Ascardia 2 – Kapitel 3
~Cayden~
Ich stand direkt hinter Ascardia und hatte ihr kaum sichtbar eine Hand in den Rücken gelegt, um sie zu beruhigen. Es würde einem Fremden nicht auffallen, doch ich sah ihr an, wie nervös sie war. Dabei hatte sie ihr Kinn gehoben und stand augenscheinlich ruhig da. Jedoch zitterte ihr Körper unter meinen Finger, weshalb ich meine Aura langsam um sie legte.
Langsam wurde sie ruhiger. Sie drehte sogar kurz ihren Kopf zu mir und lächelte leicht, bevor sie sich wieder der Tür widmete.
Draußen spürte ich bereits Aydens Aura, bevor ich seine Schritte hören konnte.
Auch, wenn ich es Ascardia angeboten hatte, war ich mir doch nicht sicher, ob sie schon bereit war. Allerdings brauchte sie Übung, um in der Welt der Fae nicht unterzugehen. Es war gut, wenn sie diese so schnell bekam wie es möglich war.
Trotzdem wusste ich auch, dass eine der Frauen ein Alpha war. Einige Betas waren vermutlich auch darunter. Fürst Dorne hatte immer darauf geachtet, dass die Frauen besonders stark waren. Für Ascardia, die nur eine Omega war … würde es sicherlich schwierig werden.
Ich würde mir also ansehen, wie sie sich schlug, bevor ich entschied, ob ich dabei blieb. Issabella war gestern überraschend stabil geblieben. Ihre Unterhaltung mit Ascardia war ruhig verlaufen und nichts war geschehen, obwohl ich darauf vorbereitet war. Die Stimmen, die sie quälten, waren noch immer nicht ganz verschwunden.
Damit war sie nicht ganz vertrauenswürdig. Auch, wenn ich nicht leugnen konnte, dass Ascardia einen guten Einfluss auf sie hatte. Als wäre ihre Anwesenheit selbst eine Heilung.
Ascardia versteifte sich, als die Tür aufging, doch sie blieb stehen. Den Blick auf Ayden gerichtet, der als erstes eintrat.
Ihm folgte die Alpha. Shaeli Dornfang. Aus einem Rudel aus Irawyn, wie ich einigen Dokumenten entnommen hatte. Ayden hatte nichts über die Frauen gefunden, nur das, was sie ihnen selbst gesagt hatten. Daher war es schwierig einzuschätzen, ob ich dem glauben konnte.
Allerdings spürte ich die Aura einer Alpha. Sie hatte in ihrem Rang nicht gelogen. Auch die leuchtend grünen Augen und die olivgrüne Haut wies auf Irawyn hin. Das fast schwarze Haar hatte einen grünen Schimmer, den ich so noch nie gesehen hatte.
Sie trat mit erhobenem Haupt ein, doch als sie mich erblickte, konnte ich sehen, wie ihre Selbstsicherheit ein wenig schwand.
»Fürst Veylenrech«, sagte sie mit belegter Stimme, bevor sie sich vor mir verneigte. Ascardia hatte sie nicht einmal eines Blickes gewürdigt.
Da ich direkt neben Ascardia stand, musste sie diese mitbekommen haben, weshalb ich mir eine weitere Geste sparte. »Das hier ist Ascardia«, stellte ich vor.
Ich spürte unter meinen Fingern wie Ascardias Körper sich erneut ein wenig entspannte, als würde diese Vorstellung ihr ein Gefühl von Sicherheit geben. »Sie wird eure Ansprechpartnerin sein, solltet ihr hier etwas missen«, erklärte ich weiter.
Issabella würde sich zwar auch um sie kümmern, doch ich wollte, dass alles über Ascardia lief. Sie sollte als genau das wahrgenommen werden, was sie hier war: Die Frau an meiner Seite. Nicht weniger.
»Mein Name ist Shaeli Dornfang«, stellte sie sich mit ruhiger Stimme vor, wobei sie Ascardia fixierte, aber nicht mich. »Ich entschuldige mich für die Umstände, die wir Euch mit unserer Anwesenheit bereiten. Ich fühle mich geehrt, in Eurem Haus aufgenommen zu werden«, sagte sie mit ruhiger Stimme, während mich die Stärke ihrer Aura leicht umschmeichelte. Sie glitt wie Seide über meine Arme und drang in meine Nase ein, als würde sie meine Sinne alle beanspruchen wollen.
Es war so lange her, dass ich mit Alphas, die nicht Issabella waren, direkt zu tun hatte, dass ich vergessen hatte, wie unberechenbar ihre Auren sein konnten.
»Ihr macht keine Umstände«, erwiderte, zu meiner Überraschung, Ascardia mit ruhiger Stimme. Allerdings hatte sie kein Lächeln auf den Lippen. Stattdessen wirkte sie ernst und erinnerte mich an Issabella. Allem Anschein nach, hatte die Unterhaltung gestern ihr wirklich geholfen. Etwas, das mich fast lächeln ließ.
Um zu zeigen, wie stolz ich auf sie war, ließ ich die Kühle meiner Macht sie sanft umspielen. Ein Schauer rann ihr über den Rücken und sie entspannte sich noch etwas mehr. Ihre Lippen zuckten sogar kurz.
»Fürst Veylenreach. Es tut nicht Not, uns jemanden an die Seite zu stellen«, sprach Shaeli überraschend weiter. Es überraschte mich, war ich es doch nicht gewohnt, dass man mir widersprach. »Ich habe mich schon immer um die Frauen in Fürst Dornes Anwesen gekümmert. Wenn Ihr mir die Ansprechpartner der jeweiligen Bereiche vorstellt, wird es eine Kleinigkeit sein, dafür zu sorgen, dass alles ruhig bleibt, ohne Eure kostbare Zeit zu verschwenden.«
Ihre Worte klangen zuvorkommend und so, als würde sie uns damit entlasten wollen, doch ich spürte, dass da etwas anderes war. Allerdings sagte ich nichts, sondern wartete auf Ascardias Reaktion.
»Ich werde eure Ansprechpartnerin sein«, erwiderte Ascardia überraschend ernst, während sie die Alpha mit ihren Augen fixierte. Ich hatte angenommen sie würde unter der Last ihrer Aura zurückgedrängt werden, doch Ascardia spürte die drückende Schwere anscheinend nicht einmal.
Stolz flammte in mir auf. Das hatte sie wirklich gut gemacht. Vermutlich wusste sie nicht einmal, dass Shaeli versucht hatte, ihre Stellung mit dieser Bemerkung zu untergraben.
Vielleicht war Ascardia kein Alpha, doch eine ernstzunehmende Gefahr. Hoffentlich würde das Shaeli auch noch lernen, bevor es zu Problemen kam.
Der Blick der Alpha glitt einen Moment zu mir, doch ich sah sie nicht einmal an. Stattdessen fixierte ich einen Punkt hinter ihr, während ich mich auf Ascardia konzentrierte. Sie zitterte nicht mehr, doch ihre Körperhaltung war steif.
»Wie Ihr wünscht«, erwiderte Shaeli schließlich, doch nicht so unterwürfig, wie es angebracht war. Nicht einmal meine Gegenwart schien sie sonderlich zu beeindrucken. Das war interessant und gleichzeitig gefiel es mir nicht. Anders als Ascardia hatte sie keine beruhigende Wirkung auf mich. Im Gegenteil. Ich spürte meine innere Unruhe nur zu deutlich.
»Bitte rufe die Frauen zusammen, damit ich ihnen das Anwesen zeigen kann«, sagte Ascardia mit fester Stimme. Ich werde ihr beibringen müssen, dass sie bei Frauen wie Shaeli nicht bitten musste, doch für ihre erste Anweisung war das durchaus valide. Sie machte ihre Sache sehr gut.
»Wie Ihr wünscht«, erwiderte Shaeli erneut, bevor sie aktiv zu mir sah und knickste.
Mein Lid zuckte. Das war eine absichtliche Beleidigung in Ascardias Richtung. Sie hätte sich zuerst bei dieser und dann bei mir verabschieden müssen. Kannte sie die Regeln nicht oder hatte sie sich bewusst dagegen entschieden? Was auch immer es war, es gefiel mir nicht. Hoffentlich kam Ascardia damit klar.
Als Shaeli schließlich den Raum verließ, stieg Ascardia ein tiefes Seufzen aus.
»Das hast du gut hemacht«, lobte ich, denn sie hatte genau das geschafft, was ich von ihr erwartet hatte.
»Issabella hat es mir beigebracht. Wir haben den ganzen Abend verschiedene Möglichkeiten durchprobiert«, gestand sie schief lächelnd.
»War das der Grund, warum sie ihre Aura genutzt hat?«, fragte Ayden, bevor ich ihm eknen bösen Blick zuwenden konnte. Aacardia sollte nicht erfahren, dass wir sie beobachteten. Isabella war einfach zu instabil gewesen, um es nicht zu tun.
»Hat sie?«, fragte Ascardia, die fragend zu mir blickte.
» Ja. Issabella hat gestern mehrfach ihre Aura genutzt. Sie war ziemlich weit zu spüren«, erwiderte Ayden unsicher.
Da er das Thema jetzt schon angesprochen hatte, sollte er sich besser nicht versuchen, herauszureden. Dazu war Ascardia zu schlau.
Diese runzelte die Stirn. »Das habe ich nicht bemerkt. Ich habe nur Caydens Aura in den Fluren gespürt.«
Ayden blickte mich überrascht an, wusste ich soch warum. Ich hatte meine Aura unterdrückt, wie ich es immer tat. Wie hatte sie diese trotzdem so leicht spüren können. Das war am Anfang mit Sicherheit nicht so gewesen.
»Wenn du die Frauen herumgeführt hast, erstatte mir danach Bericht«, wies ich sie an, um das Thema zu wechseln. Ich wollte sie nicht kontrollieren, doch manchmal half Bestätigung dabei das Gefühl zu haben, alles richtig gemacht zu haben.
































































Kommentare