Mirja-Kapitel 7
~Mirja~
Ich wurde wach, als Xander mich sanft an der Schulter schüttelte. »Schlafmütze, aufwachen«, lachte er leise.
Ein herber Duft drang an meine Nase, der mich sofort wach machte.
»Kaffee«, murmelte ich, rieb mir die Augen und setzte mich gähnend auf.
Xander lachte leise. In seiner Hand hielt er eine große Tasse dampfenden Kaffee. »Wusste ich doch, dass dich das weckt«, bemerkte er und reichte ihn mir.
Mir lief das Wasser im Mund zusammen, doch ich wartete einen Moment. Zu oft hatte ich mir die Zunge verbrannt, um nicht daraus zu lernen.
»Hast du in der Nacht wirklich nichts mitbekommen?«, fragte ich, denn das Erlebte, oder der Traum, was auch immer es war, hing mir noch sehr nach.
Xander musterte mich und runzelte die Stirn. »Ich sagte doch, das war ein Traum. Der Schneesturm muss dir Angst gemacht haben«, versicherte er beruhigend und strich mir sogar sanft mit seinen Fingern über die Hand.
Eine Geste, die mich früher immer beruhigt hatte. Heute wirkte sie jedoch gezwungen, was ich nicht ganz verstand.
Ich stieß den Atem aus und nahm vorsichtig einen Schluck, um wach zu werden.
Wenn er nicht darüber sprechen wollte, würde ich mich eben bei den anderen erkundigen. Die weißen Phantome mussten Spuren hinterlassen haben.
»Möchtest du Frühstück?«, fragte Xander, der genau wusste, dass ich darauf eigentlich nicht so scharf war.
Allerdings stand uns eine weite Reise bevor. Solange ich diese nicht in dem Schlitten verbrachte, brauchte ich Kraft, also nickte ich.
Xander schmunzelte. »Ich werde fragen, was er für dich zaubern kann. Die anderen haben alle schon gegessen und die Sachen gepackt. Ich kümmere mich um unsere, während du isst«, erklärte er und war dann schon aus dem Iglu verschwunden, bevor ich ihn fragen konnte, ob er schon gegessen hatte.
Also blieb ich sitzen und genoss meinen Kaffee, der dazu führte, dass sich die Trägheit des Schlafes endlich von mir löste.
Xander brauchte recht lange, weshalb ich schon damit begann, einige Sachen zusammenzuräumen.
Es war nicht viel, was wir in das Iglu gebracht hatten. Viele Kissen und Decken waren Teil dieses Unterschlupfes und es galt die unausgesprochene Regel, dass jeder die Iglus so zurückließ, wie er sie vorgefunden hatte. Daher legte ich besonderen Wert darauf, dass alles ordentlich war.
»Am frühen Morgen schon so fleißig?«, neckte mich Xander, als er mit einer Schale dampfender Suppe hereinkam.
Ich nahm den herben Geruch von Kräutern wahr, der mich kurz die Augen schließen ließ.
Sofort hörte ich in meiner Tätigkeit auf und nahm die Schüssel entgegen, nur um festzustellen, dass erneut riesige Fleischstückchen darin schwammen.
Ich stieß die Luft aus, spießte eines auf und hielt es Xander abwartend hin.
Dieser lachte leise, bevor er es von meiner Gabel klaute, bevor er sich dem Aufräumen widmete.
Immer wieder reichte ich ihm die Fleischstückchen. Nur eines davon aß ich selbst, denn Gemüse war dieses Mal nicht sonderlich viel enthalten. Irgendwie musste ich satt werden.
Als die Schale schließlich leer war, hatte Xander alles zusammengeräumt, sodass ich das Iglu verließ.
Der Schnee hatte die Nacht definitiv getobt, auch wenn die Eingänge freigeräumt waren. Trotzdem erkannte ich an dem Schlitten, dass ziemlich viel Schnee gefallen war.
Cayne versuchte diese gerade mit Vorin aus dem Schnee zu befreien.
Da sie dafür gemacht war, über Eis und Schnee zu fahren, würden sie nicht lange brauchen.
Ich sah mich in dieser Zeit zwischen den Iglus um.
Es waren gut zehn Stück, die recht nah beisammen standen. Wenn also wirklich ein weißes Phantom in der Nacht aufgetaucht war, hätten die anderen das mitbekommen müssen.
»Arvid«, sagte ich als erstes, denn ihn kannte ich gut genug. »Ist dir in der Nacht was Seltsames aufgefallen?«, fragte ich, ohne es direkt zu benennen.
»Ihr meint den Schneesturm?«, fragte er, während er die Pakete im hinteren Teil des Schlitten verstaute. Darin befanden sich unsere Vorräte für die Reise, aber auch Material für ein Zeltlager, sobald wir die Eiswüste verlassen hatten.
»Ja. Ich fand, der Wind hat unnatürlich geheult«, bemerkte ich, um seine Reaktion abzuwarten.
Arvid zuckte nur die Schultern. »So klingen Schneestürme außerhalb der Städte immer«, versicherte er abwinkend.
Ich verzog den Mund. Das war nicht die Antwort, auf die ich gehofft hatte. Aber vielleicht hatte Xander wirklich recht und ich hatte das alles nur geträumt, weil ich nervös war.
Mein Blick glitt zum Schlitten. Cayne starrte mich einen Moment an, bevor er sich abwandte und die Eistiger an ihrem Geschirr befestigte, damit sie den Schlitten ziehen konnte.
»Wir können weiter, Lady«, sagte er schließlich, wobei ich nichts Aufforderndes aus seiner Stimme hören konnte. Dabei hatte ich erwartet, dass er darauf drängte, dass wir uns beeilten.
Ich nickte und stieg auf Azrel. Dabei blieb Cayne bei mir und beobachtete mich nachdenklich. »Habt Ihr in der Nacht gut geschlafen?«, fragte er höflich interessiert.
Ich konnte nicht sagen, ob es nur vorgespielt war und ob er wirklich eine ehrliche Antwort wollte. Allerdings kannte ich ihn nicht gut genug, um meine Bedenken mit ihm zu teilen. Er war immerhin nicht Xander. »Für meine erste Nacht außerhalb der Schlossmauern war es gut«, erwiderte ich.
Als Antwort erhielt ich nur ein nachdenkliches Lippen und einen erneuten musternden Blick, bevor er sich abwandte. »Es geht weiter«, rief er seinen Leuten zu, bevor wir uns alle wieder in Bewegung setzten.




































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