Mirja-Kapitel 5

~Mirja~

Ich wurde wach, als der Wind zwischen den Iglus hindurchzischte. Es klang zuerst wie Schreie, die mein Herz heftig zum Klopfen brachte.

Als ich mich langsam bewegte, bemerkte ich Xander, der neben mir geschlafen hatte. Sein Kopf lag auf meinem Schweif, als hätte er diesen als Kopfkissen missbraucht.

Meine Lefzen verzogen sich einen Moment bei seinem Anblick und ich legte mich zurück.

Die Geräusche draußen deuteten auf einen Schneesturm hin. Vermutlich hatte Cayne wirklich recht und er war in der Nacht ausgebrochen.

Hier waren wir jedoch sicher und ich machte mir auch keine Gedanken über die Eistiger. Sie lebten in diesem Umfeld und hatten sicherlich auch Schutz in den Iglus gefunden.

Ich wollte mich gerade wieder zurücklegen und die Augen schließen, da ertönte ein hohes, lautes Kreischen, das mich innerlich zusammenzucken ließ.

Xander regte sich, wirkte aber nicht, als würde er aus den Schlaf schrecken.

Sofort lauschte ich, was dazu führte, das ich neben dem Fauchen des Windes, kratzende Geräusche wahrnahm.

Klauen auf Eis?

Ich wusste es nicht, doch wenn ich die Situation richtig einschätzte, dann waren das weiße Phantome.

Während andere Kontinente Probleme mit Rakshasa hatten, waren wir durch die Kälte vor ihnen sicher. Dafür hatten wie andere Gefahren.

Weise Phantome tauchten immer bei Schneesturm auf, doch ich hatte bisher nie eine Begegnung mit ihnen gehabt. Ungeschützt würde man diese auch nicht überleben.

Ging es den Tieren gut? Waren die anderen in ihren Iglus?

In mir drängte alles, nachzusehen, doch das war keine gute Idee. Gegen weiße Phantome hatte ich keine Chance. Nur mein Vater konnte gegen sie gewinnen. Und das nicht einmal nur, weil er ein Alpha war. Seine Kampfkunst war der Grund, dass er es mit ihnen aufnehmen konnte.

Ein erneutes Kreischen drang durch die Wand des Iglus.

Der Vorhang, der durch Runen geschützt war und die Tür bildete, flatterte.

Etwas Weißes schimmerte im Schein des Mondes und ließ mich erschaudern.

Rote Augen starrten direkt auf mich.

Panik packte mich und ohne darüber nachzudenken, schlug ich auffordernd auf Xanders Flanke.

Mein Herz raste, obwohl ich wusste, dass ich hier sicher war. Die Magie dieser Iglus war alt und so konzipiert, dass nichts hinein konnte, das gefährlich war. Auch wenn der Vorhang selbst nicht sonderlich sicher wirkte.



Xander brummte und bewegte sich leicht, bevor er die Augen aufschlug.

»Was soll das?«, murmelte er müde.

Seine Worte ließen das Wesen, das mich noch immer anstarrte, zucken, bevor es losrannte und im Schneesturm verschwand.

Ich befeuchtete meine Lippen. Hatte ich das gerade richtig gesehen? Der Runenvorhang hätte dafür sorgen müssen, dass Wesen von außerhalb uns nicht einmal sahen. Aber mir war, als hätte es mich direkt angestarrt, ja gemustert.

»Da sind weiße Phantome«, flüsterte ich mit erstickter Stimme.

Ich fühlte mich von der Situation erschlagen und spürte erst jetzt, wie mein Körper vor Angst begann zu zittern.

Wir waren von einem Schneesturm umgeben, in dem sich Monster befanden.

Xander rieb sich die Augen und brauchte einen Moment, um meine Worte zu verstehen.

Als er jedoch zum Vorhang blickte, war der Schneesturm plötzlich vorbei. Von jetzt auf gleich hatte sich der Schnee gelegt, das Kreischen war verstummt und nichts wies daraufhin, dass da etwas gewesen war.

»Unmöglich«, murmelte Xander, der sich sogar erhob. »Das hast du vermutlich nur geträumt«, winkte er ab, bevor er den Vorhang einfach zur Seite schob.

Seine Aktion kam so überraschend, dass ich nur meine Hand nach ihm ausstrecken konnte. Da sich meine Beine aber nicht bewegen wollten, schaffte ich es nicht, ihn zu erreichen.

War er denn lebensmüde?

Mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen, als er sogar den Kopf hinausstreckte. »Es hat wohl etwas gestürmt«, bemerkte er und ließ den Vorhang wieder zufallen, womit der den Schneesturm als normal abtat.

War es das in dieser Gegend? Musste ich jeden Abend mit einem solchen Sturm rechnen?

Dann drehte er sich mit einem Grinsen zu mir um. »Du tust immer so stark, aber Albträume sind ein Zeichen für Angst«, bemerkte er neckend. Dann aber wurde sein Gesicht ernst, als er auf mich zukam, vor mir in die Hocke ging und eine Hand an meine Wange legte. »Es war nur ein Albtraum«, sagte er beruhigend.

Ich konnte nur nicken, war mir aber sicher, dass ich die weißen Phantome gehört hatte und sie sogar gesehen.

»Ich bin da«, sprach Xander weiter auf mich ein, bevor er meine Kissen aufschüttelte und mir dabei half, mich wieder hinzulegen.



Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich mich in meine menschliche Gestalt zurückverwandelt hatte. Vermutlich zitterte ich deshalb. Ich trug nur ein dünnes Nachtgewand.

»Es war nur ein Albtraum«, wiederholte Xander sanft.

War es das? Vielleicht hatte er Recht. Warum sonst war er nicht aufgewacht? Hatte ich mir alles nur im Halbschlaf eingebildet, weil ich Angst vor dem hatte, was noch kommen würde?

»Schlaf ein bisschen weiter«, flüsterte er sanft. »Soll ich fragen, ob Vorin dir eine warme Milch machen kann?«

Er wollte mich necken, weil nur kleine Kinder warme Milch tranken, doch ich dachte einen Moment darüber nach. »Ich will ihn nicht stören«, murmelte ich und drehte mich in die Kissen.

Xander stieß die Luft aus, bevor er mich zudeckte und sich dann langsam zu mir legte.

Doch sobald ich die Augen schloss, war da das Bild des weißen Phantoms. Verschwommen mit dem Schneesturm und nur die roten, glühenden Augen ganz deutlich.

Ein Schauer ergriff mich und ließ mich zittern, weshalb ich die Kissen und Decken näher zu mir zog.

Ich hörte Xander schnauben, bevor er mich plötzlich in den Arm nahm.

Mir war bewusst, dass ich es nicht zulassen sollte. Wir waren gute Freunde, doch unser Stand war zu unterschiedlich. Mutter würde ausflippen.

Doch sie war nicht da und ich brauchte Schutz, Wärme und Nähe. Also kuschelte ich mich an meinen einzigen Anker, den ich hatte, um mich wieder zu beruhigen. Ich würde mich später damit beschäftigen. Jetzt war ich froh, als das Bild aus meinem Kopf verschwand, während Xanders Wärme mich einnahm.

Wie gut gefällt dir dieses Buch?

Klicke auf einen Stern zum bewerten.

Durchschnitt 5 / 5. Anzahl: 1

Bisher keine Bewertungen

Kommentare