Kapitel 6 – Alkoholisierte Aurelie

Kapitel 6 – Alkoholisierte Aurelie

 

Cyrus

Ich starrte Aurelie nieder. Hatte sie diese Frage wirklich gestellt? „Bis er alt genug ist, um in meine Dienste zu treten. Bis dahin hat er noch viel zu lernen.“ Bevor der Junge etwas dazu fragen konnte, wurden die Türen geöffnet und die Diener kamen mit dem nächsten Gang herein.

Aurelie erwiderte mein Starren. Sie wusste genau, was ich mit ihm vorhatte, und vermutete wohl auch, dass er selbst noch nichts von seinem zukünftigen Glück wusste. Ihr Blick löste sich erst von meinem, als ihr der Teller mit Fleisch und Gemüse hingestellt wurde. Sie bedankte sich beim Diener, was sowohl die Schwester Seiblings, Sharifa, als auch den jungen Elaboris in Staunen versetzte. Als Sharifa dann ebenfalls einen Teller vorgesetzt bekam, nuschelte sie nachahmend einen leisen Dank, als sei sie sich nicht sicher, ob sie es richtig mache.

Aurelie starrte auf ihren Teller und aß. Augenscheinlich musste sie die eben erhaltene Information erst verarbeiten. Der Junge neben mir schlang das Essen herunter, als würde er glauben, dass ich es ihm wieder wegnehmen wollte.

„Iss langsam, Boris.“

„Das schmeckt so gut! Endlich mal Fleisch! Bei Tyra gab es immer nur Milch und Käse!“

Ich grinsteg. Tischmanieren sollte ich bei ihm möglichst bald auf den Plan setzen lassen.

Sharifa räusperte sich und deutete auf das Besteck. „Ela…boris, seid so freundlich und nutzt Besteck. Wie jedes gesittete Wesen es tut.“

Der Junge sah über den Tisch hinweg zu Sharifa. Dabei rümpfte er die Nase und verdrehte die Augen. „Gesittetes Wesen? Was soll das denn sein?“ Trotzdem griff er nach der Gabel, spießte damit das große Stück Fleisch auf und biss davon ab.

Ich räusperte mich kurz. „Boris hat bis vor kurzem noch auf der Straße gelebt. Wir werden ihm Manieren und Umgangsformen zeitnah beibringen.“ Nachdenklich musterte ich das Mädchen. Sie war ungefähr auf demselben Entwicklungsstand wie Boris. „Sag Sharifa, magst du reiten lernen?“

„Bei aller Güte, nichts läge mir ferner! Das gehört sich doch nicht für eine Frau, Majestät!“ Seibling unterdrückte ein Schmunzeln und Aurelie blickte das Mädchen verständnislos an.

„Tatsächlich? In den Ostlanden kann jede Frau reiten. Wie steht es mit dir, Aurelie?“ Ich musterte ihr Profil, die sanfte Röte in ihrem Gesicht. Mein Blick blieb an ihren Lippen hängen.



„Ich würde es sehr gerne lernen“, gestand sie zögerlich, wagte es aber nicht, meinen Blick zu kreuzen.

„Wunderbar. Boris muss es auch noch lernen. Dann werde ich die Lerneinheiten miteinander kombinieren.“ Es wäre klug, wieder mehr Zeit mit Aurelie zu verbringen. Die letzten Wochen waren vollgestopft mit Arbeit. Es hatte kaum Möglichkeiten gegeben, mich Aurelie zu nähern. Nicht auf die Art, die sie bevorzugte. Da war es mir recht gewesen, dass die Frau eines Barons regelmäßig seine Briefe im Schloss abgab, um ihren Vater in der Nähe zu besuchen. Natürlich wurden ihre Besuche im Schloss irgendwann länger und ihr Vater diente nur noch als Ausrede.

Bei dem Gedanken an ihr hemmungsloses Stöhnen zuckte mein kleiner Freund in der Hose. Jedoch blieb es dabei, denn ich konnte nicht sagen, ob die Baronin erneut herkommen würde, nachdem die Königin solch eine Szene veranstaltet hatte.

Aurelie errötete und konzentrierte sich wieder auf ihr Essen. Generell war sie heute ausgesprochen schweigsam und wirkte … ja fast schon angespannt.

Seibling, der sich in der sowieso sehr karg genähten Konversation noch stärker zurückhielt als Aurelie, drehte sich zu seiner Schwester und raunte ihr leise zu: „Es ist in Ordnung, wenn du das Reiten erlernst. Das bedeutet nicht, dass du fortan nicht mehr den Luxus einer Kutsche genießen kannst. Es ist immer besser, im Notfall mit erlernten Fähigkeiten aufwarten zu können, als bescheiden den Kopf senken zu müssen.“

Das Mädchen schien einige Augenblicke mit sich zu hadern, dann nickte sie ihrem großen Bruder zu. „Sicher habt Ihr recht, Bruder.“ Sie blickte zu mir. „Wenn ich es denn noch darf, würde ich das Angebot gerne annehmen, Majestät.“

„Aber natürlich, Sharifa. Die Königin wird deinen Tagesplan sicherlich anpassen.“

Nach einer Weile wurde der nächste Gang aufgetragen. Boris bekam große Augen, denn bisher hatte er zwar üppige Mahlzeiten bekommen, aber immer nur einen Gang. Er war als Mensch gerade in dem Alter, indem das Wachstum besonders wichtig war. Nicht nur, was Größe anbelangt, sondern auch die Muskeln.

Erst mit dem vierten Gang kam der Nachtisch. Kuchen mit Sahne. Boris weinte fast, denn er war schon satt. Trotzdem fand er noch irgendwo Platz und wollte den Teller am Ende sogar noch ablecken, wovon ich ihn gerade noch abhalten konnte.



Es war bereits spät, Sharifa kämpfte sichtbar mit ihrer Müdigkeit, während Boris beinahe mit offenen Augen anfing zu schnarchen. Daher schickte ich die Kinder ins Bett. Zu Aurelie und Seibling gewandt, fragte ich: „Wie wäre es mit einem Glas Brandy? Oder Bourbon? Wir könnten uns dafür in die Bibliothek zurückziehen.“

„Ich weiß nicht …“ Aurelie sah von mir zu Seibling und wieder zurück. „Vielleicht sollte ich mich ebenfalls zurückziehen.“

„Schon? Das wäre schade, denn ich wollte die gemeinsamen Reitstunden besprechen. Und ein weiteres, wichtiges Thema.“

Sie seufzte leise. „Nun gut, das scheint einleuchtend.“

„Wunderbar! Ich stelle eine Auswahl an Getränken zusammen. Wir treffen uns in der Bibliothek.“ Ich erhob mich und nickte Seibling und meiner Königin zu. Vielleicht fand ich ja einen edlen Tropfen, der ihr zusagte.

Auf dem Flur stand Timmok, den ich mit in den Keller nahm. Das Schloss verfügte über mehrere Weinkeller, die tief unter der Küche lagen. Bisher war ich nur einmal dort gewesen. Dennoch wusste ich, in welche Ecke ich gehen wollte. Ein Regal voller Flaschen goldfarbener Flüssigkeiten. An den Regalböden war das Jahr und der Geschmack eingeritzt. Ich entschied mich für drei Flaschen, die Aurelei eigentlich munden sollten. Holunder, Honig und Waldbeere. Timm würde die Flaschen reinigen und mit passenden Gläsern zur Bibliothek bringen.

Kurz darauf betrat ich den riesigen Raum, dessen Regale bis zur Decke reichten. Besonders oft war ich noch nicht hier gewesen, aber ich wusste, dass es hier bequemsten Sessel gab.

Aurelie und Seibling hatten bis eben miteinander gesprochen. Es war, als könnte ich den Schall, den ihre Worte in dem hohen Gemäuer zurückgelassen hatten, noch hören. Doch jetzt, ab dem Moment, in dem ich den Raum betreten hatte, herrschte Stille. Die beiden hatten es sich in einer der größeren Leseecken bequem gemacht. Aurelie auf einem mit gelbem Samt überzogenen Sofa, Seibling rechts von ihr auf einem ausladenden Sessel.

„Majestät“, unterbrach Gilead die Stille, die mein Eintreten entfacht hatte. „Was habt Ihr uns ausgesucht?“

„Timm bringt die Flaschen gleich. Die Weinkeller sind riesig. Irgendwann muss ich mir die Zeit nehmen, mir jeden davon genauer anzusehen. Ich hoffe nur, es schmeckt auch.“ Zuerst wollte ich mich neben Aurelie setzen, aber mit jedem Glas würde es mir schwerer fallen, die Finger von ihr zu lassen. Daher setzte ich mich ihr gegenüber, um sie besser im Blick zu haben, während sie den Alkohol probierte. Bisher war sie dem abgeneigt. Aber es gab sicherlich die eine oder andere Sorte, die ihr schmeckte.



Als sie bemerkte, dass mein Blick ihr galt, sah sie auf und lächelte gezwungen. „Ah, ja … die Weinkeller“, kommentierte sie unbeholfen und wirkte noch angespannter als vorhin.

Ich hob die Augenbrauen. Wieso sprach sie von den Weinkellern, wenn sie Wein gar nicht mochte? Innerlich den Kopf schüttelnd, wandte ich mich an Seibling. „Habt Ihr einen Favoriten, was Alkohol betrifft?“

„Ein starker Wein dient immer als Gaumenschmaus, doch normalerweise bevorzuge ich es, nüchtern zu bleiben, Majestät.“ Er räusperte sich. „Ihr wolltet Euch über den Reitunterricht unterhalten?“

Er trank nur verdünnten Wein? Dabei gab es so viel mehr als nur Wein. Ich nickte kurz, als er das Thema wechselte und sah aus den Augenwinkeln zu Aurelie. „Ja, ich wollte direkt das wichtigste Thema ansprechen. Damensattel oder normaler Sattel? Ich werde Sharifa nicht diktieren, auf welchem Sattel sie reiten lernen soll. Aber wenn ich es könnte, würde ich beides vorschlagen. Wie seht Ihr das?“

„Sharifa wird den Damensattel bevorzugen“, mischte sich Seibling ein.

Aurelie stimmte ihm zu. „Das denke ich auch. Sie scheint sehr … damenhaft.“ Meine Gattin lächelte gequält. „Ich hingegen würde den normalen Herrensitz präferieren.“

„Ich werde bei der ersten Reitstunde dennoch den Vorteil des normalen Sattels hervorheben. Wie sieht der Tagesplan von Sharifa aus? Soll ich die Reitstunden auf den Vormittag oder den Nachmittag legen?“ Ich sah zu Aurelie und stellte mir vor, wie sie auf dem Sattel sitzen würde. Breitbeinig. In den Augen der feinen Gesellschaft völlig unsittlich. Natürlich regte es die Fantasie an. Aber nüchtern betrachtet siegten die Vorteile, breitbeinig auf dem Pferd zu sitzen.

Aurelie befand den Vormittag für passend. Dabei war mir durchaus bewusst, dass sie den Tagesplan ihres Mündels nicht kannte. Sie verbrachte beinahe immer den ganzen Tag in den Gängen, auf der Suche nach dieser vermaledeiten Schatzkammer, während Seibling die Ausbildung seiner Schwester übernahm.

Timmok brachte zwischenzeitlich die geöffneten Flaschen. Kurz warf ich einen Blick auf das Etikett. Waldbeeren. Nun, vermutlich viel zu süß, aber ich hoffte, dass er Aurelie schmecken würde. Ich füllte die drei Gläser, griff nach einem, schwenkte es und roch kurz daran. Das Aroma war vielversprechend. Die anderen beiden schob ich meiner Gemahlin und Seibling zu.



„Stoßen wir an. Die Aufstände sind besiegt!“ Aufmerksam musterte ich Gilead. Der Mann, der mir gegenüber offen gesagt hatte, dass er mir nicht vertraute. Der Mann, der mir in den letzten Wochen immer wieder aus dem Weg gegangen war. Zudem vertraute er Aurelie, obwohl sie seinen Vater zum Tod durch den Strick verurteilt hatte. Es gab keinen Grund, warum dieser Mann mir misstrauen sollte. Warum also tat er es? Vielleicht würde der Alkohol seine Zunge lösen. Und dann könnte ich entscheiden, ob ich ihm vertrauen konnte oder nicht.

Aurelie horchte auf. „Besiegt? Wirklich?“ Ein fröhliches Lächeln breitete sich zögerlich auf ihrem Gesicht aus. Noch mehr, als ich bestätigend nickte. „Das ist großartig, Cyrus!“ Aurelie lachte mich offen an.

„Ja, das ist es in der Tat.“ Ich hob mein Glas und trank einen Schluck. Süßer Wein, fruchtig und der typische Alkoholgeschmack war kaum herauszuschmecken. Mir persönlich etwas zu süß und fruchtig.

Gilead blieb von meinen Worten unbeeindruckt.

„Wie schmeckt dir der Wein?“

Aurelie hatte das Glas schon zur Hälfte geleert und hielt jetzt stockend inne. „Man … könnte meinen, es wäre Zuckerwasser.“ Sie kicherte leise und hielt sich gleich darauf die Hand vor den Mund. „Huch. Trinken das die Leute deshalb so gern?“, murmelte sie leise. Innerlich rügte ich mich. Vielleicht hätte ich sie vorwarnen sollen und erklären, dass man solchen Wein nur in kleinen Schlucken trank. Bei ihrer zarten Figur und so schnell, wie sie getrunken hatte, musste der Alkohol sie direkt überrumpelt haben. Sichtlich angetan führte sie das Glas bereits wieder an ihre Lippen.

„Ja, der Wein ist sehr süß. Trink ihn etwas langsamer.“ Ich lächelte. Ihr Kichern war irgendwie niedlich. Mein Blick glitt zu Gilead, der mir eine Spur zu breit lächelte. Seinem Glas nach zu urteilen hatte er bisher nur ein-, zweimal daran genippt. „Und wie schmeckt Euch der Wein?“ Ich trank selbst noch einen Schluck, dann griff ich nach der nächsten Flasche und drei weiteren Gläsern, welche ich zur Hälfte füllte. Honigwein. Vorerst ließ ich die Gläser aber noch stehen.

Seibling und ich verfielen in ein lockeres Gespräch. Immer wieder huschte sein Blick zu Aurelie, die mittlerweile sichtlich gelangweilt die letzten Tropfen aus ihrem Glas schlürfte. Anschließend leckte sie sich mit der Zunge ungeniert über die Lippen.



Mein Blick hing an ihrer Zunge, an ihren Lippen, die vor Feuchtigkeit glänzten. Meine Männlichkeit regte sich. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass sich Gilead anders hinsetzte. Wo er vorher die Beine leicht überschlagen hatte, saß er nun breitbeinig dort. Möglichst unauffällig wandte ich ihm meine Aufmerksamkeit zu und bemerkte, dass er meiner Gattin auf die Lippen starrte.

„Seibling“, sprach ich mit möglichst neutraler Stimme, „oder soll ich Euch Gilead nennen? Sagt, was meint Ihr, unterscheidet uns am meisten von den Menschen? Von den offensichtlichen Dingen mal abgesehen.“

Sofort schoss sein Blick zu mir. Um Zeit zu gewinnen, räusperte er sich, klärte seine Kehle und begann dann langsam zu sprechen. „Majestät darf mich nennen, wie es Euch beliebt. Und nun, die Menschen …“ Wieder wich sein Blick kurz zu Aurelie, die sich indessen völlig ungehemmt streckte und dabei, selbst in diesem hochgeschossenen Kleid, ihren Busen in Szene setzte. Schnell sah er wieder zu mir. „Natürlich wäre da die Lebensspanne. Sie hat Einfluss auf ihren Bildungsstand. Wenn man die Bildung optimieren würde, also Menschenkinder bereits von klein auf das Lesen und Schreiben lehrte, dann könnte man diese Diskrepanzen verringern.“

Aurelie seufzte laut und stibitze sich ein Glas mit Honigwein. Dabei murmelte sie etwas Unverständliches, was sich anhand ihrer Handlung nur als ‚Ich habe Durst‘ entziffern ließ.

„Wenn wir also“, schon wieder lag Seiblings Blick auf meiner Gemahlin, dieses Mal beobachtete er sie allerdings nur aus dem Augenwinkel, „die Menschenkinder schon früh in Lehranstalten schicken würden, könnten sie im Erwachsenenalter mit einem frisch gereiften Vampir gleichauf sein. Abgesehen“, Aurelie nahm schon wieder viel zu große Schlucke von dem Gesöff, „von der Stärke, den unterschiedlichen Lebenserwartungen und allen anderen, gegebenen Unterschieden natürlich – wie Ihr bereits sagtet“, beeilte er sich, sichtlich abgelenkt, zu sagen.

Leicht kniff ich die Augen zusammen. „Oh, ich dachte da an andere Dinge, welche die Menschen noch deutlicher von uns unterscheiden. Monogamie zum Beispiel. Was haltet Ihr davon, Seibling?“ Es fiel mir schwer, ihn beim Vornamen zu nennen.



„Ich … weiß nicht genau, worauf Ihr hinaus wollt, mein König. Monogamie ist ein Konstrukt unter Menschen, ja. Aber auch da gibt es kulturelle Unterschiede.“ Seibling schluckte schwer, sichtlich bemüht sich nicht wieder Aurelie zuzuwenden, die sich geradezu um Aufmerksamkeit rekelte – wortwörtlich. Und auch mir fiel es zunehmend schwerer ihre, mittlerweile beinahe schon frivolen Gestiken zu ignorieren. Außerdem drang mir der Geruch ihrer Erregung in die Nase, die sie mit den Bewegungen ihres Beckens auf dem Sofa immer weiter steigerte. „Ich …“ Seibling atmete tief ein und hatte jetzt sichtlich noch mehr Mühe, sich eine Antwort zurechtzulegen. Seine Nasenflügel weiteten sich flatternd. Mir erging es allerdings nicht anders und meine Erregung schämte sich nicht, in meiner Hose auf sich aufmerksam zu machen.

Seibling schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf mich. „Ich habe einst eine längere Reise durch die Welt gemacht. Da draußen gibt es noch so viel mehr als nur das Goldene Reich und die Fürstentümer. Keine Vampire, aber dafür allerhand menschlicher Kulturen. Nicht alle leben in Monogamie. In einigen werden Frauen des Nachts völlig unwillkürlich von den Männern des Dorfes besucht und so begattet. Niemand weiß, von wem ein Kind schlussendlich ist, und somit gibt es in diesem Dorf auch keine Väter. Dieses Prinzip ist in diesem einen Stamm, den ich besucht habe, ein Fremdes. Die Menschheit ist also nicht immer … monogamen Zwängen unterlegen. Majestät.“ Er schluckte hart und presste sichtlich die Kiefer aufeinander. Aurelie hatte nämlich soeben angefangen, ihrer Lust hemmungslos Ausdruck zu verleihen, indem sie immer wieder einmal leise stöhnte, während sie ihr Becken mit gespreizten Beinen am Sofa rieb und ihre Hände … auch nicht mehr ganz so unschuldig auf ihrem Schoss lagen.

Jetzt wusste ich immerhin, wie sie auf Alkohol reagierte. Ich sah zu Aurelie und wusste, dass es klüger wäre, den Abend an dieser Stelle zu beenden. Sie gehörte ins Bett. Alleine. „Und wie stehst du zu Monogamie, Aurelie?“, fragte ich, obwohl ich wusste, dass ihre Antwort nun sicher nicht der in nüchternem Zustand entsprechen würde. Doch gerade desshalb …

Augenblicklich kamen die Geräusche zum Erliegen. Die Königin hatte sich aufrecht auf das Sofa gesetzt, wobei sie mit ihrem Unterleib noch immer leicht hin und her rutschte und sich so stimulierte. Mit lüstern glänzenden Augen sah sie von mir, zu Seibling und wieder zurück.



„Ich finde, dass ich gerade ein wunderbares Buffet vor mir habe“, gab sie verführerisch – allerdings lallend – zu Protokoll und stand wankend auf. Nicht mehr so recht wissend, wo ihr der Kopf stand, umrundete den kleinen Tisch. Vor Seibling blieb sie stehen, dann setzte sie sich, die Beine zusammen auf einer Seite liegend, auf seinen Schoss und kam seinem Gesicht gefährlich nahe. „Er ist doch ganz attraktiv“, hauchte sie, hob mit ihrer Hand unter seinem Kinn seinen Kopf an und pflanzte dem Vampir einen leichten Kuss auf den Mund, sodass seine Fangzähne herausschossen. Meine Augenbrauen schossen in die Höhe. Dann kicherte sie, erhob sich wieder und stolperte ungeschickt zu mir hinüber.

„Huch.“ Breitbeinig ließ sie sich auf meinem Schoss fallen, wobei ihr das Kleid hochrutschte. Mit großen Kulleraugen sah sie mich an. „Vielleicht macht er es ja besser als du. Du willst mich immerhin nicht“, bemerkte sie beleidigt. „Und fickst lieber deine Huren wie Tiere.“ Ihre rechte Wange landete an meiner Brust, weil ihr ihr eigener Kopf zu schwer geworden war. „Hm, aber zusammen wärt ihr sicher lecker“, brummte sie leise.

Vorsichtig legte ich meine Arme um sie herum und streichelte ihr über den Rücken. Ich hatte die Möglichkeit, mit mir und einer weiteren Person das Bett zu teilen, nie erwähnt. Und erst recht nicht erwartet, dass sie es sogar wollte.

„Du solltest … deinen Rausch ausschlafen“, entschied ich und legte sie so auf meinen Schoß, wie sie vorhin bei Seibling gesessen war. Einen Arm legte ich unter ihre Beine, den anderen unter ihrem Rücken und stand so langsam auf. „Ich werde sie ins Bett bringen.“ Leiser fügte ich hinzu: „In Zukunft gibt es nicht mehr so viel Alkohol für dich.“

Sie wand sich in meinem Griff. „Aber ich will noch nicht ins Bett!“, schimpfte sie, ehe sich ein Grinsen auf ihre Lippen schlich. „Außer Gilead darf auch mitkommen …“ Flehend sah sie zu mir auf. Als ich wiederum mit gefurchten Augenbrauen zu Seibling schaute, hatten sich dessen Finger in das Polster des Sessels gekrallt.

Gequält dreinblickend sagte er: „Vielleicht ein anderes Mal, meine Königin. Ihr solltet jetzt schlafen gehen.“

„Ihr entschuldigt uns?“ Ich nickte Seibling zu und verließ mit Aurelie auf den Armen die Bibliothek. Der Geruch ihrer Erregung drang mir verführerisch in die Nase und stellte meine Beherrschung auf eine harte Probe.



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