11. Abschlussball

Jetzt ist in nicht allzu großer Entfernung die Stelle zu erkennen, an der mein Wanderweg auf die Strandpromenade trifft. Die ganze Zeit habe ich gehofft, dass es wieder nach oben gehen würde. Aber dem ist nicht so. Gleich muss ich mich ins Getümmel stürzen.
Sabine ist schon mittendrin. Ihr Hund läuft schwanzwedelnd zwischen den Menschen umher, beschnüffelt sie aufgeregt, bellt sie an. Sabine muss laut in die Hände klatschen und ihn ermahnen. Als es nichts nützt, nimmt sie ihn an die Leine.
Jetzt überqueren wir einen stark frequentierten Parkplatz. Autotüren werden zugeschlagen, Motoren angelassen, Reifen knirschen im Kies. Wagen kommen nicht aneinander vorbei, komplizierte Ausweichmanöver werden durchgeführt, es riecht nach Benzin. Plötzlich ist alles stressig, die Lust an meinem Ausflug droht mir gründlich zu vergehen.
In Richtung Elbe liegen zahlreiche Bäume umgestürzt im Sand. Das Hochwasser muss sie ausgegraben haben. Trotzdem wachsen noch belaubte Äste an ihnen. Wieder warte ich einen Moment, dann folge ich Sabine auf ihrem Parcours durch den niedergestreckten Wald. Dahinter beginnt eine flache Dünenlandschaft. Kühler Wind streicht über vertrocknete Grashalme und lässt sie rascheln. Es ist fast wie an der offenen See.
Schließlich erreichen wir die weite Fläche des Elbstrands. Das Sonnenlicht blendet, ich muss die Augen mit der Hand schützen, als ich die Gegend überblicke. Am Übergang von den Dünen zum Strand hat sich eine Stufe gebildet, wahrscheinlich durch die auf- und ablaufende Flut. Ich setze mich und schaue Sabine nach, die zum Ufer weitergegangen ist.
Gerade nimmt sie ihrem Hund die Leine ab. Er stürmt los, springt in die Fluten, schwimmt hinaus. Aber rasch kehrt er wieder um, erreicht den Strand, schüttelt sein schwarzes, triefendes Fell. Ein Regen aus Elbwasser trifft einige Spaziergänger, die zur Seite springen. Sabine sagt etwas zu ihnen, sie winken lachend ab.
Nun kommt sie zurück, läuft geradewegs auf mich zu. Ich kriege Panik. Ist es jetzt vorbei mit meiner Anonymität? Wird sie mich entdecken?
Nein, sie macht einen Schlenker an mir vorbei. Ich sehe sie an den Dünen entlanggehen und sich ebenfalls auf die Stufe im Sand setzen, zu meiner Linken, nicht weit von mir entfernt. Sie schließt die Augen, lässt sich die Oktobersonne ins Gesicht scheinen.
Woran mag sie jetzt denken? Auch an Mittenwerda? An das Reihenhaus in der Gartenstadt, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester bewohnt hat?
***
Man sprach es nur ungern aus, dennoch war es eine Tatsache: Die Zeit des Studiums ging zu Ende.
Meine Diplomarbeit hatte ich längst fertig, aber ich wollte sie erst zum Abgabetermin einreichen. Dies sollte letzte Handlung meiner Studienzeit werden, sozusagen ihr Ende symbolisieren. Bis dahin würde ich versuchen, mich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, alles andere auszublenden.
Tagsüber gelang mir das leidlich. Nachts allerdings ließen sich die bösen Geister nicht länger vertreiben. Ich wälzte mich im Bett hin und her, starrte mit müden Augen in die Dunkelheit und fand einfach keinen Schlaf.
Nun würde eintreten, was bislang immer abstrakt, unendlich weit weg gewesen war: Das Studium, das meinem Leben Substanz und Struktur gegeben hatte, hörte einfach auf. Der Schutzraum der Hochschule verschwand und nichts trat an seine Stelle. Ich stand allein im Weltraum.
Sahen die anderen es ähnlich? In den letzten Wochen rückten alle wieder näher zusammen. Es gab zahlreiche Treffen, Grillpartys und Kneipenabende. Ein Gefühl der Gemeinschaft schien zu entstehen, wie ich es seit dem ersten Semester nicht mehr wahrgenommen hatte.
Ich fuhr jetzt wieder oft ins Wohnheim, traf mich dort mit Christoph und Rico. Obwohl ich so lange keinen Kontakt mehr zu ihnen gehabt hatte, stellten sie keine Fragen, freuten sich einfach über meine Rückkehr. Wir saßen bis in die Nacht zusammen, tranken Bier und palaverten, über das Leben, die Gesellschaft, das Schlechte im Menschen. Es waren sehr melancholische, traurig-schöne Abende.
Wann immer das Wetter es zuließ, verlegten wir unsere Treffen in den Schwanenpark. Die Bäume waren mittlerweile dicht belaubt, die Vegetation stand in voller Blüte, intensive Düfte erfüllten die Luft. Wir saßen auf dem Rasen und picknickten. Überall hatten andere Cliquen ihre Lager aufgeschlagen, Decken und Proviant ausgebreitet, den Grill angefacht. Leute kamen vorbei und tranken mit uns. Der Park war voller Reden, Lachen und Musik.
Manchmal sprachen wir über die Zeit nach dem Studium, erörterten unsere Pläne für die Zukunft. Rico hatte bereits einen Arbeitsvertrag bei Bayer in Leverkusen abgeschlossen. Sie wollten ihn, den Superfußballer, in einem ihrer Vereine fördern. Jetzt konnte es endlich losgehen mit der ersehnen Profikarriere.
Christoph dagegen, der Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit studiert hatte, blickte ähnlich negativ in die Zukunft wie ich, wenn auch aus völlig anderen Beweggründen. Anfangs hatte er nie viel von sich erzählt, aber mittlerweile wussten wir, dass er einiges durchgemacht hatte: Nachwuchs, Heirat, Trennung. Mittlerweile war die Scheidung durch und er sah sein Kind, einen inzwischen sechsjährigen Jungen, nur noch einmal wöchentlich. Während des Studiums war er mit dem Bafög-Höchstsatz gefördert worden und hatte im Wohnheim ein günstiges Zimmer gehabt. All das würde bald vorbei sein, und er hatte noch keinerlei Aussicht auf eine Beschäftigung. Immer wieder regte Rico sich darüber auf, dass Christoph eine derart brotlose Kunst gewählt hatte. Und wie stets antwortete der nichts darauf, zuckte nur mit den Schultern und blickte traurig ins Leere.
Ich selbst hatte die Wahl zwischen mehreren Jobangeboten. Am interessantesten erschien mir die Offerte des Frankfurter Consulting-Hauses, in dem ich auch mein Praxissemester absolviert hatte. Zudem war da noch immer die Option, an einer Uni weiterzustudieren und zu promovieren.
Eigentlich war mir klar, dass ich das Frankfurter Angebot unmöglich ausschlagen konnte. Die Firma wollte mich unbedingt haben, die Arbeitsverträge lagen bereits auf meinem Schreibtisch. Trotzdem zögerte ich, sie zu unterschreiben. Wenn schon nicht alles bleiben konnte wie es war, wollte ich mir wenigstens die Zukunft möglichst lange offenhalten. Wahrscheinlich würde ich mit der Vertragsunterzeichnung bis zur Abgabe meiner Diplomarbeit warten.
Bald wurde es dunkel. Vom Teich her breitete sich unangenehme Kühle aus. Die Reihen begannen sich zu lichten, nach und nach verstummte der Partylärm. Schließlich kehrte Stille ein. Nur wir drei harrten noch aus. Unablässig zirpten die Grillen, manchmal hörte man aus Richtung des Teichs leises Plätschern, wenn ein Fisch seinen Besuch an der Wasseroberfläche beendet hatte und untertauchte. Am Himmel funkelten und flimmerten die Sterne, und wenn man lange genug nach oben schaute, erkannte man das diffuse Leuchten der Milchstraße. Einmal sah ich aus den Augenwinkeln für Sekundenbruchteile die Leuchtspur einer Sternschnuppe.
Von irgendwoher konnte man Stimmen hören. Waren wir doch nicht die letzten hier draußen? Ein Lachen erschallte, laut und befreit, glücklich. Wie Energie breitete es sich in der Dunkelheit des Parks aus. Ich spähte um mich, versuchte etwas zu erkennen – vergeblich.
Christoph und Rico haben offenbar nichts gehört. Ungerührt fahren sie in ihrem Gespräch fort, werden nicht müde, über Berufschancen und Zukunftsperspektiven zu quatschen. Ich achte nicht mehr auf ihre Worte. Noch immer klingt mir das Lachen in den Ohren.
Plötzlich sehe ich Katjas Gesicht vor mir, deutlich und klar wie nie. Ich erkenne die Sommersprossen auf der Stupsnase, die Grübchen um die Mundwinkel. Vor allem sehe ich die großen, blaugrauen Augen. Sie leuchten, als würden sie direkt ins helle Sonnenlicht blicken.
Dann verschwimmt alles hinter einem Film aus Tränen. Schnell drehe ich mich weg, damit die beiden anderen mich nicht sehen. Ich kneife die Augen zusammen, halte die Luft an…
Das Lachen ist verklungen. Nur das Zirpen der Grillen ist zu hören und das leise Plätschern des Teiches. Außer uns dreien scheint schon lange niemand mehr hier zu sein.
***
Noch immer sitzt Sabine am Rand der Dünen in der Sonne. Es ist den ganzen Nachmittag über schön geblieben. Dabei hatte es heute morgen noch geheißen, eine Schlechtwetterfront nähere sich und bringe Regen, Sturm und Kälte. Davon ist bislang nichts zu sehen. Mit etwas Glück werden wir diesen letzten sommerlichen Tag des Jahres bis zum Ende auskosten können.
Langsam nähert sich die Sonne der Elbe. Auf der Wasseroberfläche entsteht ein goldenes Schimmern…
***
Der letzte Tag des Studiums. Vormittags bekamen die frischgebackenen Wirtschaftsinformatiker in einer feierlichen Zeremonie ihre Diplomzeugnisse überreicht. Der Dekan hielt eine salbungsvolle Rede, in der er den „vielversprechenden Zuwachs“ pries, der „unserer Wirtschaft“ beschert werde. Dann wurde der Ehrenpreis für das beste Diplom des Jahrgangs verliehen.
Eine Zeit lang hatte es so ausgesehen, als würde ich diese Trophäe einheimsen. Dann hatte ich bei den Prüfungen schlappgemacht. Zwar war mein Abschluss sehr gut, aber für die Krone als Jahrgangsbester hatte es nicht gereicht.
Die holte sich Dietmar Pries. Na klar. Er war bestimmt locker und mit der für ihn typischen Weltverachtung durch die Prüfungen gegangen. Ihn hatte garantiert keine Erkältung umgeworfen.
Aber insgeheim musste ich zugeben, dass er unseren unerklärten Wettbewerb zu Recht gewonnen hatte. Er konnte vor allem dann glänzen, wenn die Problemstellung hinter einem inhaltlichen Zusammenhang verborgen lag und der logische, formale Kern erst in mühsamer Kleinarbeit freigelegt werden musste. In dieser Situation Wichtiges von Unwichtigem zu trennen war die eigentliche Kunst und hatte mich oft überfordert. Im Gegensatz zu Dietmar, der halt ein „echter“ Logiker und Mathematiker war. Deshalb gebührte ihm auch der Thron.
Trotzdem: Ihn nun da vorn zu sehen, respektvoll beäugt von der restlichen Studierendenschaft, enthusiastisch beglückwünscht vom Dekan, war bitter. Dietmar selbst schien sich nicht entscheiden zu können, ob er die Situation eher peinlich oder langweilig finden sollte. Er wirkte, als habe er Besseres zu tun als diesen Rummel über sich ergehen zu lassen.
Abends wurde ein großer Abschiedsball gefeiert. Im Gegensatz zu den sonstigen Studentenpartys sollte es diesmal eine geschlossene Gesellschaft werden. Nur die Absolventen der Fachbereiche E-Technik, Informatik, Wirtschaft und Sozialpädagogik sowie ihre Begleitungen waren eingeladen. Für alle anderen war die Tür verschlossen.
Der Ball fand auf dem Kirchberg statt, in der Aula der Pestalozzi-Schule. Das Gründerzeitgebäude war kürzlich renoviert worden und erstrahlte in neuem Glanz. Der weite Saal der Aula mit seinen hohen Sprossenfenstern, dem glänzenden Parkett und der stuckverzierten Decke, von der zwei prachtvolle goldene Kronleuchter herabhingen, gab dem feierlichen Anlass einen gebührenden Rahmen.
Viele hatten sich herausgeputzt. Die Männer trugen oft Anzug oder Smoking, die Frauen Tanz- oder Abendkleider. Trotzdem dröhnte meistens laute Rockmusik aus den Boxen, was nicht so recht zum Ambiente passen wollte. Zu späterer Stunde erklangen Walzermelodien, und auf dem Parkett begannen sich die Paare zu drehen. Abendkleider wallten, Smokings glänzten im Licht der Kronleuchter.
Ich fand es irgendwie peinlich. Gleichzeitig beeindruckte mich die Konsequenz der Tanzenden. Immerhin war dies ein „Ball“, da durfte klassischer Tanz nicht fehlen, mochte das auch noch so altbacken sein.
In einer Ecke des Saals standen René und ein paar andere zusammen und beobachteten ebenfalls misstrauisch das Geschehen. Sabine war unter ihnen, obwohl sie ihren Abschluss bereits seit einem Jahr in der Tasche hatte. Noch immer wohnten sie und Katja in dem alten Reihenhaus in der Gartenstadt, und es hätte mich nicht gewundert, wenn die beiden für immer dort geblieben wären. Aber mittlerweile stand fest, dass Katja gemeinsam mit René nach Rostock ziehen würde.
Ich selbst hatte endlich den Vertrag mit dem Frankfurter Consulting-Haus unterschrieben. Anfang nächsten Monats würde es losgehen. Meine Wohnung war bereits gekündigt, allerdings hatte ich noch nicht angefangen zu packen. Auch in dieser Sache würde ich mich wohl bis zur letzten Minute an das Alte klammern.
Jetzt war es vorbei mit der Walzermusik. Rock schallte wieder durch den Saal, die Gruppe um Sabine und René stürmte die Tanzfläche. Sie trugen alle ihre Alltagsklamotten, als sei dies ein normaler Abend, im Grünen Hund oder sonst wo. Nur Katja hatte für heute etwas einfallen lassen. Ihre halblangen Haare waren zu einem zerzausten Turm toupiert. Dazu trug sie ein langes, ärmelloses Abendkleid aus goldschimmernder Seide, in dem ihre kleine Gestalt formvollendet erschien.
Vorhin war ein Raunen durch die Menge gegangen, als sie den Saal betrat. Gespräche waren verstummt, zahlreiche Köpfe hatten sich zu ihr gedreht. Die Leute waren zur Seite getreten, hatten eine Gasse gebildet und verblüfft die elegante, exzentrische Schöne durchgelassen. Nur der rote Teppich hatte gefehlt.
Es schien, als wollte Katja das Bild zerstören, das alle Welt bislang von ihr hatte. Zurückhaltend, unscheinbar, ängstlich – damit sollte endgültig Schluss sein.
Wie um diesen Eindruck zu bestätigen folgte sie nun den anderen auf die Tanzfläche. Dabei hatte sie bisher noch nie getanzt. Anfangs bewegte sie sich tatsächlich etwas unbeholfen und steif. Nach einiger Zeit jedoch begann sie aufzutauen, ihre Bewegungen wurden natürlicher, ausdrucksvoller. Das goldene Kleid, das den Schein der Kronleuchter einfing, ließ ihre Gestalt regelrecht erstrahlen und die anderen Tänzer schattenhaft zurücktreten. Ich war mir sicher, dass in diesem Moment alles nur auf sie schaute. Sie war der Star auf dem Parkett.
Nun streckte sie den Arm aus, machte eine gespielt dramatische Bewegung, wie ein Filmstar, eine Diva. René ergreift ihre Hand, streicht sanft über ihren Arm, fasst sie um die Hüfte. Die beiden vollführen einige würdevolle, gemessene Schritte, als wollten sie ein Menuett tanzen. Sie sehen glücklich aus, sorglos, blicken voller Hoffnung in eine lichte Zukunft.
Ich tue nichts anderes mehr als Katja zu beobachten, Stunde um Stunde. Es ist, als wollte ich mich mit ihrem Anblick regelrecht vollsaugen, mir einen Vorrat anlegen, der für lange Zeit reichen muss. „Zu spät“, höre ich immer wieder eine innere Stimme flüstern. „Alles vorbei.“
Manchmal begrüße ich Leute, wechsle pflichtschuldig einige Worte mit ihnen. Ich spreche kurz mit Christoph und Rico, höre mir Doreens Pläne in Sachen Karriere an, wünsche Ferdinand und Anja, die sich vor einigen Tagen verlobt haben, alles Gute für die Zukunft.
Aber die meiste Zeit stehe ich allein in meiner Ecke und betrachte die Person im goldenen Kleid auf dem Parkett. Ich genieße den Schmerz, der sich wie eine giftige Substanz in mir ausbreitet und in der Magengrube festsetzt.
„Zu spät,“ ätzt die Stimme in mir. Und wieder ist da das brennende Gefühl, die eigene Zeit nicht genutzt zu haben, trotz aller Erfolge im Studium, des erstklassigen Diploms, der hervorragenden Berufsaussichten. Fachlich mag alles bestens sein, aber menschlich bin ich nur ein Schatten, ein Fleck, auf den kein Licht fällt.
Die Saalfenster sind mit Vorhängen aus schwarzem Samt verdeckt. Ich schiebe einen zur Seite und sehe, dass über dem Dach der Schlosskirche bereits ein rötlicher Schein liegt. Es sind die kürzesten Nächte des Jahres, der neue Tag hat es sehr eilig anzubrechen.
Hier drinnen achtet niemand darauf. Die Tanzfläche ist voll, auch in den Fluren vor der Aula sind überall Partygäste. Alle scheinen sich gegen das Ende der Feier stemmen zu wollen, denn alle wissen: Mit ihr wird die Zeit des Studiums endgültig vorbei sein.
„Zu spät…“ Es ist wie ein Vorwurf, eine Anklage. Aber was hätte ich Katja bieten können? Bestimmt kein Trekking durch die australische Wildnis, kein Tauchen in tropischen Korallenriffen. Nicht mal eine Kanu-Tour durch Mittelsachsen. Keinen Menuetttanz. Nichts, absolut nichts.
Im Saal wird es heller und heller. Selbst die schweren Vorhänge können den herandrängenden Tag nicht länger zurückhalten. Immer mehr Gäste kapitulieren jetzt und räumen das Feld. Der Saal leert sich. Auf dem Flur wird der Getränkestand abgebaut. Schließlich beschränkt sich das Geschehen auf wenige Hartnäckige, die die Tanzfläche nicht räumen wollen. René und Sabine harren dort aus, und auch Katja in ihrem Seidenkleid, mit ihrem Turm aus Haaren, bewegt sich noch zur Musik, gedankenverloren, wie in Trance.
Als ich wieder einen Blick aus dem Fenster werfe, sehe ich, wie der Wetterhahn der Schlosskirche in der aufgehenden Sonne zu leuchten beginnt. Dies soll mein letzter Eindruck des Festabends sein. Ich atme durch, stehe auf und gehe einfach davon. Niemand merkt es.
Ich radle durch die menschenleere Innenstadt. Als ich die Landstraße nach Kreuzthal erreiche, steht die Sonne bereits ziemlich hoch. Letzte Dunstschwaden steigen aus der Flussniederung auf und verschwinden im Blau des Himmels. Es sind noch keine Autos unterwegs an diesem Samstagmorgen, nichts stört das vielstimmige Vogelzwitschern, das die Luft erfüllt. Es ist so laut, dass es regelrecht in den Ohren schmerzt.





































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