DBdD-Kapitel 49

Als Zunae an diesem Abend ihr Schlafgemach betrat, spürte sie die Erschöpfung in den Knochen und schaffte es kaum, sich aus ihrem Kleid zu schälen, bevor sie ins Bett kippte.
»Lass mich dich etwas massieren«, bat Yelir, der die Diftkerze entzündete und ein Kräuteröl aus dem Nachtschrank zog.
Zunae murmelte lediglich in das Kissen, war sie doch zu erschöpft, um noch mehr zu sagen.
Die Feier war für heute beendet, auch wenn es immer noch den ein oder anderen gab, der sich im großen Saal unterhielt. Der Großteil war jedoch ihren Frauen gefolgt, um morgen zusammen ein Frühstück zu genießen, bevor der eigentlich schwierige Teil begann. Die Audienzen.
Yelir setzte sich zu Zunae ans Bett, bevor er sie so legte, dass sie nicht mehr halb herunterrutschte, sondern richtig liegen konnte. »Du bist ganz kalt«, bemerkte er besorgt. Das konnte nicht von dem kurzen Moment kommen, in dem sie nackt auf dem Bett lag. So kalt wie sie war, glaubte er eher, dass sie schon eine Weile frieren musste.
»Mir ist nicht kalt gewesen«, beruhigte sie Yelir schnell, doch noch immer müde murmelnd. Immerhin war die Halle aufgeheizt und durch die Menge an Leuten war es noch wärmer gewesen. Für sie angenehm, doch für andere nicht, weshalb viele Fenster geöffnet wurden. Teilweise auch in ihrer Nähe. Das hatte schließlich dafür gesorgt, dass ihre Beine lange einem kühlen Zug ausgesetzt gewesen waren.
»Entspann dich etwas. Für heute ist es vorbei«, sprach Yelir sanft auf sie ein, während er etwas Öl auf seine Handfläche gab, um es aufzuwärmen, bevor er damit ihre Beine einrieb.
Zunae gab ein zufriedenes Seufzen von sich, schloss die Augen und ließ sich verwöhnen, bis ihre Müdigkeit sie ins Reich der Träume zog.

Der Tag war anstrengend gewesen und viel war passiert, weshalb Zunae erwartet hatte, dass ihre Träume nicht die angenehmsten waren, doch selbst für sie fühlten sie sich komisch an.
In ihrem Traum fühlte sie sich wie fremdgesteuert, als sie barfuß durch die kalten Flure der Burg lief.
Ihre Sicht war verschwommen, sodass sie die Wände, Teppiche und Fenster kaum richtig wahrnahm. Trotzdem hatte sie das Gefühl der Umriss der Burg war so aufgebaut, wie er auch in Wirklichkeit war. Nur warum war sie auf den Weg in die Küche?




Hier herrschte eine gewisse Unordnung. Als hätten die Köche sich gerade um eine große Gesellschaft gekümmert. Allerdings müssten noch Diener unterwegs sein, welche die Reste abräumten und für Morgen alles vorbereiteten. Doch alles war leer und still. Nicht einmal ihre Füße hinterließen Geräusche, als sie weiter in die Küche ging. Direkt auf einen Arbeitsbereich zu, wo sich die Messer an der Wand befanden.
Ihr Geist fühlte sich benebelt an, als sie nach dem Messer griff, das dazu da war, große Fleischstücke zu zerteilen.
Die Klinge in ihrer Hand wurde klar, als sie diese besah. Ein Schimmer glitt über die scharfe, robuste Klinge, die Zunae für einen Moment betrachtete.
Plötzlich floss Blut über das Silber der Klinge, tropfte zu Boden und verschwand wieder.
Als sie aufsah, stand sie in ihrem Schlafzimmer neben ihrem Bett. Die Hand noch immer fest im das Messer geschlungen, von dem ein Tropfgeräusch erklang.
Zunaes Blick war jedoch auf den Mann gerichtet, der in ihrem Bett lag und friedlich schlief. Eine Hand auf sie leere Fläche ihres Schlafplatzes gelegt, als würde er sie suchen.
Zunaes Herz klopfte heftig in ihrer Brust, während sich Angst in ihr breit machte.
Was tat sie hier? Warum das Messer und das Blut?
Obwohl die Panik ihre Gedanken im Griff hatte, war ihr Körper unnatürlich ruhig.
Sie hob die Hand mit der Messerklinge nach unten. Yelir Als eindeutiges Ziel.
Zunae schrie innerlich und versuchte ihren Körper unter Kontrolle zu bringen, doch es gelang ihr nicht. Sie war nur eine Zuschauerin. Ohnmächtig und hilflos musste sie zusehen wie das Messer in ihrer eigenen Hand auf Yelir hinabsaußte.
Bevor es jedoch sein Ziel erreichte, riss Yelir die Augen auf, packte ihr Handgelenk und hielt es fest, während er mit schockgeweitete Augen in ihre Blickte.
Das Gold darin hatte seinen Glas verloren und blickte leer, kalt und tot zurück.
»Was zum …«, stieß Yelir aus, als um Zunae herum alles schwarz wurde. Ihre Finger lösten sich, sodass das Messer mit einem dumpfen Schlag auf das Bett fiel, bevor ihr Körper in Yelirs Armen zusammensackte.

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