Ascardia 2 – Kapitel 2

~Ascardia~
Unruhig lief ich im Zimmer auf und ab. Was hatte ich nur getan? Wieso hatte ich zugestimmt?
Schon bei dem Gedanken an die ganzen Frauen wurde mir ganz flau im Magen. Konnte ich wirklich dafür sorgen, dass sie sich hier wohlfühlten? Was hieß das überhaupt?
Sie hatten bei Fürst Dorne gelebt. Das hatte Cayden mir noch erzählt, doch was hieß das? Wie hatten sie dort gelebt? Was waren sie gewohnt? Wie kümmerte man sich um andere?
Als meine ganzen Fragen mich zu erdrücken versuchten, klopfte es leise an der Tür.
Ich zuckte sofort zusammen und schnellte herum. Mein Herz klopfte heftig in meiner Brust, als würde es gleich herausspringen.
Wer war das? Wer würde klopfen? War das eine der Frauen? Woher wusste sie, wo mein Zimmer ist?
Unsicher trat ich auf die Tür zu und öffnete sie vorsichtig einen Spalt.
Silberne Augen strahlten mich an. Weiße Haare umspielten ein blasses Gesicht, das ich viel runder, gesünder im Kopf hatte.
Ich schnappte nach Luft. »Issabella«, rief ich und fiel ihr sofort in die Arme.
Sie schlang ihre vorsichtig, zögerlich um mich. »Lady«, murmelte sie perplex.
Ich konnte jedoch nicht anders, denn sie zu sehen beruhigte mich so sehr, dass ich fast in Tränen ausbrach. Sie war die erste Person, die ich als wirkliche Freundin bezeichnen würde und ich hatte solche Angst, dass ich sie nie wiedersehen würde.
Issabella legte mir vorsichtig eine Hand auf den Kopf, dann streichelte sie mich vorsichtig. Eine Geste, die mich tatsächlich etwas beruhigte.
»Bitte beruhigt Euch. Mir geht es gut«, brachte sie hervor. Ihre Stimme leise und sanft, doch irgendwie auch etwas rau.
Ich schluckte und löste mich vorsichtig von ihr. »Geht es dir wirklich gut?«, fragte ich. Sie war schon immer blass gewesen, aber so? Auch wirkten ihre Wangen eingefallen. Hatte sie nicht genug gegessen?
»Mir geht es wirklich gut«, versicherte sie.
Ich räusperte mich leise und deutete ihr an, einzutreten. Jetzt, wo so viele Fremde im Anwesen waren, wollte ich nicht bei offener Tür halb im Flur sprechen.
»Wo bist du die ganze Zeit gewesen?«, fragte ich, weil sie so lange nicht weg war.
»Ich …«, setzte sie zögerlich und ein wenig nervös an. »Der Einfluss des Schattenlichts … ist nicht so einfach zu brechen gewesen«, sagte sie, wobei sie fast ängstlich klang.




Ihre silbernen Augen fuhren musternd über mich. »Geht es Euch gut? Ich … erinnere mich nur noch an Euer Blut.« Ihre Stimme brach und sie schaffte es nicht, mir in die Augen zu sehen. Sie sah mitgenommen aus.
»Mir geht es gut«, versicherte ich grinsend. Es fühlte sich so gut an, sie wieder bei mir zu wissen. Sie war ein Anker gewesen, den ich gar nicht so bewusst wahrgenommen hatte. Issabella hatte mir sehr geholfen, mich hier einzuleben. Nur dank ihr, hatte ich so viel von der Welt gelernt. Ich würde ihr dafür immer dankbar sein.
»Ihr seht … anders aus«, sagte Issabella zögerlich.
Ich schmunzelte. »Das hat Cayden auch schon gesagt. Ich habe lange geschlafen«, erklärte ich, ohne mir groß Gedanken darüber zu machen. Cayden hatte es nicht als schlimm gesehen und mir gefiel die dunklere Farbe meiner Haare sehr.
Issabella nickte zögerlich.
Ich griff nach ihren Händen. »Ich weiß, du bist gerade erst wieder … da. Aber ich brauche deine Hilfe«, sagte ich hoffnungsvoll. Nur sie konnte mir helfen. Issabella wusste alles.
»Was ist denn vorgefallen?«, fragte Issabella mit einer gewissen Angst in der Stimme, während ihre Hände meine fester hielt.
Wie sollte ich das alles erklären?
»Die Frauen von Fürst Dorne sind bei uns im Anwesen«, platzte es aus mir heraus. Anders beschreiben konnte ich nicht. Ich wusste ja nicht einmal wieso.
Issabellas Blick würde überrascht. »Sie sind hier? Fürst Veylenreach hat dem zugestimmt?«
Ich verstand diese Frage, da ich wusste, dass es nicht auf Caydens Mist gewachsen war.
»Ayden hat sie einfach mitgebracht«, sagte ich unsicher. »Und Cayden möchte, dass ich mich um sie kümmere. Aber … ich weiß doch gar nicht wie ich das machen soll.«
Plötzlich wurde Issabellas Gesicht verstehend und ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. »Ich verstehe. Ich werde Euch so gut es geht zur Seite stehen. Für Eure Hilfe schulde ich Euch etwas.«
»Hilfe?«, fragte ich, bevor ich darüber nachdenken konnte. »Du hast mir doch geholfen, nicht andersherum.«
Issabellas Lächeln wurde sanfter. »Das liegt im Auge des Betrachters«, sagte sie, womit ich gar nichts anfangen konnte.
»Ja, also … kannst du mir helfen?«, fragte ich, da ich im Moment kaum an etwas anderes denken konnte als daran, dass diese Frauen in unserem Anwesen waren. Ich traute mich nicht raus, weil ich dieser fremden Alpha nicht über den Weg laufen wollte. Würde Issabella damit ein Problem haben?



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