DBdD-Kapitel 56
Yelir und Misha hatten eine ganze Menge zu erzählen, während Zunae sich an ihren Mann lehnte und dabei döste. Sie hörte zu, wie Yelir Misha von dem erzählte, was mit seinen Eltern los war, mit Arcas und vielen anderen Dingen, welche die Nordlande betrafen.
Misha erzählte nicht ganz so viel, doch immer, wenn er über Nuya sprach, konnte Zunae es in seiner sanften Stimme hören. Er liebte sie, das stand außer Frage.
»Ich wünschte mir, bei uns würde es auch endlich mit einem Kind klappen«, bemerkte Misha sehnsuchtsvoll, während er sich zurückhielt. Das Verlangen, Zunaes Bauch zu spüren und das Kind seines Bruders darin zu spüren, war einfach zu verlockend.
Zunae lachte leise. »Ich könnte mir vorstellen, dass meine Schwester es dir nicht gerade leicht macht«, bemerkte sie mit einem Zwinkern, denn sie wusste um Nuyas kalte, abweisende Art. Es war nicht leicht, durch ihre Maske zu sehen.
»Das ist es nicht …«, bemerkte Misha, der bei dem Gedanken rot anlief, als die Tür geöffnet wurde.
»Zunae«, rief Kali, die als erstes, wie ein kleiner Wirbelwind, in den Raum stürmt.
Ungeachtet von Misha oder Yelir stürzte sie auf ihre Schwester zu. Sie wollte sich gerade an Zunae werfen und sie umarmen, da erhob sich Yelir und stellte sich in den Weg. Er wollte sich lieber nicht vorstellen, wie Kali Zunae umriss und ihr dabei schadete. Im Moment war Zunae zerbrechlich, auch wenn sie das selbst vielleicht anders sah. »Bitte haltet Euch ein wenig zurück. Meine Frau ist schwanger«, sagte er, ohne Kali zu begrüßen.
Diese blieb gerade so noch stehen, bevor sie Yelir in die Arme rannte. Ihre Augen funkelten ihn wütend an, wobei ihre Heterochromie es nur noch beeindruckender machte. DEr Blick aus ihrem blauen und goldenen Auge war so intensiv, dass Yelir glaubte, Kali wollte ihn mit ihren Blicken verbrennen.
»Er hat recht. Halt dich zurück, Kali«, erklang Nuyas ruhige, fast desinteressiert wirkende Stimme.
Ein perfekter Ruhepol zu ihrer stürmischen Schwester.
Kali funkelte Yelir wütend an. Ihr lag eine böse Erwiderung auf der Zunge, doch da Nuya Partei ergriff, schluckte sie diese hinunter. Zunae war schwanger, das konnte sie nicht leugnen.
»Schon gut«, flüsterte Zunae, die Yelir eine Hand auf den Rücken legte und sich dann an ihm vorbei schob, um ihre Schwester sanft in den Arm zu nehmen.
Kali spürte sofort, dass Zunaes Körper zitterte und dass sie abgenommen hatte, weshalb sie die Umarmung vorsichtig erwiderte. Kümmerte sich dieser nordländische Bastardkönig etwa nicht um sie? Wie konnte er nur zulassen, dass sie in einen solchen Zustand abrutschte? Hatte sie nicht genug zu essen? Dabei sollte sie doch genug Geld mitgenommen haben, um zu kompensieren, sollten die Nordlande nicht genug Geld besitzen. Gab es vielleicht nichts?
Noch während Kalis Gedanken um den Zustand ihrer Schwester kreisten, löste diese die Umarmung, um sich Nuya zu widmen.
Obwohl sie nach außen nicht so aussah, als würde sie sich darüber freuen, zeigte ihr fester Griff um Zunae doch, wie sehr sie sich freute. Sie hielt Zunae sogar ein wenig länger, als es eigentlich nötig gewesen wäre, für eine Begrüßung.
Als sie sich von dieser löste, musterte sie Zunae eingängig. »Wie geht es dir?«, fragte Nuya, denn auch ihr war aufgefallen, dass Zunae abgenommen hatte.
»Die Schwangerschaft ist sehr anstrengend, aber Yelir kümmert sich sehr gut um mich«, versicherte sie mit einem strahlenden Lächeln.
Nuya spürte ein leichtes Stechen, als sie das Lächeln sah. Die ganze Zeit hatte sie angenommen, dass Zunae es in den Nordlanden nicht mochte, doch so wie sie strahlte, hatte sie noch nie gelächelt, als sie noch hier gewohnt hatte.
»Glückwunsch«, erwiderte Nuya, die sich noch nicht sicher war, ob sie sich freuen sollte oder nicht.
Sie war sich sicher, dass Zunae eine gute Mutter war, doch das Kind eines Nordländers … konnte schwierig werden.
»Komm, setzt dich und erzähl uns von den Nordlanden«, bat Kali, die Zunae zurück zum Diwan zog.
Yelir erhielt von Nuya nur ein kurzes Nicken und Kali entschied, ihn zu ignorieren. Keiner von beiden wusste so recht, wie er mit ihm umgehen sollte.
Da Yelir aber schon damit gerechnet hatte, störte er sich nicht daran. Er hatte Misha und Zunae sollte die Zeit haben, sich mit ihren Schwestern auszutauschen.
Es gab einiges zu erzählen und so genoss er das Essen und seinen Kaffee, während er lauschte und immer wieder nach Zunae sah.
Etwas an ihr stimmte ihn nachdenklich, denn ihre Mimik veränderte sich minimal. Sie wirkte auf einmal angespannt und ihr Mund verzog sich nur ganz leicht.
Im nächsten Moment streckte sie die Hand nach ihm aus.
Yelir schnappte nach Luft und griff nach ihrer Hand, während er spürte, wie Magie sie packte.
Zunaes Blickfeld verschwamm und wurde an den Rändern schwarz, während sie das Ziehen in der Brust spürte, das sie drohte von den Beinen zu reißen und in eine andere Zeit zu katapultieren.
Keuchend kämpfte sie dagegen an, als sie spürte, wie Yelirs Magie in sie eindrang.
Ein überraschter Schrei verließ ihre Lippen, während sie spürte, dass Yelir sie zurückhielt. Ein heftiges Stechen war der Preis, den sie zahlte, um nicht in der Zeit herumgeworfen zu werden.
Zunae spürte das Kribbeln von Hitze, das zu einem Stechen wurde, was sie noch einmal aufschreien ließ.
Ihr Körper zitterte und sie wandte sich, sie immer wieder Bruchstückhaft Bilder vor ihren Augen sah.
In diese Bilder vermischten sich die Rufe ihrer Schwestern, die sich alle Sorgen um sie machten.
Aidina wurde gerufen, doch das Yelir sie nicht an Zunae ließ, konnte sie nichts tun. Aber Yelir konnte die Verbindung nicht trennen, ohne zu riskieren, dass Zunae aus der Zeit gerissen wurde.
Es fiel ihm schwer, sie zu halten, denn ihre Schreie rüttelten ihn innerlich. War es seine Schuld oder war es die Vision? Er wusste es nicht, doch er konnte nicht einfach nichts tun.
Als Zunaes Schreie endlich verklangen und sie nur noch schwer atmete, stieß er erleichtert die Luft aus.
»Zunae«, sagte er sanft und strich ihr die verschwitzten Strähnen aus dem Gesicht.
Er hatte nur ein paar Momente gesehen, war er doch zu sehr darauf konzentriert, gegen das Ziehen in ihrer Brust anzukämpfen.
Zunae blinzelte erschöpft, doch Yelirs Bild vor ihren Augen wurde immer klarer. Erst, als sie ihn erkannte, lächelte sie erleichtert und entspannte sich.
»Geh zur Seite«, stieß Aidina hervor, die von Misha losgelassen wurde. Dieser hatte Partei für seinen Bruder ergriffen, der Zunae eindeutig vor der Heilerin geschützt hatte. Er wusste nur nicht wieso.
Statt Zunae loszulassen, drehte er sich so, dass Aidina sie untersuchen konnte. Er war sich jedoch nicht sicher, ob Aidina überhaupt helfen konnte.
Diese legte ihre Hände auf Zunaes Schlüsselbein, bevor sie die heilende Magie durch sie fließen ließ. Ihre funktionierte anders als Daintes und so war sie in der Lage, Zunaes Regeneration anzureden. Dabei spürte sie den seltsamen Verlauf ihrer Magie, was sie stutzig machte.
Aidina hatte in dem Moment, in dem Zunae geschrien hatte, gewusst, dass es mit Yelir zusammenhing. Sie war der festen Überzeugung, dass dieser ihr irgendwie wehgetan hatte. Zunaes Visionen hatten nie derartige Wellen geschlagen. Es gab also keinen anderen Grund, warum Zunae nun schwer atmend und definitiv verletzt vor ihr lag.
Aidina bemerkte auch die leichten Verbrennungen, die Arme und Beine zierten, konnte sich aber nicht erklären, was das ausgelöst hatte. Was sie aber am meisten verwirrte, waren Zunaes Finger, die sich in Yelirs Hand gruben, als würde sie ihn nie wieder loslassen wollen.
»Sie ist nicht schwer verletzt, braucht aber Ruhe, damit die Magie den Rest erledigen kann«, erklärte Aidina, die angespannt zu Yelir blickte. Sie wollte, dass dieser ihre Schwester losließ, doch er tat nichts dergleichen. Stattdessen hob er sie sanft hoch.
»Wo kann ich sie ins Bett bringen?«, fragte er angespannt. Sie fühlte sich schwer in seinen Armen an, was ihn nervös machte. Er hasste es, wenn er nichts tun konnte. Zum Glück war er dieses Mal da gewesen, um sie zurückzuhalten. Er wollte sich lieber nicht vorstellen, was geschehen wäre, wenn er nicht so schnell reagiert hätte.


















































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