Kapitel 41 – Ein freier Grigoroi
Kapitel 41 – Ein freier Grigoroi
Aurelie
„Gut, dann weiß ich Bescheid.“ Er ließ meine Hände los und trat zurück. Meine Beine waren kurz davor, einzuknicken. „Wir sind nicht mal eine Woche verheiratet und schon brichst du alle deine drei Schwüre mir gegenüber.“ Mit den Worten drehte er sich um und ging hinaus. „Du bleibst bei der Königin. Sie wird diese Gemächer nicht verlassen. Ich ziehe in meine neuen Räumlichkeiten.“ Er klang so wütend.
„Mein König, ich wollte noch…“
Nein, bitte nicht!
Harsch wurde Timmok unterbrochen: „Nicht jetzt!“
„Natürlich, mein König“, murmelte er leise, daraufhin knallte eine Tür ins Schloss und es wurde still.
Meine Knie zitterten. Meine Lippen bebten und mein Atem flatterte. Laut schluchzend ging ich zu Boden. Hart trafen meine Knie den Stein unter mir. Weiter ließ ich mich zur Seite fallen, sodass ich kurze Zeit später zusammengekrümmt am Boden lag, mein Körper zuckend unter meinen wehleidigen Schluchzern. Mein Atem war längst nicht mehr regelmäßig. Wo ich vorher vor lauter Angst noch die Luft angehalten hatte, nicht fähig, meine Lungen mit dem lebenswichtigen Stoff zu füllen, schnappte ich nun heftig danach und bekam trotzdem keine. Immer verzweifelter wurden meine Versuche, zu atmen, und je länger es nicht gelingen wollte, desto schneller donnerte mein Herz. Ich konnte nicht atmen, ich bekam keine Luft! Die Panik schnürte mir noch zusätzlich die Kehle zu. Ich würde sterben! Röchelnd wand ich mich herum.
„Meine Königin? Meine Königin, Ihr habt eine Panikattacke“, sprach Timm ruhig und legte mir sanft eine Hand auf den Rücken. Ich spürte die langsamen, kreisenden Bewegungen seiner großen Hand, hörte, wie er mit sanfter Stimme auf mich einredete. Es kam mir vor, als vergingen Stunden, in denen ich darum kämpfte, am Leben zu bleiben. Doch irgendwann schaffte ich es, schwer, aber regelmäßig, wieder Luft zu holen.
Als suchte ich eine Rettungsleine, griffen meine Hände nach seiner freien, die er auf seinem Schoss abgelegt hatte, und umklammerten sie. „Nicht allein lassen!“, wimmerte ich kläglich. Was ich gerade erlebt hatte, war, gelinde gesagt … erschöpfend, ermüdend, aber gleichzeitig auch einfach nur furchtbar gewesen. Ich hatte mich gefühlt, als würde ich ersticken. Als gäbe es keinen Ausweg mehr. „Hier bleiben!“, flehte ich noch immer keuchend.
„Ich vermute, das Gespräch lief nicht gut“, seufzte Timmok. „Seit mein Herr weiß, dass der Kronprinz heimlich mit Nahrung versorgt wurde, ist er vollkommen außer sich vor Wut.“ Seine Hand rieb weiterhin kreisförmig über meinen Rücken.
„Ashur? Jemand hat ihm geholfen?!“, fragte ich entsetzt, obgleich er die Antwort darauf theoretisch schon gegeben hatte. Das konnte nicht sein. Wer würde diesem Monster helfen?
„Ja, Lee hat mir gestern gesagt, dass Ashur in viel zu guter Verfassung war. Er soll herausfinden, wer ihm hilft. Es gab ja erst kürzlich das Attentat auf Euch und den König. Ashur hat offenbar noch einige Anhänger.“
Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe. Langsam richtete ich mich auf und lehnte mich daraufhin ungefragt an Timm an. Dieser legte, wenn auch nur sehr zögerlich, seine Arme vorsichtig um meinen Oberkörper und ließ mich mich bei ihm anschmiegen. Er war zwar nicht warm, aber er versprühte Geborgenheit, wie der Sonne Strahlen an einem warmen Sommertag.
Wenn also jemand Ashur half … wer wäre so dumm? So grausam? Wer würde sich Ashur als König wünschen, wenn er schon ersetzt worden war? Gab es überhaupt eine schlimmere Besetzung für den Posten als Ashur? Wer?
Auf einmal riss ich die Augen auf und sah mit offenem Mund zu Timmok hoch. „Ulras?“, fragte ich entsetzt, was ihn die Stirn runzeln ließ. Aber das würde ja bedeuten … konnte es wirklich sein, dass mein Gemahl die ganze Zeit davon gesprochen hatte, dass Ulras Ashur geholfen hatte? Aber nein. Das ergab keinen Sinn. Wieso sollte er damit zu mir kommen? Er ließ mich doch sonst immer im Ungewissen! Dennoch wurde mein Blick undurchsichtig und verschlossen, als ich zu Timmok aufschaute. „Du wirst ihm nichts von heute erzählen!“ Meine Stimme hatte einen unverkennbaren Befehlston angenommen. „Ulras ist tot, offenbar, also tut das, was heute passiert ist, nichts mehr zur Sache. Er wird es niemals erfahren!“ Wenn er es denn nicht schon wusste, und sich das Gespräch wirklich lediglich um die Handhabung des ehemaligen Kronprinzen gehandelt hatte.
Die Hand an meinem Rücken kam ins Stocken und ich spürte Timmok tief einatmen. „Es gibt nichts, was Cyrus mehr hasst, als angelogen zu werden, meine Königin. Ihr müsst es ihm sagen. Wie soll er sich denn sonst jemals angemessen Euch gegenüber verhalten?“
„Mach keine Scherze, Timmok.“ Ich setzte mich gerader hin; sein Arm fiel von meinem Rücken. „Der König wird sich mir gegenüber nie anders verhalten, als er es jetzt tut. Und das angemessen zu nennen, wäre wohl noch die größte Lüge. Versteh mich nicht falsch, ich bin mir Schlimmeres gewohnt. Aber wenn er das mit Ulras herausfindet, lande ich im Kerker. Mit Glück, nicht in derselben Zelle wie der ehemalige Kronprinz! Denn der ist noch weitaus schlimmer als Ulras!“ Meine Atmung hatte sich wieder beschleunigt, doch mein Mund kannte keinen Halt, kein Aufhören, kein Genug. „Aber ich bin sicher, er würde genau das tun. Er würde mich in den Kerker werfen und foltern!“ Ohne darüber nachzudenken, löste ich den Gürtel um meine Taille und zog das Hemd hoch. „Siehst du das?“
Zahlreiche Narben, prangend an meinem Oberkörper, wurden offenbart. Sie waren nicht mehr ganz frisch – die meisten zumindest nicht. Die neuesten davon waren lediglich noch gerötet. „Ich will das nicht mehr!“ Meine Stimme wurde weinerlich. Doch im nächsten Moment schluckte ich die Tränen hinunter und zwang das Beben, welches meinen Körper eingenommen hatte, in die Knie. „Ich will das niemals wieder.“ Ich schrie nicht. Ich sagte es so sachlich, als hätte ich aus einem Fachbuch über Pflanzen vorgelesen. „Du wirst ihm nichts sagen.“
Kalt klang meine Stimme im Raum nach, während eine blumensichelnde Stille ihn einnahm. Die ganze Zeit über hatte Timmok gelauscht, zugehört und mehrere Male schwer geschluckt. Aber noch hatte er nichts gesagt. Und ich Idiot hatte gerade so unglaublich viel von mir preisgegeben! Wieso nur? Es würde nur für weiteres Leid sorgen! Ich würde niemals meiner Vergangenheit entrinnen können! Aber wie auch, wenn meine Vergangenheit so eng verwoben mit meiner Zukunft schien?
„Mit Verlaub …, ich kenne Cyrus nun schon seit über dreihundert Jahren.“ Timmok stockte, nahm das Hemd und zog es wieder herunter. Er hatte sich meinen Bauch gar nicht richtig angesehen und sogar den Kopf abgewandt. „Als Cyrus noch ein Kind war, wurden seine Eltern ermordet. An dem Abend schlich er in die Küche, um ein Stück Kuchen zu essen. Er sah, dass eine Magd gerade dabei war, Götterkraut zu zerkleinern. Als er sie darauf ansprach, sagte sie, es wäre für eine Freundin, der zu viel Gift injiziert worden wäre.“ Er schwieg kurz und schloss seine Augen. „Cyrus nahm das Stück Kuchen und ging wieder in sein Zimmer. Er durfte an dem Abend nicht dabei sein, als seine Eltern mit Freunden aus dem Goldenen Reich speisen wollten. Am nächsten Morgen schlich er zu seinen Eltern ins Bett. Aber da waren sie schon tot.“ Timmok öffnete seine Augen wieder und sah mich direkt an. „Die Magd war natürlich schon längst verschwunden. Auch die Freunde seiner Eltern starben. Es gab viele Gerüchte über das Geschehen. Angeblich wären die Gäste Spione gewesen. Aber Cyrus wusste die Wahrheit. Und er hatte einer Lüge geglaubt.“
„Das ist … schlimm. Aber nicht vergleichbar!“, presste ich angespannt hervor. „Außerdem belüge ich ihn nicht. Ich verschweige ihm lediglich etwas, was ihn sowieso nicht zu kümmern hat!“
„Ich fürchte, er wird da keinen Unterschied machen. Und wenn er mich zwingt zu sagen, was Ihr mir erzählt habt …“ Er brummte tief, sodass ich die Vibration seines Körpers am meinem spüren konnte. „Cyrus ist ein guter Mann. Aber er hasst Geheimnisse. Er hat nicht umsonst so viele Spione und Grigoroi auf seine Seite gezogen.“
„Er besitzt Kräfte, nicht? Die Kräfte der Götter. Er ist ein Beschenkter. So wie es seit Jahrtausenden keinen mehr gab“, murmelte ich leise, froh um die Möglichkeit, das Thema zu wechseln.
„Ja. An jenem Morgen, als er seine Eltern tot in ihrem Bett vorfand, überkam ihn seine Reife. Er war damals erst fünfundachtzig Jahre alt. Die Sorge um seinen besten Freund Leeander führte wohl dazu, dass er das Erschafferband seines Vaters lösen konnte. Vollständig lösen. Leeander ist ein freier Grigoroi.“
Meine Augen wurden groß. „Vollkommen frei? Dann ist sein Leben nicht mehr an seinen Erschaffer gebunden? Aber deines schon? Ist Leeander dem König denn dann überhaupt noch verpflichtet? Muss er seinen Befehlen so überhaupt noch gehorchen?“
„Vollkommen frei. Der einzige Grigoroi, der tun und lassen könnte, was er will. Er muss keinen Befehlen gehorchen. Trotzdem dient er Cyrus bedingungslos, immerhin verdankt er ihm sein Leben.“ Timmok rutschte etwas von mir weg und legte beide Hände locker an meine Arme. „Ich selbst bin natürlich an meinen Herrn gebunden, wie alle anderen Grigoroi auch. Ich könnte wohl fragen, ob er auch mich befreit, aber ich sehe keinen Grund dazu. Es passiert nur selten, dass unsere Meinungen so weit auseinander gehen, dass wir deswegen Differenzen haben.“
„Aber wenn er vollkommen frei ist …“ Mühsam schluckte ich, meinen ausgetrockneten Hals ignorierend. „Wieso hat er dann … wieso sollte Leeander sich dann dem König hingeben?“, wollte ich wissen, mein Gesicht mit Entsetzen und Fassungslosigkeit geschmückt. Wieder hatte ich vor Augen, wie sich die beiden Gestalten auf dem Trainingsfeld vereinigten. Das laute Keuchen, das Stöhnen, wie sehr musste das geschmerzt haben? Und das, obwohl der Grigoroi nein hätte sagen können? Oder hatte mein Gemahl ihn anders dazu gezwungen?
Timmok stutzte kurz und nahm seine Hände von meinen Armen. Dann zuckten seine Mundwinkel kurz. „Hingegeben? Ihr meint, körperlich?“ Als ich nickte, zuckten seine Mundwinkel erneut. „Nun, Leeander ist in Cyrus verliebt. Ob mein Herr die Gefühle erwidert, weiß ich nicht. Vermutlich auf eine gewisse Art und Weise, ja. Lee bedeutet ihm viel. Und Leeander würde für Cyrus sterben.“
Mit offenem Mund sah ich den Grigoroi vor mir an. Mein Mund klappte auf und zu und doch kam nichts raus. Dann holte ich tief Luft. „Und wieso bitte sollte dein Herr Leeander dann diese Schmerzen zufügen, wenn er ihm etwas bedeutet?!“
„Schmerzen? Wovon redet …?“ Wieder kam er ins Stocken. Dann räusperte er sich und senkte seinen Blick. „Es tut nicht weh. Im Gegenteil. Es ist ziemlich … Ärm. Gut.“ Er rieb sich die Stirn und wenn er es könnte, würde er vermutlich rot werden. „Ich mag es auch hin und wieder, obwohl ich … äh … Also ich bevorzuge eigentlich Frauen.“ Er schluckte schwer. „Es tut auch nur beim ersten Mal weh. Also den Frauen.“
Ja, natürlich. Anlügen konnte ich mich auch selbst. Die Schreie der Sklavinnen auf den Gängen? Wenn sie danach manchmal noch nicht einmal mehr richtig laufen konnten? Ich war mir sicher, dass war absolut angenehm. Aber ich tat meine Gedanken dazu nicht weiter kund. Er war offenbar fest davon überzeugt, dass es angenehm wäre. Innerlich konnte ich darüber nur den Kopf schütteln. Ich erhob mich; belastete meine Beine nur vorsichtig wieder. Ich war furchtbar erschöpft, also ging ich wieder auf das Bett zu. Noch immer war es zerwühlt. Ich presste meine Lippen aufeinander, verscheuchte den Gedanken daran, was hier vorhin passiert war, und zog den Stoff wieder stramm. Dann legte ich mich auf die Decke und kuschelte mich zögerlich an Irina. Auch nach nun mehr fünf Tagen hatte ich mich noch nicht daran gewöhnt, dass sie so kalt war. So tot wirkte. Sie atmete nicht, regte sich nicht und hatte keinen Herzschlag mehr. Sie hatte ihr Leben ausgehaucht. Der Gedanke allein war schon furchtbar. Wieder einmal griff ich nach ihrer kalten Hand und drückte sie. Dann legte ich meinen Kopf auf ihrer Brust ab und schloss die Augen.
Timmok hatte sich indessen erhoben und neben die Tür gestellt – so weit ich das noch mitbekommen hatte. Ich wusste nicht, was er dachte, was er tun würde. Ginge er zu meinem Gemahl? Würde er ihm, trotz meines Flehens, davon berichten, dass ich mich von Ulras hatte berühren lassen? Eine einsame Träne rann mir über die Wange.
„Ich lasse Euch ein Bad ein, meine Königin. Ihr werdet sehen, es wird helfen.“ Mit den Worten ließ er mich allein.
Ich erwiderte nichts. Nicht, dass ich gewusst hätte, was. Es gab nichts mehr zu sagen. Ich konnte nur beten, dass er mich nicht verriet. Vielleicht wäre das gar keine so schlechte Idee, dachte ich stirnrunzelnd. Wann hatte ich denn zuletzt zu der Göttin gebetet? Ich setzte mich in einen Schneidersitz und legte meine Hände nach oben hin geöffnet auf meine Knie. Meine Augen schloss ich, meine Gesichtszüge zwang ich zur Entspannung.
Göttin des Feuers, des Muts und der Macht. Ignis-Robur, wenn du mich hören kannst, erhöre mein Flehen. Lass mich nicht allein. Der Träger des Ora-Fides hat mich zur Braut genommen. Und sein Gott hat ihn erwählt. Wieso hast du deinen Leitstern gesandt, in jener Nacht? Was hat dich zu einer Allianz mit Ora-Fides gebracht?
Göttin, wieso bin ich noch nicht erblüht? Wieso lässt du all dies Grauen mit der dir untergebenen Familie geschehen? Ich erflehe deine Gnade. Hilf mir hindurch durch diese Welt, in der ich niemand kenn. Leih mir deine Stärke, deine Furchtlosigkeit!
Ich bin dir ergeben, auf ewig dein. Dein Diener, dein Untergebener, was immer ich soll sein.
Mit den letzten rituellen Worten schloss ich mein Gebet und öffnete zögerlich die Augen. Als hoffte ich, dass sich meine Wünsche erfüllt hätten. Aber natürlich hatte sich rein gar nichts geändert. Noch immer saß ich da. Ungehört, unerhört, allein. Doch was hatte ich erwartet? Dass eine Göttin, zu der ich jahrelang nicht mehr gebetet hatte, mich anhören, mir gar vergeben würde?
Es klopfte an der Tür, allerdings blieb sie zu. Trotzdem hörte ich Timmoks Stimme: „Das Bad ist fertig! Soll ich derweil auf Eure Freundin acht geben oder sie zu Euch ins Badezimmer tragen?“
„Nein, schon gut. Ich denke … ein paar Minuten wird das schon gehen“, antwortete ich nachdenklich. „Bitte pass hier auf sie auf.“ Im Badezimmer gab es sowieso keinen Platz zum Liegen.
„Darf ich eintreten?“
„Natürlich.“ Die Tür ging auf. Noch immer mit Hose und Hemd bekleidet, stand ich auf und blickte einem verwunderten Timmok entgegen.
„Ihr habt gebetet?“
Ich verzog mein Gesicht. „Ist das in diesen Zeiten so falsch?“
Langsam schüttelte er den Kopf. „Natürlich nicht, meine Königin.“
Ich nickte ihm zu, schnappte mir ein Nachthemd aus dem Schrank und verzog mich ins Badezimmer. Ich wollte mir nicht viel Zeit nehmen, immerhin konnte ich Irina nicht lange allein lassen. Ich setzte mich in die Wanne und schloss die Augen. Wieder projizierte sich das Bild zweier nackter Männer in meinen Kopf. Draußen auf dem Trainingsplatz rangen sie miteinander, bis Lee schließlich den König biss. Die Gestalten rangelten weiter, bis der König den Grigoroi vor sich in die Erde stieß. Kurz darauf fingen die mir so bekannten, rhythmischen Bewegungen an, das Stöhnen der beiden durchdrang die Nacht und das leise Klatschen drang vom Platz unten bis zum Balkon hinauf.
Leise stöhnend kam ich wieder zu mir und nahm schnell die Hand von meiner Brust. Errötend fragte ich mich, was gerade passiert war. Wie lange war ich bereits hier im Bad? Was hatte ich … da an meiner Brust gemacht? Schnell griff ich nach der Seife und schrubbte mich ab. Was ich gerade noch getan hatte, erinnerte mich unangenehmst an den heutigen Morgen, als Ulras mich, so wie er wollte, berührt hatte. Schnell nahm ich noch etwas mehr Seife und schrubbte fester. Mir wurde übel beim Gedanken, wo er mich überall angefasst hatte. Jeden einzelnen Zentimeter meiner Haut war er mit seinen Händen hoch- und runtergefahren. Meine Hände folgten seinen Berührungen mit Seife und Schwamm. So lange, bis ich bei meiner Mitte ankam und immer noch weiter schrubbte, bis es anfing zu brennen. Ich wollte das Gefühl seiner Finger, seiner Hände loswerden, aber egal wie viel ich schrubbte, es ging nicht weg! Zischend ließ ich von dem Schwamm ab und sprang aus der Wanne. Tränen benässten meine Wangen, blieben durch das viele Wasser an meinem Körper, aber größtenteils unbemerkt. Schnell trocknete ich mich ab. Als ich wieder nach draußen trat, dieses Mal nur in ein legeres Nachthemd gekleidet, schnappte Timm sichtlich nach Luft.
„War das Wasser zu heiß?!“ Timmok griff nach meinem rechten Arm und drehte dessen untere Seit zu sich. „Götter“, murmelte er, als er ein paar Kratzspuren entdeckte, die ich mir wohl selbst zugefügt haben musste, während ich mit dem Schwamm zugange war. Beinahe zeitgleich zuckte seine Nase und ich sah selbst unter seinen geschlossenen Lippen, dass sich seine Fangzähne zeigten. Sein Blick glitt zu dem vielen Schorf an meinem linken Oberarm. Kleine, rote Rinsahle verdünnt mit Wasser schlängelten sich meinen Arm hinunter.
„Ihr blutet, Majestät“, bemerkte er und führte mich rasch in das Schlafzimmer. „Soll ich einen Heiler rufen?“
„Nein. Ich spüre gar nichts“, entgegnete ich. „Aber wenn dir unwohl ist, geh ruhig raus.“
„Dann, ähm, lasse ich Euch wieder allein. Ruft mich, wenn ihr etwas braucht.“ Er neigte seinen Kopf und verließ das Schlafgemach.
Erst jetzt sah ich, dass sogar das Bett frisch bezogen war. Und noch etwas erkannte ich: Die Türen vom Kleiderschrank standen offen. Er war komplett leer, bis auf zwei Hemden, eine Hose und ein violettfarbenes Kleid. Hatte mein Gemahl seine Garderobe abgeholt? Wie lange war ich denn in diesem Badezimmer gewesen? Unsicher blickte ich auf meine Arme. Timm hatte gesagt, ich würde bluten? Dabei waren da nur wenige Kratzer. Gut, vielleicht war der eine oder andere etwas aufgeschürft … Kopfschüttelnd begab ich mich zum Bett hin und legte mich neben Irina. Leicht an sie angelehnt, schlief ich nach einigen Minuten des wilden Gedankenkarussells endlich ein.































































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