DBdD-Kapitel 67

Zunae entschied, dass die Situation zu gefährlich war, um länger zu warten. Sie nahm sich lediglich ein paar Minuten, um ihren Schwestern einen Brief zu hinterlassen, den sie auf ihrem Tisch zurückließ.
Yelir betrachtete sie aus seinen intensiven grünen Augen. »Ich kann dich wirklich nicht überzeugen, hier zu bleiben?«, fragte er vorsichtig. Er würde sie auf ein Schlachtfeld mitnehmen und das wollte er nicht. Nicht, weil sie keine starke Kriegerin war. Das hatte sie mittlerweile oft genug bewiesen, doch er wollte einfach nicht, dass sie verletzt wurde.
Zunae richtete ihre Augen glühend auf Yelir, sodass diesem ein Schauer über den Rücken lief. Sie war wütend, das konnte er sehen. »Ich werde dich nicht allein gehen lassen«, knurrte sie, während sie ein Kribbeln im Nacken spürte.
Yelir machte einen Schritt zurück und hob die Hände. »Schon gut«, erwiderte er, denn er hatte nicht mit einer derartigen Reaktion gerechnet. Wie ein Raubtier, das sich in seine Beute krallte. »Ich nehm dich mit, aber … fühlst du dich wirklich schon bereit dafür?«, fragte er, denn sie würden sich ihrer Vision stellen.
Zunae verengte die Augen und machte einen Schritt auf Yelir zu, bevor sie seine Hand nahm und sie fest mit ihren Fingern umschloss. »Spiel nicht auf Zeit. Wir haben keine«, mahnte sie, denn jede Minute, die sie mit Diskussionen verschwendeten, desto mehr Opfer konnte es geben.
Yelir gab sich geschlagen, denn sie hatte definitiv Recht.
»Ich werde uns direkt nach Vereven bringen«, sagte er, denn das war die einfachste Variante.
Zunae nickte. Er hatte in den letzten Tagen bewiesen, dass er die Schattenfortbewegung meisterhaft beherrschte. Selbst sie wäre nicht so einfach in der Lage gewesen, jeden Tag in die Nordlande zu reisen. Dazu kostete der Zauber sie zu viel Kraft. Yelir aber war ein Abkömmling der Seelenkatzen. Es lag in seinem Blut, diese Fähigkeit zu beherrschen.
Yelir schlang seine Arme um sie und zog sie an sich.
Zunae spürte nur ein leichtes Kribbeln in ihrem Magen, da waren sie auch schon in den Schatten eingetaucht.
Als sie ihren Blick kurz von Yelirs Brust abwandte, sah sie Sterne an sich vorbeirauschen. In einer solchen Geschwindigkeit, dass sie den Atem anhalten musste.




Dann gab es einen Ruck und sie tauchten aus den Schatten wieder auf.
Ungläubig sah sich Zunae um, denn sie waren tatsächlich in einem Wimpernschlag in Vereven gelandet.
Allerdings riss die Umgebung sie sofort aus ihrer Ungläubigkeit.
Flammen loderten an den Häusern hinauf, Menschen schrien, während sie um ihr Leben rannten und vom Himmel fielen große Feuerbälle, die Häuser in ihrer Nähe zerstörten und in Brand setzte.
Ohne, dass sie großartig darüber nachdachte, geriet ihre Magie in Wallung und legte sich kuppelförmig schützend um sie und Yelir, die mitten auf der Hauptstraße standen.
Yelir hob seinen Blick, um den Himmel abzusuchen. Die Feuerbälle kamen von da, doch er konnte nicht sofort eine Quelle ausmachen. Die Sonne blendete zu sehr und das Ständige vibrieren des Bodens machte es ihm ebenfalls nicht leicht, sich zu konzentrieren.
»Wir müssen die Leute evakuieren«, rief Zunae, die eine Frau bemerkte, die mit ihrem Sohn versuchte, zwischen den brennenden Häusern irgendwie Schutz zu finden.
»Dann wird der Angriff nicht aufhören«, bemerkte Yelir, der lieber den Feind außer Gefecht setzen wollte. »Die Soldaten der Stadt werden sich darum kümmern«, erwiderte er, während er seinen Blick nicht abwandte.
Zunae ballte die Hand zur Faust, während sich eine ihrer blauen Blumen von ihrem Artefakt löste und langsam zu Boden glitt. Im gleichen Moment wurde die Frau mit Kind in einen schützenden Windschleier gehüllt, während sich Regen um sie herum bildete und niederging.
Zunae gab Ehana den stummen Befehl die Bewohner zu schützen und die Soldaten zu unterstützen, doch mehr konnte sie im Moment nicht tun. Yelir hatte recht. Solange sie die Quelle nicht ausgelöscht hatten, solange würde der Angriff weiter gehen.
Sie hob ihren Blick und versuchte die Schreie um sich herum auszublenden, während sie die Augen zusammenkniff und den Himmel absuchte. Zwischen den Wolken erkannte sie etwas aufblitzen.
Magie.
»Dort«, rief sie und deutete in den Himmel, was Yelir nicht gerade half. Er brauchte trotzdem eine Weile, bevor er verstand, auf was Zunae deutete.
»Was ist das?«, fragte er, denn es gelang ihm nicht, Genaueres zu erkennen.
»Da oben fliegt etwas. Es wirkt Magie«, erklärte sie, auch wenn sie selbst nicht genau sagen konnte, was es war. Nur die Magie war für sie sichtbar und diese wurde bald schon zu einem Pfeil aus Feuer, der auf Vereven niederkrachte.




Yelir fluchte. Wenn der Feind in der Luft war, konnte er ihn unmöglich erreichen. Fliegen konnte er nicht, was im Moment ein sehr großer Nachteil war.
Sie konnten Vereven vermutlich nur evakuieren, auch wenn die Stadt danach nicht mehr da wäre.
Diese Zwickmühle frustrierte Yelir, denn er fühlte sich selten so hilflos.
»Ich werde sie runterholen«, bemerkte Zunae, die bereits ihre Magie um sich sammelte.
Yelir wollte gerade fragen, was sie damit meinte, als sie plötzlich mit viel Kraft in die Luft sprang. Der Luftzug, der dabei entstand, ließ Yelir taumeln, während er noch versuchte zu verstehen, was da gerade vor sich ging.
Der Wind sammelte sich um Zunae und hob sie hinauf in die Luft. Fast so, als wäre sie ein Vogel mit Flügeln.
Yelirs Mund wurde trocken, als ihm klar wurde, dass sie sich gerade völlig allein in den Kampf gegen unbekannte Feinde stürzte.
Er wollte fluchen und sie zurückholen, doch ihm waren die Hände gebunden. Was sollte er tun, während sie weg war?
Gerade, als sich Yelir umorientierte, bewegte sich sein Schatten, bevor Chiaki aus diesem heraus auftauchte.
Sein schwarzes Fell glitt an seinen Augen vorbei und ließ ihn erschrocken nach Luft schnappen. Der kleine Kater war plötzlich so groß wie ein ausgewachsener Leopard.
»Hoch mit dir«, knurrte Chiaki, er es gar nicht einsah, Zunae dort oben allein kämpfen zu lassen. Ihm war die Gefahr bewusst, doch ihr nicht.
Yelir spürte einen kurzen Widerwillen. Er konnte doch nicht einfach auf einem Gott reiten! Allerdings ging es um seine Frau.
Yelir verstand zwar nicht, was Chiaki damit gezwecken wollte, doch der Befehl war unmissverständlich, weshalb er sich fast sofort auf dessen Rücken schwang.
Das weiche Fell zwischen seinen Fingern fühlte sich seltsam vertraut an und war doch anders. »Halt dich gut fest«, wies Chiaki ihn an, bevor er einen Satz in die Luft machte. Dann trafen seine Pfoten auf etwas, das Yelir nicht sehen konnte. Als wäre da eine unsichtbare Leiter, die der Kater hinaufrannte, bis auch Yelir zwischen den Wolken etwas erkannte.
Da waren fünf Gestalten, die Zunae in ihrer Mitte eingekreist hatten.
Instinktiv griff Yelir nach seiner Waffe, doch statt dem vertrauten Schwert, war da nur der Bogen, den er zwischen seine Finger bekam.




Während er ihn in die richtige Position bewegte, um zu zielen, beobachtete er, wie Zunae den Feuerbällen der Frauen auswich.
Diese waren in Lumpen gekleidet, hatten Moos im Haar und sahen so verwildert aus, dass es Yelir schwerfiel, den Menschen zu erkennen.
Außerdem warfen sie mit Feuerbällen um sich, als hätten sie keinerlei Probleme mit Magie.
Zunae wich aus, doch ihr Ziel, die Feuerbälle so weiterzuleiten, dass sie sich gegenseitig abschossen, erreichte sie nicht. Dazu waren die schwebenden Frauen zu schnell und präzise.
Yelir hatte Mühe, mit seinem Bogen zu zielen, doch schließlich ließ er die Sehne einfach auf gut Glück los.
Die Magie schoss seinen Geist in die Richtung der Frauen und kurz darauf spürte er Kälte, die ihn einnahm. Dunkelheit umfing ihn, während er nach dem Blutkreislauf suchte, den er erwartet hatte.
Nichts.
Nicht einmal Magie konnte er spüren. Nur unerträgliche Kälte, die ihm in die Knochen stieg.
Ein lautloser Schrei verließ Yelirs Lippen, als er die Verbindung abbrach, um in seinen eigenen Körper zurückzukehren.
Sein Körper zitterte, während er sich in Chiakis Fell krallte. »Was war das?«, brachte er hervor, wobei sein Atem weiße Wölkchen bildete.
Chiaki stieß ein leises Knurren aus. »Das sind Hexen«, erklärte er, wobei sogar Yelir spürte, wie er sich anspannte.
Hexen. Wesen, die von den Göttern geschaffen wurden, um für sie zu kämpfen.
Yelir hätte jedoch nie gedacht, dass es Hexen ohne Blutkreislauf gab. Er war sich ziemlich sicher, dass die Vampire, die von den Raben geschaffen wurden, auch Blut oder zumindest Magie besaßen.
»Wie können sie ohne Magiekreislauf Magie wirken?«, fragte Yelir, der sich nur langsam von der Eiseskälte erholte, die ihn gepackt hatte.
Sie saß ihm so tief in den Knochen, dass er glaubte seine Arme würden brechen, wenn er sie jetzt bewegte.
»Die meisten Hexen besitzen einen Kern. Aus diesem speisen sie ihre Magie«, erklärte Chiaki, der sich in einem Bogen um die Hexen bewegte.
Weder er noch Yelir waren in der Position, einfach so anzugreifen. Sie mussten taktisch vorgehen.
Yelir versuchte, die Kälte abzuschütteln, während er dabei zusah, wie Zunae eine der Hexe angriff.
Sie streckte die Hand und nutzte den Wind, um ihr einen Schlaf zu versetzen, ohne sie anzugreifen.




Ein kurzes Schaukeln war die Reaktion, doch ansonsten verzog sie nicht einmal ihre Miene. Als hätte sie nichts gespürt.
»Wenn ich doch nur eine richtige Waffe hätte«, knurrte Yelir, der Zunaes Bogen zwar sehr mochte, doch dieser war in der aktuellen Situation unbrauchbar. Solange es keinen Blutkreislauf gab, konnte er auch nichts kontrollieren. Es gab also nur die Möglichkeit, mit einer Waffe zu kämpfen.
Chiaki blickte nach hinten zu seinem Passagier. »Hast du schon einmal versucht, deine Magie zu nutzen, um eine Waffe zu formen?«, fragte er, auch wenn es nicht der richtige Zeitpunkt war, um Yelir neue Zauber zu lernen. Sie hätten sich besser vorbereiten müssen, doch mit Hexen hatte selbst er nicht gerechnet.
»Aber, aber das ist eine Dauerlösung«, brummte Yelir, der die Magie in seiner Hand bündelte. Dort stieg schwarzer Rauch auf, der langsam ein Schwert bildete.
Es ging schneller als Yelir es in Erinnerung gehabt hatte. Da er selbst nie so gut in Magie war und sie ihn eher anstrengte, hatte er sich immer mehr auf seine körperliche Stärke verlassen. Das fiel ihm nicht zum ersten Mal auf die Füße. Im Kampf mit den Südlanden war sie nur selten auf direkte Magiebegabte getroffen und hatte es eher mit Artefakten zu tun gehabt. Gegen diese konnte er ohne Probleme ankommen. Aber Hexen … das war etwas anderes.
»Ich bin soweit«, knirschte Yelir, da es ihm schwerfiel, sein Schwert aufrechtzuerhalten.
Chiaki wollte sich gerade auf die Hexen stürzen, als eine Bewegung von Zunae ihn misstrauisch machte.
Yelir spürte einen Ruck, als Chiaki plötzlich die Richtung wechselte und sie wieder in die Lüfte stiegen, bis sie über den Hexen waren.
Gerade, als Yelir fragten wollte, was los war, spürte er ein Zittern durch die Luft geben, bevor die Magie sich knisternd entlud und wild um sich schlug. Im Zentrum Zunae, die ihre Augen geschlossen hatte und aus derem Körper Blitze in alle Richtungen schossen.
Chiaki knurrte, während er Mühe hatte, den Blitzen auszuweichen. Sie schossen so unkontrolliert herum, dass sie seine Pfote streiften, aber auch die fünf Hexen erwischen.
Drei von ihnen taumelten langsam zu Boden, während eine fiel wie ein Stein. Nur die letzte schaffte es, sich in der Luft zu halten.




Zunae, die ihre Umgebung nicht mehr im Blick hatte, zog die Magie wieder zu sich, spürte aber, dass der Schwebezauber nachließ. Mit einem Keuchen war der Widerstand, der sie in der Luft gehalten hat, weg und sie rauschte zu Boden.
Yelir stieß einen Schrei aus, als er sah, wie seine Frau fiel.
Sofort sprang Chiaki hinterher. An der verwirrten Hexe vorbei, die Yelirs Schattenschwert zu spüren bekam und dadurch einen Arm verlor.
Yelir hatte jedoch kaum Augen für die Frau. Nur Zunaes rotes Haar, das wild im Wind flackerte wie eine Fahne, war wichtig.
Chiaki näherte sich ihr, sodass Yelir nach ihr greifen und sie zu sich ziehen konnte, noch bevor sie die Hitze der Flammen auf sich spürten.
»Keine Alleingänge«, knurrte Yelir sie an, während er sie an sich zog. Sein Herz schlug heftig und der Schweiß stand ihm auf der Stirn.
»Entschuldige«, murmelte Zunae, die sich an ihn schmiegte. Wie er sie hielt, verriet ihr, wie groß seine Sorgen waren. Sie konnte es verstehen, denn ihre Sorgen um ihn waren genauso groß. »Aber ich dachte, ich bekomme sie schneller aus dem Himmel.«
»Jetzt sind sie jedenfalls unten«, bemerkte Chiaki, der am Boden aufsetzte und sich leicht schüttelte, als Zeichen, dass sie absteigen sollten.
Zunae sprang sofort von seinem Rücken und Yelir folgte ihr kurz darauf. »Ich muss mir eine Waffe zulegen«, bemerkte er, während er sich umsah. In einem solchen Chaos konnte es sein, dass ein Soldat sein Schwert verloren hatte. Darauf hoffte er, wurde jedoch enttäuscht.
»Hier.« Zunae streckte ihre Hand aus und ließ Magie sich darin sammeln. In nur wenigen Wimpernschlägen bildete sich ein kristallines Schwert, das selbst bei Chiaki für Überraschung sorgte.
Yelir erkannte die Kristalle sofort wieder. Zunae hatte diese auch im Kampf gegen Arcas eingesetzt. Er hatte sie bisher nur nie wieder bei ihr gesehen. Weil sie schwanger gewesen war?
»Danke«, murmelte Yelir, der mit zögerlichem Griff das Schwert nahm. Es war nicht so schwer, wie er erwartet hatte, aber auch nicht federleicht, wie es Magieschwerter oft waren. Stattdessen wirkte es wie ein normales Schwert, das für Yelirs Körper angepasst war.
Zunaes Umgang in Magie hatte ihn schon immer fasziniert und doch schaffte sie es ständig, ihn erneut zu überraschen.




»Wir sollten uns aufteilen«, bemerkte Yelir, doch Zunae verengte lediglich die Augen.
»Auf gar keinen Fall«, knurrte sie, denn dann würde sie Yelir nicht schützen können.
Dieser verzog die Lippen bei dem plötzlichen Protest. Zunae war sonst nie so gewesen. Das hatte erst angefangen, als sie in den Südlanden waren. Warum?
Er wollte gerade protestieren, als in den Trümmern eines nahen Gebäudes ein Knacken ertönte. Es war lauter und präsenter als das Feuer, welches das Holz der Häuser verzehrte.
Yelir sprang vor und schlug mit dem Schwert nach einem Feuerball, der aus dem Meer aus Flammen auf sie zuschoss. Er war so schnell, dass Zunae kaum die Möglichkeit hatte, zu kontern, doch das Schwert reichte. Der Kristall zerschnitt den Feuerball und löste die Magie auf, als wäre nie etwas gewesen.
Yelir weitete seine Augen, während er das unversehrte Schwert betrachtete. Was für eine Macht. Er konnte das Pulsieren spüren. Als hätte das Schwert den Feuerball einfach aufgesaugt und sich dadurch gestärkt. Wenn es wirklich Magie absorbieren konnte, war es eine perfekte Waffe gegen die Hexen. Aber wieso zauberte Zunae dieses gerade jetzt aus den Ärmel und wieso übergab sie es ihm?
»Da kommt was«, bemerkte Zunae, die in den Flammen eine Veränderung ausmachen konnte. Das flackernde Rot der Flammen wurde ein Stück dunkler und sammelte sich, bevor eine Hand, gemacht aus Feuer, sich ihnen entgegenstreckte.
Ein überraschtes Keuchen verließ Zunaes Lippen, als sie einen Schritt zurücktaumelte und den Flammenkrieger anstarrte.
»Ein Elementar«, keuchte Yelir, der so etwas bisher nur einmal gesehen hatte. Auf dem Schlachtfeld gegen die Südlande.
Zunae stieß ein Fluchen aus, während sie die Magie des Wassers in ihrer Hand sammelte. Es war nicht einfach, da die Umgebung von Feuer und Rauch eingenommen war, doch es gelang ihr einen Wasserball zu formen, den sie auf das Wesen warf, bevor dieses gänzlich den Flammen entkommen konnte, aus dem es gerade geboren wurde. Nur verdampfte ihr Ball sofort, als er auf das Feuer traf. Ein Zeichen dafür, dass ihre Magie nicht stark genug war.
Instinktiv glitt ihre Hand zu dem Anhänger ihres Artefaktes. Sollte sie Ehana rufen? Sie wäre sicherlich in der Lage, es mit dem Wesen aufzunehmen, doch dann würde sie sich Yelir verraten.




Der Moment, in dem Zunae in dieser Zwickmühle gefangen war, nutzte Yelir, um mit geschwungenem Schwert auf den Feuerelementar zuzustürmen. Er wusste, dass es nicht viel bringen würde, dieses Wesen zu töten, solange die Hexen nicht besiegt waren, doch um das zu tun, musste er an ihnen vorbei.
Das Schwert zischte durch die Flammen, als es das Wesen sauber in der Mitte zerteilte. Ohne Widerstand oder Anzeichen, dass dieses überhaupt einen Körper besaß.
Die Flammen flackerten, während der blaue Kristall des Schwertes dunkel Violett wurde. Yelirs Herz klopfte heftig, denn für einen Moment glaubte er, nichts bewirkt zu haben. Dann bemerkte er jedoch die rauchige Verbindung zwischen dem Elementar und seinem Schwert. Dieses sog die Flammen in sich auf.
»Was ist das denn für ein Schwert«, keuchte Yelir, der zusah, wie der Feuerelementar immer kleiner wurde, während er auf Yelir zuschritt.
»Ich weiß es nicht«, gestand Zunae, denn sie hatte es aus einem Instinkt heraus erschaffen. Ihre Magie hatte sich einfach selbstständig gemacht.
Das selbstgefällige Grinsen auf Chiakis Lippen hätte Zunae verraten, dass dieser genau wusste, was los war, doch absichtlich schwieg. Nur bemerkte sie es nicht, war sie doch zu gebannt von der ganzen Situation.
Ihr Körper zitterte, während sich ihre Beine bleischwer anfühlten. Sie konnte die Angst, die ihr in den Gliedern steckte, nicht leugnen. Seit ihren Visionen hatte sie nicht nur Respekt vor Feuer und jetzt war sie zwischendrin gefangen. Ihr Augenmerk auf Yelir gerichtet, während sie das Bild seines grausamen Todes verdrängte. Noch lebte er und stand vor ihr und sie würde sich darum kümmern, dass es so blieb. Nur verlor sie so den Fokus auf ihre Gegner.
Yelir entging Zunaes Zustand nicht. Die Blässe ihrer Haut und ihr schwerer Atem verrieten ihm alles, was er wissen musste.
»Bleib hinter mir und kümmer dich um unsere Verteidigung«, wies er an, denn ganz ohne ihre Hilfe würde er nicht siegen können. Zudem glaubte er, dass das leichte Vibrieren des Schwertes ein Zeichen war, dass es voller Magie war und nicht mehr viel aufhielt. Er musste nur noch herausfinden, wie er diese Magie nutzen konnte. Wenn er sie nutzen konnte. Es handelte sich weder um seinen Zauber, noch um ein Artefakt. Es war Zunaes Schwert. Er durfte also nicht davon ausgehen, dass er es genauso gut führen konnte, wie sie. Trotzdem vertraute er auf sein Gefühl. Seine Gabe verriet ihm dass dieses Schwert einen eigenen magiekreislauf besaß. Fast als wäre es Teil einer größeren Macht. Nur gab es keinen Kern aus dem es die Magie zog. Stattdessen bildete es einen aus der gespeicherten Magie. Etwas, das Yelir sehr faszinierte.




Yelir schloss einem Moment die Augen, um sich besser zu konzentrieren. Er hatte eine der Hexen mit seinem Artefakt getroffen und spürte noch immer die Verbindung zu ihr. Sie bewegte sich, doch es war schwierig herauszufinden, wo genau sie sich in den Trümmern und Flammenherden befand.
Währenddessen versuchte Zunae die Situation zu begreifen. Es war das erste Mal seit langem, dass sie wieder aktiv Magie einsetzte, doch diese schien sich zu sträuben. Die Elemente, die vorher so leicht zu kontrollieren waren, zogen sich langsam zu zäh zusammen, als wäre sie eine Anfängerin. Dafür pulsiert etwas anderes durch ihre Sinne und nahm sie ständig ein.
Kristallen.
Wunderschöne, schimmernde Kristalle. Mit einer Kraft im Inneren, die das Leben selbst widerspiegelte.
Nur was sollte sie damit anfangen?
Das Schwert war ein Impuls gewesen, den sie jedoch nicht reproduzieren konnte. Sie stand also ohne Waffe und ohne Kontrolle da. Wie sollte sie Yelir so schützen? Er verließ sich auf sie!
»Da«, flüsterte Yelir und riss seine Augen auf. Ihm war es gelungen, eine der Hexen zu lokalisieren.
Mit einer schnellen Bewegung richtete er die Spitze seines Schwertes in die Richtung, in der er sie spürte, bevor er den Magiekreislauf mit seiner eigenen Magie anregte.
Das, was aus dem Schwert schon, verschlug ihm die Sprache.
Es war ein Wirbelsturm aus Rauch, Asche und kleinen, schimmernden Kristallen, der das Feuer auf seinem Weg winsaugte und die Kraft darin nutzte, um weiter zu schießen. Alle, was in seinem Weg lag, wurde verschluckt, sodass nur ein Krater zurückbleibt.
Yelirs Mund wurde trocken. Er wollte gar nicht daran denken, dass womöglich Zivilisten in seinen Weg geraten sein konnten.
Dann entdeckte er eine Frau, die mitten im Krater stand und ihre Tochter schützend bedeckte.
Sie blickte verwirrt auf, als könnte sie nicht glauben, was geschehen war.
Yelir blinzelte und weitete seine Augen in Schock.
Häuser und Flammen waren weg, doch die Menschen bleiben unversehrt.
Er wirbelte zu Zunae herum, weil er sie fragen wollte, ob sie das auch sah, musste dann aber erneut blinzeln. Sie starrte benommen in die Gegend, während sich an dem Ansatz ihrer Haare blaue Kristalle bildeten.




Als sie Yelirs Blick begegnete, spürte sie ein Stechen in der Brust, das sie keuchen ließ, bevor ihre Beine nachgaben und sie zu Boden rutschte. Ein seltsames Ziehen hatte ihren Körper eingenommen, doch sie verstand nicht warum. Ihre Magie drängte gegen ihre Haut und ließ diese unangenehm Kribbeln.
Sie fühlte sich erschöpft, dabei hatte sie gar nichts getan.
Yelir fluchte, obwohl es einen Grund zur Hoffnung gab. Er konnte die Hexe nicht mehr spüren, musste also ihren Kern getroffen haben.
Aber was war mit Zunae los? Hatte das etwas mit der Kraft dieses Schwertes zu tun?

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