Denn mittlerweile war ich so wütend, dass ich am liebsten auf etwas eingeschlagen hätte.

„Das wusste ich in der Tat bereits“, hörte ich sie leise sagen. „Wir dinieren heute zusammen. Komm nicht zu spät, Cousin!“, rief sie mir nach. „Das ist eine offizielle Einladung der Fürstin dieses Landes!“

Ich hob kurz die Hand als Zeichen, dass ich verstanden hatte. Aber ich sagte nichts mehr. Es war alles gesagt.

Zurück im Gästezimmer griff ich zu der Landkarte, die ich aus der Bibliothek geholt hatte. Diese beinhaltete wichtige Routen in die Nordlande, sowie einige eingezeichnete Gasthäuser, wo wir Rast machen könnten. Sobald wir bei Kretos waren, würde ich dort nach Hinweisen suchen und eine Landkarte der Nordlande abzeichnen. Der Winter würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Da war eine aktuelle Karte lebensnotwendig.

Während ich die Karten studierte und Notizen machte, wurde es immer später. Irgendwann zog ich mich für das Abendessen um. Vielleicht würde die Beziehung zu meiner Cousine nie wieder werden, wie früher. Aber ich würde mir Mühe geben. Ich wollte nicht im Streit mit ihr auseinandergehen.

Nachdem ich mich angekleidet hatte, band ich mir die Haare im Nacken zusammen und grinste unwillkürlich. Ein weiteres Band, das Darleen mir klauen würde. Ich liebte es, wenn sie mich darauf ansprach und es mir klaute. Bestimmt hatte sie schon eine ganze Schublade voll mit meinen Bändern.



Mit einem Lächeln im Gesicht ging ich in den Speisesaal. Zu meiner Verwunderung war er für drei Personen gedeckt. Noch war niemand da, weshalb ich zunächst ans Fenster trat, und meinen Blick schweifen ließ.

Drei Personen … Also wäre Aurelie dabei? Die Annahme ließ mein Lächeln schwinden. Darleen würde sicherlich die Themen von heute Mittag ansprechen. Wahrscheinlich würde sie sogar erwarten, dass ich mich entschuldigte. Aber das würde meine Fehler nicht ungeschehen machen.

Bevor ich mir eine Taktik überlegen konnte, wie ich einem solchen Gespräch entgehen könnte, öffnete sich bereits die Tür. Darleen trat ein, neben ihr eine sichtbar nervöse Aurelie. Oder verängstigt. Sie traute sich nicht einmal, den Blick zu heben. Diese Frau… Meine Frau hatte ganz eindeutig Angst vor mir. Wieso also sollte ich sie weiter an mich binden und damit quälen? Den Blutschwur zu lösen, was das einzig Richtige. Und an der Tatsache, wie unbeholfen Aurelie wirkte, erkannte ich auch, wie bitter nötig es war. Ich blieb am Fenster stehen und legte die Hände hinter den Rücken. „Guten Abend.“

„Guten Abend, Cyrus“, erwiderte Darleen ruhig und ging direkt zum Kopfende des Tisches. „Wollen wir uns setzen? Es gibt einiges zu besprechen. Nayara möchte mit dir reden.“ Einladend streckte sie die Hände aus, wobei sie auf die beiden sich gegenüberliegenden Plätze neben ihrem Platz deutete.

Ich seufzte schwer, ging auf Darleen zu, nahm ihre Hand und küsste diese. Danach sah ich zu Aurelie, um auch nach ihrer Hand zu greifen. Allerdings stockte ich. Es wäre nicht gut, ihr zu nahe zu kommen. Wieder hörte ich ihren wahnsinnig schnellen Herzschlag. Schneller noch, als er in ihrer Kindheit gewesen war.

Kind …?

Und genau in dem Moment hörte ich auch die deutlich langsameren, kräftigeren Herzschläge der beiden Frauen. Mein Blick huschte zu Darleen. Das hatte ich heute Mittag bei ihr nicht gehört. Oder doch? Hatte ich es für ein Tier gehalten? Dann sah ich zu Aurelie. Nein, unmöglich. Nicht in ihrem zarten Alter. Nicht so früh! Und dennoch …

„Wer von euch beiden ist schwanger?“, fragte ich, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Aurelie senkte den Blick und schluckte sichtlich, während Darleen mir auf die Schulter klopfte. Natürlich. Keine Antwort auf meine Frage. Wäre Darleen schwanger, hätte ich es heute Mittag gehört. Oder Darleen hätte es mir direkt mitgeteilt. Aber nicht Aurelie. Ihr musste ich die Informationen immerzu aus der Nase ziehen.



Einen Moment überlegte ich, ob sie vielleicht ein kleines Nagetier in einer Tasche versteckte, um mich zu überreden, es zu behalten. Als Haustier. Weil ich ihr Kaldor weggenommen hatte. Denn Aurelie konnte unmöglich schwanger sein. Nicht so früh! Das dauerte Jahrzehnte! Jahrhunderte! Und nicht bloß ein paar Wochen …

„Ja, setzen wir uns erst mal. Und reden.“ Ich ging zur Kopfseite des Tisches, um Darleen den Stuhl herauszuziehen. Danach ging ich auf die Seite rechts von Darleen, um Aurelie ebenfalls den Stuhl zurechtzurücken. Erst danach schritt ich zu meinem eigenen Platz und ließ mich nieder.

Am Tisch war es still. Es dauerte nicht lange, bis Darleen ein Seufzen verlauten ließ und zweimal in die Hände klatschte. Daraufhin erschienen mehrere Diener und setzten uns die Vorspeise vor. Aurelie hielt einen davon auf und flüsterte ihm etwas ins Ohr, was ihn die Augenbrauen heben ließ. Daraufhin sah er irritiert zu Darleen, welche lächelnd nickte. Mit einem verwirrten Stirnrunzeln verschwand er wieder, so wie auch die anderen Bediensteten.

Aurelie sah skeptisch auf die Melone und den hauchdünn geschnittenen Schinken herunter. Darleen hingegen blickte mich auffordernd an. „Also? Hättest du Naya vielleicht etwas zu sagen? Denn ihr beiden sprecht euch hier und heute aus. Vorher verlässt keiner diesen Raum.“

Ich sah von Darleen zu Aurelie und seufzte schwer. „Diese … Reise in den Norden … ich mache das für dich. Damit du frei bist. Und ich mache es natürlich auch für mich. Damit ich endlich wieder ich selbst werden kann. Denn der Mann, der ich aktuell bin … So bin ich nicht. So wollte ich nie sein.“

Aurelie nickte stumm. „Ich …“, setzte sie unsicher an. „Ich wollte dich nie belügen oder dir weh tun. Eigentlich habe ich immer nur versucht, nach meinem Schwur zu handeln.“ Sie schluckte. „Aber ich weiß, dass ich nicht ganz unschuldig bin an deinen Veränderungen. Aber Leeanders Tod war keine Absicht.“ Erstmals sah sie auf. „Bitte, das musst du mir glauben!“ Ihre Lippen bebten. Ihr Flehen war verzweifelt. „Ich habe ihn genauso als Freund gewonnen, wie du. Ich hätte das niemals absichtlich getan!“ Herzzerreißend schluchzte sie auf.

Leeander … Sein Tod schmerzte. Hatte ein Loch hinterlassen, das niemals vollends wieder gefüllt werden könnte. Und dennoch, obwohl ich sie hassen wollte, konnte ich es nicht. Nicht mehr. „Ich weiß. Und dennoch war ich blind vor Wut und wollte dir weh tun. Ich wollte dich dafür verantwortlich machen. Für alles. Einfach für alles.“ Ich schob den Teller beiseite. Darleen wollte, dass wir uns aussprachen? Wahrscheinlich auf Bitte von Aurelie. Also lehnte ich mich zurück und sah sie an. Meine Frau. Meine Verbundene. „Ich wollte dich hassen. Jeden Tag, jede Nacht. Es machte die Trauer erträglicher. Dachte ich zumindest. Es war einfacher, dir für alles die Schuld zu geben.“



Es klopfte kurz, die Tür ging auf und der Diener von vorhin trat ein. Auf einem Tablett brachte er ein Glas … Honig? Und einen Löffel.

„Danke“, nuschelte Aurelie leise, als er beide Dinge vor ihr abstellte, sich kurz verbeugte und gleich darauf wieder den Raum verließ. Aurelie machte sich indessen über den Honig her, tauchte den Löffel ein und begann, ihn nachdenklich abzulecken. Ihr Blick war starr auf ihren Teller gerichtet. „Ich weiß, dass du mich hassen wolltest. Es verwundert mich nicht. Ich habe mir seinen Tod selbst nicht vergeben“, murmelte sie. „Wie könnte ich?“ Wieder steckte sie sich den Löffel in den Mund und nuckelte daran herum. „Deine Wut war mehr als gerechtfertigt. Auch wenn ich nicht einsehe, dass du, was folgte, als recht und billig ansiehst. Ich habe etwas Schreckliches getan. Aber Böses mit Bösem zu vergelten …“

„Ist dumm und zeugt von Schwäche? Ja. Hinterher ist man immer klüger, nicht wahr?“ Ich senkte den Blick und starrte auf den Tisch. Aurelie dabei zuzusehen, wie sie Honig aß, machte mich wahnsinnig. Seit Wochen war ich nicht mehr mit einer Frau das Bett geteilt. Der Alkohol, die Ausnüchterung, die Fahrt hierher. Vielleicht hätte ich das Angebot der alten Frau in dem Gasthaus annehmen sollen.

Bei dem Gedanken erschlaffte sofort, was vorher noch angeregt gezuckt hatte. Stumm zog ich meinen Teller wieder heran, spießte Melone mit Schinken auf die Gabel und aß. Einfach nur, um mich abzulenken. „Wenn du mich ansiehst, siehst du auch nicht immer Cyrus vor dir. Den ganz normalen Cyrus. Manchmal siehst du den Cyrus, der dich verletzt hat. Und genau so geht es mir auch. Dann frage ich mich, wie lange es gedauert hat, bis Leeander starb. Frage mich, ob er sehr leiden musste…“ Ich aß weiter. Schlang die Vorspeise regelrecht herunter, um den Blick nicht von meinem Teller abwenden zu müssen. „Aber ich habe trotzdem mehr schlimme Dinge getan. Es wäre ungerecht, nur auf dieses eine Thema einzuhaken und es als Universalentschuldigung zu nutzen.“

„Stimmt“, brummte sie. „Im Endeffekt sind wir beide Kindsmörder.“ Sie lachte hysterisch auf. „Ironisch, nicht wahr? Ausgerechnet wir werden Eltern!“

„Mit dem Unterschied, dass das Kind in Irina nie eine Chance hatte, zu leben. Vielleicht war es auch schon tot, bevor ich sie verwandelte. Ich hingegen habe drei wirklich, wirklich schöne, wunderbare Kinder getötet. Unschuldige Kinder, die schon unter Zwang gezeugt worden sind. Sie lebten in Isolation, gefangen auf viel zu engem Raum und hatten nicht einmal Spielzeug.“ Ich sah wieder auf. Gerade noch rechtzeitig, denn ich konnte gerade noch so einem fliegenden Löffel ausweichen.



Aurelie hatte sich mit den Händen am Tisch aufgestützt. „Hörst du mir überhaupt zu?!“, klagte sie laut. „Du wirst Vater, verdammt noch mal!“

„Ja.“ Meine Stimme klang seltsam fest. Wurde ich wirklich Vater? Noch vor kurzer Zeit hatte ich alles daran gesetzt, damit ich es wurde. Ein Prinz oder eine Prinzessin für das Reich. Ein Nachfolger. Ein weiterer Vampir der Ignis-Robur. Der Stern würde nicht auf unsere Welt stürzen. Und so hatte ich einen weiteren, unverzeihlichen Fehler getan. Sie wollte kein Kind. Nicht jetzt, nicht so früh. Natürlich hatte ich ihr gesagt, dass es Ewigkeiten dauern würde. Ein Grund, weiter bei ihr zu liegen. Ihre Nähe zu genießen. Ihren Körper unter meinen Händen zu spüren.

Aurelie ließ sich auf ihren Stuhl zurücksinken und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Ich hörte sie schluchzen.

Darleen sah mich indessen bitterböse an. Als ich nur mit den Schultern zuckte, deutete sie mit ausgestrecktem Zeigefinger und zur Faust geballten Hand auf Aurelie und verzog das Gesicht drohend.

„Nein“, sagte ich bestimmt. Ich hatte eine Entscheidung gefällt. „Es ist dein Kind, Aurelie. Ich werde aus deinem Leben treten. Und diesem Kind kein Vater sein.“ Mein Wunsch, ein eigenes Kind in meinen Armen zu halten, es aufwachsen zu sehen, musste sterben. Aurelie hatte recht. Ich war ein Kindsmörder. Kein Vater. „Ich erwarte dich morgen früh bei Sonnenaufgang an der Kutsche. Gute Nacht.“ Mein Blick glitt zu ihrem Bauch. Der Herzschlag des Ungeborenen machte es mir schwer, doch ich stand auf und ging.

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