Ascardia-Kapitel 7

~Ascardia~
Stille hüllte mich ein, während ich zwischen viel zu riesigen Grashalmen stand.
Die Halme waren schneidend scharf und schimmerten im fahlen Licht der Sonne.
Blauer Schimmer kletterte an den Grashalmen hinauf und pulsierte mit meinem Herzschlag, der immer schneller wurde.
Nein! Dieses Mal nicht!
Ich würde mich nicht wieder darauf einlassen. Das Wasserlicht würde mich nicht noch einmal bekommen.
Ich bewegte mich langsam zurück, um mich von den einzelnen Wassertropfen zu entfernen.
Jedoch war der Weg nicht frei. Es war, als würden sich die Grashalme bewegen und mich immer mehr einkreisen.
Ich streifte einen mit meinen Arm und ein stechender Schmerz durchzog meinen Arm.
Blut rann über meine Haut und tropfte zu Boden. Ein Geräusch, das viel zu laut widerhallte.
Mir wurde plötzlich eiskalt. Mein Herz schlug angstvoll, als würde es aus meiner Brust fliehen wollen.
Vom Himmel fielen große Wassertropfen. Ich wich ihnen aus, weil ich Angst hatte, dass sie mich erschlugen.
Wasser sammelte sich und in wenigen Augenblicken bis zu meinen Füßen.
Ich musste hier raus!
Panik schnürte mir die Kehle zu und ich konnte kaum atmen.
Das durfte nicht sein. Ich wollte nicht schon wieder im Wasser ertrinken.
»Cayden«, stieß ich panisch hervor, während das Wasser mir bis zum Hals stieß.
Ich strampelte panisch mit den Armen und Beinen, während ich die Augen zukniff und hoffte, dass mich Cayden erneut retten würde.
»Cayden!«
Seinen Namen auf den Lippen wurde um mich herum alles dunkel.
Ich riss nach Luft ringend die Augen auf und schlug wild um mich, in dem Versuch zu fliehen.
Ich verhedderte mich in der Decke und bei dem Versuch, zur Seite zu springen, rutschte ich von der Matratze.
Hart schlug ich zu Boden, was meinen Kopf einen Moment dröhnen ließ.
Dann verstand ich.
Es war ein Traum.
Ich war in Sicherheit.
Die Luft flirrte seltsam. Eine kühle Brise berührte mich sanft und plötzlich erschien eine weiße Gestalt im Raum, die flackernd Form annahm.
Weißes Haar wehte im sanften Wind und kristallblaue Augen blickten zu mir nach unten. »Hier bin ich«, sagte er ruhig, als hätte er wirklich auf meinen Ruf reagiert.
Ich spürte, wie mich Erleichterung packte. Er war zu mir geeilt, um mich erneut zu retten.
Die Emotionen, die diese Geste in mir aufsteigen ließen, schnürte mir die Kehle zu und ich schluchzte leise.
»Es war nur ein Traum«, sagte er, wobei seine Stimme fast sanft klang. »Hier ist nichts, was dir schadet.«
Langsam setzte ich mich auf.
Ich hatte ihn gerufen, obwohl nichts war und damit seine Zeit verschwendet.
Sofort fühlte ich mich schlecht, doch … ich konnte nicht anders, als mich in seiner kühlen Gegenwart wohl und beschützt zu fühlen.
»Ich …«, setzte ich an, zögerte jedoch.
»Leg dich wieder ins Bett und schlaf. Du brauchst viel Ruhe«, befahl er, weshalb ich mich langsam wieder erhob und auf mein Bett setzte.
Die Decke löste sich magisch von meinen Beinen und flog schließlich auffordernd über meinem Bett.
Langsam legte ich mich hin und das Laken kam zu mir nach unten, bevor mich Wärme einhüllte.
Ich blickte zu Cayden, der mich eindringlich musterte.
Seine sonst so gerade Haltung war ein wenig gebeugt. Wirklich nur ein wenig, sodass es kaum wahrnehmbar war und ich fragte mich, ob ich es mir nur einbildete.
»Würdest du…«, setzte ich an, spürte aber, wie mir die Frage im Hals steckenblieb.
Nein. Ich konnte seine Zeit nicht noch mehr verschwenden, weshalb ich meinen Blick abwandte.
Meine Wangen waren ganz warm, doch ich verstand nicht, warum.
»Sprich«, forderte er, wobei er ungewöhnlich ungeduldig klang.
Ich wandte mich sofort wieder zu ihm um.
Verdammt! Jetzt konnte ich keinen Rückzieher mehr machen. Nicht, wenn er so klang.
»Würdest du bei mir bleiben?«, fragte ich, denn allein fühlte ich mich einfach zu schwach, zu unsicher, zu … allein.
Dabei war ich mein ganzes Leben lang auf mich selbst gestellt gewesen.
Über Caydens Gesicht huschte ein überraschtes Lächeln, bevor er wieder die kalte Maske annahm.
»Solange du schläfst«, sagte er.
Flirrend erschien ein gepolsterter Stuhl, in den sich Cayden setzte.
Seine Haltung war erhaben, doch nicht so skulpturenhaft wie zuvor.
»Trink das hier«, sagte er schließlich, als vor mir eine Tasse mit weißer Flüssigkeit auftauchte.
Der Geruch war überraschend süß. Es roch fast nach Sonne. Vielleicht ein wenig wie die Blüten draußen im Garten.
Was war das?
Vorsichtig nippte ich daran.
Warme, leicht dicke Flüssigkeit legte sich weich auf meine Zunge.
Ich schloss genießend meine Augen. Es fühlte sich an wie flüssiger Mondschein. Wie konnte das sein?
Die Wärme, die mich einhüllte, ließ mich lächeln und als die Tasse leer war, verschwand sie wieder, sodass ich mich in die Decke kuscheln konnte.
Es überraschte mich nicht mehr, dass er all das für mich machte, doch ich fragte mich warum.
Er nahm sich Zeit für mich, war noch nie wirklich laut oder böse geworden und kümmerte sich sehr gut. Aber was hatte er davon? Konnte ich mich irgendwie erkenntlich zeigen?
Meine Gedanken kreisten, während ich versuchte, wieder einzuschlafen.
Es wollte mir nicht recht gelingen, also öffnete ich meine Augen, um nach Cayden zu sehen. Vielleicht hatte konnte er mir helfen.
Als ich ihn jedoch erblickte, hatte er seine Augen geschlossen. Sein Atem ging leise, kaum hörbar.
Lautlos setzte ich mich auf und hielt meinen Atem an.
Er hatte den Kopf auf seinen Arm gestützt und war ein wenig zusammengesunken.
Schlief er?
Das überraschte mich, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass er überhaupt schlafen musste.
Er war doch ein göttliches Wesen, oder? So wie der Tiger.
Vorsichtig schob ich meine Beine aus dem Bett. Mein Blick dabei fest auf Cayden gerichtet.
Im Schlaf sah er überraschend sanft, aber auch erschöpft aus. Und jung.
Wie alt war er eigentlich? Konnte ich sein Alter mit meinem vergleichen?
Langsam bewegte ich mich auf ihn zu. Dabei rechnete ich damit, dass er wach wurde, doch nichts geschah. Sein Atem blieb leise und gleichmäßig.
Seine Haut sah aus wie polierter Stein. Rein und eben. Wunderschön und nicht von dieser Welt.
Als ich nah genug war, studierte ich sein Gesicht.
Ich kannte Werwölfe mit weißen Haaren, doch dieses reine Weiß, sah ich zum ersten Mal. Er hatte es auch an seinen Wimpern und Augenbrauen. Vermutlich war es das, was sein Gesicht so unwirklich wirken ließ.
Sein Kinn hatte einen markanten Knochen, der ihn härter wirken ließ.
Neugierig streckte ich meine Finger aus, weil ich diese Haut berühren wollte.
Die Erinnerung seiner warmen Brust, an die er mich gezogen hatte, erfüllte meinen Körper mit Wärme. Doch plötzlich tauchten unter der blassen Haut blaue Blitze auf. Ich zuckte zurück, denn sie erinnerten mich an das Wasserlicht.
War es das, was er meinte, als er sagte, er hätte es aufgenommen? War es jetzt Teil von ihm?
Ich beobachtete die blauen Blitze unter seiner Haut.
Tat es ihm weh? Erschöpfte es ihn? War es vielleicht sogar seine eigene Kraft?
Bevor ich es richtig verstand, berührten meine Finger die kalte, straffe Haut seines Gesichts.
Funken sprühten und hüpften über meine Finger.
Mir blieb die Luft weg, denn da waren keine Schmerzen. Nur eine sanfte Kälte und ein Gefühl von Ruhe. Es ließ mich leise lachen, denn es kitzelte.
Schnell erinnerte ich mich daran, dass Cayden schlief und hielt die Luft an.
Ich erwartete, dass er seine Augen aufschlug und mich zurechtwies. Nichts Dergleichen passierte. Er schlief weiter. Ruhig und ungestört.
Aus einer Laune heraus, kniete ich mich vor ihm und bettete meinen Kopf auf seinem Schoß. Seine Nähe tat mir gut und beruhigte meine Gedanken.
Mit dem Gefühl von warmer Sicherheit schloss ich meine Augen und fiel in einen ruhigen Schlaf.



























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