Kapitel 13
Kael sah Liv nach als sie aus dem Raum stolzierte. Er starrte ihr lange nach. Lange noch nachdem sie gegangen war. Er fuhr sich mit einer Hand unbefriedigt über sein Gesicht, dann ließ er sich auf seinen Bürostuhl plumpsen.
Immer noch erregt und unbefriedigt.
In der anderen Hand hielt er seine Beute in der Hand. Das war jetzt seiner. Sie konnte vergessen den Slip wieder zu haben. Immer wenn er einsam war könnte er hierdurch ihren Geruch aufschnappen um sich zu entspannen.
Kael stöhnte frustriert auf. Er überlegte ob er sich schnell selbst streicheln sollte. Bis die Vereinigung mit seiner Gefährtin erfolgte, war dies sein einziges Mittel um zum Orgasmus zu kommen.
Als gebundener Lykae konnte er nicht mit anderen Frauen zusammen sein. Er wollte es auch gar nicht. Liv war alles was er noch wollte.
Kurz bevor er sich wieder ins hier und jetzt besinnen wollte,
spürte er eine Störung, noch bevor sie sich greifen ließ.
Es war ein dumpfes Ziehen tief im Brustkorb, das kein Irrtum war.
Er schnellte aus seinem Bürostuhl hoch. Raste aus der Tür gen Aufzug entgegen. Im Parkhaus angekommen flog er beinahe auf sein Auto zu.
Er jagte durch die Straßen, kurz davor die Stadt zu verlassen.
Der Wald begann dort, wo die Stadt aufgab. Wo Straßen schmaler wurden, Häuser seltener, Geräusche leiser. Kael parkte abseits, zog Jacke und Schuhe aus, ließ sie achtlos liegen. Entledigte sich seiner restlichen Klamotten.
Dann ließ er los.
Der Wechsel kam schnell und gewaltig. Knochen die knackten und die sich neu ordneten. Muskeln, die sich dehnten und verformten. Sinne, die explodierten. Sekunden später stand der Wolf da, groß, dunkel, Ein Alpha bis in die letzte Faser seines seins.
Er roch es sofort. Fremd. Kein Geruch den er erkannte. Nicht zu seinem Rudel gehörend. Einzelgänger!
Er folgte den Duft der Grenze entlang. Dieser fing an langsam zu verblassen. Kael knurrte laut auf. Was wollte er hier? Ein einzelner Einzelgänger war nahe genug an der Grenze zu seinem Territorium ohne des es einer seiner Wächter bemerkte.
Das hier war größer als ein einzelner Instinkt. Das hier betraf das Rudel.
Über den Mindlink setzte er eine Nachricht ab, die jeder aus seinem Rudel folgen würde.
Sammeln. Jetzt. Rudelhaus.
Er gab keine Erklärungen. Keine Diskussionen.
Die Antwort kam nicht in Worten, sondern in Präsenz. Jedes Mitglied folgte den Befehl seines Alphas.
Das Rudelhaus lag am Rand des Waldes, alt, massiv und geschützt durch mehr als nur Mauern. Durch alter Hexenkunst, durch mächtige Wiccae. Bevor er sich auf den Weg dorthin machte versuchte er weitere Spuren zu finden. Dieser Einzelne war nicht dumm. Er konnte Spuren verwischen.
Als Kael schließlich im Rudelhaus eintraf, war Asher bereits da. Sein Beta stand vor dem Tisch, die Arme verschränkt, der Blick wachsam. Mira saß auf der Lehne eines Stuhls, die Beine locker überschlagen, aber ihre Augen waren ernst.
Seine Schwester war wohl die einzige Wolfslose im ganzen Rudel. Dieser ist bei ihr nie erwacht. Dennoch liebte er sie über alles. Außer Liv war sie die einzige Blutsverwandte die er noch hatte. Und auch das sie Wolfslos war, war sie ein anerkanntes Mitglied des Rudels. Immer für andere da, immer präsent. Klug und einfallsreich.
Weitere Rudelmitglieder trafen ein. Still. Konzentriert.
„Was ist passiert?“, fragte Asher.
„Noch nichts“, antwortete Kael. „Und genau das ist das Problem.“
Ein leises Knurren ging durch den Raum.
„Ein Wilder?“, fragte Mira.
Kael nickte langsam. „An der Westgrenze. Ich habe ihn nicht gesehen. Aber gespürt. Es war wie ein ziehen im Brustkorb. Tief im Inneren.“
Asher fluchte leise. „Die kommen selten allein.“
„Eigentlich schon aber ich habe nur eine Duftspur aufgenommen.“
Kael stützte sich auf den Tisch. „Er hat unser Gebiet getestet, unsere Grenze ausgelotet und das so geschickt das keiner der Wächte ihn finden, sehen oder spüren konnte. Er hat keine direkte Spur hinterlassen, keine Markierung. Nur eine Duftnote die er mir hinterlassen hat. Das ist Absicht.“
„Warum hier?“, fragte jemand.
„Das kann man nicht mit bestimmtheit sagen“, sagte Mira ruhig. „Wenn er so geschickt ist, hätte es heute Nacht leicht zu Opfern kommen können. Das ist aber nicht passiert. Was also will er.“
Kael sah sie an. Sie hatte recht.
„Wir verdoppeln die Wachposten“, entschied er. „Keine Konfrontation. Noch nicht. Ich will wissen, was er sucht.“
„Oder wen“, murmelte Asher.
Ein kurzer Blick zwischen ihnen.
Kael sagte nichts. Aber im wurde gerade ganz flau im Magen.
In diesem Moment vibrierte sein Handy.
Ein Name auf dem Display, der den Wolf sofort aufmerksam machte.
Livia. Ein leichtes grinsen schlich sich auf seine Lippen.
Kael zögerte einen Herzschlag – nahm dann ab.
Er wollte sie gerade begrüßen:
„Hallo, mein Eng ….“
„Du bist einfach gegangen“, unterbrach sie Ihn ohne Begrüßung. Kael stutzte.
Ihre Stimme war kontrolliert. Was war hier los? Ihre Stimme klang fremd.
„Ich musste“, antwortete Kael ruhig.
„Natürlich“, sagte sie. Ein trockenes Lachen. „Musste. Und ich sitze hier und frage mich, ob du gerade… glücklich gemacht wirst.“
Asher hob eine Augenbraue. Mira grinste schief.
Kael drehte sich halb weg, er wollte jetzt keine Zuhörer. Verdammte Wolfsohren. Manchmal hörte man zu viel. „Livia-“ begann er.
„Ist da eine andere Frau?“, unterbrach sie ihn. „Oder mehrere?“ Was? Wie konnte sie sowas denken? „Kann ich wenigstens mein Höschen zurück haben?“
Stille im Raum.
Asher hustete. Mira biss sich auf die Lippe, um nicht zu lachen. Von irgendwo hörte er ein leises kichern und er merkte wie röte in sein Gesicht schlich, wie bei einen pupertirenden Teenager.
Kaels Wolf spannte sich – nicht vor Wut. Vor etwas anderem. Verlegenheit? Er wusste es nicht.
„Nein“, sagte Kael fest. „Es gibt keine andere.“ Wie kam sie nur auf einen Gedanken, nachdem was zwischen uns war.
Am anderen Ende der Leitung war es einen Moment still.
„Dann erklär mir, warum du einfach verschwunden bist“, sagte sie leiser.
Kael schloss kurz die Augen.
„Weil ich musste. Ich kann dir jetzt noch nicht sagen warum aber ich werde es dir bald erzählen“, sagte er. Versuchte sich zu rechtfertigen „Ach natürlich.“ Sie klang spöttelnd als ob sie ihm nicht glaubte.
„Ja. Wirklich!“
Wieder Stille.
„Du schuldest mir nichts“, sagte sie schließlich. „Ich weiß das. Aber hör auf, mich im Dunkeln stehen zu lassen.“
Das traf. Er schaute kurz wieder in die Runde zu seinem Rudel. Sah die Ausrücke auf deren Gesichtern. Sie versuchten unbeteiligt auszusehen, merkte jedoch das es ihnen nicht gelang.
„Ich melde mich“, sagte Kael. „Versprochen.“
Sie atmete hörbar aus. „Musst du nicht.“
Das Gespräch endete. Sie hatte einfach aufgelegt. Völlig verwirrt schaute er auf sein Handydysplay. Was war das eben?
Kael steckte das Handy weg und sah auf.
Asher grinste. „Deine Gefährtin ist… temperamentvoll.“
„Und sehr menschlich“, fügte Mira leise hinzu.
Kael nickte.
„Genau deshalb“, sagte er ruhig, „kommt der Wilde ihr nicht näher als einen Kilometer.“
Der Wolf in ihm erhob sich.
„Wir finden ihn“, entschied Kael. „Und wir sorgen dafür, dass er versteht, wo er sich verirrt hat.“
Denn dadurch das sein Rudel das Gespräch mit seiner Gefährtin mitbekommen hatte, wusste jetzt jeder das es ihn erwischt hatte.
Sie würden Liv beschützen, denn sie wussten das es jetzt eine Luna gab.
Das Rudel nickte geschlossen.
Draußen raschelte der Wald.
Und irgendwo darin
bewegte sich etwas,
das nicht hierhergehörte.






























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