Kapitel 22

Livia war allein im Penthouse.

Die Stille die hier herrschte war nicht deückend, sie war weich, warm fast tröstlich. Und es belastete sie nicht. Seit langer Zeit fühlte sich Liv wieder frei. Das Licht fiel gedämpft durch die großen Fenster, die Stadt lag unter ihr wie ein ruhiger Atemzug. Sie saß auf dem Sofa, barfuß, in eines von Kaels Hemden gehüllt, das noch seine Wärme trug. Immer wieder roch sie daran um sich seiner sicher zu sein. Um sich an Ihn zu erinnern und damit sie wusste das dieses Glück nicht verschwand.

Unwillkürlich begann ihr Kopf, Wege zu gehen, die sie sich sonst immer verboten hatte.

Wie es wäre, hier öfter aufzuwachen.

Nicht als irgendwas halbes, sondern als ganzes. Dauerhaftes. Und nicht als eine Art Ausnahme.

Sie stellte sich Morgen vor, an denen er schon wach war, Kaffee in der Hand. Der Frühstückstische schon gedeckt und wie er sie mit einen sanften lächeln in Besitz nahm. Abende, an denen sie hier ankam, ohne sich zu fragen, ob sie bleiben durfte. Wo sie gemeinsam ins Bett gingen, eng aneinander gekuschelt.

Eine wirrkliche Zukunft.

Der Gedanke erschreckte sie weniger, als sie erwartet hatte. Vielmehr nahm sie ihn mit offenen Armen entgegen.

Nach einer Weile griff sie nach ihrem Handy. Pflicht meldete sich. Und die Verantwortung die damit einherging. Sie wählte die Nummer ihrer Firma, bereit, ihrem Chef ein Update zu geben – sachlich, professionell. So, wie sie es immer tat. Und vielleicht über ihr aktuelles Verhältnis zum Chef, dass sie vielleicht nicht wieder kam. Schuldgefühle schlichen sich ein. Immerhin war sie wegen Ihm dort, wo sie jetzt war.

Es klingelte länger als sonst. Livia wirde schon leicht ungeduldig.

Dann meldete sich die Assistentin.

„Livia, gut, dass Sie anrufen“, sagte sie hörbar erleichtert. „Ihr Chef ist gerade nicht erreichbar.“

Livia richtete sich auf. „Nicht erreichbar?“

„Er ist unterwegs“, erklärte die Assistentin. „Um ehrlich zu sein: Man hat sich Sorgen gemacht. Sie haben sich heute freigenommen, und das ist… ungewöhnlich für Sie. Mr. Benett rief bei Ardent Globals an um sie zu sprechen und da erfuhren wir das sie 2 Tage nicht mehr dort waren.“

Livia spürte ein leises Ziehen im Magen.



„Ich wollte ihn nur über den aktuellen Stand informieren“, sagte sie ruhig. „Und darüber, dass es… icj vielleicht gehe ….“ brachte Liv zaghaft hervor.

Am anderen Ende der Leitung entstand eine kurze Pause.

„Ich werde es ihm ausrichten, wenn wir ihn erreichen.“, sagte die Assistentin schließlich. „Allerdings… er ist bereits auf dem Weg zu Ihnen. Dann können sie ihn das auch selbst sagen.“

„Zu mir?“, wiederholte Livia.

„Ja. Er wollte sich selbst davon überzeugen, dass es Ihnen gut geht.“

Das Gespräch endete höflich, aber Livia blieb mit einem Gefühl zurück, das sie nicht mochte.

Nervosität.

Sie hatte genau genommen nichts falsch gemacht. Außer sich den heißen CEO zu angeln. Aber während ihrer Verhandlungen war sie so wie immer gewesen. Sie war nicht unprofessionell. Sie wollte auch nicht vor ihren Chef schwach wirken.

Und schon gar nicht als jemand, der sich von einer Beziehung aus dem Gleichgewicht bringen ließ. Und das sie sich privat auf Kael eingelassen hatte, würde Kaden spätestens merken wenn er hier ankam.

Sie ging langsam durch das Penthouse, lief einige Runden im Kreis, um sich ihrer Gedanken klarer werden zu lassen, blieb aber schließlich vor der Fensterfront stehen und verschränkte die Arme locker vor der Brust.

Ich habe nichts falsch gemacht, sagte sie sich nocheinmal. Es gibt nichts zu bemängeln. Es war ja auch nicht ihre Schuld das Kael nicht da war, damit sie über die Zusammenarbeit reden konnten.

Und doch wünschte sie sich plötzlich, Kael wäre hier.

Als hätte er es gespürt, vibrierte ihr Handy.

Kael:

Ich schaffe es heute nicht mehr zurück. Es tut mir leid.

Ein kleiner Stich. Allerdings hielt er nur kurz an weil dann schon die nächste nächste Nachricht auf ihrem Handydysplay erschien.

Kael:

Am Wochenende ist unsere jährliche Weihnachtsfeier im Büro. Ich möchte, dass du mich begleitest. Offiziell.

Livia starrte auf das Display.

Ein Lächeln breitete sich aus, ungefiltert auf ihrem Gesicht auf. Der Druck der auf Ihrer Seele lastete, sowie ein weitere Teil ihrer Ungewissheit ließen weiter nach.

Offiziell.

Er wollte nichts halben zwischen ihnen und auch nichts verborgenes. Auch wenn Kael ihr immer wieder versichert hatte, dass sie ihm gehörte, blieb ein Restzweifel immer.



Sie schrieb zurück, ohne lange nachzudenken.

Livia:

Sehr gern.

Sie legte das Handy beiseite und lehnte die Stirn gegen die Scheibe. Hitze stieg ihr ins Gesicht und an der kühlen Scheibe wollte sie diese verdrängen.

Draußen begann die Stadt zu glitzern, Lichter flackerten auf, als hätte jemand Hoffnung eingeschaltet.

Was auch immer die nächsten Tage brachte, sie konnte alles mit seiner Hilfe, an seiner Seite überstehen.

Und allein der Gedanke daran ließ sie lächeln.

Doch dann kam ihr ein anderer Gedanke. Ihr eigenes Leben passte momentan in einen Koffer, der im Hotelzimmer stand. Sie hatte nur an praktische Geschäftskleidung gedacht.

Keine Kleider für eine Weihnachtsfeier.

Sie verzog leicht den Mund und schüttelte den Kopf. „Natürlich“, murmelte sie leise. Als hätte sie nicht genug Gründe, sich neu zu sortieren.

Eine firmeninterne Feier bei Ardent Global verlangte nach etwas anderem als einem nüchternen Hosenanzug oder einer Bluse die in einen Bleistiftrock steckte. Sie musste sich eingestehen, dass sie nichts dabei hatte, das dem gerecht wurde.

Der Gedanke machte sie irgendwie nervös. Liv wollte neben Kael bestehen.

Dann muss ich wohl einkaufen gehen, seufzte sie ergeben.

Und sie freute sich auch schon darauf.

Es füühlte sich an, als würde sie einen Platz einnehmen,

der ihr vielleicht längst zustand. Den Platz an Kaels Seite.

Heute war Donnerstag, am Samstag fand die Feier statt. Sie hatte also morgen noch dem ganzen Tag Zeit um ein geeignetes Outfit zu besorgen. Mit diesen Gedanken ging sie zurück ins Schlafzimmer.

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