DBdD-Kapitel 50

Zunae schreckte panisch aus ihrem Schlaf auf. Panisch setzte sie sich hin und starrte mit klopfendem Herzen auf ihre Hände.
Kein Blut.
Ihr Blick wanderte zu Yelir, der neben ihr lag, sie aber verwundert ansah, war er doch schon eine Weile wach.
Zunaes Augen wanderten über ihn und suchten nach Verletzungen, die sie zum Glück nicht fand. Trotzdem schaffte sie es nicht, ihre Atmung ganz zu kontrollieren. »G- geht es dir gut?«, brachte sie mit belegter Stimme hervor.
Dieser Traum war so realistisch gewesen, dass sie nicht sagen konnte, ob es eine Vision war oder nur ein normaler Traum.
Yelir griff sanft nach ihren Händen. »Was ist los??«, fragte er und suchte ihren Blick.
Die Panik trieb Tränen in ihre goldenen Augen, die zu leuchten schienen. »Ich … ich weiß nicht«, stieß sie heiser hervor.
»Hattest du eine Vision?«, wollte Yelir wissen, während er ihren panischen Blick beobachtete.
Dieser huschte unruhig hin und her, während Zunae versuchte, herauszufinden, ob sie noch immer in einer Vision war. Allerdings wirkte alles zu klar dafür. »Ich … das könnte sein, aber ich bin nicht sicher«, gestand sie, als sich ein Stechen in ihrem Kopf breit machte, was sie leise stöhnen ließ.
Zu allem Überfluss packte sie auch noch die Übelkeit, die sie eigentlich immer beim Aufstehen oder munterwerden ergriff.
Schnell löste sie sich von Yelir, schwang ihre Bein aus dem Bett und rannte nackt ins Bad.
Dort übergab sie sich sofort in die Toilette, wie sie es in letzte Zeit immer tat.
Yelir kam zu ihr, um ihre Haare zu halten und ihr sanft den Rücken zu streicheln, bis es vorbei war.
Sonst fing sich Zunae immer recht schnell wieder, doch heute keuchte sie schwer und saß erschöpft auf dem Fliesenboden des Bades, während sie die kleine Schüssel mit Wasser, die Yelir ihr hinhielt, nutzte, um sich sauber zu machen.
Die ganze Zeit blieb Yelir bei ihr und hielt sie, weshalb ihm auch auffiel, dass sie überraschend warm war. Als er seine Hand zu ihrer Stirn wandern ließ, um dort die Temperatur zu prüfen, bestätigte sich sein Verdacht. »Du bist ganz warm. Du solltest dich heute ausruhen«, sagte er, wobei es weniger ein Vorschlag war. Solange es ihr nicht gut ging, würde er die Fürsten nicht auf sie loslassen, egal was sie sagte.




Er rechnete schon damit sich streiten zu müssen, als Zunae ein Seufzen ausstieß. »Du hast vermutlich recht«, stimmte sie unerwartet zu, sodass Yelir ein erster Protest bereits im Hals steckenblieb.
Misstrauisch musterte er sie. Entweder es ging ihr wirklich so schlecht, dass sie einsah, dass Ruhe wichtig war, oder aber sie hatte etwas anderes vor.
»Du wirst ohne Protest in deinem Zimmer bleiben?«, fragte er skeptisch nach. So ganz konnte er das noch nicht glauben.
Zunae fuhr sich durch die leicht verschwitzten Haare. »Ich denke, ihr wäre dir keine große Hilfe, heute«, gab sie widerwillig von sich.
Obwohl sie es nicht gern zugab, würde sie heute nichts beitragen können. Ihr Kopf dröhnte und dieser Traum hing ihr noch immer nach. Sie wollte in aller Ruhe darüber nachdenken.
Yelir, der sich zwar gewünscht hatte, dass sie ihn bei den anstehenden Audienzen begleitete, seufzte erleichtert. Er hätte sich schon wegen ihrer Schwangerschaft gesorgt, doch in diesem Zustand hätte er niemanden ihrer Gäste an sie herangelassen. »Ich werde dir Liselle schicken. Damit du nicht so allein bist«, schlug er sanft vor. Er hoffte zwar, dass sie etwas schlafen würde, doch zwingen konnte er sie nicht.
»Danke«, lächelte Zunae erschöpft, während sie sich von Yelir zu ihrem Bett bringen ließ.
Dort blieb sie sitzen und beobachtete, wie er sich umzog.
Eigentlich hatte sie sich auf die Audienzen gefreut, doch auch irgendwie davor gefürchtet. Das Yelir jetzt allein ging uns damit den Fürsten, vor allem Fürst Ladvarian, ausgeliefert war, beunruhigte sie. Er hatte nicht einmal Degoni an seiner Seite, um sich zu schützen. Hoffentlich lief bei diesem alles gut.
Yelir gab Zunae noch einen Kuss auf die Stirn, bevor er recht widerwillig den Raum verließ. Er wollte sie wirklich nicht allein lassen, doch er musste.
Kaum war die Tür ins Schloss gefallen und Yelirs Schritte verklungen, sprang Zunae auf und rannte erneut ins Bad, um sich zu übergeben.
Dieses Mal hielt sie sich nicht zurück, doch das schwarze Blut, das sich im weißen Becken sammelte, beunruhigte sie sehr.
Bevor sie sich jedoch weiter Gedanken darum machen konnte, hörte sie die Tür und Liselles sanfte Schritte.
Sofort spühlte sie, wischte sich den Mund ab und erhob sich zittrig. Gerade rechtzeitig, denn Liselle streckte ihren Kopf zur Tür hinein. »Lady?«, fragte sie besorgt und suchte nach ihrer Königin.




»Nur Morgenübelkeit«, log sie, doch ihr Atem ging so angestrengt, dass es Liselle schwerfiel, ihr das zu glauben.
»Lord Yelir sagt, es geht Euch nicht gut«, bemerkte sie leise und kam vorsichtig in den Raum.
Zunae hielt sich am Waschbecken fest und kämpfte darum, nicht zusammenzubrechen.
Waren das wirklich nur Nebenerscheinungen ihrer Schwangerschaft oder hatte sie sich eine Erkältung eingefangen?
Sie blickte auf das schwarze Blut, das sie gehustet hatte und entschied sich dazu, erst einmal niemanden davon zu erzählen. Es wäre problematisch, wenn ihr aktueller Zustand an die falschen Ohren drang.
»Vielleicht habe ich mich überarbeitet«, bemerkte sie, auch wenn sie nicht daran glaubte, dass es daran lag.
Liselle blickte Zunae besorgt und ein wenig mitleidisch an. »Eine solche Schwangerschaft gab es noch nie. Keiner kann genau sagen, wie sehr das Kind Euren Körper belastet«, bemerkte sie und griff Zunae unter die Arme.
Dadurch, dass Zunae wusste, dass es sich nicht um ein Kind von Yelir handelte, konnte sie diese Theorie ausschließen. Aber sie war eine gute Ausdrede. Immerhin hatte Liselle auch irgendwie recht. Immerhin war sie in der Zeit gereist und hatte dabei ein Kind empfangen. Sicherlich gab es sowas auch noch nie. Vielleicht machte auch das Probleme.
Oder sie hatte in der Nacht tatsächlich eine Vision und ihr Körper kam mit ihrer Gabe nicht mehr klar.
»Ich möchte mich etwas auf den Balkon setzten«, flüsterte Zunae, die ihrer Stimme nicht ganz traute.
»Frische Luft ist sicher gut«, erwiderte Liselle, die Zunae sofort zur Balkontür führte.
Draußen stand eine gemütliche, gepolsterte Bank, auf der sie sich niederließ.
Für sehr sonnige Tage gab es einen Sonnenschutz und für eher kühlere Tage sogar ein Feuer. Allerdings entschied sich Zunae heute dazu, Liselle um eine Decke zu bitten.
Als diese zurück in den Raum ging, beschwor sie Chiaki, der sich sofort zufrieden auf ihren Schoß streckte.
»Weißt du, was mit mir los ist?«, fragte sie, wobei sie aus den Augenwinkeln Liselle beobachtete. Diese suchte noch im Schrank und würde sie nicht hören.
»Der Bereich um das Kind wird von deiner Magie gemieden«, erklärte Chiaki leise eine Tatsache, die eigentlich normal war. Die Magie konnte dem Kind schaden, weshalb sie während der Schwangerschaft in einem Bogen um das neu heranwachsende Geschöpf machte. Soweit also normal. »Das Kind selbst liegt jedoch in Dunkelheit.«




Was hieß, dass auch Chiaki nichts näheres zu dessen Zustand sagen konnte.
Wenn Zunae bedachte, dass dieser ihr Vertrauter war und an ihre Magie gebunden, war es gar nicht so unwahrscheinlich, dass auch das normal war.
Trotzdem stieß sie frustriert die Luft aus. Sie hatte wirklich gehofft, dass Chiaki ihr sagen konnte, was es mit dem Kind auf sich hat.
»Glaubst du, Dainte könnte mit seiner Magie etwas bewirken?«, wollte Zunae wissen. Es war komisch, doch Chiaki hatte ihre Magie schon immer besser einschätzen können, als sie selbst.
»Dazu hat er zu wenig Erfahrung mit deiner Magie«, brachte er schließlich hervor. Seine Stimme jedoch nicht abwertend, nur nachdenklich.
»Ich wusste, ich hätte ihn gleich am Anfang üben lassen sollen«, murmelte sie.
»Lady?«, fragte Liselle überrascht, die mit der Decke auf den Balkon trat. Sie hatte zwar Zunaes Worte gehört, doch konnte sie keiner direkten Unterhaltung zuordnen.
Selbst als sie Chiaki erblickte, konnte sie in diesem nicht mehr als einen süßen, schwarzen Kater sehen, der sofort ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. »Ist der niedlich«, sagte sie, legte Zunae die Decke um und ging dann vor ihr in die Hocke, um Chiaki besser zu betrachten. »Darf ich ihn streicheln?«, fragte Liselle, die sich nicht wunderte, woher der Kater kam. So vertraut, wie er auf Zunaes Schoß saß, war deutlich zu sehen, dass beide zusammengehörten.
Zunae musterte Chiaki, weil sie hoffte er würde ihr eine Antwort geben. Das leise Schnurren war jedoch auch für sie schwer einzuordnen.
»Sicher«, erwiderte sie schließlich zögerlich, weil sie nicht genau wusste, wie Chiaki reagieren würde.
Liselle streckte ihre Hand aus und berührte leicht Chiakis seidiges Kopffell.
Der Kater schnurrte und drückte sich gegen ihre Hand, was Liselle freudig Jauchzen ließ.
»Glaubst du, Yelir würde mir erlauben, meine Schwestern zu besuchen?«, fragte Zunae, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben. Woher sollte Liselle das auch wissen? Sie hatte noch weniger Kontakt mit Yelir und kannte ihn auch gar nicht.
»Natürlich. Wenn Ihr das wollt, würde er Euch vermutlich die Sterne vom Himmel hohlen«, erwiderte Liselle euphorisch, wobei sie einen schwärmenden Ausdruck im Gesicht hatte.




Zunae konnte sie auf diese Geste nur überrascht und ein wenig verwirrt ansehen. Die Antwort kam so schnell, dass Zunae fast glaubte, sich verhört zu haben.
»Mir die Sterne vom Himmel holen?«, fragte sie, wobei sie fast lachen musste. Die Vorstellung war absurd, wenn sie daran dachte, dass er ein Nachfahre der Seelenkatzen war. Einer Gottheit, der man den Himmel zuordnete.
»Lord Yelir ist Euch verfallen. Das kann jeder sehen«, schwärmte Liselle, obwohl sie selbst mit einem sehr liebevollen Mann verheiratet war, der sie ebenfalls auf Händen trug.
Zunae wurde bei der Nennung dieser deutlich sichtbaren Beziehung rot um die Nase. »Glaubst du?«, fragte sie überfordert davon, dass sie Yelir wirklich so viel bedeutete. Dabei hatte sie gehofft, dass es nicht so weit kommen würde. Es würde alles nur schwerer machen.
»Oh ja«, erwiderte Liselle, die weiter Chiaki kraulte. »So, wie er Euch ansieht hat er noch nie eine Frau angesehen«, sagte sie mit einem breiten Lächeln. Sie wirkte während dieser Unterhaltung überraschend jung, obwohl sie sogar älter als Zunae war. Was nichts heißen musste, wenn sie so behütet aufgewachsen war, wie Zunae glaubte. »Ihr könnt ihn vermutlich um alles bitten.«
Zunae fragte sich, ob das gut war. Sie glaubte nicht, dass er ihr jeden Wunsch erfüllen würde. Vor allem nicht, dass sie allein zu ihrer Familie reiste. Aber sie hatte nicht aus Langeweile gefragt.
Aidina konnte mit ihrer Magie besser umgehen und vielleicht herausfinden, was mit ihrem Körper nicht in Ordnung war. Allerdings wollte sie Yelir nicht sagen, dass das der Grund war, warum sie zu ihrer Familie wollte. Das würde ihn nur zu sehr besorgen.
Aber sie wusste auch nicht, wie sie es sonst verpacken sollte. Zunae glaubte zwar, dass Yelir Gefühle für sie hatte, aber reichten sie so weit, dass er ihr vertraute, auch wieder zurückzukommen. Immerhin könnte er alles verlieren, wenn sie sich dagegenentschied.
Zunae musste daran denken, wie problemlos und aufopferungsvoll er das Kind akzeptiert hatte, dass nicht seines war. Wie er manchmal seine Hand an ihren Bauch legte und sanft mit dem Kind sprach.
Tränen traten Zunae in die Augen, so sehr nahmen die Gefühle sie ein. Sie schuldete Yelir viel und trotzdem verlange sie immer etwas von ihm ab. Manchmal glaubte sie, dass sie nicht gut für ihn war. Dass er eine Frau verdient hätte, die ihm nicht widersprach und ständig Dinge von ihm verlangte, die nicht üblich waren.




»Stimmt etwas nicht?«, fragte Liselle alarmiert, als sie Zunaes Tränen entdeckte.
Diese waren einfach nicht aufzuhalten, doch Zunae verstand nicht einmal, was sie ausgelöst hatte.
Stattdessen spürte sie in sich das Gefühl, nicht genug zu sein. Zu viel Ärger zu machen und zu viel zu wollen.
»Geht es Euch nicht gut?«, fragte Liselle weiter, als Zunae nicht reagierte. Sie legte ihrer Königin die Hand auf das Bein und blickte zu ihr nach oben.
Zunae schluchzte leise und wische sich dann über die Augen. »Ich bin nicht verletzt«, brachte sie hervor, denn es wäre eine Lüge zu sagen, dass es ihr gut ging.
Überfordert sah Liselle ihre Königin an. Sie war keine Heilerin und wusste daher nicht, was sie tun sollte. Liselle war auch noch nicht so gut mit Zunae bekannt, dass sie wusste, was dieser fehlte. Brauchte sie etwas, das sie nicht benennen konnte? Sollte sie vielleicht Belle um Hilfe fragen.
»Es geht mir wirklich gut«, brachte Zunae hervor, um Liselle zu beruhigen. »Nur emotional«, versicherte sie, denn das war für eine Schwangere durchaus normal.
Liselle war sie jedoch nicht so sicher. »Soll ich Euch etwas bringen? Einen Kräutertee?«, wollte sie wissen, denn Dainte hatte für ihre Schwangerschaft etwas vorbereitet.
Zunae wollte erst ablehnen, doch sie wusste, dass es besser war, wenn Liselle das Gefühl hatte, helfen zu können. Auch wenn sie es eigentlich nicht konnte. »Ja. Das ist eine gute Idee«, brachte sie deshalb hervor und hoffte, dass sie sich wieder fing, bis Liselle mit dem Tee zurückkehrte.
Diese zupfte an der Decke und wickelte Zunae darin ein, damit diese auch auf keinen Fall fror. »Ich hole Ihn Euch sofort. Versprecht mir hineinzugehen, wenn es Euch hier zu kalt wird«, bat sie, was Zunae lächeln ließ. Liselle wäre sicherlich eine sehr gute Mutter. Sie wünschte ihr auch bald Erfolg.
Die Vorstellung als Liselle und Evareths potentielle Kinder heiterte ihr Gemüt auf, weshalb sie leicht lächelte. »Werde ich«, versprach sie und erst jetzt erhob sich Liselle komplett, um den Tee zu holen.
Zurück blieb Zunae, die Chiaki sanft in ihre Arme schloss und sich ihren Gefühlen einfach hingab.

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