Kapitel 56 – Besitzansprüche

Kapitel 56 – Besitzansprüche

Aurelie

Lyssas Atem hatte sich wieder beruhigt. Die Tränen waren versiegt und das Schluchzen abgeklungen. Die ganze Zeit über war ich ruhig unter ihr gelegen, hatte die körperliche Nähe genossen und auch selbst Trost darin gesucht. Aber mit jeder Sekunde mehrte sich mein schlechtes Gewissen. Ich wusste, was mit ihrer kleinen Tochter geschehen war. Ich wusste es, und ich könnte Cyrus dafür den Kopf abreißen! Denn das hatte sie nicht verdient! Weder sie noch das Kind.

Doch ich konnte es ihr nicht sagen. Das brachte ich nicht übers Herz. Es war eine Sache, einer verbundenen Vampirin zu sagen, dass ihr Gatte Hochverrat begangen hatte und deshalb gerichtet würde. Es war eine völlig andere, einer Mutter zu sagen, dass ihr Kind gestorben war. Und das, erschwerend hinzukommend, ohne Grund. Keiner, der diesen Tod gerechtfertigt hätte. Keiner, der dies Leben aufgewogen hätte.

Längst waren die Geräusche der Lust verstummt. Die anderen Vampirinnen hatten sich vermutlich in ihre Abteile zurückgezogen. Ich war mir nicht sicher, ob es draußen vielleicht sogar schon dunkel war. Meinem Zeitgefühl nach müsste es jeden Moment wieder so weit sein. Meine tägliche Folter. Obgleich er sie gestern hatte ausfallen lassen. Nur zweifelte ich daran, dass dies erneut geschehen würde. Nein, denn es hatte einzig daran gelegen, dass er nicht … sich nicht hatte motivieren können …

Als hätte ich das Unheil mit meinen Gedanken herbeigeholt, knackte das Schloss am Eingang und die Tür öffnete sich. Sorgsam drückte ich Lyssas Arm leicht. Doch sie war eingeschlafen und reagierte nicht. Was würde er tun, wenn er uns hier so vorfand?

Noch ehe ich mir weitere Gedanken machen konnte, hörte ich eine leise, nur geflüsterte Stimme, die mich sofort aufspringen ließ. Nun, läge da nicht eine schlafende Vampirin auf mir.

„Lyssa“, drängte ich. Wehe, Irina verschwand jetzt gleich wieder! Ich versuchte, die Vampirin von mir herunterzurollen, was mir in meinem geschwächten Zustand aber nicht so recht gelingen wollte. „Wach auf!“ Ich wurde immer nervöser. Ich wollte endlich Irina wiedersehen!

„Was ist denn los?“, fragte die auf mir Liegende verschlafen, rollte sich aber bald schon runter und gab mir so die Möglichkeit, aufzustehen.



Ich wollte nicht Irinas Namen rufen. Was, wenn es nur ein Trick war? Weil er mich quälen wollte? Dann würde ich ihm sicher nicht die Genugtuung geben, die er wollte. Aber diese wirren Gedanken änderten nichts an meiner Aufregung.

Ich stürmte – humpelte wohl eher – durch den Vorhang und ließ die müde Vampirin liegen. Dass ich nur diesen praktisch nichts bedeckenden Fummel trug, interessierte mich kein Stück. Kaum hatte ich den Vorhang hinter mich gebracht, hielt ich schnaufend inne. Es war nicht so, dass die Zimmer besonders groß waren. Nur war meine Ausdauer eine Katastrophe.

Ich sollte recht behalten. Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden und hinterließ nur das Licht von Mond und Sternen, die jetzt kaltes Licht durch die wenigen, kleinen Fenster schickten. Dennoch brauchte ich keine Sekunde, um die Gestalt, die sich fassungslos in der Mitte des Raumes stehend umsah, zu erkennen. Sofort traten mir die Tränen in die Augen. „Irina“, krächzte ich und spürte, wie meine Beine unter mir nachgaben.

„Naya!“, keuchte sie und eilte auf mich zu, um mich aufzufangen. Sofort schlangen sich ihre Arme um meinen Körper. Zusammen glitten wir zu Boden. „Oh, Götter, du lebst!“, schniefte sie, den Kopf an meiner Schulter vergraben, die Arme fest um mich geschlungen.

Ich brachte kein Wort über meine Lippen. Ich weinte an ihrer Schulter, schluchzte und schniefte. Die Tränen fielen wie ein Wasserfall ohne Halt. Ich klammerte mich an Irina fest, als wäre sie der letzte Anker in einer Welt aus Fluten.

„Du hast wieder abgenommen“, seufzte sie nach einer Weile. „Dabei war ich so froh, dass du nach dem ganzen Mist der letzten Jahre endlich wieder etwas Speck angefressen hast.“ Ihre Hände glitten über meine Wirbelsäule.

Betreten senkte ich den Blick. „Ich kann nichts essen. Ich habe keinen Hunger, und wenn ich dennoch esse, dann landet es keine Stunde später im Abort“, verteidigte ich mich murmelnd. „Außerdem schmeckt sein Blut immer mehr nach Alkohol. Es ist ekelhaft.“

„Ja, er trinkt viel in letzter Zeit“, murmelte sie. „Wenn das so weitergeht, musst du nur noch ein paar Wochen durchhalten, dann bist du frei.“ Ihre Stimme klang traurig und resigniert. „Er richtet sich selbst zugrunde.“



So wie mich, dachte ich, behielt es aber für mich. Wieder atmete ich tief ein. „Wie kann es sein, dass du hier bist?“

„Ich habe jeden Tag gebettelt, damit ich dich sehen kann. Heute habe ich …“ Sie stockte kurz. „Ich habe ihn angegriffen. Dumm, nicht wahr? Ich meine, wenn er stirbt, würde ich auch sterben. Und nie erfahren, wo du bist. Und du würdest hier drin sterben, weil niemand weiß, wo du bist.“ Sie rieb ihr Gesicht fester an meiner Schulter und atmete tief ein, als wenn sie sich meinen Geruch merken wollte. „Er hat mich verletzt. Ich bin in dein Zimmer gelaufen und habe den ganzen Tag dort geweint. Vorhin hat er mich dort gefunden und zu Timm geschickt.“

Ich blickte auf. Tatsächlich stand Timmok mit etwas Abstand von uns im Raum und beobachtete uns mit traurigen Augen. Ich konnte mich gar nicht erinnern, wann ich ihn zuletzt gesehen hatte.

„Timm“, hauchte ich schwach und zuckte mit den Mundwinkeln, in einem verzweifelten Versuch ein Lächeln auf meine Lippen zu bringen. Ich löste mich von Irina und ging auf den großen Grigoroi zu. Ohne ihm eine Wahl zu lassen, legte ich meine Arme um ihn und meinen Kopf an seine Brust. „Ich bin froh, dass es dir gut geht“, murmelte ich leise. Er war ein weiterer Grund, wieso ich Cyrus das Gift nicht hätte geben können. Ein viel zu guter Mensch. Auch wenn das Bild, das er von seinem Herren hatte, verblendet war.

„Hey“, flüsterte er leise und erwiderte die Umarmung, wenn auch deutlich vorsichtiger als Irina. „Es tut mir leid, wie alles gekommen ist. Ich versuche alles, um Cyrus ins Gewissen zu reden.“

„Das wird nichts bringen. Ich habe Lee auf dem Gewissen. Das kann er mir nicht verzeihen. Das kann ich mir ja selbst nicht verzeihen“, murmelte ich bedrückt und klammerte mich noch fester an den Mann.

„Ja, ich weiß. Lee war …“ Er brach ab und schwieg lange. „Auch nach dem Verlust seiner Eltern hatte Cyrus lange getrauert. Lee war alles, was er noch aus dieser Zeit hatte. Sein Tod hat alte Wunden wieder aufgerissen. Aber sie werden mit der Zeit verblassen und weniger schmerzen.“

„Ich habe das nie gewollt. Das musst du mir glauben! Ich habe keinen Groll gegen Leeander gehegt, es war ein Unfall!“

„Ich glaube Euch. Aber Cyrus … Er glaubt, es war Rache. Weil er Eure Familie ermordet hat.“ Timm löste sich von mir und legte beide Hände an meine Oberarme. „Er plante den Sturz deiner Familie seit dem Tag, als er erfuhr, dass Ihr gestorben wäret. Ich weiß, Ihr hasst ihn für das, was er getan hat. Aber habt Ihr Eurer Familie nicht auch oft genug den Tod gewünscht?“



„Hassen …“ Hassen war ein starkes Wort. Hatte ich ihn aufgrund des Todes meiner Familie gehasst? Nein, beschloss ich. Viel eher war ich ihm dankbar gewesen. Nur Alexanders Tod …, der wäre nicht nötig gewesen. Deretwegen zürnte ich ihm. Aber alles andere ließe mich an meinem Verstand zweifeln. Schließlich kam ich zum Schluss, dass ich ihn nur aus einem Grund hassen könnte.

„Vielleicht ist es Zorn, der sich in Hass umwandeln würde, wäre da nicht diese Verbindung, die mich zwingt, mich bei ihm wohlzufühlen und seine Nähe zu ersehnen. Aber nicht aufgrund seiner Untat an meiner Familie. Zürnen tue ich ihm, weil er meinen Zwilling ermordet hat, alles andere wäre nicht menschlich, denn ihn habe ich geliebt. Hassen aber kann ich ihn nicht. Ich verabscheue, was er mir Tag für Tag hier drinnen antut. Was er sich nimmt, ohne je um Erlaubnis gebeten zu haben. Aber selbst hier erlauben mir die Götter nicht, Hass aufwallen zu lassen. Viel mehr verzage ich nach und nach“, sprach ich leise und löste mich gesenkten Blickes von Timm. „Danke für euren Besuch. Aber kommt nicht wieder.“ Ich drehte mich um und lief zurück zum Vorhang. Sosehr es mein Herz auch freute, Irina zu sehen, die Furcht überwog. Die Furcht vor Hoffnung. Bis ich einen Weg hier rausgefunden hatte, wollte ich sie mir nicht gönnen. Denn ich würde an ihrem Versagen zerbrechen.

„Aber … Naya …“ Irina blieb wie angewurzelt stehen, als ich an ihr vorbeiging.

„Warum?“, schallte Timms Stimme zu mir hin. „Willst du dich für Leeanders Tod selbst bestrafen? Oder soll ich dir auch Alkohol geben, damit du deinen Schmerz betäuben kannst? Oder vielmehr dein Gewissen? Du kannst nicht ändern, was passiert ist! Aber du kannst lenken, was noch kommen wird! Du bist verdammt noch mal die Königin!“

Energisch drehte ich mich um. „Zum Schein!“, entgegnete ich aufgebracht. „Die Worte deines Königs, Timm. Ich bin Königin zum Schein! Ich soll mich schwängern lassen, ein Kind zur Welt bringen und mich dann von ihm im Kindbett ermorden lassen!“ Ich ging meinen Weg weiter, so viel Selbstsicherheit ausstrahlend, wie das mit gebrochenem Körper und Geist möglich war. Schließlich hielt ich aber doch noch einmal inne, auch wenn ich mich nicht umdrehte. „Bestrafen muss ich mich nicht, das übernimmt er schon zur Genüge. Und was den Alkohol betrifft, so werde ich mit einem Schluck seines Blutes doch sowieso schon halb besoffen.“ Das war gelogen. Es schmeckte einfach nur grässlich und ließ mich mittlerweile sogar würgen. Aber vielleicht hatte Irina recht. Vielleicht würde er bald sterben. Dann wäre ich ihn los. Aber ebenso Irina und Timm. Nein, das war eben auch keine Lösung. Ich schätze, sollte es wirklich so weit kommen, würde ich es darauf ankommen lassen müssen, ob sich Kretos‘ Vision bewahrheitete. Denn, wenn es hieß er oder ich. Nun. Dann fiel meine Wahl auf mich. Eher würde ich mein Leben lassen, als Irinas, Timms und das der anderen Grigoroi zu gefärden. Oder Cyurs‘ Leben zu gefährden. Das schuldete ich Lee.



„Was immer du fühlst, auch er empfindet ähnlich! Neulich hat er sogar in deinem Bett geschlafen!“ Timm strich sich über die Stirn. „Er geht regelmäßig in dein Zimmer. Öfters mittlerweile, als ans Fenster, um hinab auf Leeanders Grab zu sehen!“

Mein Atem stockte. Wenn es ihm genauso schlecht ging wie mir … und das nach nur einer Woche, wieso tat er mir … uns das dann noch weiter an? Möglichst leise atmete ich aus, doch mein Atem zitterte unabdingbar. „Schön.“ Ich schluckte. „Dann bringt er uns halt beide um.“ Ich verschwand hinter dem Vorhang und wartete. Wartete auf das Geräusch des Schlosses, das mir bestätigen würde, dass ich beginnen konnte, zu weinen.

„Ich glaube, das will er eigentlich gar nicht, Majestät. Aber er kann es auch nicht akzeptieren“, murmelte Timm.

Eine Weile war es still, als erwartete er, dass ich antwortete. Aber ich schwieg. Und nach quälend langen Minuten gingen sie endlich und die Tür fiel ins Schloss.

„Naya?“, flüsterte Lyssa leise und erschreckte mich damit. Ich hatte ganz vergessen, dass sie noch da war.

Ich schniefte, wischte mir mit den Händen die Tränen von den Wangen und den Schnodder von den Lippen. „Alles gut!“, versicherte ich unglaubwürdig, meine Stimme hoch und runter schwankend.

„Komm. Leg dich zu mir und wir kuscheln. Wenn du reden magst, höre ich zu.“ Sie hob die Decke an und rutschte im Bett zurück, um mir Platz zu machen. „Du kannst auch einfach nur weinen und ich halte dich fest.“

Mit bebender Unterlippe kroch ich zu ihr ins Bett und ließ mich umarmen. Ich brachte kein Wort über die Lippen, dafür aber unzählige Laute der Klage. Ich war froh, dass ich Irina hatte sehen können. Erleichtert, dass es ihr gut ging. Dass Cyrus diese Nacht nicht auftauchte, ließ mich hoffen. Und trotzdem siegte die Trauer, und ich weinte mich bei Lyssa aus, bis mich der Schlaf übermannte.

 

Als ich wach wurde, war das Bett neben mir leer. Stattdessen drangen leise Stimmen aus dem Wohnzimmer. Nicht nur weibliche. Auch eine männliche. Galderon. Erst, als seine Stimme weg war, atmete ich auf. Kurz darauf steckte Lyssa ihren Kopf durch den Vorhang. „Frühstück, Schlafmütze! Hast du Hunger?“

Gequält sah ich auf und blinzelte dem Licht, das durch den offengehaltenen Vorhang drang, entgegen. Ich konnte nur erahnen, wie ich aussehen musste, nach letzter Nacht. Sicher waren meine Augen geschwollen. Zumindest brannten sie. Lyssa aber schenkte ich nur ein stummes Kopfschütteln. Lieber wollte ich wieder einschlafen.



„Dann setz dich wenigstens ein wenig zu uns. Magst du einen Tee trinken?“ Sie sah mich traurig an und nestelte an ihrem hauchdünnen Kleid.

Mit leisem Seufzen rappelte ich mich auf. Es hatte ja doch keinen Sinn. Sie würde nicht aufgeben, das wusste ich genau. Das Nachtgewand, welches ich nun schon die ganze Woche durchgängig trug, fiel mir knapp über den Hintern. Lyssa lächelte erfreut und zog den Vorhang noch etwas weiter auf. Ich brachte einen Moment, um die schwarzen Punkte wieder aus meinem Sichtfeld zu verbannen. Dann ging ich zusammen mit ihr zur Mitte des Raums und setzte mich zu den anderen auf eines der Kissen.

„Guten Morgen!“, begrüßte Fenna überschwänglich und warf sich ihr langes, schwarzes Haar über die Schulter, um es nicht in Marmelade zu tunken. „Seit du hier bist, fehlt uns zwar ein Bett, aber dafür ist das Essen viel besser!“

Ich reagierte nicht groß. Ich nickte bloß, aber das anstandshafte Lächeln auf meinen Lippen blieb aus. Stattdessen kam mir der Gedanke, ob das bessere Essen nicht vielleicht mit dem Hintergrundgedanken, mich zu mästen, veranlasst worden war.

Lyssa reichte mir einen Becher mit dampfendem Tee und schob mir eine Schüssel mit Käsewürfeln hin. „Hier, probiere wenigstens davon“, bat sie.

Angeekelt sah ich auf die gelben, kleinen, wohlriechenden Stückchen hinab. Wieso sollte ich sie essen, wenn sie doch sowieso nur wieder zerkaut und mit Galle gemischt, im Abort enden würden? Durch den falschen Ausgang wohlgemerkt.

Ich nahm den Becher und starrte hinein. Becher. Ich fand es scheußlich, aus Holz zu trinken. Aber alles andere wäre wohl zu gefährlich.

Lyssa wollte gerade wieder ansetzen, um etwas zu sagen, da drehte sich ein Schlüssel im Schloss und kurz darauf schwang die Tür auf. Cyrus betrat den Raum, mit seinem Blick den Meinen suchend. Zuerst erstarrte alles in mir. Zerrissen. Ein Teil wollte auf ihn zu rennen, der andere sich verstecken. Schlussendlich blieb ich sitzen und rührte mich nicht von der Stelle.

„Morgen, Majestät“, sagte ich schließlich, darauf bedacht, das ‚gut‘ wegzulassen. Denn gut war daran ganz sicher nichts, wenn er da war.

„Zieh dich um und komm mit“, forderte er und deutete auf Kleidung, die auf dem Boden lag. Genau dort, wo Irina gestern gestanden hatte.



Wortlos stellte ich den unberührten Tee zurück auf den Tisch, schenkte Lyssa noch einen dankbaren Blick und schnappte mir die Kleidung. Damit verschwand ich hinter den Vorhängen in meinem Schlafabteil. Ich schlüpfte aus dem kurzen Nachtgewand und zog mir Hose und Hemd über. Demnach war der Schneider mit seiner Arbeit wohl noch nicht fertig. Außerdem würden mir die auch gar nicht mehr gehen, dafür war ich mittlerweile zu mager.

Als ich schließlich beides über hatte, fiel mir auf, dass er vergessen hatte, einen Gürtel dazuzulegen. Aber irgendwo war ja auch noch die Kleidung, mit der ich hergekommen war … Nach kurzem Suchen blieb die Hose dann auch endlich oben. Ich schlüpfte wieder durch die Vorhänge. Erst durch die Bewegung fiel mir auf, wie locker die Kleidung plötzlich saß. Natürlich waren Cyrus‘ Gewandungen immer schon zu groß für mich gewesen, aber nun … fühlte es sich wieder an, wie am Anfang. Gleich nachdem er mich gefunden hatte und ich kaum mehr als Haut und Knochen war.

Als ich zurück ins Wohnzimmer trat, sah ich Ines und Fenna neben dem König stehen. Ines hatte eine Hand an seine Hüfte gelegt und stand ihm so nahe, dass sie mit ihren Brüsten seinen Brustkorb berührte. „Ich bin mir sicher, sie wird gerne ein paar Minuten warten und ihren Tee trinken“, hauchte sie ihm entgegen.

Sein Blick landete in ihrem Ausschnitt. Zärtlich legte er seine Finger an ihre Wange, ließ sie an ihrem Hals entlang gleiten bis hinab zu ihrem Ausschnitt.

Ines stöhnte leise. Selbst Fenna drängte sich näher an den König. „Wir können auch teilen“, flüsterte sie.

Einen Moment war ich wie erstarrt. Es war – erneut – als ob mein Innerstes in einem Kampf gefangen wäre und einen Moment brauchte, um ihn in eine Entscheidungsschlacht zu bringen. Doch wie diese ausfallen würde, davon konnte ich noch nichts ahnen.

Starr blickten meine Augen auf das Bild vor mir. Er wehrte sie nicht ab. Wieso auch? Hatte nicht ich ihn darum gebeten, sich auch den anderen zuzuwenden? Damit ich ihn weniger am Hals hatte? Und sich die anderen auch endlich aufhören würden, zu beklagen. Ines‘ freie Hand glitt über seinen Oberkörper langsam nach unten. Fenna legte ihre Hand auf die Wange des Königs, dessen Blick noch immer fasziniert auf Ines‘ Ausschnitt lag und drehte seinen Kopf zu sich hin, wo sie ihn mit prallen Lippen erwartete, die sie auch sofort auf seine Presste.



Er ließ es zu. Nein. Er machte mit! Seine Lippen bewegten sich erst sachte, dann gierig gegen ihre, während Ines mit listigem Grinsen ihre Hand in seine Hose führte und zweifellos umgriff, was mein war!

Und somit war der Kampf in meinem Inneren entschieden. Meine Fänge fuhren aus und das mit einem Zischen, welches die Luft in zwei teilte. „Finger weg!“, fauchte ich und spürte, wie ich die Kraft der Göttin kanalisieren wollte, dazu aber zu schwach war. Vielleicht war es besser so, aber im Moment sah ich das nicht ein. Meine Schritte führten mich zielstrebig zu den Dreien hin, wo ich noch einmal warnend fauchte, ehe ich meine weit ausgefahrenen Fänge fletschte. „Meins!“, grollte es aus den Tiefen meiner Selbst und schreckte die beiden Vampirinnen auf.

Ines und Fenna eilten einen Schritt bei Seite und gaben meinen Gemahl frei. Seine Lippen glänzten durch den Kuss feucht und waren leicht geöffnet. Und nun verzogen sich diese Lippen zu einem Grinsen. „Folge mir.“

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