Kapitel 27 – Also …?
Kapitel 27 – Also …?
Aurelie
Mit gemächlichen, aber zielgerichteten Schritten führte mich mein Gemahl durch die Masse an Vampiren. In einer Hand hielt ich meinen Saft, die andere lag in seiner, was mein Herz unerklärlich aufgeregt flattern ließ. Es fühlte sich komisch an, seine Hand zu halten. Viel zu schnell entzog er mir aber sie aber wieder und bot mir dafür seinen Arm an. Fast hätte ich enttäuscht geseufzt. Der Göttin sei Dank nur fast.
„Fürst Andyr“, begrüßte er, wobei sich der Angesprochene leicht verbeugte.
„König Cyrus. Es freut mich, diesen Tag mit Euch zu feiern. Ich bin sicher, er wird in die Geschichte eingehen.“
„Zweifellos“, gab mein Gemahl lächelnd von sich, doch sein Lächeln wirkte kalt.
Mir kamen seine vorherigen Worte wieder in den Sinn. Ich solle lernen, die Mimik anderer zu lesen. Zu erkennen, ob sie Freund oder Feind waren. Natürlich war ich einst darin unterrichtet worden. Es war Teil meiner Ausbildung gewesen, zu erkennen, was hinter einem Lächeln steckte. Aber im Gegenteil zu meinen nahezu perfekten Brüdern war ich darin einfach nur schrecklich unbegabt. Ich wusste nicht, wann mir jemand etwas Böses wollte. Das bedeutete aber keineswegs, dass ich ein offensichtlich gekünsteltes Lächeln nicht erkennen könnte. Und mein Gemahl schien den Mann vor ihm nicht hundertprozentig zu mögen.
„Mein König“, flüsterte die Frau neben Fürst Andyr und sank in einen tiefen Knicks. Sie war mir schon auf dem Bankett aufgefallen, weil sie mit ihren goldbraunen Locken wunderschön war. Ihre Haare reichten ihr bis zum Po. So lang waren meine Haare auch mal gewesen. Und ebenso schön gelockt.
Weder der Fürst noch seine Frau, Adaline, würdigten mich eines Blickes. Erst, als der König sich leise räusperte und mich etwas weiter zum Fürstenpaar hinzog, musterten sich mich.
„Ihr seht fabelhaft aus, Königin Aurelie“, meinte Fürst Andyr und reichte mir eine Hand. Um sie zu ergreifen, musste ich meine aus der Armbeuge von Cyrus ziehen, was mir unerklärlicherweise schwerfiel. Fürst Andyr ergriff meine Hand, aber drückte nicht zu. Seine Finger waren eiskalt. Als sich seine Lippen auf meinen Handrücken legten, forderte es sämtliche Konzentration, nicht wegzuzucken.
„Vielen Dank, Fürst Andyr“, erwiderte ich trotz meines Ekels höflich und zog meine Hand, nicht zu hastig, schnell wieder zurück. Ich erinnerte mich an meinen Unterricht. Ich hatte das geübt. Es war mir so lange vorgetragen worden, bis es mir ins Blut hätte übergehen müssen. Ich sollte jetzt etwas sagen. Seiner Frau ein Kompliment machen. Wir waren in der Anfangsphase eines politischen Gespräches. Langsam kam Panik in mir auf. Die Zeit um mich herum schien still zu stehen und mein Gedankengang kam mir fürchterlich lang vor, obgleich vermutlich noch nicht einmal besonders viel Zeit vergangen war. Meine Gedanken rasten.
„Eure Frisur schmeichelt Euch, Fürstin Adeline.“ Oh, Götter, konnte ich etwas noch Dämlicheres sagen?
„Vielen Dank“, gab diese lächelnd zurück, allerdings erreichte auch ihr Lächeln ihre Augen nicht. „Das Kleid sieht fabelhaft aus. Der Kragen umschmeichelt Euren schönen, schlanken Hals.“ Sie knickste erneut, diesmal in meine Richtung. „Ich hoffe, wir können Euch demnächst unseren Sohn vorstellen.“
Wow. Eine Anspielung auf meine fehlende Reife. Ich fühle mich geschmeichelt, dachte ich sowohl sarkastisch als auch einen Stich in meinem Herzen fühlend. Doch ich setzte ein süffisantes Lächeln auf meine Lippen und ignorierte ihre Beleidigung gekonnt. Demonstrativ hängte ich mich wieder bei meinem Gemahl und ihrem König ein.
„Das würde mich sehr freuen, Adaline. Ich hoffe, wir bekommen schon bald Gelegenheit, den zukünftigen Fürsten des Südens kennenzulernen.“ Und damit hatte sie ihre Beleidigung zurück, denn mit dreiundneunzig Jahren seine Reife noch nicht erreicht zu haben, war auch nicht gerade gern gesehen, ungeachtet dessen, dass es völlig normal war. Bis ein Vampir sein hundertstes Lebensjahr erreichte, durchlief er normalerweise seine Reife. In den von den Göttern gesegneten Familien wurde aber häufig eine frühere Reife erwartet. Es galt als Zeichen von Stärke.
Ich hatte keine Ahnung, worüber mein Gemahl genau mit den beiden sprechen wollte, also übergab ich ihm stumm das Wort. Jetzt, wo die Freundlichkeiten endlich standesgemäß ausgetauscht worden waren.
Unerwarteterweise nahm sich die Fürstin jedoch heraus, auf meine Bemerkung einzugehen: „Oh, ich bin mir sicher, dass Ellroc Euch gefallen wird. Wenn der König eine Geliebte hat, steht es Euch immerhin ebenso zu, neue Kontakte zu knüpfen.“
Fürst Andyr legte einen Arm um die Taille seiner Frau und raunte leise, aber hörbar: „Sei still! Morgen wirst du in unser Fürstentum zurückkehren!“
Mein Gatte tat so, als habe er diesen Eklat völlig überhört und blieb freundlich. „Die nächsten Wochen werden sicherlich anstrengend und einsam für Euch und Euren Sohn. Ich weiß, dass es schamlos erscheint, Euren Gatten zu beanspruchen“, sprach der König formell und wandte sich dabei von der Fürstin zum Fürsten: „Umso wichtiger, dass wir zeitnah die künftihr Regierung besprechen.“
Fürst Andyr neigte sein Haupt. „Ich stehe Euch zu Diensten, Eure Majestät.“
Im Folgenden informierte mein Gatte den Fürsten über ein morgiges Treffen, ehe wir ihnen zunickten, sie uns noch einmal ihren Respekt erwiesen und wir uns wieder in die Menge begaben.
„Das hast du gut gemacht“, flüsterte mein Gemahl leise, doch ich zog es vor, dieses Mal zu schweigen. Der letzte Satz der Fürstin hatte mir zugesetzt, auch wenn ich wusste, dass es unter Vampiren mehr als üblich war, andere Partner zu haben. Zudem hatte ich noch nicht einmal sexuelle Gelüste, also wieso sollte es mich interessieren?! Solange ich noch ein Kind war, durfte er sich nicht an mir vergreifen, und das sollte ich nutzen. Ich sollte meine Reife hinauszögern, wenn nur irgend möglich. Wobei ich natürlich wusste, dass das ein Ding der Unmöglichkeit war. Meine Reife war jetzt schon viel zu spät dran. Theoretisch könnte sie jeden Moment einsetzen. Jeder Reifeprozess hatte eine andere Dauer. Mit etwas Glück würde sich meiner über Monate hinwegziehen. Solange ich ein Kind war, würde ich von seinen Gelüsten verschont bleiben. Außerdem hatte er es versprochen. Er würde mich nicht anrühren.
Aber … wie viel sein Wort wohl wog? Grausam war er schon jetzt, das hatte er mir bewiesen. Immer wenn wir nur zu zweit im Zimmer waren, war er kalt und unfreundlich. Grausam, wenn ich nicht aufs Wort gehorchte. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, wie es erst wäre, wenn ich erwachsen war. Doch was gab mir die Sicherheit, dass er sich wirklich nicht bereits jetzt an mir vergreifen würde? Ashur, Ulras … Mein Körper wurde beim Gedanken an die beiden und was sie schon von mir verlangt und mit mir getan hatten, von einer dicken Gänsehaut überzogen. Ich schluckte einmal hart, wobei mir ein Schauder über den Rücken lief.
„Alles in Ordnung?“, fragte mein Gemahl flüsternd, an dessen Arm ich mich offenbar festgeklammert hatte.
Schnell löste ich mich ein wenig, sodass lediglich noch meine Hand locker auf seinem Arm lag. „Natürlich“, gab ich überraschend kalt von mir und schockierte mich damit selbst. „Gehen wir weiter.“
Fürst Kretos kam uns bereits entgegen. Er verbeugte sich vor meinem Gatten und mir, während er auf angemessener Distanz blieb. „Es war eine wundervolle Zeremonie. Meine Glückwünsche.“ Das Braun seiner Augen war angenehm warm und ich erkannte an seiner Mimik nichts Widersprüchliches. Doch trotz seiner eigentlich sympathischen Art mochte ich ihn nicht. Er hatte mich immerhin beißen wollen. Und das, obwohl ich ihm gesagt hatte, dass ich nicht wollte!
„Vielen Dank“, sprach ich höflich und lächelte meine düsteren Gedanken hinfort. Ich fühlte mich wie eine Puppe. Funktionieren. Das war alles, was heute Abend zählte.
Der Abend war, wie das mein Gemahl vorhergesagt hatte, langweilig. Schleimig. Wo das Lächeln und die Worte der Fürsten noch irgendwo etwas Echtes gehabt hatten, waren ausnahmslos alle anderen Vampire lediglich darauf aus, sich einzuschleimen.
Nachdem wir die Runde bei den wichtigsten Vertretern des hiesigen Adels gemacht hatten, kamen die bedeutendsten Geschäftsleute. Reiche Vampire, nicht zwingend dem hohen Adelsstand angehörig, aber durch ihre Waren und Handelsgüter unabdinglich für unser Land waren. Unser Land. Das hörte sich falsch an. Ich war ein Kind.Wieso ließ mich denn niemand einfach Kind sein?
Die Gespräche nahmen ein Ende und meine Augenlider wurden schwer. Auch wenn ich mir große Mühe gegeben hatte, es nicht zu zeigen, war es doch aufgefallen. Spätestens als ich irgendwann während eines Gesprächs einfach meinen Kopf auf den Arm meines Gemahls abgelegt und die Augen geschlossen hatte. Es hatte nicht viel gefehlt und ich wäre im Stehen eingeschlafen. Das war unserem Gesprächspartner bedauerlicherweise nicht entgangen und so hatte mein Gemahl das Fest für uns beide für beendet erklärt. Wir – obwohl eigentlich eher er – hatten verkündet, wir würden uns nun zurückziehen. Damit hatten wir den Festsaal verlassen.
Er führte mich bis zu seinen Gemächern, dort hin, wo ich auch die letzten beiden Nächte verbracht hatte. Von Irina, Emili und Aurillia fehlte jede Spur. Wahrscheinlich waren sie aufgefordert worden, in der Küche zu helfen.
Die Tür des Schlafzimmers fiel laut ins Schloss und ließ mich heftig zusammenzucken. Sofort drehte ich mich um und sah, dass der Fürst – König – mit mir im Zimmer war. Und sein Blick war alles andere als freundlich. In einer wütenden Bewegung öffnete er die Tunika an ihrem Kragen. „Was fällt dir ein, dich von einem anderen Mann anfassen zu lassen?!“
„W…wie bitte?“
„Du bist die Königin, verdammt! Wenn jemand um deine Hand bittet, wirst du sie in seine legen und nicht zulassen, dass er deine ergreift!“ Seine Stimme war laut geworden, und er machte sich daran, die vielen kleinen Silberknöpfe an seiner Tunika zu öffnen.
„Also…?“ Ich verstand nicht, was er damit sagen wollte. Doch offenbar missverstand er meine Anspielung und wurde wütend.
„Willst du mich vor aller Augen lächerlich machen? Spar dir deine arrogante Art und erkläre mir endlich, warum du dich hast anfassen lassen! Kein Wunder, dass Fürstin Adaline schon Pläne schmiedet, ihren Sohn in deinem Bett einzuquartieren! Am besten zeugst du noch den Erben mit ihm!“ Er wurde immer lauter und mit seinen letzten Worten hatte er alle Knöpfe seiner Tunika geöffnet und zog sie achtlos aus.
Fassungslos starrte ich ihn an. Nun, momentan eigentlich mehr seinen entblößten Oberkörper, der … von den Göttern persönlich geschaffen worden sein musste.
„Aber … ich bin doch …“ Ich schüttelte den Kopf und versuchte wieder zu Sinnen zu kommen. Meine Augen von dem sich mir bietenden Bild abzuwenden. „Ich bin doch überhaupt nicht daran interessiert, mit irgendwem diese Art der Beziehung einzugehen!“, protestierte ich aufgebracht. „Ich möchte das nicht! Niemals! Das ist furchtbar! Frauen schreien dabei! Menschen werden manchmal schwanger und sterben! Es ist schrecklich!“ Es war so weit. Es wurde zu viel. Das war es längst. Meine Familie: Tod. Mein Leben: Erneut komplett auf den Kopf gestellt. Ich war Königin, Gemahlin und ein verdammtes Kind! Ich war missbraucht worden, misshandelt, gefoltert, beleidigt, und das alles nur, weil ich meine Reife noch nicht erreicht hatte! Aber wollte ich sie überhaupt noch? Nein! Ich hatte das alles nie gewollt! Dieses Schicksal, Königin zu werden, hätte niemals das Meine sein sollen! Nie! „Ich will das alles nicht!“, schrie ich verzweifelt, erzürnt, verletzt. Tränen bahnten sich ihren Weg über meine Wangen. Ich hatte es nicht bemerkt, aber mein Gegenüber sah mich aufmerksam an. Plötzlich stand er vor mir. Er hob seine Hand, legte sie sachte an meine Wange, aber … aber … „Hör auf!“, schrie ich und schlug mit meinen Fäusten auf meinen Gemahl ein. „Ich will das nicht! Will das nicht, will das nicht, will das nicht! Lass mich einfach in Ruhe! Lass mich einfach gehen!“
Und so duzte ich ihn das erste Mal. Vergessen war Anstand, Treue, Schwüre, vergessen war meine Angst vor diesem Mann. Ich wollte nur noch, dass es aufhörte. Dieses ganze Theater, dieses ganze, schreckliche, mich in einer Tour verhöhnende Spiel!
Er ließ alle Schläge über sich ergehen und so kam mir mir vor, als hätte ich ihm nicht einmal wehgetan. Ich hörte ihn seufzen, im nächsten Moment fand ich mich von zwei starken Armen an einen steinharten Oberkörper gepresst. „Du wirst diese Rolle nun spielen müssen. Und du darfst dir keine Fehler mehr erlauben. Hast du mich verstanden?“ Obwohl seine Stimme etwas sanfter und verständnisvoller klang, waren seine Worte eindeutig. Er würde mich bestrafen, wenn ich einen Fehler machte.
„Aber ich weiß doch gar nicht …“ Ich wusste nicht, dass das ein Fehler gewesen war! „Ich verstehe nicht, was du … Ihr meint!“, erwiderte ich hilflos und schluchzte hemmungslos gegen seine warme Brust. Meine Arme waren zwischen uns eingeklemmt und lagen irgendwo auf seinem Bauch, wo ich zuvor noch versucht hatte, ihn zu schlagen.
„Aber du solltest Ashur heiraten. Aus diesem Grund wurde mein Begehr um deine Hand ausgeschlagen.“ Ich spürte, wie er sein Kinn auf meinem Kopf ablegte, bevor er weitersprach: „Eine unschöne Sitte, wie ich finde. Aber im Goldenen Reich legt man großen Wert darauf, dass alles in der Familie bleibt. Ich nahm an, dass du schon sehr früh darauf vorbereitet wurdest, an Ashurs Seite die nächste Königin zu werden.“
Bei seinen Worten erstarrte ich, was von ihm nicht unbemerkt blieb. Ashur hatte mir ein- oder zweimal vorgeworfen, dass ich daran schuld war, dass er mich nun doch nicht zur Frau haben könne. Aber ich hatte es nie ernst genommen. Ich hatte gedacht, er machte sich über mich lustig. Ich war überzeugt gewesen, es wäre nur ein weiteres seiner kranken Spiele gewesen.
„Du wusstest davon nichts?“, fragte mein Gemahl verwirrt und schob mich ein klein wenig von sich, um mir ins Gesicht sehen zu können. Mein Blick aber blieb leer und unfokussiert auf seiner Brust liegen, da, wo mein Kopf gerade noch geruht hatte. Ich konnte nicht antworten. Ich wusste nicht, was. Hatte ich es gewusst? Nicht … wirklich.
Ganz zärtlich legte er zwei Finger unter mein Kinn, um meinen Kopf anzuheben. Allerdings konnte ich ihn nur flüchtig ansehen und senkte danach wieder meinen Blick. Mein Gatte brummte leise, was dazu führte, dass sich eine Gänsehaut auf meinen Armen bildete.
„Ich vermute, deine Eltern hätten dir dies erst nach deiner Reife mitgeteilt. Meistens kommen die Inhalte des Unterrichts erst dann richtig zur Festigung. So wie ein Vampirkind auf spilerische Weise im Schwertkampf unterrichtet wird, seine Fähigkeiten aber erst mit der Reife praktikabel werden.“
Damit hatte ich tatsächlich schon begonnen, seit ich laufen konnte. Seit ich stehen konnte, um genauer zu sein. Das war das Einzige gewesen, was mir wirklich Spaß gemacht hatte. Zwischen all dem blasierten Verhalten, was ich gezwungen wurde, an den Tag zu legen, war der Schwertkampf mein Lichtblick gewesen. Gut war ich trotzdem nie gewesen, das hatte mir meine verzögerte Reife verweigert. Und aufgrund dessen, dass ich eine Frau war, hätten der König und die Königin dies auch niemals unterstützt. Selbst wenn sie davon gewusst hätten. Somit hatte ich mir alles selbst beigebracht, wenn auch mit herzlich wenig Erfolg oder Nutzen. Das musste ich ihm aber jetzt nicht unter die Nase reiben.
„Bitte nennt sie nicht so“, murmelte ich leise. „Sie waren Königin und König. Die Verbindung zu mir existiert schon lange nicht mehr. Eigentlich ja nur drei Jahre, aber … es kommt mir so viel länger vor.“
Er ließ von mir ab und trat einen Schritt zurück. Lange sah mein Gemahl mir ins Gesicht, sagte aber nichts, sodass ich schon anfing, mich unwohl zu fühlen. Erst recht, als sein Blick an mir vorbei zum Bett wanderte. „Reden wir ein anderes Mal darüber, Aurelie. Es ist spät und ich habe letzte Nacht kein Auge zugetan.“
Ich sollte Panik bekommen. Und vielleicht auch wegrennen. Aber wenn ich ehrlich war, war ich für beides zu müde. Er fing an, an seiner Hose herumzufummeln. Ich ignorierte es. Es wunderte mich, dass ich wirklich dazu imstande war. Bisher hatte es niemals etwas Gutes bedeutet, wenn ein Mann sich an seine Hose griff. Niemals. Aber es war mir egal. Wie paralysiert ging ich auf das Bett zu. Ich legte mich auf die linke Seite, drehte mich von ihm weg und schloss die Augen. Ich war so unglaublich müde. Keine Sekunde waren meine Augen geschlossen und ich spürte, wie ich in den Schlaf abdriftete.
Ein Glucksen ertönte, was mich aus meinem noch dämmrigen Zustand herausriss. „Möchtest du dich nicht vielleicht noch umziehen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass es angenehm ist, in ein Korsett gezwängt zu nächtigen. Außerdem ist das meine Seite.“
Ich ließ meine Augen geschlossen, wusste aber anhand seines Geruches, dass er genau vor mir stehen musste. „Wo sind denn Aurillia und … Emili?“ Unterbrochen von einem langen Gähnen brachte ich die Worte kaum verständlich über meine Lippen.
„Sie bereiten die neuen Gemächer vor. Ich lasse alles herausreißen. Es wird also noch ein paar Tage dauern, bis du dein eigenes Zimmer bekommst.“ Ich spürte, dass er eine Hand unter meine Seite legte, um mich aufzurichten. „Soll ich dir aus dem Kleid helfen oder schaffst du das allein?“
Brummend versteckte ich mein Gesicht in dem Kissen. Genau so lange, bis ich mir seiner Worte bewusst wurde. „Was?! Nein!“ Ich schreckte aus dem Bett hoch; meine Müdigkeit war für einen kurzen Moment vergessen.
Er hob allerdings nur amüsiert eine Augenbraue. „Also möchtest du noch länger mit mir ein Zimmer teilen?“
„Was? Nein! Aber … ich will auch nicht in ihr Zimmer!“
Nun hob sich auch die zweite Augenbraue und sein Blick wurde wieder ernst, verschlossen und kühlte drastisch ab. „Natürlich bekommst du das Gemach der Königin! Darüber diskutiere ich nicht! Also?“
Also? Ich war zu müde, um ihm weiter Kontra zu geben. Also drehte ich mich grummelnd um und blieb regungslos auf dem Bauch liegen. Ich schloss die Augen und beschloss zu schlafen.








































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