DBdD-Kapitel 47

In den nächsten Tagen trafen die anderen Fürsten ein, die sich alle Mühe gaben, ihr jeweiliges Gebiet zu repräsentieren.
Fürst Kedron Inkir kam in einer großen Kutsche und hatte Kräuterliköre und andere Spirituosen bei sich, die er dem Königspaar schenkte.
Fürst Serath Veren, den Zunae bis dahin noch nie direkt begegnet war, protzte mit einem Nachtmahr. Ein Pferd, das so nur in Meergebieten vorkam, da sein Lebensraum das Wasser war. Dass er es so lange über Land hatte laufen lassen, zeigte entweder, wie wenig er sich um dessen Gesundheit sorgte, oder dass er die Natur des Tieres nicht verstand.
Zunae, die dieses Geschöpf aus Legenden kannte, wies sofort einen Stallburschen an, das Tier zu einem Innenhof mit Teich zu führen, wo es sich zumindest etwas im Wasser erholen konnte.
Der Eindruck, den Fürst Veren damit bei ihr hinterließ, war kein sonderlich guter.
Daher war sie auch skeptisch, als der letzte der Fürsten eintraf. Fürst Salem Divirn.
Mit hoch erhobenem Haupt kam er auf einen riesigen, weißen Hirsch angeritten, der nur in der Nähe des Gebirges zu finden war. In den Regionen, in denen es immer kalt war.
Das Geweih des Tieres hatte ein dunkles Violett und erinnerte Zunae an den Herrn des Waldes, der ihr beim Kristallsee begegnet war. Sie schloss das Tier sofort in ihr Herz und war überrascht, wie sanft Salem mit diesem umging.
Zunae musste noch immer lächeln, während sie an das Tier dachte.
»Das Kleid steht Euch sehr gut«, sagte Belle, die eine der seltenen Gelegenheiten nutzte, um Zunae in ihr Kleid zu helfen.
»Es passt perfekt zu diesem Anlass«, stimmte Liselle zu, die vorsichig den schwarzen Stoff mit den ganzen Kristallsplittern glattstrich.
»Anui hat sich selbst übertroffen«, stimmte Zunae zu, die nicht erwartet hatte, dass er aus den ganzen leeren Magiesteinen in wenigen Tagen so ein wundervolles Kleid hatte machen können. Dabei war das nicht einmal das Ziel gewesen. Zunae hatte ihm gegenüber nur erwähnt, dass sie nicht wusste, was sie damit tun sollte.
»Setzt Euch, damit ich Eure Haare machen kann«, bat Liselle, die Zunae einen Stuhl vor den Spiegel stellte, auf dem sie sich niederlassen konnte.
Vorsichtig setzte sich Zunae und kurz darauf machte sich Liselle über ihre Haare her, während Belle ihr Schminke aus ihrer Heimat auftrug. Etwas, was Frauen hier zwar kannten, doch nur selten nutzten. Die Schminke war schwer zu bekommen, da sie als Luxus galt. Nicht einmal der Harem konnte sich diese zu oft leisten. Daher hatte sich Zunae auch angepasst und nutzte sie nur für besonders wichtige Anlässe. Wie die Eröffnung des Festes, das eine Woche gehen würde.




Sinn davon war, dass sie alle Kontakte knüpfen konnten und sich über die aktuelle Situation des Reiches unterhalten. Wie sie nach dem Krieg fortfahren wollten und wo die Stärken eines jeden Gebietes lagen. Es gab immerhin keine andere Gelegenheit, in der die Fürsten zusammenkamen. Zumindest hatte Yelir ihr keine genannt.
Zunae wusste aber, dass es nicht gut war, wenn es keine allgemeine Versammlung gab. Bisher war es so, dass der König in der Sommerzeit mit seinem Gefolge die Fürsten besuchte. Einen nach dem anderen. Um sich anzuhören, was es für Probleme gab und auch zum Kontrollieren. Eine reichlich anstrengende Methode für den König. Außerdem konnte er so immer nur mit einem Fürsten sprechen und nicht mit allen.
»Fertig«, verkündete Belle, als sie die letzten Strähnen feststeckte. Neben dem Einkleiden ihrer Königin war sie die nächsten Tage dazu verantwortlich, dass die Besucher es gemütlich hatten, während ihre Schwester sich um einen reibungslosen Ablauf kümmerte.
Es war gar nicht leicht gewesen, weitere Dienstleute einzustellen, doch es hatte irgendwie funktioniert und nun hatten sie genug Hände, die mit anpackten.
»Wie fühlt Ihr Euch?«, fragte Liselle besorgt. Sie hatte sich in der letzten Zeit viele Sorgen um die Gesundheit von Mutter und Kind gemacht, weshalb sie sich etwas nähergekommen waren. Außerdem war ihr Unterricht bei Belle und Jane fast beendet. Sie konnte mittlerweile so gut wie alles, was wichtig war.
»Die Morgenübelkeit ist vorbei«, bemerkte Zunae, die jedoch aufpassen musste, was sie heute aß. Nicht jedes Essen, das aufgetischt war, war gut für eine Schwangere, weshalb sie sich von Dainte Rat gesucht hatte. Außerdem hatte er ihr Kräuter für Tees vorbereitet, die sie regelmäßig zu sich nahm, um einen Mangel an Vitaminen zu verhindern.
»Das ist sehr gut. Sollte etwas sein, bitte sagt sofort Bescheid«, bat Liselle, die auf keinen Fall wollte, dass sich Zunae in ihrem Zustand überanstrengte. So ein Fest war zwar eine schöne Feier, doch gerade für die Gastgeber sehr erschöpfend.
»Werde ich«, versprach Zunae, die sich langsam erhob.
Das Kleid fiel so, dass man ihren Babybauch nicht sofort sah, wodurch sie jedoch ein wenig unförmiger wirkte als sonst. Trotzdem hatte sie eine sehr elegante Erscheinung und hob sich von den nordländischen Frauen ab.




Heute war das besonders wichtig für sie, denn aus dem Harem gab es einige Frauen, die sich dazu bereit erklärt hatten, für Unterhaltung zu sorgen. Sie hatten Musik und Tänze einstudiert.
Zunae hoffte, dass sie so vielleicht die Aufmerksamkeit einiger Männer auf sich zogen und vielleicht jemanden fanden, den sie heiraten wollten. Es wäre besser für sie eine eigene Familie aufzubauen, statt im Harem zu leben. Das Problem war nur, dass es aktuell viel mehr Frauen als Männer gab. Was in den Nordlanden allerdings nicht ganz so schlimm war, da hier durchaus ein Mann mehrere Frauen haben konnte.
Ein Klopfen erklang, was Zunae sofort ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Sie musste nichts sagen, da öffnete Yelir bereits die Tür.
Er war ebenfalls vorrangig in schwarz gekleidet und trug silberne Applikationen, die an Rüstungsteile erinnerte. Es ließ ihn kriegerisch, doch irgendwie auch sehr elegant wirken.
Zunae hatte gesehen, das viele der Fürsten Felle als Verzierungen trugen, doch dazu war es zu warm in den Hallen.
»Du siehst wunderschön aus«, grüßte Yelir seine Frau und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Das würde er in der nächsten Zeit unterlassen, denn sie wollten in der Öffentlichkeit nicht zu viele Zärtlichkeiten zeigen.
»Danke«, erwiderte Zunae mit einem Strahlen. »Du aber auch. Ich hätte aber etwas … kriegerisches erwartet«, erklärte sie leise lachend. Immerhin war Yelir ein Krieger durch und durch. Allerdings wandelte er sich gerade zu einem Politiker, wie ihn die Nordlande nun brauchten.
»Ich ziehe zwar in eine Schlacht, aber das muss ich nicht so deutlich zeigten«, erklärte er mit einem Zwinkern, was Zunae nur noch mehr lachen ließ.
In letzter Zeit zog er sie immer ein bisschen auf oder scherzte mit ihr, weil er es nicht ertrug, dass sie manchmal einfach abwesend gegen eine Wand starrte.
Zunae hakte sich bei Yelir unter, bevor sie beide den Raum verließen. Sie spürte seine Anspannung, als sie sich dem Flur näherten, der sie zur Treppe brachte. Gleich war es so weit und auch Zunae spannte sich an. Sie würden die Fürsten begrüßen und Yelir würde eine Rede halten. Eine, auf die er sich schon die ganze Zeit vorbereitet hatte, von der Zunae aber nichts wusste. Yelir hatte darauf bestanden, es selbst zu machen, also hatte sie ihn gelassen. Dass er damit Monate zu kämpfen hatte und noch immer nicht zufrieden war, wusste sie nicht. Yelir hatte sich allerdings vorgenommen an den Aufgaben zu wachsen. Er war der König und musste mit gutem Beispiel vorangehen.




Allerdings konnte sie ihn vor Aufregung leicht zittern spüren, weshalb sie unbemerkt mit ihren Fingern über seinen Arm wanderte, um ihn zu beruhigen.
Dann kamen sie auf die Galerie.
Von unten drangen ihnen bereits wunderschöne Klänge entgegen. Die Haremsfrauen, die Musik spielten. Sanfte Klänge, die eher beruhigend waren, aktuell aber noch nicht zum Tanzen einlud.
Leise Stimmen vermischten sich, da sich die Gesellschaft bereits unterhielt. Sie alle warteten darauf, dass das Königspaar auftauchte und das Fest offiziell eröffnete.
Zunae versuchte ihre Mimik zu kontrollieren und nicht zu verunsichert auszusehen, als sie mit Yelir schließlich auf die Treppe nach unten schritt.
Yelirs Gesicht wurde ernst, als er auf der Mitte der Treppe stehenblieb.
»Fürsten der Nordlande«, erhob er seine Stimme.
Die Musik verstummte und die Gespräche wurden leiser, bis sie aufhörten und jeder im Saal seinen Blick hinauf zu Yelir und Zunae wandte. »Trotz der weiten Wege seid Ihr an diesem besonderen Tag gekommen«, sprach er weiter, während sein Blick über die Anwesenden wanderte. Er hatte so viel zu sagen, doch er wollte sich kurz halten, damit auch jeder ihn verstand. Die Nordländer waren Krieger und das war eines der Probleme. »Ein Jahr ist es nun her, dass wir den Frieden mit unserem einzigen Feind, den Südlanden, durch eine Hochzeit beschlossen haben.«
Zunae hatte vorgeschlagen, die Feier direkt zum Jahrestag zu feiern und Yelir hatte die Idee gefallen. Das Wetter passte auch perfekt dazu und er wollte einen Feiertag einführen, um den Frieden zu ehren. »Ein Jahr ohne Schlachtfeld, Blut und Tod. Manche werden es als Schwäche bezeichnen, doch ich als Notwendigkeit, damit unser Volk nicht von der Bildfläche verschwindet.« Das war ein wichtiger Punkt, der ihn dazu veranlasst hatte, den Frieden zu wählen.
Zunae drückte leicht seine Hand, während auch sie die einzelnen Reaktionen beobachtete. Sie waren vielseitig.
Verzogene Münder, hochgezogene Augenbraue, doch auch frohe Lächeln. Alles davon war vertreten.
Zunae versuchte, sich zu merken, wer wie reagierte, doch sie war zu neugierig auf Yelirs Rede, weshalb sie eher ihm lauschte.
»Wir alle müssen uns nun einem anderen Kampf stellen. Dem Frieden. Unsere Lande sind hart, die Winter lang«, erinnerte Yelir, denn die Nordlande waren noch nie reich an Rohstoffen gewesen. Das war ein Problem, wenn die Kriegseinnahmen verschwanden. Das wusste Yelir und wollte es deutlich adressieren. »Die Eisen der Minen, die Felle der Tiere und die Fische des Meeres sind begrenzte Ressoucen, die uns nur ernähren können, wenn wir klug handeln. Wohlstand wächst nicht aus kalter Erde voller Asche. Wir müssen unsere Zukunft mit unseren eigenen Händen Formen, damit dir nächste Generation, die bereits heranwächst, überleben kann.« Mit diesen Worten legte Yelir seiner Frau sanft, aber deutlich sichtbar eine Hand auf den Bauch, was sofort für Getuschel sorgte. Erfreute Laute vermischten sich mit Skepsis, doch der Großteil war positiv.




»Es ist die erste Vereinigung unserer beider Clans und zu diesem Fest werden wir heute feiern. Trinkt, seid ausgelassen und schaut hoffnungsvoll in die Zukunft.«
Als Yelirs Stimme verstummten, wurden die Humpen mit Met gehoben und die Fürsten stießen Schreie der Freude aus.
Zunae hatte das Gefühl, dass es sich einstudiert anfühlte, doch sie konnte es nicht einschätzen. Vielleicht waren die Nordländer einfach so. Die Stimmung passte definitiv zu einem kriegerischen Fest.

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