Mein größter Albtraum

Für ungefähr zehn Minuten richtete ich meinen Schreibtisch ein. Er stand schräg gegenüber von Alexej seinem an der Wand. Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätten sie das Möbelstück und alle Elektrogeräte aus dem Keller geholt. Auf der verfärbten und zerkratzten Oberfläche stand ein kleinerer und dicker Monitor aus 2014, dazu gesellte sich der Tower aus demselben Jahr. Nur Maus, Tastatur und Mauspad schienen Überbleibsel der Modernisierung zu sein.
Sein Büro war im Gegensatz zu dem seines Vaters eher dunkler und steril gestaltet. Schwarze, bodenlange Vorhänge schirmten jede Art von Licht ab. Bücher und Statuen oder Pokale sammelten sich in den schwarz glänzenden Regalen hinter ihm. Sorgfältig angeordnete Akten und Stifte-Sammler standen auf der Oberfläche seines ebenso schwarzen Schreibtischs. Er selbst saß auf einem ergonomischen Bürostuhl mit dunklem Tierfell überzogen. Eine Tischlampe, zwei Stehlampen und die Deckenleuchten waren alles, was Licht spendete. Hier drinnen fühlte ich mich wie in einem zwielichtigen Büroraum einer Mafia-Gesellschaft, die sich hinter dem hauseigenen Casino versteckte.
Deprimiert und mit der Sehnsucht nach Tageslicht ließ ich mich nieder und startete den PC mit einem Knopfdruck. Das Hochfahren klang, als würde ein Flugzeug neben der Firma starten. Es war einfach unangenehm und es fühlte sich leicht demütigend an hier so arbeiten zu müssen, während alle anderen Mitarbeiter die neueste Technik zur Verfügung hatten.
“Ich bin soweit” gab ich meinem Vorgesetzten Bescheid. Alexej schob seinen Stuhl ein Stück hinter, denn ich hörte die Rollen auf dem Holzboden, dann kamen Schritte auf mich zu. Die Kulisse schaltete alle meine Sinne scharf und versuchte, das Unbehagen in mir zu verdrängen, aber mein Körper erstarrte mit jeder Minute mehr. Im Moment, als der Sperrbildschirm erschien – was eine halbe Ewigkeit dauerte -, tauchten zwei starke Arme neben mir auf. Alexej bediente die Maus, gab das Passwort mit flinken Fingern ein und nach weiteren Minuten des Ladebildschirms erschien der schwarze Hintergrund mit dem Firmenlogo in der Mitte und wenigen Apps am linken Bildschirmrand.
Zu meiner Verwunderung wurde alles auf dem Desktop in Englisch angezeigt “Man spürt wirklich ohne Probleme, was Sie denken.” begann er plötzlich und ich spürte seinen Atem deutlich an meinem Scheitel “Dieser Computer ist ein Zeitzeuge der alten Zusammenarbeit mit unserer Schwesterfirma. Wir hatten damals einige ausländische Mitarbeiter. Wir haben nie die Gelegenheit gefunden, den alten Dreck zu entsorgen und mein Vater ist sowieso ein komischer Sammler und konnte sich aus mir unbekannten Gründen nicht davon trennen.” beantwortete er mir die Frage aus meinen Gedanken, meine Antwort darauf war nur ein herzliches Schnalzen mit der Zunge, die meine genervte Stimmung mehr als nur verkörperte. Jetzt weiß ich, wo ich mich hier einordnen kann. Die Ausländerin, die sich mit dem alten Zeug zufriedengeben musste, da es einmal so eingestellt war. Es ist ja nicht so, als würde es zwei Monate dauern, die Sprache eines PC’s anzupassen.
Die Maus glitt über den Bildschirm zu zwei Icons, einem mit blauen Hintergrund und einem mit schwarzen. In beiden standen zwei kyrillische Buchstaben in der Mitte “Sehen Sie das? Mit diesem Programm arbeiten wir schon seit über zehn Jahren und entwickeln sie ständig weiter. Es nennt sich ISD-System – International Safety Data System- um es einmal auszusprechen.” Meine Augen folgten leicht hypnotisiert seinen langen Fingern. Mein Herz machte einen Sprung, als er einen Doppelklick machte, um das Programm zu starten. Dabei schob die Bewegung der Sehne seine Blutgefäße kurz nach oben, womit sie stärker unter der Haut hervortraten. “Wie der Name es schon sagt, kann jeder Trottel aus aller Welt damit arbeiten, es kann in jeder beliebigen Sprache genutzt werden.”, mich holte diese erneute Anspielung aus der Trance zurück ins Hier und Jetzt. Um die Sicht vor mir wieder scharf zu stellen, blinzelte ich mehrmals und reckte das Kinn weiter nach vorn gen Bildschirm. Alexej richtete einen verwunderten und gleichzeitig genervten Blick auf mich, das sah man deutlich in der milchigen Spiegelung des Bildschirms “Ich hoffe für Sie, dass Sie diese Einweisung ernst nehmen“, mahnte er “Natürlich, ich kann es in allen Sprachen einstellen, um damit zu arbeiten und so weiter…Fahren Sie bitte einfach fort” Meine Worte stimmten ihn erstmal zufrieden, aber als ich realisierte, wo mein Hauptfokus eben lag, presste ich leicht peinlich berührt die Lippen aufeinander. Das war unangenehm, zum Glück nur für mich.
Als sich der Bildschirm in ein komplexes Coding System verwandelte, wurde ich von russischer Sprache förmlich erschlagen. Es fühlte sich an, als ob ich in Ägypten vor Hieroglyphen saß. Alexej schien meine Überwältigung zu wittern “Beruhigen Sie sich, ich stelle es gleich um. Kein Grund halb auszuflippen. Wie reagieren Sie dann erst, wenn Sie hier bleiben wollen und meine Sprache lernen sollen?” Ich bin keine Stunde hier und er kommt mir schon mit so einem Kommentar. Damit stieß er mir vor den Kopf “Bitte gehen Sie weniger auf meine Körpersprache ein. Ich bin hier um zu arbeiten und nicht um zu plaudern oder anderweitig Zeit zu schinden.” erwiderte ich angesäuert und verdrehte die Augen. “Die Arbeitswilligkeit gefällt mir. Gut gemacht.” lobte er, ohne es wirklich ernst zu meinen “Wie auch immer…” murmelte ich wortkarg.
Als die Sprache vor mir wieder lesbar war, bekam die weitere Unterweisung wieder meine volle Beachtung “Dann zeig was du kannst.”, er zog die Hand weg und stützte sie neben mir ab an der Tischkante. Seine Körperwärme wurde intensiver und ich spürte, wie sein Atem meine linke Haarsträhne leicht in Bewegung setzte. Alexej’s Nähe brachte mich fast aus dem Konzept, ein plötzlicher Hitze-Stoß schoss in mein Gesicht und verbreitete sich wie dickflüssiger Honig auf meinen Wangen und der Nase. Kurz schloss ich die Augen und atmete zittrig ein, dann lenkte ich den Fokus zurück auf meine Arbeit. Zuerst sah ich mir die Ordner an, die den Grundstein des Datenschutznetzes ausmachten und zugegeben waren sie nicht schlecht geschrieben. Das System an sich war ähnlich aufgebaut wie die Zuhause, das erleichterte mir die Aufgabe nochmal. Ziemlich schnell jedoch fand ich eine fehlerhafte Codierung im Datenstrang “Sehen Sie das Junior?” machte ich ihn professionell auf meine Entdeckung aufmerksam, mit dem letzten Wort wollte ich ihm für seine Unverschämtheit nochmal eine reinwürgen “Hier dieser Abschnitt ist Fehlerhaft, wie eine Lücke in einem gut gespannten Netz, wo Insekten eindringen können” Meine Finger flogen über die Tastatur wie über die eines Klaviers, die entstehende Symphonie übertraf die vorherige schlichte Ballade “Jetzt ist es gesichert und sogar mit einer Doppel-Verschlüsselung versehen. Hacker brauchten deutlich länger, um diese Variante zu knacken. Damit bleiben die Kundendaten geschützt. Außerdem sind wir durch die einprogrammierte Brücke hier deutlich schneller am wunden Punkt und können Angreifer mit Leichtigkeit draußen behalten.” trug ich meine Lösung flüssig vor, kurz kam von hinten kein Mucks, doch als er leicht lachte, machte sich Verwirrung in mir breit “Gut gemacht, mein Vater und ich haben absichtlich diesen Fehler eingebaut. Schön zu sehen, dass sie zumindest ein schnelles Auge und Händchen haben. Von wo aber haben Sie die Datenbrücke mit der Verknüpfung zum Notfallsystem?”. Verdattert drehte ich den Kopf zur Seite und traf auf sein hämisches Grinsen. “Ehm, sollte das erste ein Kompliment sein?”, in seinen Iriden loderte übertrieben viel Belustigung, die mich nur weiter aus dem Konzept brachte. Was war sein Plan?
Kurz räusperte ich mich, da von seiner Seite keine Antwort kam und fuhr fort “Die Brücke hat mir mein Dozent beigebracht, mit meiner Verfeinerung wurde sie wieder in den Lehrplan genommen. Eigentlich stammt der originale Code aus 1972.” glänzte ich weiter mit meinen Errungenschaften. Plötzlich drehten seine Worte eine Ehrenrunde in meinen Gedanken und mir wurde bewusst, was er eben sagte im ersten Teil seines Satzes. “Warte…habe ich das richtig verstanden. Sie haben absichtlich Ihr eigenes System manipuliert, damit Sie meinen Skill prüfen konnten?” Mit jedem Wort, das meinen Mund verließ, realisierte ich mehr die Bedeutung seiner Aussage. Die Nachfrage hätte ich mir jedoch sparen können, denn sein siegessicherer Gesichtsausdruck verriet alles “Ja und ich muss zugeben, so schnell hat es niemand vor Ihnen herausfinden können, die detaillierte und gut durchdachte neue Codierung ist ebenso ausgezeichnet.” lobte er meine schnelle Arbeit, zumindest nahm ich es als eins an. “Ihnen ist klar, dass es ganz schön gefährlich war, sowas leichtsinniges zu machen? Was, wenn es jemand ausgenutzt hätte?” Alexej sein Grinsen wurde breiter, er hob die Hand und legte seine Finger unter mein Kinn. Dann drehte er meinen Kopf zurück zum Bildschirm, ließ los und deutete mit dem Zeigefinger auf eine kurze und unscheinbare Gleichung. Meine Augen weiteten sich, als ich erkannte, auf was er hinaus wollte “Sie haben auf den vorherigen sicheren Code einen fehlerhaften Code drauf geschrieben…Damit war der originale Strang nicht betroffen…”
“Bingo. Vielleicht muss ich mein Kompliment über Ihre Auffassungsgabe doch zurücknehmen.” Alexej verharrte noch so für wenige Sekunden und ging dann zurück zu seinem Platz. Meine Augen folgten seinen Bewegungen. Er ließ sich auf der Sitzfläche nieder, griff nach einem schwarzen Notizbuch und zog es zu ihm. Er schlug es auf und schrieb mit einem Kugelschreiber den er aus der Halterung nahm einiges auf “Mittagspause ist ab zwölf oder um eins, teilen Sie sich die Zeit so ein, wie es Ihnen am besten passt” informierte er mich ohne von seinem Blatt abzulassen. Leicht angesäuert verkrampfte sich jeder Muskel in meinem Gesicht, ehe ich mich von ihm abgewandt und mich den wichtigen Sachen widmete.
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Pünktlich um zwölf knurrte mir der Magen, also stand ich auf und nahm meine Tasche “Ich mach Pause” gab ich Alexej kurz Bescheid, der nur bestätigend die Hand hob. In schnellen Schritten verließ ich das Büro und suchte den Pausenraum. Die Umgebung war immer noch neu, ich hätte schwören können, heute morgen das Schild dafür gesehen zu haben. Jedoch kostete es mich zwei Sackgassen, ehe ich ihn fand.
Der Raum war nicht allzu groß. Schwarze lange Tische nahmen einen großen Teil vom Platz ein, während weiße Camping Stühle den restlichen Leerraum füllten, damit wurde dann aber auch der Weg durch die Tischreihen enger. Auf den hölzernen Oberflächen standen Salz, Pfeffer und weitere Spender mit vermutlich scharfer Soße oder etwas anderem, ich konnte es nicht genau definieren. Links neben dem Eingang befand sich die Küchenzeile mit einem großen Kühlschrank, Spülmaschine, Mikrowelle und einer langen Arbeitsfläche, wo am Fenster noch das Waschbecken eingelassen war. Alles wurde wieder in dunklen Farben ausgewählt, bis auf den Fliesenboden und die wackeligen Plastikstühle.
Hier standen wenige Pflanzen auf Grund des Platzmangels. Bei genauerem Hinschauen fiel mir auf, dass die Plätze wild zurückgelassen wurden. Im Licht der Sonne machten sich Krümel und Flecken auf den Tischen bemerkbar. Ebenfalls standen die Stühle schräg oder weiter weg von den dazugehörigen Kanten. Alle schienen schon eher gekommen zu sein, oder es sah noch so wild von heute Morgen aus, auf jeden Fall war ich alleine hier und nur das dumpfe Brummen des Kühlschranks durchbrach die Stille hier ein wenig.
Überfordert mit der freien Platzwahl suchte ich mir einen am Fenster, stellte meine Tasche darauf ab und holte die zusammengewürfelte Mahlzeit vom Frühstücksbuffet raus, dann stand ich auf, suchte in den Schiebern der Küche nach Besteck und fand es neben dem Kühlschrank in der oberen Schublade. Eine Gabel und ein Löffel sollten reichen, auch wenn es mir nicht gefiel, wie viele Kalkflecken beide hatten. Anscheinend achtete man hier nicht groß drauf, ob jemand den Inhalt der Spülmaschine abtrocknete.
Nichtsdestotrotz, setzte ich mich zurück an den Tisch und wollte gerade mein Mahl beginnen, als jemand zur Tür herein kam. “Guten Tag Mrs. Hofmann, so sieht man sich wieder” sprach eine melodische, nicht allzu tiefe Stimme. Verwirrt sah ich über die Schulter und erblickte Sasha, der gerade die Tür hinter sich schloss und vor die Küchenzeile trat “Ah hallo“, erwiderte ich kurz und ließ mich nun nicht mehr vom Essen abhalten. Sasha hielt die Stille aber nicht lange “Wie war die Zeit bis jetzt unter den Fittichen von unserem Personalleiter? Ist es schwer, unter Alexej zu arbeiten?” hielt er die Konversation aufrecht. Nebenbei schien er sich essen zu machen, denn ich hörte nur die Schubladen, Schieber, den Kühlschrank und das Klappern von Besteck. Kurz musste ich überlegen. Alexej klaute zu jeder Gelegenheit meinen Fokus und meine Konzentration oder brachte mich auf die Palme mit seinem Verhalten.
Sowas konnte ich Sasha jedoch nicht sagen, ansonsten lief ich Gefahr, ein schlechtes Licht auf mich zu werfen, wenn ich über den Sohn des Inhabers schlecht sprach.
Für meine Genugtuung: Er ist ein arrogantes Arschloch und hinter seiner harten und strengen Fassade steckt nichts außer leerem Gerede und Überheblichkeit.
“Ganz gut, wir haben nicht viel gesprochen“, fasste ich die Zeit bis jetzt zusammen und ließ alles unangenehme raus. Der Blonde akzeptierte meine Antwort, ohne weiter nachzufragen “Erstaunlich, vor ihm haben viele Respekt, teilweise schon Angst. Er ist kalt und besitzt keine weiteren Emotionen. Umso besser für dich, dass er sich zurückhält, aber pass auf in seiner Gegenwart.”
Ja natürlich, keine anderen Emotionen. Wie selten begegnet Sasha oder jemand anderes Alexej, dass sie nicht wissen, wie viele hässliche Empfindungen er besitzt?
Mir machte dieser aufgeblasene Windbeutel keine Angst. Unberührt zuckte ich mit den Schultern “Ich lass mich nicht wuschig machen von Spekulationen.” erklärte ich im lässigen Tonfall und schon mir den letzten Löffel voller Rührei in den Mund.
Sasha ließ sich auf den freien Stuhl neben mir fallen “Meinen Respekt, dass Sie so unerschrocken sind, versuchen Sie, es sich beizubehalten.” Es kam für mich rüber, als wären meine Aussagen das typische Grünschnabel denken und ich würde noch früh genug ebenso verängstigt sein wie der Rest der Arbeitnehmer hier. Die Rechnung wurde jedoch ohne mich geschrieben, trotzdem ließ ich Sasha in seinem Glauben. “Übrigens, ich möchte Sie gerne einladen, mit mir in ein gutes Restaurant zu gehen. Ich esse gerne auswärts, aber dafür nicht gerne alleine. Ich kann Ihnen ein bisschen was zeigen auf dem Weg. Ich denke, es wäre aufschlussreich.” bot er mir plötzlich an. Verwundert drehte ich den Kopf und traf seinen Blick. Sasha trug immer noch den noblen Anzug, diesmal auch mit passender Schiebermütze in gleicher Farbe. Sein Blick war verspielt, aber auch ehrlich, er stellte eine aufrichtige Frage und wollte mich wirklich dazu bewegen. Innerlich freute mich das Angebot und es wäre langweilig, mein Dasein hier im neuen Lande nicht restlos auszuschöpfen. “Ich hab zwar schon gegessen, aber von mir aus.”, ich richtete mich auf und hielt ihm die Hand entgegen “Alexandra, du kannst mich gerne Alex nennen” leitete ich eine freundliche Ebene ein und hoffte, dass er darauf anspringen würde. Sasha wirkte für einen Moment überrascht, aber seine Miene ändert sich schnell wieder in die altbekannte lässige und er drückte kurz meine Hand “Danke Alex, wie du weißt bin ich Sasha, es freut mich sehr, dass du meine Freundschafts-Versuche annimmst.” gab er grinsend zu, ich lächelte nur. Es war mir selbst fremd, so auf Leute zuzugehen. Eher mussten andere mich mitziehen, während jegliche Versuche, nett zu mir zu sein, mich auf Abstand hielten. Vermutlich lockte Sasha etwas in mir hervor, was ich bis dato nicht kannte.
Vorher räumte ich meine leere Dose und das Besteck in die Spülmaschine. Da sie bis zum Rand gefüllt war mit dreckigem Geschirr – was man riechen konnte – setzten wir diese noch an. Sasha zeigte mir gleich, wo die Tabs versteckt waren. Ich sah es schon kommen, dass ich mich darum kümmern durfte, nur weil ich einen ausgeprägteren Sinn für Ordnung und Sauberkeit hatte.
Zusammen machten wir uns schließlich auf den Weg und verließen das Firmengebäude auf die lebhafte Straße. Mich überforderte die Warmfront, der wir entgegen liefen, sobald die klimatisierten Räume hinter uns lagen. Angestrengt atmete ich aus und kniff die Augen zusammen, da mich die Sonne am wolkenlosen blauen Himmel blendete “Oh man, es ist verdammt heiß..” meckerte ich und stützte die Hände auf die Hüftknochen, der Rest meines Oberkörpers sank in sich zusammen und unter dem Stoff der Arbeitskleidung bildeten sich bereits Wasserfälle aus Schweiß. Verzweifelt drehte ich den Kopf zu Sasha, er stand aufrecht an den Treppen, hielt eine Hand als eine Art Sonnenabschirmung knapp über seine Augenbrauen und sah sich freudig um. Ihm schien die Hitze nicht so viel auszumachen “Wie hältst du das aus Sasha? Immerhin trägst du ebenfalls lange Kleidung, die sicherlich nicht gerade dünn ist”, der Blonde sah zu mir, scannte meine verkrüppelte Haltung und musste lachen “Das sehe ich, dass du nicht dran gewöhnt bist. Es sind gerade mal 33 Grad im Schatten, so extrem ist es nicht“, spielte er die Situation herunter mit einer Leichtigkeit, die mich verwunderte und gleichzeitig beleidigte.
Wollte er damit andeuten, dass ich verweichlicht bin?
Er schien meine Lage hier nicht ernst zu nehmen “Können wir wenigstens aus der Sonne raus? Ich schmelze gleich weg und schiebe die Schuld dafür dann auf dich.” drohte ich ihm mit einem unrealistischen Szenario. Sasha nickte “Ist gut, komm mit” forderte er mich schließlich auf und ich konnte durchatmen, als wir uns in den Schatten der Bäume am Straßenrand begaben. Dort ging es mir schließlich etwas besser.
Sasha führte mich geschickt durch die Menschenmassen, zeigte gelegentlich auf Gebäude oder Denkmale und erzählte mir etwas davon, auch als wir an einer eindrucksvollen Orthodoxen Kirche vorbeikamen. Die gelben Spitzen – oder wie mein Vater sie nannte: Zwiebeltürme – glitzerten im Sonnenlicht und erinnerten an flüssiges Gold, was an dem imposanten Bau herunter lief. Die bunte Farbe der Fassade und die Architektur waren sehr ungewöhnlich, aber ein Markenzeichen des Landes, was sogar ich von vorgefertigten Standby-Bildschirmen kannte. Die Bauten und Kirchen waren weltweit bekannt für ihr Aussehen, auch wenn man das Land dahinter nicht kannte.
“Bist du eigentlich gläubig?” riss mich Sasha mit einer ungewöhnlichen Frage aus dem Staunen und blickte kurz über seine Schulter zu mir. Wir mussten schräg hintereinander gehen, da die Menschen links sowie rechts nicht gerne Platz machten für zwei die sich kannten und nebeneinander laufen wollten. “Sowas hat man mich auch noch nicht gefragt“, gab ich zu und brauchte einige Sekunden, um eine Antwort zu formulieren, obwohl diese glasklar war “Nein, bin ich nicht, wieso?” reizte mich die Neugier, aus welcher Intention er mir die Frage stellte “Einfach Interesse, hier sind es ziemlich viele der Bevölkerung. Ich kenne keinen Atheisten, aber Agnostiker gibt es hier genügend.” erzählte er “Ist bei uns genau das Gegenteil, ich kenne nur wenige, in meinem Umkreis – eigentlich niemand – der gläubig ist. Ich respektiere aber die Menschen, die es sind. Jeder hat eine andere Art, mit seinem Leben klarzukommen und manche nehmen sich eben spirituelle Unterstützung.” offenbarte ich ihm, um überhaupt irgendwo in diesem Thema harmonieren zu können.
Sasha grinste, das erkannte ich von hinten in der Veränderung seiner Wangen, die Haut wölbte sich wenige Millimeter nach außen “Super, dann weiß ich wohin ich dich zukünftig mitnehmen kann.”, nun wurde ich hellhörig “Was meinst du?” hakte ich nach und legte leicht den Kopf schief, obwohl er es nicht sehen konnte “Ich sammel mit dem Gespräch Informationen darüber, was dich interessiert. Immerhin möchte ich dich als zukünftige Kollegin und Mitarbeiterin hier gebürtig willkommen heißen.” erklärte er mit einem kleinen Funken Begeisterung in seiner Stimme, da musste ich ihm den Wind aus den Segeln nehmen “Was macht dich so sicher, dass ich 1. eingestellt werde und 2. auch hierher komme?”, in meinem Ton schwappte Skepsis mit über. Kurz darauf herrschte Stille, bis auf die anregenden Gespräche um uns herum und dem Straßenlärm, kam nichts aus seiner Richtung. Fast war ich mir sicher, ihn mundtot gemacht zu haben, aber ich irrte mich “Alex, mir ist aufgefallen, dass du ziemliches Interesse an allem hier zeigst. Ich weiß nicht, wie du dich zu Hause verhältst, aber irgendwie sieht man um dich herum ein Glänzen. Eins, was du heute morgen noch nicht hattest. Als ich dich zum ersten Mal sah, hattest du eine graue Aura, einen ernsten Blick, aber warst sehr unruhig und unsicher. Mittlerweile bist du ein bisschen angekommen und ausgeglichener. Vielleicht ist die Anspannung auch einfach abgefallen, aber ich möchte ehrlich mit dir sein. Überleg dir, was du daraus schließen möchtest, aber ich würde mich freuen, meine Kultur mit dir teilen zu können und von deiner zu lernen.”
Baff von seiner Feststellung, zog ich mich erstmal in meine Gedankenwelt zurück. Veränderten mich die wenigen Stunden wirklich so enorm? Mir kam es eher nicht so vor, als würde ich mich groß anders verhalten als noch heute Morgen. Erstmal ließ ich seine Aussage so im Raum stehen, ohne mir darüber nun den Kopf zu zerbrechen. Es brauchte deutlich mehr Zeit, um sowas in diesem selbstsicheren Ton sagen zu können. Gleichzeitig schmeichelte mich die Aufmerksamkeit, die mir Sasha entgegenbrachte. Ihm fielen Sachen auf, die ich nicht mal benennen konnte. Mir gefiel das Gefühl, gesehen zu werden. Aktuell sah ich mich mitten im Leben, wie ein Hauptcharakter anstatt einem NPC. Ich entschied mich vorerst, keine eindeutige Aussage auf seine Beobachtung zu geben. Abzuwarten, was der Tag noch so bringen mochte, erschien mir besser.
Wir drehten das Gespräch in eine andere Richtung. Sasha widmete sich wieder seinem Job als Reiseleiter, solange bis wir wenig später an einem Restaurant ankamen. Draußen befand sich ein abgegrenzter Sitzbereich, bestehend aus Blumentöpfen, die in allen Formen und Farben erstrahlten. Die Fassade des Hauses war schlicht, leicht rissig an manchen Stellen und die Fenster in weiße Rahmen eingebettet. Ein großes Schild zog alle Aufmerksamkeit auf sich, aber wie schon alles andere hier, konnte ich es nicht lesen. Hier fühlte ich mich absolut nutzlos, wie ein Baby was keine Sprache verstand. “Wir sind da, komm mit rein.” holte Sasha mich zurück ins Hier und Jetzt. Mein Blick traf ihn, wie er schon halb im Türrahmen stand und eine schnelle Geste machte, die mir signalisierte, dass ich ihm folgen sollte. Zügig schloss ich mich ihm an und als wir das Innere betraten, flog mir eine wohlriechende Wolke vom Essen entgegen. Nochmals atmete ich das Aroma tief ein und schmeckte es förmlich, was hier serviert wurde. Kellner schoben sich zwischen den Tischen vorbei, in einem mittelgroßen Fernseher der Wand rechts von uns wurden Musikvideos gezeigt, zugehörig zur Musik die man hier hören konnte. Wie alles andere waren natürlich auch Songtexte auf Russisch. Mittlerweile vermisste ich Englisch und schätzte jedes kleine Wort, das ich verstehen konnte in dieser doch so gewohnten Sprache.
Ein Kellner kam auf uns zu und fragte etwas auf Russisch. Sein Blick wechselte zwischen uns, er wartete auf eine Antwort. Sasha übernahm, zeigte kurz mit dem Finger auf mich, dann auf sich selbst. Der Kellner nickte, ging beiseite und streckte den Arm aus, um uns eine Richtung zu zeigen. Anhand meines überlasteten Gesichtsausdruck griff Sasha sanft meine Hand und zog mich mit sich zu einem Tisch, wohin uns der Kellner geschickt hatte. Perplex sah ich zu, wie er mir den Stuhl rauszog und auf die Sitzfläche deutete „Bitte, die Dame.” Kurz blinzelte ich ihn an, er grinste währenddessen über beide Ohren. Eigentlich wollte ich etwas sagen, aber kein Wort wollte über meine Lippen. Sie zerstoben in der Luft, kurz bevor sie ausgesprochen werden konnten.
Still ließ ich mich nieder und der Blonde setzte sich gegenüber von mir auf den Stuhl “Du hast zwar schon gegessen, aber möchtest du was trinken? Das geht natürlich auf mich.” packte er jeden Spruch des perfekten Gentleman’s aus und nun musste ich lachen. “Was ist denn mit dir passiert? Warum verhältst du dich plötzlich so merkwürdig?”, Sasha weitete überrascht die Augen, dann lehnte er sich entspannt nach vorne und stützte sein Kinn auf den Handrücken ab. Sein Blick huschte über meine roten Haare, wo mittlerweile mehr Haare aus meiner mühselig erstellten Frisur hingen, als nur die geplanten zwei Strähnen. “Ich sehe schon, du bist es nicht gewohnt, wie eine Lady behandelt zu werden. Selbst als Freunde ist es mir ein Fest, dir die volle Erfahrung zu bieten. So gehen wir hier mit unseren Frauen um, immer zuvorkommend.” erklärte er mir die ungewöhnlichen Sitten. Bei seiner Aussage musste ich an Alexej denken, er scheint Unterricht nehmen zu müssen in seinem Verhalten Frauen gegenüber “Das trifft wohl nicht auf alle zu…” murmelte ich empört.
Normalerweise ging es gegen all meine Vorsätze, mich so behandeln zu lassen, aber ich musste mich den anderen Sitten hier etwas anpassen. Nicht dass ich den Leuten vor den Kopf stoße. Lieber schraube ich meine Gewohnheiten erstmal runter und beobachte still, wie ich mit den Leuten hier umgehen kann, ohne fies zu wirken.
Akzeptierend nickte ich schließlich mir selbst zu und nahm meine Tasche auf die Oberschenkel. Ich öffnete meine Frisur und steckte das Haargummi in die unscheinbare kleine Innentasche, bevor ich sie wieder auf den Boden stellte. Meine Wellen fielen sanft über die Schlüsselbeine. Mein Gegenüber weitete leicht hypnotisiert von meiner Haarpracht die Augen und ich las aus seinen Iriden heraus, dass er mich als optisch ansprechend empfand. Seine lauten Gedanken brachten mich zum Lachen, während ich mit den Fingern durch die leicht verknoteten Strähnen fuhr, um meine offenen Haare halbwegs zu richten. Dann überkreuzte ich die Hände anmutig und lehnte mich aufrecht nach hinten. Mein nun hochmütiger Blick traf auf Sasha, der mein Antlitz genauestens weiter betrachtete “Gut, ich nehme deine Einladung an.” Sasha tippte zufrieden mit dem Zeigefinger mehrmals auf die hölzerne Oberfläche und neigte den Kopf “Es freut mich sehr zu hören, aber du hättest sowieso keine andere Wahl gehabt.” witzelte der Blonde und bestellte einen Kellner zu sich, seine Hand machte eine edle Geste in meine Richtung “Lady’s first, ich übersetze.”
“Was empfiehlst du?” Ich musste die Situation, dass ich nichts auf der Karte lesen konnte, irgendwie überspielen. Und es klappte, Sasha überlegte kurz und bestellte für uns, ohne mir die Frage zu beantworten. “Hey, hast du jetzt einfach irgendwas genommen?” versuchte ich die Lage zu verstehen. Sasha machte eine Handbewegung, die mich beruhigen sollte “Ich sollte dir etwas empfehlen, lass dich einfach überraschen, okay?“ Ich habe nicht vor, dich zu vergiften oder irgendwas.” Ich atmete durch, denn er hatte Recht. Ich musste meine Achtsamkeit ein bisschen ablegen, um nicht ständig voller Angst und Sorge durch die Welt laufen zu müssen. “Okay, okay.” sagte ich nur kurz, ehe ich die Konversation auf ein anderes Thema lenkte.
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Deutlich entspannter und glücklicher nahm ich wieder meinen Platz in Alexej’s Büro ein. Mein Vorgesetzter hatte es nicht mal für nötig gehalten, wenigstens von seinem Bildschirm anzusehen, als ich anklopfte und eintrat. Er spuckte mir seine Verachtung förmlich vor die Füße und es ging mir maßlos gegen den Strich. Auch wenn man Leute nicht sonderlich mochte, konnte man ihnen professionell entgegentreten, aber solche Wörter waren Alexej gänzlich fremd.
“Wo waren Sie? Mein Vater suchte nach Ihnen vor zehn Minuten, da er zu einem außer Haus Termin musste. Er wollte Ihnen Bescheid geben, dass alle offenen Fragen jetzt an mich gehen müssen.” überbrachte er mir die Nachricht. Nun bohrte sich sein scharfer Blick in meinen Rücken. “Ach ja? Das tut mir Leid, ich war mit einem neuen Freund gemeinsam auswärts essen.”
“Mit welchem Freund?” brach es aus ihm heraus. Verwundert von seinem plötzlich sauren Tonfall drehte ich mich mit dem Stuhl in seine Richtung. “Ist das wichtig? Solange es nichts mit dem Arbeitsinhalt zu tun hat, liege ich nicht in der Verantwortung, mich vor Ihnen rechtfertigen zu müssen.” entgegnete ich kalt und überschlug seriös die Beine “Bei Anliegen zur Arbeit sprechen Sie mich gerne an, ansonsten werde ich mich jetzt wieder meinen Aufgaben widmen. Es gibt noch einiges zu tun.” ein ironisches und distanziertes Lächeln überflog kurz meine Lippen, ehe ich mich wieder zum Bildschirm drehte, um weiterarbeiten zu können. Für weitere Minuten spürte ich seinen heißen Blick meinen Rücken abtasten, was mir merklich zusetzte. Es wurde unerträglich heiß in dem Raum. Zum Glück zog nach der kurzen Qual wieder Normalität ein, er ließ mich glücklicherweise in Ruhe.
Bis halb drei wechselten wir kein weiteres Wort miteinander und es lief auch ziemlich gut, ich war mächtig stolz auf meine Qualitäten, bis eine Fehlermeldung plötzlich auf meinem Desktop auftauchte. Ich kam ins Stocken, denn einen Fehler unter meinen geschriebenen Daten konnte ich nicht entdecken. Es musste eine andere Ursache haben, aber es kam für mich nicht in Frage, Alexej darauf anzusprechen. Glücklicherweise wurden die beiden Auswahlmöglichkeiten von Farben unterlegt. Eine war ebenso weiß wie der Rest der Meldung, die andere rot. In meinem Kopf zählte ich eins und eins zusammen, klickte auf das rot unterlegte Feld und sie verschwand. Ein einfaches Spiel für mich, aber meine Selbstsicherheit wurde schnell zerbrochen, als dieselbe Meldung wieder auftauchte. Genervt schnaufend wiederholte ich meine einzige Lösung, obwohl ich wusste, dass es keinen Sinn hatte. Als ich jedoch etwas schreiben wollte, kam diese Meldung wieder. Langsam riss mein Geduldsfaden.
Das kann es doch nicht sein! Will dieser Computer unbedingt, dass ich das Wort mit Mr. eingebildetes Arschloch wechseln muss?!
Verzweifelt stöhnte ich auf und legte den Kopf in den Nacken, das machte Alexej Aufmerksam “Was ist los?” ertönte seine Stimme von hinten. Ich stieß mich von der Kante des Schreibtisches ab und rollte etwas zur Seite “Eine Fehlermeldung und sie geht nicht weg, ich verstehe leider nicht, was sie mir sagen möchte.”, sein Blick fiel auf meinen Bildschirm und er verengte die Augen leicht, es schien mir, als könnte er sie schlecht erkennen von seinem Platz aus “Ich komme sofort und seh es mir an.”
Ich zog mich an der Tischkante wieder vor den Desktop und stützte den Kopf auf meine Handfläche, während meine Ohren doppelt so wachsam wurden. Ich lauschte jedem unbekannten und neuen Geräusch, wie er einzelne Papiere auf einen bestehenden Stapel legte, dann noch auf der Tastatur herum tippte und schließlich nahm ich die Rollen seines Bürostuhls wahr.
Seine Anzugschuhe verrieten die immer weniger werdende Distanz zwischen ihm und mir. Gerade als ich mich umdrehen wollte, spürte ich seine Anwesenheit direkt hinter meinem Stuhl, dann erschienen links und rechts neben mir seine Arme. Eine Hand legte er auf der Tastatur ab, mit der anderen betätigte er die Maus. Ein Schatten erschien in meinem Augenwinkel auf der linken Seite und ich spürte den warmen Atem des Schwarzhaarigen an meiner Haut, wie er meine Haare streifte und somit wenige Millimeter in Bewegung setzte.
Mein Körper erstarrte, seine Wärme umschloss mich wie ein Kokon seine Raupe. Ich fürchtete, mit jedem Muskel in meinem Oberkörper, den ich aktivierte, ihn zu berühren. Die Wärme sammelte sich auf meinen Wangen, während er sich die Meldung durchlas. Wieso hatte er auch so eine krasse Körperwärme? Ich fühlte mich wie in einer Sauna oder als würde ich an einer voll aufgedrehten Heizung sitzen.
“Dieses Problem haben wir öfters, gerade mit dem alten Gerät. Es kommt nicht immer mit der Version des Programms klar, da es sich mit dem alten Betriebssystem beißt. Ich hab’s gleich.” erklärte er seelenruhig, während mein Herz mit jedem seiner Worte schneller schlug, ich spürte es bis in die Fingerspitzen. Alexej’s Aura war so stark und einschüchternd. Der Geruch seines Parfums trieb mich noch mehr in den Wahnsinn. Seine Nähe schmiss all meine kontrollierten Gefühle durcheinander und es war mir ein Rätsel, warum mein Körper so stark auf ihn reagierte. Als er die eben noch ruhende Hand auf der Tastatur ablegte, striff der Stoff seines Jackets meinen Ärmel. Diese indirekte Berührung löste ein Kribbeln an genau der Stelle aus und schickte es einmal durch jede Faser meines Körpers. Überfordert davon, zog ich den Arm weg, der eben noch meinen Kopf stützte, damit ich sie auf meinem Schoß ablegen konnte. Alexej bemerkte meine harsche Reaktion und hielt kurz inne “Alles gut bei Ihnen?”, mehr als leicht nicken konnte ich nicht. Seine Stimme klang eindringlich, als wüsste er, was in mir vorging und es provozieren wollen. Ich blieb hart, hielt meine Fassade, unter der ich einging wie eine Pflanze ohne Wasser. “Gut, Sie können weitermachen oder-” begann er, das Ende seines Satzes wandelte sich in ein verführerisches Flüstern “Gibt es noch etwas, warum ich hier bei Ihnen bleiben soll?” Mein Herz explodierte, in mir gab es ein buntes Feuerwerk aus Wut, Verlegenheit und Empörung. Die Hitze sendete eine Feuerwelle, nein, einen Feuersturm durch meinen Körper und ließ jedes Blutgefäß zerbersten. Wegen der starken Reaktion mehrmals durchatmen und schloss die Augen, um mich wieder unter Kontrolle zu bekommen. Plötzlich lachte Alexej leicht triumphierend, stieß sich von der Tischkante ab und machte sich zurück an seinen Platz. Er ließ mich hier sitzen, in dem Zustand, den er absichtlich in mir hervor rief.
Wo sind die versteckten Kameras? Wohin muss ich sehen, damit jemand aus einer Ecke herausspringt und mir sagt, dass alles eben ein Scherz war?
Was zum Geier war das für eine Aktion?





























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