DBdD-Kapitel 45
Zunae hatte gehofft, dass ihre Morgenübelkeit besser wurde, doch in den nächsten Monaten verstärkte sich diese nur noch. Dabei schmolz der Schnee und die Sonne lockte sie am Morgen aus dem Bett. Sie wollte die blühenden Blumen genießen und in der Sonne wandern, doch oft ging es ihr so schlecht, dass allein starke Gerüche Übelkeit in ihr auslösten.
Mittlerweile war sie im vierten Monat, sodass man ihr ansehen konnte, dass sie in anderen Umständen war. Seltsamerweise waren die Männer dazu übergegangen, sie noch mehr zu bemuttern. Selbst Degoni, der sonst immer grummelte, war plötzlich überraschend zuvorkommend. Immer, wenn sie etwas machte, was körperlich anstrengend war, übernahm er die Aufgabe für sie. Zumindest, wenn Yelir nicht da war.
Dazu kam, dass ein sehr großes Fest immer näherkam. Eines, das auf ihren Mist gewachsen war und was sie mittlerweile bereute. Damals hatte sie aber auch nicht damit gerechnet, schwanger zu sein. Yelir wollte es zum Sommerfest bekanntgeben. Ein Fest, das es so noch nie gab und mit dem sie den beginnenden Sommer feiern wollten. In der Burg des Königs.
Daher war Zunae auch sehr beschäftigt, obwohl sie manchmal am liebsten im Bett bleiben würde.
Der große Saal war dafür vorbereitet, sowie einige Gästezimmer und Räume, die fürs Bewirten der Gäste wichtig waren. Zunae hatte sich sogar Mühe gegeben, ein paar präsentative und repräsentative Dinge aufzustellen, um ihren Reichtum zu zeigen. Auch, wenn dieser fast nur von ihr kam.
Durch Kavalare hatten sie zwar einen kleinen Warenstrom mit frischem Gemüse, der sie kaum kostete, doch Geld machten sie noch nicht sonderlich viel.
»Ich weiß, wie viel dir dieses Fest bedeutet, aber bitte geh es langsam an«, bat Yelir, der Zunae dabei half, den Saal zu schmücken. Sie hatten viele Blumen und Wandteppiche aufgehängt, um es möglichst gemütlich zu machen.
Außerdem gab es magische Steine, die überall im Raum verteilt waren und in verschiedenen Bildern leuchten würden, wenn Zunae es wollte.
Immerhin würde sie dieses Fest nicht nur nutzen, um die Kette allen zu zeigen, sondern auch ihre Schwangerschaft bekannt zu machen. Auch, wenn sich Zunae damit immer noch nicht wohlfühlte.
Was ihr aber am meisten Angst machte, war Fürst Ladvarian, der sich für die Vorfälle in seiner Stadt entschuldigt hatte. Auch hatte er es untersuchen lassen und einige Leute dafür zur Rechenschaft gezogen. Er würde ebenfalls zum Fest erscheinen, doch Zunae traute ihm nicht über den Weg.
Yelir ging es ähnlich, weshalb er seinen Soldaten aufgetrgen hatte, sich unter die Gäste zu mischen und diese im Auge zu behalten. Andras und Aaron waren ebenfalls anwesend, sowie einige Frauen, die Zunae gut kannte. Sie hatte also auch die Möglichkeit, sich mit diesen zurückzuziehen.
Außerdem würde sie endlich auch die Frauen der Fürsten kennenlernen können.
»Ich mache mir eher Sorgen darum, nicht tanzen zu können, weil mir schlecht ist«, bemerkte Zunae, die nicht erwartet hatte, dass auch in den Nordlanden eine Eröffnung mit einem rituellen Tanz der Gastgeber begonnen wurde.
Yelir lachte leise. »Du tanzt gern und sehr gut. Mach dir darüber keine Sorgen.« Er zwinkerte ihr zu, während er die Blumen so befestigte, wie sie es wollte.
Zunae konnte seine Selbstsicherheit nicht teilen. Sie war unglaublich nervös, denn von diesem Abend hing viel ab. Unter anderem, wie die Fürsten der Nordlande sie sahen. Außerdem wusste sie, dass es sehr viele Probleme gab, von denen man erwartete, dass der König sie behob. Nur ging das nicht so einfach. Die Spuren waren so sehr verwischt, dass Zunae mittlerweile davon ausging, dass nicht nur Fürst Ladvarian involviert war.
Zunae strich sich über ihren Bauch. Sie war sich noch nicht sicher, welche Art von Kleid sie tragen würden. Eines, das zeigte, dass sie schwanger war oder das es versteckte. Aber eigentlich war es egal, da sie ihre Schwangerschaft verkünden wollten. Womit sie die Aufmerksamkeit erhielt, die sie nicht wollte. Eine schwangere Frau war ein leichteres Ziel.
»So, das sollte jetzt das letzte sein«, bemerkte Yelir, der wieder zu Zunae kam und sie sanft von hinten umarmte und zärtlich ihren Bauch streichelte. »Du solltest dich jetzt ausruhen, bis morgen die ersten Gäste eintreffen«, bemerkte er und küsste ihren Hinterkopf.
Zunae lehnte sich an Yelir, verzog aber die Lippen. Sie wollte sich nicht zurückziehen oder ausruhen, doch Yelir hatte recht, es gab nichts mehr zu tun.
»Das sieht wirklich sehr schön aus«, erklang Charlets Stimme, die sich in dem Raum umsah. Sie hätte sich weniger langweilige Blumen gewünscht und dafür mehr Kristalle, was man ihr jedoch nicht anhörte.
»Charlet, was führt dich her?«, fragte Yelir, der sie im Auge behielt. Es war sehr selten, dass sie den Harem verließ, aber da sie ebenfalls eingeladen war, genau wie einige andere Frauen aus dem Harem, wollte sie sich vielleicht ein Bild der Halle machen.
Seitdem Zunae die Kette trug, war sie auch gewillt, öfter mit ihr zu interagieren und in einem Raum zu sein, trotzdem zeigte Charlet noch immer, dass sie von Zunae nicht begeistert war. Was Yelir nicht interessierte. Ihm war wichtig, dass ihr Vater mit Zunae klarkam und diese beiden hatten keine Probleme. Yelir glaubt sogar, dass Lacrew Zunaes Arbeit respektierte.
»Ich wollte mich umsehen«, gestand sie, während sie ein fasziniertes Gesicht vorspielte. Die Halle sah besser aus als die letzten Jahre, doch an ihren alten Glanz kam sie nicht heran. Es war ein lächerlicher Versuch, andere zu beeindrucken. Hätte Charlet sich darum gekümmert, wie es hätte sein müssen, wäre die Halle viel prunkvoller.
»Wir sind gerade fertig geworden«, informierte Zunae sie, während sie Charlet eingängig musterte. Seitdem sie schwanger war, schien sich Charlet mehr für sie zu interessieren. Zumindest glaubte Zunae das, denn Charlet tauchte gern dort auf, wo auch sie war. Zum Glück waren meist Degoni, Yelir oder Dainte um sie herum. Manchmal auch Aaron und Andras, weshalb sie sich nie unwohl fühlte. Es passte Zunae zwar nicht, doch die Männer würden sie beschützen. Bis auf Degoni mochte niemand Charlet, auch wenn keiner es zeigte.
»Nun, im Rahmen eurer Möglichkeiten ist das wohl das Beste, das man machen kann«, bemerkte Charlet nun, wobei sie etwas die Nase rümpfte. Auf den zweiten Blick sah das alles nur noch billiger aus, weshalb sie sich einfach nicht zurückhalten konnte.
Zunae stieß ein Seufzen aus. Hatte Charlet nicht gerade noch gesagt, es würde schön aussehen?
»Es ist das erste Fest dieser Art«, erwiderte Yelir gelassen, der noch immer einen Arm um seine Frau gelegt hatte. Dabei beobachtete er Charlet sehr genau, denn er hasste es, wenn sie seiner Frau zu nahe kam.
»Gerade dafür hättet ihr mehr auftrumpfen können«, bemerkte Charlet. »Der Harem hätte euch als Vorlage dienen können.« Immerhin war dieser ein Sammelsurium von Kunstwerken.
»Das Geld wird an anderer Stelle gebraucht«, erwiderte Zunae. Sie hatten sich ein Budge gesetzt und in diesem geblieben. Es gab keinen Grund, über die Stränge zu schlagen.
Charlet rümpfte die Nase, schwieg aber.
Stattdessen wandte sie sich um und ging.
Yelir stieß die Luft aus, als sie den Raum verlassen hatte. »Warum war sie überhaupt hier?«, fragte er murmelnd, während er Zunae an sich drückte, um sich zu beruhigen.
»Vermutlich, um klarzumachen, dass sie es besser gekonnt hätte«, sagte sie, auch wenn das nur eine Vermutung war. Charlet selbst hatte sehr viele Vorschläge gegeben und am Anfang sogar getan, als wäre sie diejenige, die sich darum kümmerte. Doch das hatte Yelir schnell unterbunden, auch wenn es eigentlich ihre Aufgabe gewesen wäre. Allerdings war Zunae nicht einfach nur seine Frau, sondern die Mitregentin, weshalb sich vieles geändert hatte. Was Charlet noch immer nicht ganz klar war.
Als Mutter des Königs, auch wenn sie nicht seine leibliche war, hatte sie eigentlich einige Rechte und Privilegien. Darunter die Aufgabe, sich um derartige Feiern zu kümmern, damit sich der König nicht damit belasten musste. Gleichzeitig hätte die Königin von Charlet lernen sollen. Nur war Zunae nicht einfach nur eine Frau, die zur Königin geworden war. Sie war schon vorher eine gewesen und musste nicht erst lernen. Was Charlets Rolle überflüssig machte und diese sichtbar störte.
Charlet gab sich immer Mühe, sich nicht ansehen zu lassen, wie verärgert sie war, doch das, was Zunae tat, machte sie unglaublich wütend. Sie hatte sich hier positioniert und regierte wie eine Königin über die Männer! Das war schrecklich. Warum dackelten ihr all die starken Krieger hinterher wie Hunde?
Charlet ballte die Hand zur Faust, als sie in den Harem zurückging. Hoffentlich verlief das Fest, wie sie es sich erhoffte. Immerhin hatte sie die schönsten und aktivsten Frauen des Harems ausgesucht, um der Feier beizuwohnen. Sie alle standen unter ihrer Kontrolle und würden Yelir umschmeicheln. Da Zunae nun schwanger war, würde er auch keinen Sex mehr bekommen. Er musste frustriert sein. Eine Tatsache, die ihre Frauen nutzen konnten, um ihn zu verführen. Selbst Degoni schlief regelmäßig mit Frauen, um aufgestaute Frustration abzubauen. So, wie es typisch für die Nachfahren der Seelenkatzen war. Yelir konnte es vielleicht verstecken, doch Charlet glaubte nicht, dass er wirklich treu war. Das erwartete auch niemand. Stattdessen wollte jeder wissen, wen Yelir zu seiner Zweitfrau machte und an dieser Stelle würde Charlet nur ihre Puppen positionieren. Niemanden sonst.



















































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