DBdD-Kapitel 53
Yelir übte Stunden mit Chiaki, sodass Zunae unweigerlich wach wurde.
Erst döste sie noch eine Weile in der Kutsche, während sie die Magie draußen spürte, doch dann entschied sie sich dazu, auszusteigen.
In dem Moment ging Yelir schwer atmend auf die Knie. Frustriert knurrte er, denn er schaffte es einfach nicht. Der Zauber wollte nicht das tun, was er sollte, obwohl Chiaki es ihm so oft demonstriert hatte.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte Zunae, die besorgt auf Yelir zu ging.
Dieser wollte dich seine Schwäche nicht eingestehen und stemmte sich mühsam auf. »Ja«, stieß er aus, wobei sein frustriertes Knurren mitschwang.
Zunae blieb stehen und musterte ihn skeptisch. »Du bist erschöpft«, stellte sie dann fest, ohne sich ihm zu nähern. »Komm mit in die Kutsche und Ruh dich etwas aus«, bat sie, doch sie ahnte bereits, dass dieser Vorschlag Yelir nicht gefallen würde. In diesem Bereich ähnelte sie sich doch sehr. Sie war auch immer verbissen, wenn sie etwas bestimmtes erreichen wollte.
»Ich bin hier noch nicht fertig«, erwiderte Yelir gereizt.
Die Erschöpfung und die Frustration über sien Versagen sorgte dafür, dass er sich über sich ärgerte, auch wenn er es nicht an Zunae auslassen wollte.
Diese stieß die Luft aus. »Für diesen Zauber braucht man viel Magie. Es bringt nichts ihn zu üben, wenn man diese Magie nicht aufbringen kann«, erklärte sie, wandte sich dann aber ab. »Ich werde etwas zu Essen vorbereiten«, fügte sie hinzu, um Yslir wieder seinen Übungen zu überlassen.
Yelir blickte zu Chiaki, der bisher nur zugesehen hatte. Seine Augen beobachteten Yelir intensiv, doch er machte keine Anstalten Zunaes Worte zu bestätigen oder zu verneinen. Stattdessen schien er die Entscheidung Yelir zu überlassen.
Dieser stieß die Luft aus und fuhr sich durch die Haare. Ihm war klar, dass Zunae recht hatte, doch es widerstrebte ihn, sich so leicht geschlagen zu geben.
Allerdings hasste er es auch, seine Heit zu verschwenden.
»Vielleicht hat sie recht und ich sollte eine Pause machen«, gab er schließlich murrend zu. »Tut mir leid, dass ich deine Zeit verschwendet habe.«
»Es ist immer gut, seine eigenen Stärken, Schwächen, aber vor allem Grenzen zu kennen«, erwiderte Chiaki, wobei er bedeutungsvolle zu Zunae blickte, die gerade ein kleines Feuer entfachte. Sie kannte ihre Grenzen definitiv nicht, oder konnte sie eher schlecht einschätzen, weshalb sie oft zu weit ging und dann mit den Konsequenzen rechnen musste. Chiaki war froh, dass Yelir in diesem Punkt nicht so war. Auch wenn er erst Zunae gebraucht hatte, um darüber nachzudenken.
Früher hätte er vermutlich weiter gemacht, weil sein Vater das so erwartet hätte, doch mittlerweile, als Erwachsener, sah er sie Dinge anders. Ausgewogenheit war wichtig.
»Was planst du zu kochen?«, fragte er, als er sich zu Zunae auf einer Decke niederließ.
»Nichts Großartiges«, erwiderte Zunae, die ein Gestell mit einem Topf platzierte. »Milchreis.«
Yelir grinste. »Als ich dich kennengelernt habe, dachte ich nicht, dass du ein solches Leckermaul bist«, bemerkte er neckend, denn ihm war durchaus aufgefallen, dass Zunae sehr gern Süßigkeiten aß.
Diese wurde rot um die Nase. »Es schmeckt mir halt«, erwiderte sie ein wenig peinlich berührt.
Yelir lachte erneut und half ihr dann, die Milch und den Reis vorzubereiten. »Aber du solltest nicht nur Süßes essen«, erinnerte er sie. »Ich bereite ein bisschen Brot vor.«
Beide arbeiteten eine Weile stumm nebeneinander her, bis sie sich mit ihrem Essen auf der Decke niederließen. Dass sie sich zwischen riesigen Felsmassiven befanden, störte beide weniger. Dafür aber der Wind, der manchmal sehr stark durch die Pässe sauste.
Daher hatten sie sich such nahe einer Klippe platziert, wo es etwas Windstiller war.
»Versucht Chiaki dir gerade, die Schattenfortbewegung beizubringen?«, fragte Zunae irgendwann, da sie die Neugier nicht mehr aushielt.
Sie hatte schon erwartet, dass es irgendwann passierte, doch auf den Weg in die Südlande, mitten im Gebirge, war schon ein unerwarteter Ort.
Nicht nur, weil er so abgeschieden lag, sondern auch, weil potentielle Gefahren angelockt werden könnten. Zunae hatte Gerüchte über Harpyien gehört, die im Gebirge heimisch waren. Ob das stimmte wusste sie jedoch nicht, da sie noch nie einer begegnet war.
»Ja. Ich hatte gehofft, es schneller zu lernen, damit wir einfacher in die Südlande kommen«, gestand Yelir, der Zunaes Stirnrunzeln bemerkte. Diese fragte sich, warum er nicht Chiaki darum bat, wenn er schneller ankommen wollte. Sie hatte keine Ahnung, was er eigentlich damit bezweckte.
»Ich hab etwa eine Woche gebraucht, um es zu lernen. Also erwarte nicht, dass du es in den nächsten Tagen beherrschst«, bemerkte Zunae, die genau wusste, wie schwer es war. Erst recht, sollte er auf die Idee kommen, die Kutsche mitzunehmen.
»Er macht sich gut. Noch ein paar Anläufe, dann kann er es«, bemerkte Chiaki, der sich zu ihnen auf die Decke gelegt hatte und sich an Zunaes Bein schmiegte, um von ihr Streicheleinheiten zu bekommen. Im Inneren war er eben trotzdem irgendwo ein verschmuster Kater.
Zunae verzog unwillig den Mund. »So bald schon?«, fragte sie beleidigt, weil sie so lange dafür gebraucht hatte, Yelir aber scheinbar ein Talent dafür aufwies.
Allerdings lag das an der Art der Magie, die einfach besser zu ihm passte, als zu ihr.
»Er hätte es bei seinem letzten Versuch fast geschafft«, bemerkte Chiaki zufrieden, der sich auf den Rücken drehte, um seinen Bauch zu präsentieren. Eine Einladung, die Zunae einfach nicht ablehnen konnte, weshalb sie sofort begann, ihn zu streicheln.
»Dann können wir ja auch noch etwas warten«, bemerkte Zunae, die eigentlich ganz froh war, nicht fahren zu müssen. Das Wackeln der Kutsche sorgte dafür, dass ihre Übelkeit nur schlimmer wurde. Außerdem bekam sie davon Rückenschmerzen. Stattdessen wollte sie lieber die frische Luft hier draußen genießen.
Sie war zwar kühl, doch nicht so unangenehm kalt wie die Winter in den Nordlanden. Man merkte manchmal sogar die warme Luft, die aus den Südlanden stammte.
Angespornt von der Aussicht bald etwas zu beherrschen, das so in den Nordlanden unbekannt war, aß Yelir schnell sein Essen auf und erhob sich sofort wieder. Er wollte so schnell wie möglich weiter üben.
Zunae wollte ihn gerade bitten, noch etwas sitzen zu bleiben, da sie befürchtete, es würde ihm nach dem Essen zu schnell schlecht werden, doch sie wollte ihn auch nicht bemuttern. Es reichte, wenn er das bei ihr machte.
Statt also etwas zu sagen, lehnte sie sich an die felsige Wand, machte es sich mit einer Decke bequem und beobachtete Yelir bei seinen Magieübungen.
Ihre Befürchtung bestätigte sich nicht. Er musste sich nicht übergeben, schaffte es aber tatsächlich nach nur einer weiteren Stunde in den Schatten zu verschwinden.
Zunae spürte ein leichtes Stechen der Eifersucht, doch sie unterdrückte es sofort wieder. In ihrer Heimat war sie diejenige gewesen, welche am meisten Magie, aber auch die größte Menge an Zaubern besaß. Im Moment war das in den Nordlanden auch der Fall, doch da Chiaki nun begann, Yelir zu unterrichten, würde er bald wesentlich mehr beherrschen als sie. Immerhin war sie keine Seelenkatze, sondern eine Drachengeborene. Es war also klar, dass sie nur einen Fingerhut von dem gelernt hatte, was Chiaki zu bieten hatte.
Zunae versuchte sich einzureden, dass es gut war, wenn er diese Dinge lernte. Er würde sie irgendwann brauchen. Für sie sollte es keinen Grund geben, Eifersucht zu verspüren, doch sie wollte nicht hinterherhängen.
Vielleicht lag es an ihrer aktuellen, emotionalen Situation, die mit der Schwangerschaft einherging, doch je mehr Fortschritte Yelir machte, desto mehr fühlte sie sich abgehängt. Dabei ging es hier nur um einen einzigen Zauber, den sie ebenfalls beherrschte.
Yelir tat aus den Schatten zurück und wankte einen Moment, blieb jedoch stehen.
Noch etwas, das er Zunae voraus hatte. Wenn sie nur daran dachte, wie oft sie sich hatte übergeben müssen, als sie den Zauber geübt hatte, wurde ihr gleich schlecht.
Ihre Hand wanderte zu ihrem Bauch. Seitdem sie schwanger war, hatte sie keine Visionen mehr gehabt. Sie wusste jedoch, dass diese ihre Magie beeinflusste, aber die Gaben sollten davon nicht betroffen sein. Darum verließ sie sich auch darauf, dass das, was sie gesehen hatte, nicht mehr eintraf. Sonst hätte sich die Vision schon längst wiederholt.
Dass die Kette und andere äußere Umstände sie vielleicht beeinflussten, war zwar auch möglich, doch daran wollte sie nicht denken. Denn das würde bedeuten, dass sie das Kind nicht zur Welt bringen konnte.
Die längst verdrängten Gefühle kamen in ihr auf und das Bild ihrer Vision, wie sie schwanger vor dem Fenster stand und gesagt bekam, Yelirs Armee wäre gefallen … Überwältigte sie.
Zunae versteckte sich unter der Decke und rollte sich etwas zusammen, während sie gegen die Tränen ankämpfte.
Sie hatte keine Vision gehabt, die ihre letzte bestätigte, was oft bedeutete, dass jemand seine Entscheidungen geändert hatte.
Zunae hoffte wirklich, dass das der Grund war. Sie wollte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn sie falsch lag.
Eigentlich müsste sie diese Schwangerschaft beenden, um auf Nummer sicher zu gehen, doch das konnte sie nicht. Sie wollte dieses Kind nicht verletzen. Erst recht nicht, wo sie das Gefühl bekam, es in ihrem Bauch immer deutlicher wachsen zu spüren.
Aber konnte sie riskieren den Untergang eines Reiches hervorzurufen, nur um ein Leben zu retten? Würde das Kind überhaupt weiterleben können? Wäre sie in der Lage, es zu schützen.
Wieso konnte sie ihre Visionen nicht erzwingen?
Manchmal wünschte sie sich, sie wäre in der Lage, auf Befehl zu sehen, wohin es sie verschlug. Doch so konnte sie nur darauf vertrauen, dass ihre Visionen sie schon gewarnt hätten, wenn es wirklich so gefährlich gewesen wäre.























































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