Kapitel 36 – Der Blutpackt in seiner Gänze
Kapitel 36 – Der Blutpackt in seiner Gänze
Aurelie
Wie gebannt starrte ich auf meine Hände. War das Einbildung gewesen? Oder hatten meine Hände gebrannt? Gebrannt, wie Feuer. Gebrannt wie … heiß. War es das gewesen? Was Lee das Leben gekostet hatte? Meine Hände? Das Feuer? Ich?
Die Luft drang nur zittrig in meine Lunge ein. Ich fühlte mich nicht gut. Nein, ich fühlte mich schrecklich, und das lag nicht an der liebreizenden Umgebung, in die Cyrus mich gesteckt hatte; nicht an dem Geruch, der mich umgab. Mit einem lauten Schluchzer krampfte mein ganzer Körper zusammen. Ich sackte zu Boden und kroch in die hinterste Ecke hinein.
Er hatte mich in dieselbe Zelle gesperrt, in der auch Ashur gefangen gehalten worden war. Allein der Gedanke daran schauderte mich.
„Dann habt Ihr jetzt also nicht nur Eure Reife hinter Euch gebracht, sondern seid auch noch Trägerin der Göttermagie“, stellte eine Stimme, einige Zellen weiter, nüchtern fest. Als ich nicht antwortete, fuhr er fort: „Und Euer Gatte scheint wahrlich herzlicher Natur. Die Erpressung hätte wohl kaum funktioniert.“
Ich lachte auf. Ganz kurz. Und vollkommen gestellt. Denn diesen Gedanken hatte ich in der Tat auch schon gehabt.
Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, zusammengekauert in einer Ecke, mir selbst unzählige Vorwürfe zu machen. Leeander hatte an meiner Seite gestanden und mich unterstützt. Immer! Sein Herz hatte Cyrus gehört, aber seine Loyalität uns beiden. Er hatte sie mir geschenkt, als er mir das Angebot unterbreitet hatte, trotz Cyrus‘ Tod bei mir zu bleiben. Mir zu dienen. An meiner Seite zu stehen. Er hatte mich nie verurteilt. Kein einziges Mal. Gut, vielleicht hatte er mir den einen oder anderen scharfen Blick zukommen lassen, als ich Gilead täglich in meine privaten Gemächer ließ und einige Stunden mit ihm verbracht hatte. Aber ich war mir seiner Unterstützung stets sicher. Es hatte das nicht verdient.
Dicke Tränen tropften von meinen Wangen. Selbst noch nach Stunden des Weinens. Vielleicht hatte sein Tod auch etwas Gutes. Niemand konnte Gilead jetzt an Cyrus verraten. Aurillia, Emili und Irina würden das nicht tun. Bei Leeander wusste ich es nicht, vielleicht war es so also besser … Augenblicklich fühlte ich mich für diesen Gedanken schlecht.
Erneut sammelten sich Tränen in meinen Augen und rannen schon kurz darauf ungefragt meine Wangen hinunter. Ich schlang meine Arme noch fester um mich und versuchte mir vorzustellen, es wären Gileads. Aber es brachte nichts. Meine Umarmung fühlte sich kalt an. Ich fühlte mich kalt an. Und selbst Gileads beruhigende Wärme konnte den Fakt, dass ich einem guten, treuen Freund das Leben geraubt hatte, nicht schwinden lassen.
„Es tut mir leid, Lee“, hauchte ich gegen die raue Steinwand im hinteren Teil der Zelle. „Bitte, Göttin, sorge für ihn. Ich wollte nicht, dass das passiert!“, brachte ich erstickt hervor. „Ich wollte ihn nicht …“ Ich konnte es nicht aussprechen. Es zu denken, war das eine, doch es auszusprechen, machte es nur noch viel realer. „Ich wollte das nicht“, zwang ich erneut über die Lippen und schluchzte verzweifelt auf. Das genervte Schnauben meines Kerkergenossen blendete ich aus.
Es dauerte nicht lange und die Erschöpfung übermannte mich. Es konnte noch gar nicht spät sein, doch ich fühlte mich, als hätte ich tagelang nicht geschlafen, nicht getrunken und nicht gegessen. Ich hatte doch nur hier weg wollen.
Die schwere Tür am Ende des Flurs öffnete sich und riss mich aus einem tiefen Schlaf. Kurz darauf hörte ich Schritte. Vor meiner Kerkertür erschien kein anderer als der König höchstpersönlich. Erhatte sich umgezogen, trug eine schwarze Stoffhose, ein schwarzes Seidenhemd und eine schwere Weste, die mit feinen Silberfäden durchwebt war. Dazu einen roten Schal.
„Bereit?“, fragte er und trat einen Schritt beiseite, um mich durchzulassen. Doch statt auf ihn zuzugehen, kauerte ich mich nur in der hintersten Ecke der Zelle zusammen. Nicht recht wissend, was ich fühlen sollte, starrte ich zu seinen Füßen.
Wofür sollte ich bereit sein? Wieso hatte er mich hier eingesperrt …? Nun, ich hatte seinen besten Freund getötet. Bereit … für meine Hinrichtung? Jetzt, wo die Göttin mich mit ihren Kräften beschenkt … oder in dieser Situation wohl eher verflucht hatte, war ich eine Gefahr für ihn. Mehr als jemals zuvor. Und es gab keinen Grund, wieso er mich am Leben lassen sollte. Keinen einzigen.
„Komm da raus, Aurelie. Oder muss ich dich holen?“ Seine Stimme klang so kalt, so gefährlich.
„Lass mich.“ Hier drin würde ich den Hungertod sterben. Wenn ich mit ihm ging, dann würde ich entweder gehängt oder geköpft. Vielleicht sogar gevierteilt. Obschon, möglicherweise wäre es doch keine so schlechte Idee, bereitwillig mitzugehen. Dann wäre es immerhin schnell vorbei. Ohne großes Leid. Doch noch bevor ich meinen Körper dazu animieren konnte, sich zu regen, war seine Geduld am Ende.
Er betrat die Zelle, griff grob nach meinem rechten Oberarm und zog mich in den Flur. Dabei packte er so fest zu, dass ich glaubte, er bräche mir den Arm.
Meine Fänge fuhren aus und ich fauchte. Indessen stolperte ich ihm hinterher.
„Du darfst nachher beißen“, knurrte er und zog mich mit. Die schwere Metalltür öffnete er ohne Probleme, kurz darauf gingen wir die Treppe hinauf. Auch hier öffnete er die Tür.
Die beiden Wachmänner die hier positioniert waren, machten große Augen, als sie uns so sahen. Der König, der eine verdreckte, stinkende Königin hinter sich herzog. Doch damit nicht genug, hatte diese Königin, die doch angeblich ein Kind war, auch noch Fangzähne.
Wieder gab ich ein Fauchen, vermischt mit einem Knurren von mir, während Cyrus‘ Griff einfach nicht lockerer wurde. Aber ich war ihm noch eine Antwort schuldig, auch wenn er keine Frage gestellt hatte.
„Ich werde ganz sicher niemanden beißen!“, zischte ich. Das letzte Mal war das alles andere als gut gegangen. Sollte er also nicht scharf auf einen weiteren Toten sein, war es besser, er ließ mir meinen Willen.
Der König zog mich in den alten Teil des Schlosses. Durch die Fenster sah ich, dass es mittlerweile tiefste Nacht war. Er steuerte auf die Treppen zu, die hinunter in den Berg führten. An der obersten Stufe blieb er stehen, drehte sich zu mir um und packte meinen Kiefer grob mit einer Hand.
„Hör mir ganz genau zu, Aurelie! Du wirst tun, was ich von dir verlange. Du wirst ganz brav sein, verstanden? Ansonsten schwöre ich dir, dass deine Zofen noch vor Anbruch des Tages tot sind. Und Irina werde ich einsperren und verdursten lassen!“
„Das wagst du nicht!“, zischte ich erbost.
„Ich habe jedes Recht dazu, nachdem du Lee ermordet hast!“ Ohne ein weiteres Wort zog er mich die vielen Stufen herunter. Und er hatte … irgendwie recht. Er hätte jedes Recht dazu. Auch wenn ich das unter allen Umständen verhindern würde.
Seine Worte hatten mich getroffen und so sehr verunsichert, dass ich stumm neben ihm die unzähligen Stufen hinab ging. Die Höhle ragte vor uns auf. Alles war genau so, wie beim letzten Mal. Der unterirdische See. Das Loch im Gestein, durch das der Mond sichtbar war. Sofort suchte ich Ignis-Robur und war erschrocken, wie hell und leuchtend rot sie flackerte. Es sah fast aus, als würde der Stern brennen.
Erst ein leises Räuspern ließ mich den Blick von Ignis-Robur losreißen. Der Hohepriester trat auf uns zu und hielt einen Kelch in den Händen. Derselbe Kelch, in dem das Blut des Königs und das meinige schon einmal vermischt worden waren.
„Wir überspringen den Teil mit dem Schwur“, bestimmte mein Gemahl und sah dabei den Hohepriester an. „Wir holen nur nach, was beim letzten Mal nicht ging. Damit der Blutschwur komplett ist.“
Verwirrt sah ich zwischen den beiden Männern hin und her. „Was ging beim letzten Mal nicht?“ Wieso mussten wir den Blutschwur wiederholen? Wieso wollte er das überhaupt? „Wieso tötest du mich nicht gleich?“, fragte ich verständnislos.
„Du hattest beim letzten Mal weder Zähne noch Gift“, erwiderte Cyrus kalt. Auf die letzte Frage ging er nicht ein.
Der Hohepriester warf mir einen traurigen Blick zu, dann reichte er dem König ein Messer. „Wollt Ihr nicht wenigstens ein paar Worte sagen? Oder den Schwur erneuern?“
„Nein“, kam es kalt über die Lippen meines Gemahls. Er griff nach meiner Hand, zerrte sie über den Kelch und schnitt mir tief in die Handinnenfläche.
Scharf stieß ich den Atem aus, weigerte mich aber, aufzuschreien. Dabei war er alles andere als vorsichtig gewesen! Mein Blut tropfte haltlos in den Kelch. Gleich darauf drückte er mir grob die Klinge in die Hand. Jetzt erst erkannte ich, dass auch seine Fänge mittlerweile ausgefahren waren.
„Denk an deine Freunde“, warnte er. Die Ernsthaftigkeit und die Wut, mit der er seine Drohung aussprach, ließen mir das Blut in meinen Adern gefrieren.
Ungelenk nahm ich den Dolch in meine linke Hand. In meiner Rechten hatte er immerhin einen verflucht großen Schnitt hinterlassen! Als ich die Rechte, die noch immer über dem Kelch schwebte, zurückzog, damit er seine eigene darüber halten konnte, spürte ich, wie mein Blut an meinen Fingern hinab zu Boden floss. In einem Anfall von Trotz schnitt ich mit ebensolcher Sanftmütigkeit, wie er selbst mit entgegengebracht hatte, durch seine dargebotene Hand.
„Biest!“, zischte er leise. Nachdem genügend Blut in den Kelch geflossen war, zog er die Hand zurück.
Während er sich die Hand mit dem roten Schal verband, nahm der Hohepriester den Kelch und sprach in einer alten Sprache. Dabei ging er zum See, hob den Kelch und faselte weiter in der fremden Sprache.
Stoff riss. Als ich zur Seite blickte, erkannte ich, dass mir mein Gemahl einen Teil seines Schals anbot.
Widerwillig nahm ich ihn an. An einen Dank wagte ich gar nicht erst zu denken. Er mochte vielleicht das Leben meiner Freunde in der Hand haben und stärker sein als ich, aber das bedeutete nicht, dass ich nicht zumindest kleine, versehentliche Proteste einbringen konnte. Wie beispielsweise ein Messer in seine Hand zu jagen.
Der Hohepriester kehrte zurück, schwenkte dabei den Kelch und reichte ihn dem König. Dieser ergriff das Gefäß ohne zu zögern und trank daraus. Leise knurrte er. Es wirkte, als ob er sich zwingen müsste, nicht alles zu trinken. Als er den Kelch absetzte, zuckte seine Zunge hervor und leckte den Rest des Blutes, der an seinen Lippen klebte, auf. Danach wischte er sich mit der verletzten Hand über seine Lippen, mit der anderen reichte er mir den halb vollen Kelch.
Meine Fänge reckten sich dem Kelch schmerzhaft entgegen und entlockten mir ein gequältes Stöhnen, noch ehe das Metall meine Lippen berührte. Als ich ihn erst in der Hand hatte, stürzte ich das dickflüssige Blutgemisch direkt meine Kehle hinunter. Der rote Lebenssaft ließ mich stöhnen vor Gier.
„Ich will mehr!“, zischte ich durch meine Fangzähne und leckte mir ungeduldig über die Lippen. Der Hohepriester nahm den leeren Kelch, nickte leicht und entfernte sich.
Mein Gemahl trat vor mich, öffnete den Kragen seines Hemdes und entblößte seinen Hals. „Nur zu“, entgegnete er mit kaltem Grinsen.
Meine Zunge glitt fletschend über meine Fangzähne, doch trotz des Hungers trat ich einen Schritt zurück. „Nein. Ich kann nicht. Ich will dich nicht auch noch töten“, brachte ich erstickt über die Lippen, einen Kloß in meinem Hals, der alles andere übertrumpfte.
In seinen Augen lag kurz ein Ausdruck der Überraschung. Aber schon im nächsten Moment war er bei mir, legte eine Hand an meinen Rücken und presste mich an ihn. Ehe ich begriff, was er vorhatte, packte er meinen Kopf, drehte ihn zur Seite und biss mir kräftig in den Hals.
Nur allein schon das Gefühl, wie seine Zähne sich in meine Haut gruben, löste ein unermessliches Glücksgefühl in mir aus. Und dann spürte ich, wie er vor mir trank. Schluck für Schluck genehmigte er sich.
Ein tiefes Stöhnen entrang sich meiner Kehle und drang an die Oberfläche. Mein Atem wurde mit jeder Sekunde schwerer. Ich hörte sein Herz pulsieren und sein Blut rauschen, direkt an seinem Hals – direkt da, wo mein Mund lag. Mit jedem seiner Schlucke wurde mir schummriger. Aber nicht so, als würde ich demnächst ohnmächtig werden. Mit jedem Schluck, den er aus mir trank, pressten sich meine Beine fester zusammen und das Pochen zwischen meinen Schenkeln wurde stärker.
Mein Atem kam nur noch stoßweise. Meine Zunge glitt erneut über meine Fänge, anschließend über seine Haut direkt am Hals und schließlich konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Es war wie ein vorbestimmter Impuls. Meine Fänge versenkten sich fauchend in seiner Haut, durchbohrten die dicke, schützende Schicht. Meine Lippen schlossen sich um seine Haut und ich trank. Ich schluckte, ließ das Blut meines Gemahls in meinen Mund fließen und schluckte erneut. Ich stöhnte gegen seinen Hals. Mein Körper presste sich aus einem Urinstinkt heraus an seinen, sodass kein Stück Pergament mehr zwischen uns gepasst hätte.
Cyrus löste seine Fänge. Sein Atem ging schwer. Dann drückte er mich auf den Boden. Oder trugen ihn seine Beine nicht mehr? Besitzergreifend fuhren seine Hände über meinen Körper. Er nestelte an meinem Gürtel, zog das Hemd aus meiner Hose und schlüpfte mit seinen Händen darunter. Ein leises, unzufriedenes Knurren verließ seine Lippen, als er bemerkte, dass ich mir die Brust abgebunden hatte. Ungeduldig zog er an der Bandage; nach wenigen Sekunden hatte er sie zerrissen.
Ich rekelte mich auf dem kalten Steinboden. Bar eines eigenen Willens, drückte ich mich ihm entgegen, ganz den unbändigen Bedürfnissen meines Körpers ergeben. Meine Hände fuhren fahrig über seine Brust, weiter nach oben zu seinem Nacken, und zogen ihn zu mir hinunter. Unsere Lippen trafen sich mit einer Wucht, wie sie nur der Sturm zu kennen vermochte. Ich schmeckte mein Blut. Sein Blut. Es war eine einzige Geschmacksexplosion auf meiner Zunge.
Seine Finger zerrissen mein Hemd. Er löste den Kuss, bewegte sich nach unten und begann, meine Brüste zu küssen. Seine Fänge strichen sanft über die empfindliche Haut. Mit einer Hand massierte er die andere. Und während seine Zunge mit meiner einen Brustwarze spielte, kniff er mit den Fingern leicht in die Zweite.
Ich setzte gerade dazu an, ein weiteres, kehliges Stöhnen verlauten zu lassen, als plötzlich ein grausamer Schmerz durch meinen Körper fuhr. Seine Zähne hatten sich grob in meiner Brust versenkt, und das nicht auf die angenehme Art und Weise. Gepeinigt schrie ich auf. Doch für den Moment übertrumpfte die Lust den Schmerz und ließ mich meine pochende Brust ignorieren.
Mit seinen Händen zerrte er an meiner Hose und zog diese so schnell aus, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah. Kurz darauf löste er seine Zähne von meiner Brust, legte sich mit seinem ganzen Gewicht auf mich und sah mich mit kalten Augen an. „Hör gut zu, Aurelie. Ich kann jeden verdammten Tag deines Lebens zu einem Albtraum machen.“ Er stoppte, sah mir lange Zeit in die Augen, ohne Sanftheit, ohne Zärtlichkeit.
Mit wurde ganz bang.
„Und das werde ich!“, raunte er, versprechend, einen Schwur ablegend, der ihm mehr bedeutete als der Blutschwur, den uns fortan aneinanderbinden würde.
Bevor ich darauf antworten konnte, hatte er eine Hand um meinen Hals gelegt und drückte schmerzhaft zu. Gleichzeitig begann er sich, zu allem Überfluss, auch noch an mir zu reiben, sodass ich seine Lust durch den Stoff seiner Hose spürte. Ich selbst trug kein Kleid mehr am Leib. Völlig entblößt lag ich da, schockiert und verängstigt. Er rieb sich an meinem Unterbauch seine Scham und ergötzte sich dabei an meinem Leid.
Schockierend schnell war jegliche Lust aus meinem Körper gewichen. Meine Brust pochte schmerzhaft, wo seine Fänge eingedrungen waren, und mein Herz donnerte rasend schnell vor sich hin. Was tat ich hier? Nein! Das war nichts, was ich mit Cyrus erleben wollte! Viel, viel lieber, hätte ich mich Gilead so hingegeben, aber nicht ihm! Nicht dem, der mir alles genommen hatte! Meinen Zwilling. Meine Flucht. Meine potenzielle Freiheit!
„Lass ab von mir! Bitte!“, schrie ich weinend. „Bitte, nein!“ Mit all meiner Kraft versuchte ich, ihn von mir zu stoßen. Zu meiner Überraschung ging sein Oberkörper weiter hoch. Aber er nutzte diesen Moment nur, um seine Hose zu öffnen und sie sich über seinen Hintern zu ziehen.
Mein Blick glitt wie von selbst zwischen seine Beine. Seine Männlichkeit stand aufrecht und war riesig. Langsam wanderten meine Augen an seinem Körper hoch, bis ich seine traf. Er sagte kein Wort, sondern starrte mich bloß an. Inständig schüttelte ich den Kopf und versuchte zeitgleich meine Beine zusammenzupressen, zwischen denen er lag.
„Nein“, keuchte ich flehend. „Nein, nicht!“ Meine Hände verkrampften sich an seiner Brust, wo sie noch immer lagen und dafür sorgten, dass er wegblieb.
„Wir sind von nun an miteinander verbunden. Und dies hier wird die Bindung komplett machen.“ Er griff nach meinen Oberschenkeln und drückte sie weiter auseinander. Die Hände an seiner Brust störten ihn gar nicht. Er brauchte seinen Oberkörper nicht zu bewegen, um seinem Ziel näherzukommen.
Ich spürte sein Glied an meiner Mitte; sah, dass er es mit einer Hand in Position brachte. Genau an meinem Eingang, wo ich erst vor wenigen Tagen geblutet hatte.
„Entspann dich“, meinte er leise. Seine Augen blitzten wütend auf, seine Lippen verzog er zu einem hässlichen Grinsen. „Dann wird es weniger wehtun.“
„Wehtun?“, fragte ich entsetzt und verkrampfte mich. Ich wünschte, meine Hände würden wieder heiß werden und anfangen zu brennen. Aber es funktionierte einfach nicht!
Ruckartig bewegte er seine Hüfte vor und drang in mich ein. Für einen ganz kurzen Moment fühlte es sich gar nicht so schlecht an. Dann kam der Schmerz. Meine Kehle stieß einen gebrochenen Laut aus. Meine Hände krallten sich in seine Brust, sodass meine Nägel seine Haut durchdrangen und Blut hervortrat. Mein Oberkörper krümmte sich gepeinigt, doch trotz allem hielt er nicht inne; ließ mir keine Zeit. Er zog sich heraus und versenkte sich wieder in mir – immer wieder. Schließlich resultierte mein Schrei in einem abgehackten Keuchen. Es fühlte sich an, als hätte er mich verwundet und riebe immerzu auf dieser Wunde herum. Seine Hände rissen meine von seiner Brust und drückten sie auf den unebenen Steinboden neben meinem Kopf. Gefährlich langsam senkte sich sein Gesicht zu meinem herunter, reinste Kälte in ihm tragend; ein boshaftes, lebloses Grinsen auf den Lippen.
Wo war die Wärme, die mich schützen könnte? Wo war das Feuer, welches Lee das Leben geraubt hatte? Ich wollte das hier nicht! Komm schon! Mit aller Macht versuchte ich, mich auf dieses Feuer in mir zu konzentrieren. Ich blickte an meinem Gatten vorbei und sah flehentlich zu meinem Leitstern auf.
Hilf mir!, sandte ich als Stoßgebet an meine Göttin. Du hast mich erwählt, dann lass mich jetzt auch nicht im Stich!
„Oh nein, das wirst du jetzt nicht tun!“, knurrte er, den Blick auf meine Augen gerichtet. In einer unglaublichen Geschwindigkeit hatte er meine Hände nur mit einer von seinen oberhalb meines Kopfes an den Handgelenken festgenagelt. Mit seiner anderen drückte er grob meinen Kopf zur Seite, meine Wange in den kalten Stein, und verbiss sich schmerzhaft fest in meinem Hals.
Ich spürte Schmerz. Und gleichzeitig verspürte ich tiefe Lust bei seinem Biss. Lust, die ich nicht fühlen wollte, denn das hier geschah nicht freiwillig! Instinktiv schnappten meine Fänge auch nach seinem Hals, um mich ebenfalls zu nähren und zu stärken. Aber seine Hand blieb fest auf meiner Wange liegen und drückte sie kraftvoll auf den kalten, mittlerweile Tränen benetzten Stein unter mir.
Seine Bewegungen wurden schneller. Immer wieder drückte er seine Länge in mich hinein und spießte mich damit auf. Dabei wurden seine Stöße kräftiger. Schmerzhafter. Immer stärker stieß er gegen etwas in mir an und jedes Mal schmerzte es mehr. Mir schien, als ob er sich besonders viel Mühe dabei gab, mir wehzutun.
Irgendwann war Gegenwehr zum Erliegen gekommen. Die Menge an Blut, die er mir genommen hatte, hatte mich geschwächt. Nur noch träge lagen meine Augen auf dem Loch im Stein, das mir den Himmel zeigte. Das rote Licht der Göttin verschwamm vor meinem tränengefüllten Auge. Mit jedem Stoß war ich weniger im Hier und Jetzt und flüchtete mich in meinen Kopf.
Es hätte Gilead sein können. Es hätte schön sein können. Er wäre sanft gewesen. Hätte mich zärtlich aufs Bett gelegt und mich geküsst. Hätte mich zu nichts gezwungen, nein er hätte mich eher noch davon abgehalten, weil er Angst gehabt hätte, zu weit zu gehen. Ich wünschte, ich hätte mich in der Bibliothek nicht von ihm stoppen lassen. Ich wünschte, ich hätte weiter gemacht und wäre dann noch einen Schritt weiter gegangen. Ich wünschte, dieser über mir thronende Mann wäre in diesem verdammten Wald verreckt.
Die Bewegungen wurden noch schneller, dann kamen sie endlich zum Erliegen. Auch seine Lippen lösten sich von meinem Hals. Schließlich hörte er auf, von mir zu trinken.
Ich war nicht in der Lage, etwas zu sagen. Nicht mal, als er mich hochhob. Beschämt schloss ich die Augen. Ich fühlte mich so unglaublich schwach und müde, unendlich erschöpft und verletzt. Erst, als ich auf ein Bett gelegt wurde, öffnete ich abermals die Augen. Übelkeit stieg in mir hoch. Das hier war nicht mein Schlafzimmer. Es war seins.
Er zog mir das zerrissene Hemd aus, meine Schuhe und Socken. Danach entkleidete er sich selbst. „Du bleibst bis auf Weiteres in deinen Gemächern. Du wirst allen sagen, du seist krank“, verlangte er und legte sich zu mir. „Wenn du versuchst zu fliehen, werden deine Zofen sterben. Wenn du versuchst, gegen mich zu arbeiten, werden deine Zofen sterben. Wenn du mir auch nur den kleinsten Ärger bereitest, sterben sie. Du wirst an keiner Ratssitzung mehr teilnehmen. Du wirst nie wieder regieren! Verstanden?!“
„Ver…standen.“
































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