Ascardia-Kapitel 20
~Ascardia~
Zwischen diesen beiden Tieren durch den Flur geführt zu werden, fühlte sich seltsam an. Ihre Magie umgab mich wie ein warmer Umhang.
Wir kreuzten nicht viele anderen Bewohner, doch diese wurden blass und erstarrten mit weit aufgerissenen Augen. Es gab keine andere Reaktion. Ich verstand nur nicht wieso. Waren Cayden und Ayden wirklich so furchteinflößend? In ihrer menschlichen Gestalt hatten sie etwas Einschüchterndes, doch als Tiere waren sie einfach unglaublich flauschig und kuschelig.
Allerdings konnte ich auch das Knistern nicht leugnen, das sich zwischen uns ausbreitete und sanft meine Haut küsste.
Ich lief, während ich den Drang unterdrückte, mich in das weiche Fell zu kuscheln.
Es hatte mich überrascht, dass der Tiger wirklich Cayden war, doch ich hätte es ahnen müssen. Werwölfe besaßen immerhin auch eine Wolfsform. Nur weil ich keine besaß, hießt das nicht, dass andere Wesen nicht auch tierische Gestalt annehmen konnten.
Als wir uns einem Raum näherten, der mir nicht bekannt war, spürte ich ein seltsames Gefühl. Als würde unter der Tür eine Art dunkler, schleimiger Schatten hervorkommen.
Ich schauderte, zwang mich aber dazu, weiter zu gehen.
Ein anderer Fürst war hier. Er stand mit Cayden auf einer Stufe und er musste ihn begrüßen.
Ich verstand das warum nicht, doch Cayden hatte mir klargemacht, dass er auch mich sehen wollte und ich einen guten Eindruck machen sollte.
Keine Ahnung, wie ich das tun sollte, doch ich würde Cayden nicht enttäuschen. Ich verdankte ihm sehr viel.
Als wir der Tür näher kamen wurde mir klar, dass wir genau diesen Raum betreten würden.
Ich krallte meine Finger zitternd in Caydens weißes Fell. Er blieb plötzlich stehen. //Was ist?//, fragte er, als hätte er diese kleine Geste verstanden.
»Es fühlt sich … schleimig an«, erklärte ich, wusste ich doch nicht, wie ich es anders beschreiben sollte.
Ich spürte die Magie, die hinter diesem Raum verborgen lag. Nichts im Vergleich zu Caydens frostiger Kälte oder Aydens feuriger Wärme. Diese Magie klebte. Fühlte sich an als würde ich mich einem Spinnennetz nähern, das versuchte, mich zu fangen.
Plötzlich nahm mich eine kühle Briese ein. Sie streifte meine Sinne, drang mir in die Nase und legte sich auf meine Haut. Das Gefühl der Spinnenweben wurde weggewaschen und zurück blieb ein schützender Kokon, der dafür sorgte, dass ich mich ohne Probleme der Tür nähern konnte.
Die schwarze Magie wabberte um mich herum und als die Tür geöffnet wurde, drang mehr davon hervor, doch die kühle Brise schützte mich.
Ich spürte, wie Ayden ein Knurren von sich gab, bevor ich das Gefühl hatte, seine Hitze drängte die fremde Magie zurück.
Ich schluckte, hielt aber mein Kinn erhoben, wie Cayden es mir gesagt hatte.
Kälte breitete sich im Raum aus, die auch noch das letzte bisschen Magie darin verschlang, sodass nur noch angenehmes Kribbeln in der Luft lag.
Ich entspannte mich immer mehr, auch wenn ich den Mann, der im Raum stand, nicht ignorieren konnte. Seine dunkelgrünen Haare und die tiefgrünen Augen hatten etwas Mysteriöses, aber auch Gruseliges.
Er starrte uns mit weit aufgerissenen Augen an und ich glaubte, ein leichtes Zittern zu sehen.
Die Frauen, die ihn umgaben, alle wunderschön, erstarrten, wie auch alle anderen, denen wir begegnet waren.
»Unglaublich«, keuchte der Fürst.
Cayden blieb stehen und Magie flirrte um ihn herum. Fast, als würde sie mich küssen, streifte sie über meine Wange. Nur Sekunden später stand Cayden in seiner wehenden Robe neben mir.
»Fürst Dorne. Was führt Euch hierher?«, fragte er, als wäre nichts gewesen. Seine Stimme schneidend wie immer. Vielleicht sogar ein wenig zu schneidend.
Cayden griff meine Hand und führte mich weiter zu einem großen Stuhl.
»Es gab das Gerücht, Ihr hättet Euch für eine Frau entschieden«, gab der Fürst von sich, der sich einmal kurz räusperte. »Ich wollte sehen, ob es stimmt.«
»Wie du siehst, stimmt es«, erwiderte Cayden, der sich elegant auf seinem Stuhl niederließ. Die große Lehne faszinierte mich, doch bevor ich mich richtig darauf konzentrieren konnte, zog er mich plötzlich auf seinen Schoß.
Ich schnappte überrascht nach Luft, konnte mich aber nicht wieder erheben, denn Caydens Arm legte sich um meinen Bauch und hielt mich fest an seine Brust gedrückt.
Ayden schritt langsam durch den Raum, wobei seine Krallen ein leises Klacken hinterließen, das die Stille im Raum durchbrach.
Schließlich ließ er sich neben Caydens Stuhl nieder.
Dabei war ich mir immer der Blicke des Fürsten bewusst. Noch immer war darin Ungläubigkeit zu sehen, die ich nicht verstand.
»Das … kommt überraschend«, bemerkte der Fürst.
Cayden reagierte nicht einmal. Sein Herzschlag war ruhig und sein Atem ging gleichmäßig. »Das das alles, warum Ihr mich stört, Fürst Dorne?«, fragte Cayden.
Die Augen des Fürsten huschten zu Ayden und er räusperte sich leise. »Würdet Ihr bitte Eure menschliche Gestalt annehmen? Meine Begleiter tragen sonst Schäden davon«, bemerkte er, wobei ich nicht das Gefühl hatte, er würde Ayden wirklich bitten. Es klang eher wie ein versteckter Befehl.
Ayden stieß ein Knurren aus, doch Cayden nickte ihm zu.
Sein Körper verformte sich so schnell, dass ich es kaum bemerkte. Er wandelte sich einfach von einem großen Panther zu dem Ayden, den ich so gut kannte.
In einer Geste fuhr er sich durch die Haare und blickte mürrisch zu Fürst Dorne. »Warum habt Ihr überhaupt so viele Menschen mitgebracht?«, fragte er. Nur durch diese Frage richtete ich meine Aufmerksamkeit zu den Frauen, die Fürst Dorne umgaben.
Fürst Dorne räusperte sich, bevor er schnippte.
Die Frauen knicksten sofort alle, als hätten sie sich aus ihrer Starre endlich wieder erholt.
Warum reagierten alle so auf die Tiergestalten? Bei Werwölfen war das doch normal. Zumindest diejenigen unter ihnen, die Werwölfe waren, sollten damit klarkommen.
»Ich dachte, ich biete Euch einige meiner besten Errungenschaften an, wenn Ihr Euch jetzt wieder für Frauen interessiert«, sagte er, was dazu führte, dass Caydens Arm um meinen Bauch mich fester an sich zog.
»Kein Interesse«, schmetterte Cayden ab, ohne eine Gefühlsregung.
»Wollt Ihr sie Euch nicht wenigstens ansehen?«, fragte der Fürst vorsichtig.
»Nein. Wenn Ihr nichts Wichtiges habt: Ihr verschwendet meine Zeit.«
Cayden war wirklich extrem direkt. War es in Ordnung, den Fürsten so anzusprechen? Wenn zwei Alphas so miteinander sprachen, dauerte es nicht lange, bevor es krachte.
Der Fürst ließ sich davon jedoch nicht beirren.
»Nun. Ich bin auch gekommen, um ein anderes Gerücht zu bestätigen«, sagte er, wobei seine grünen Augen von mir zu Cayden wanderten.
Dieser lehnte fast gelangweilt da, während er mich hielt.
»Sprich«, befahl er.
»Es gibt das Gerücht, dass das Wasserlicht frei gekommen ist«, sagte Fürst Dorne direkt.
Ich spürte, dass sich Cayden verspannte. Genau wie ich.
Das Wasserlicht. Die Erinnerungen daran ließen mein Blut in den Adern gefrieren und die Angst schnürte mir den Atem ab. Es war frei?
»Ich habe das Wasserlicht in mich aufgenommen«, erwiderte Cayden kalt.
»Das ist unmöglich!«, rief Fürst Dorne, der mittlerweile nicht mehr so ruhig wirkte. Eher, als hätte er hier nicht das bekommen, das er wollte.
»Ich habe es vollständig unter Kontrolle. Es gibt keinen Grund zur Sorgen.«
»Das ist unmöglich! Kein Fae kann dem Wasserlicht widerstehen. Es ist unser natürlicher Feind«, rief er aufgebracht.
Ich konnte ihm nicht wirklich folgen. Das Wasserlicht war so gefährlich?
Dass es gegen mich gewann war klar, doch gegen Cayden hatte es keine Chance gehabt, oder?
»War es das jetzt?«, fragte Cayden, der anscheinend ungeduldig wurde. »Dann geht jetzt.«
»Aber …«, setzte der Fürst an, als sich Ayden bewegte.
»Ihr habt es gehört. Solange Ihr Euch auf unserem Grund befindet, müsst Ihr unseren Regeln folgen. Also geht«, knurrte er, wobei sich schwarzes Fell über seinen Körper zog.
Der Fürst, der sich zur Begrüßung nicht gerührt hatte, verneigte sich nun schnell. »Bitte verzeiht die Störung«, murmelte er, schnippte mit den Fingern und schwebte dann aus dem Raum. Gefolgt von seinen Frauen, die alle etwas irritiert aussahen. Als hätte man ihnen etwas anderes versprochen.
»Was hat er sich nur dabei gedacht«, murmelte Cayden, wobei ich seinen kühlen Atem an meinem Hals spürte.
»Ich frage mich eher, woher er weiß, was hier passiert ist«, bemerkte Ayden, der zu Cayden zurückgekehrt war.
Dass ich noch immer auf seinem Schoß saß und an seiner Brust gelehnt war, störte anscheinend niemanden.



































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