Kapitel 14

Livia brachte den Tag hinter sich.

Irgendwie überstand sie die restlichen Arbeitsstunden.

Die Meetings mit Kael fielen zwar aus, dennoch arbeitete sie in Ihrem Büro weiter. Überprüfte Zahlen und Tabellen. Öfters klopfen einige von Kaels Mitarbeitern an Ihrer Tür. Sie sprach dann, wenn man etwas von ihr wollte, hörte zu, wenn es nötig war und traf auch Entscheidungen. Niemand bemerkte ihren inneren Aufruhr. Sie funktionierte einfach automatisch. Ließ nichts an sie heran. Versuchte sich zu fokussieren und nicht an Ihn.

Und doch war Kael überall. Sie seufzte innerlich.

In den Pausen dachte sie an seine Küsse. Zwischen den Sätzen mit Mitarbeitern fühlte sie seine Hand zwischen Ihren Schenkeln.

Es machte sie ganz verrückt.

Und dann war da immer wieder die Frage, die sich immer wieder aufdrängte:

Warum ist er einfach verschwunden?

Sie wusste, dass es Gründe geben musste. Kael Ardent tat nichts grundlos. Zumindest schätzte sie ihn so ein. Und trotzdem ließ es sie nicht los. Diese Lücke die er mit seiner Anwesenheit hinterlassen hatte. Dieses abrupte Wegsein. Als wäre etwas passiert, das größer war als sie – und vielleicht auch größer als alles, was sie kannte. Sie verstand es nicht.

Diese leere die nur er ausfüllen konnte. Und sie vermisste ihn ganz schrecklich. Wie konnte ihr Herz nur so sehr schmerzen. Sie kannte ihn noch nicht lange und dennoch fühlte sie das sie ihn zum Überleben brauchte. Das war so melodramatisch aber dennoch irgendwie wahr. Wie konnte es nur so eine Verbi Dung zwischen zwei Levewesen geben. Je mehr sie darüber nachdachte desto wirrer wurde sie.

Am Abend ging sie mit zwei Kollegen aus ihrer Firma essen. Sie musste sich ablenken und auf andere Gedanken kommen.

Sie gingen in ein kleines Restaurant, gut beleuchtet. Ein ruhiger Ort in dem sie Gespräche über Projekte, über Übergangsphasen, über Erwartungen führen konnten. Sie lächelte an den richtigen Stellen, stellte Fragen und nickte.

Aber sie hörte sich selbst wie aus der Distanz. Sie versuchte auf andere Gedanken zu kommen aber immer wieder drang Kael in ihr Bewußtsein.

Ihr Blick wanderte immer wieder zum Eingang, ohne dass sie es wollte. Einmal erschrak sie fast, als die Tür aufging – um dann festzustellen, dass es nicht Kael war.



Natürlich nicht.

Aber sie hatte es gehofft. Am ersten Abend war er bereits in dem Restaurant gewesen und hatte ihren Partner einfach vergrault. Wenn sie nochmal darüber nachdachte fand sie dies nun sogar irgendwie süß.

Als sie sich später entschuldigte und ins Hotel zurückkehrte, fühlte sich die Stille im Zimmer schwer an. Jetzt wollte sie einmal nicht diese leere spüren.

Sie stellte ihre Tasche ab, zog die Schuhe aus und setzte sich auf die Bettkante. Der Tag fiel von ihr ab – und ließ alles zurück, was sie verdrängt hatte. Oder besser nicht wirklich verdrängen konnte.

Kael.

Sein Blick.

Seine Zunge in Ihrem Mund und Hals.

Seine Finger in Ihr.

Sein plötzliches Verschwinden.

Sie ließ sich nach hinten auf das Bett fallen mit einem lauten Seufzer der Frustration.

Ihr Handy vibrierte.

Der Name ihres Chefs leuchtete auf dem Display.

Sie nahm ab.

„Wie läuft es?“, fragte er ohne Umschweife. Ruhig und Wachsam. So, wie er immer war.

„Gut“, antwortete sie automatisch. „Wir sind im Zeitplan.“

„Und inhaltlich?“

„Es ist eine Komplexe Angelegenheit, aber machbar. Auch wenn wir auf Hindernisse gestoßen sind.“ wie zum Beispiel das Fehlen des Chefs.

Eine kurze Pause.

„Livia“, sagte er dann. „Du klingst nicht wie jemand, der alles im Griff hat.“

Sie schloss kurz die Augen. „Es ist anstrengend. Das ist alles.“

„Nein“, entgegnete er ruhig. „Das kenne ich. Das hier ist etwas anderes.“

Er ließ ihr einen Moment. Dann: „Du bist unkonzentriert. Du weichst aus. Was ist los. Rede mit mir.“

Sie setzte sich gerader hin. „Es ist nur der Druck.“

„Wer ist es?“

Die Frage kam direkt.

Fast knurrend.

„Niemand“, sagte sie zu schnell.

Dann Stille.

„Du lügst“, stellte er fest. Nicht vorwurfsvoll. Aber er durchschaute sie. Das hatte er damals auch schon.

Livia atmete tief durch. „Es ist nichts, worüber ich sprechen möchte.“

„Ich mache mir Sorgen um dich“, sagte er. „Und das tue ich nicht ohne Grund. Ich weis wie es war als du vor mir standest und den Job wolltest.“

Sie spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. „Mir geht es gut.“

„Dann komme ich vorbei. Ich lasse nicht zu das dir etwas passiert. Ich will dich nicht nochmal so erleben wie bei unseren ersten Treffen



„, sagte er ruhig. „Ich komme so schnell wie möglich um mir die Probleme persönlichanzusehen.“

Sie fuhr hoch. „Das ist nicht nötig.“

„Du verhältst dich untypisch“, erwiderte er. „Und das tue ich nicht ab.“

„Bitte“, sagte sie leise. „Ich brauche nur etwas Zeit.“

Ein weiteres Schweigen.

„Ich glaube dir nicht“, sagte er schließlich. „Aber ich lasse dir diese Nacht. Auch weil ich dir vertrauen möchte.“

Er beendete das Gespräch mit einem Satz, der ihr schwer im Magen lag:

„Lauf nicht wieder weg, Livia.“

Als das Telefonat endete, hielt sie es nicht mehr aus.

Sie stand auf, ging im Zimmer auf und ab, blieb stehen, griff nach ihrem Handy – legte es wieder weg. Ihr Herz schlug zu schnell. Ihre Gedanken kreisten nur noch um einen Namen.

Kael. Sie musste die ganze Sache zwischen Ihnen regeln. Sie war unkonzentriert, verzweifelt. So machte man Fehler.

Sie rief ihn an.

Beim ersten Klingeln wollte sie auflegen. Beim zweiten atmete sie scharf ein bevor er schlussendlich abnahm.

Bevor er sie richtig begrüßen konnte unterbrach sie ihn plump.

Alles was sie sich zurechtgelegt hatte war wie weggefegt und etwas in ihr brach.

„Warum bist du gegangen?“, fragte sie, und ihre Stimme war nicht mehr ruhig. „Du kannst nicht einfach verschwinden …“

Am anderen Ende war nur sein Atem zu hören.

Das ganze Gespräch über ließ sie ihn kaum zu Wort kommen und sie musste sich selbst gegenüber eingestehen das ihr ganzes geführtes Gespräch von Eifersucht bestimmt wurde. Egal was er sagte, sie hörte ihm gar nicht richtig zu und tat alles was er sagte mit einem winken ab.

Sie beendete das Gespräch und legte einfach auf. Immernoch war sie wütend und verzweifelt und das nur wegen Ihm.

Und in diesem Moment wusste Livia,

dass sie zu tief in dieser Sache steckte.

 

 

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