DBdD-Kapitel 44

Zunae weinte so lang in Yelirs Armen, dass sie schließlich vor Erschöpfung einschlief. Dabei wich Yelir ihr keinen Moment von der Seite und als sie schließlich die erste Pause machten, verließ er dir Kutsche nicht. Er vertraute darauf, dass Aaron sich um alles kümmerte.
Dieser begann sich allerdings immer mehr Sorgen zu machen. Ohm war die Kette an ihrem Hals nicht entgangen und er fragte sich, warum yelir sich dazu entschieden hatte, sie ihr erneut anzulegen. Hatte diese Kette etwas mit dem Vorfall zu tun? War das wieder so eine Sache wie in Kavalare? Hatte Zunae ihren eigenen Körper geschädigt, um andere zu schützen? Aber würde Yelir diesen Fehler erneut begehen.
Während sie eine Feuerstelle vorbereiteten, klopfte Belle leise an der Tür. »Möchtet ihr etwas essen?«, fragte sie leise, weil sie sich ebenfalls Sorgen machte uns hoffte, so ihre Königin kurz zu sehen.
Yelir blickte zu Zunae, die in seinen Armen leise atmete. Er wollte sie nicht wecken, aber sie musste etwas essen. »Haben wir … etwas Leichtes?«, fragte er noch immer angespannt. Es fiel ihm schwer einzuschätzen, wie Zunae reagierte, sobald sie aufwachte.
Belle blickte irritiert an die geschlossene Tür. Das war eine eigenartige Bitte, hung aber vielleicht mit Zunaes Zustand zusammen. Belle hatte nur mitbekommen, daas diese wohl zusammengebrochen war, weshalb sie von einer Vision ausging. Allerdings war es unüblich, dass sie danach nach etwas Leichtem fragte. Oder war sie noch nicht wieder ansprechbar.
»Ich werde etwas vorbereiten«, versicherte sie und entschied sich dazu, auch ein paar andere Dinge zu servieren. Sicher war sicher.
Also wandte sie sich ab und kehrte zu der Feuerstelle zurück, an der die Männer gerade einen Topf platziert hatten. Sie hatten zwar auch Reiseproviant dabei, doch jeder von ihnen präferierte es, frisch zu kochen, wenn sie die Gelegenheit bekamen.
Also holte Belle etwas Fleisch heraus, das sie für den Eintopf brauchte. Für die anderen sollte es eine deftige Mahlzeit werden, doch für ihre Königin würde sie süßen Grieß zubereiten. Er war leicht zu essen, machte satt und mit den frischen Beeren, die sie vorsorglich in einer Kühltruhe mitgenommen hatte, war es auch noch gesund.




Während die Männer Belle beim Kochen halfen, hielt Yelir Zunae im Arm und streichelte sie beruhigend.
Er hatte Angst vor ihrer Reaktion, wenn sie erwachte. Da er nun wusste, dass sie schwanger war, lag ihm ihr Wohl nur noch mehr am Herzen. Er wusste, dass sie sich in ihrem Zustand nicht zu sehr aufregen durfte und sich ausruhen musste, aber die Frage war, ob sie das wollte. Sie war keine Nordländerin und noch immer konnte Yelir schwer einschätzen, wie solche Dinge bei ihnen gehandhabt wurden.
Gedankenverloren blickte er auf die Wand, ohne zu merken, wie viel Zeit vergangen war.
Erst, als es leise klopfte und Belle zwei Teller und Schüsseln in die Kutsche schob, wurde ihm klar, dass eine Menge Zeit vergangen war.
»Danke«, murmelte er, während sich die Kutsche mit dem Duft von Wildeintopf und Beerengrießbrei füllte.
Yelir bewegte sich jedoch nicht. Hunger verspürte er kaum und er wollte Zunae auch nicht loslassen.
Irgendwann begann sie jedoch, sich zu rühren und vorsichtig ihren Kopf zu bewegen.
Yelir hielt nicht inne und streichelte sie weiter. »Du musst Hunger haben«, sagte er sanft, als er die Änderung ihrer Atmung bemerkte.
Zunae gab einen undeutlichen Laut von sich, bevor sie ihren Kopf wieder an Yelirs Brust versteckte. Dieser lachte leise. »Komm schon, du musst etwas essen«, sprach er zärtlich auf sie ein, wobei auch etwas Drängenden in seiner Stimme mitschwang.
»Es tut mir leid«, flüsterte sie, denn für sie war die Sache noch nicht beendet. »Ich sollte …«, setzte sie an, wurde jedoch von Yelir harsch unterbrochen.
»Etwas essen und dich ausruhen. Du und das Baby seid meine Verantwortung und ich werde mit Sicherheit nicht zulassen, dass einer von euch beiden verhungert«, gab er etwas ungehalten von sich.
Dieser harsche Ton ließ Zunae zucken, bevor ein leises Schniefen ihre Kehle verließ.
Irgendwie hatte sie fast gehofft, dass er verlangte, dass sie es abtrieb, damit sie die Entscheidung nicht treffen musste, doch Yelir überraschte sie sehr. Er war gewillt dieses Kind anzunehmen?
»Ein Leben ist ein Leben und das Kind kann nun am wenigsten etwas für seinen Vater. Er wurde für seine Taten zur Rechenschaft gezogen, auch wenn ich ihn gern wiederbeleben würde, um ihn noch einmal, langsam und qualvoll, zu töten«, stieß Yelir mit einem Knurren aus, wobei er sogar die Hand zur Faust ballte. Dann erst realisierte er, dass er Zunae vielleicht Angst machte. Allerdings überraschte sie ihn mit einem leisen Lachen.




»Was ist?«, fragte Yelir mürrisch, der ihre Reaktion nicht ganz verstand.
»Es ist das erste Mal, dass du diese Seite von dir so deutlich zeigst«, gab Zunae leise von sich, die sich vorsichtig aufrichtige. »So, wie du mich manchmal umsorgst, ist es schwer, den Krieger zu sehen, der du bist.«
Yelir brummte erneut, schwieg aber, um ihr dabei zu helfen, sich richtig hinzusetzen. Dabei bemerkte Zunae die Verbände, die ihren Körper einnahmen.
»Danke«, murmelte sie, während sie innerlich verfluchte, dass Yelir ihr so oft helfen musste. Zuhause hätte sie diese Art der Fürsorge definitiv vehement abgelehnt. Wieso also ließ sie es bei Yelir zu?
Dieser fühlte sich ein bisschen beleidigt, war aber erleichtert, dass Zunae ein wenig stichelte. Das zeigte ihm, dass es ihr zumindest ein bisschen besser ging.
»Ich hole dir etwas zum Anziehen. In der Zeit kannst du essen«, bemerkte er, unsicher, ob die Bandagen und der Mantel nicht zu kalt wurden, wo er sie nun nicht mehr im Arm hielt.
»Danke«, murmelte sie erneut, dieses Mal jedoch hörbar schüchtern.
Yelir verstand nicht, warum, doch da sie etwas zum Anziehen brauchte, verließ er schnell die Kutsche, um Belle auf zu suchen.
»Braucht Ihr noch etwas?«, fragte Belle sofort, als sie yelir entdeckte. Gleichzeitig hielt sie aber nach Zunae Ausschau und war enttäuscht, als sie diese nicht fand.
»Kleidung«, erwiderte Yelir nüchtern.
Zuerst brauchte Belle einen Moment, bevor sie ihre Augen weitete, weil sie verstand. Auch, wenn sie nicht wusste, wieso Zunae neue brauchte. »Bitte folgt mir«, sagte sie und führte Yelir zu der Kutsche, in der Zunaes Truhe stand.
Als sie diese öffnete und ein Kleid hervorzog, schüttelte Yelir den Kopf. »Etwas Bequemeres«, forderte er, da dieses Kleid eine Korsage hatte.
»Bequemer?«, fragte Belle verwirrt, da Zunae diese Kleider bisher nie als unbequem empfunden hatte.
Yelir trommelte mit seinen Fingern an der Kutschwand herum. »Etwas, in dem sich eine Schwangere wohlfühlt«, sagte er schließlich ungeduldig, weil er Zunse nicht zu lange allein lassen wollte.
»Oh«, stieß Belle aus, denn damit hatte sie nicht gerechnet. Es war eine wunderbare Neuigkeit, doch da Yelir es noch nicht groß angekündigt hatte, war es vielleicht noch geheim. »Ich werde etwas suchen und euch bringen«, sagte sie schließlich, denn keines der Kleider war geeignet. Daher würde sie eines schnell umnähen müssen. »Es wird nicht lange dauern«, versprach sie, da einige der Kleider für derartige Fälle ausgelegt waren. Sie musste also nur ein paar Nächte auftrennen und die Korsagen entfernen.




»Gut, bring es dann in die Kutsche«, murmelte Yelir, bevor er zurück zu seiner Frau rannte.
Als er die Tür öffnete, saß sie gerade mit ihrem Grießbrei da und starrte ihn an. Ihr Gesicht blass und ihre Haltung spiegelte ihre Erschöpfung wider.
»Was ist?«, fragte Yelir sofort alarmiert, als er bemerkte, dass sie ihr Essen nicht angerührt hatte.
Zunae lächelte kläglich. »Mir ist schlecht«, gab sie zu, wobei sich Yelir fragte, wie sie das die letzte Zeit verborgen hatte. Ihm war nichts in diese Richtung aufgefallen.
Yelir rieb sich den Nacken. »Belle bringt dir gleich Kleidung. Willst du … einen Spaziergang machen? Frische Luft könnte helfen«, bot er an. Gleichzeitig wusste er jedoch nicht, ob die Übelkeit von der Schwangerschaft war oder von dem Vorfall, den Yelir versuchte zu verdrängen, bevor er erneut wütend wurde.
»Ja«, erwiderte Zunae, auch wenn sie nicht genau wusste, wozu sie zustimmte. Sie wollte aus der Kutsche raus, um den Duft von Essen los zu werden, hatte aber gleichzeitig Hunger. Ihr Körper war ein reinstes Chaos und wie wünschte sich, Tabletten nehmen zu können. Nur hatte sie weder Dainte, noch ihre Schwester fragen wollen.
Im nächsten Moment klopfte es auch schon und Belle brachte das Kleid herein.
Als Zunae es erblickte, wurde sie etwas blss um die Nase. »Du hast es Belle erzählt?«, fragte sie, denn die Änderungen waren deutlich zu sehen.
»Sie weiß nur, dass du schwanger bist. Immerhin muss sie sich um dich kümmern«, erklärte Yelir, der sich keiner Schuld bewusst war und Zunae beim Anziehen half.
Zunae brummte nicht erfreut. »Dann sollte ich vielleicht such meinen Schwestern eine Nachricht schicken«, bemerkte sie. Ihr war klar gewesen, dass sie es nicht lange geheimhalten konnte, doch sie hatte dennoch nicht damit gerechnet, dass plötzlich alles so schnell gehen würde.
»Das ist eine gute Idee«, stellte Yelir fest, der vorsichtig Zunaes zerzsuste Haare richtete und sie schließlich zu einem lockeren Zopf band.
»Ich hätte es lieber verheimlicht«, murmelte sie und seufzte frustriert.
»Warum. Immerhin ist es auch dein Kind«, sagte er überrascht. »Du musst dich nicht schlecht fühlen, nur weil der Vater ein Schwein ist. Das Kind wird sicherlich genauso toll wie du«, versicherte Yelir aufmunternd.




Zunae spürte Tränen in ihren Augen aufsteigen. »Dann hoffen wir, dass es ein Mädchen wird. Nicht, dass es Probleme mit der Thronfolge gibt«, murmelte sie, denn darüber machte sie sich Sorgen. Jetzt wo der Krieg vorbei war, konnte Yelir seinen Posten an seinen ältesten Sohn abgeben, ohne seine Kinder darum kämpfen lassen zu müssen. Zumindest hatte das Ariel in ihren Stunden erzählt.
Yelir blickte sie verständnislos an. »Wieso sollte es Probleme damit geben?«, fragte er. Es würde immerhin davon abhängen, ob er Fähigkeiten besaß. Natürlich könnte es Probleme geben, wenn herauskam, dass er kein Blut der Seelenkatzen in sich trug, doch Yelir war das nicht wichtig.
Zunae legte ihre Hand auf ihren Bauch, der unter dem weiten Kleid kaum auffiel. »Ich möchte nur keine Probleme machen«, murmelte sie, als die Übelkeit sie erneut packte.
Sie sprang auf und stürmte aus der Kutsche, nur um sich wenn später in die nahen Büsche zu übergeben.
Sie spürte Yelir, der ihre Haare zurückhielt und ihr sanft den Rücken streichelte.
Zunae spürte Scham in sich aufsteigen. Was für eine peinliche Aktion.
Sie lief rot an, als sie die Blicke der Umstehenden auf sich spürte. Hätte das nicht später passieren können? Vermutlich war es die Kombination aus ihrem Zustand, der Kutschfahrt und dem Duft von Fleisch. Dieses konnte sie im Moment gar nicht gebrauchen. Hoffentlich wurde es bald besser.

Wie gut gefällt dir dieses Buch?

Klicke auf einen Stern zum bewerten.

Durchschnitt 5 / 5. Anzahl: 2

Bisher keine Bewertungen

Kommentare