Ascardia-Kapitel 42
~Ayden~
Wieso hatte ich mich nur dazu überreden lassen?
Leise schob ich Ascardia in Caydens Zimmer. Er lag km Bett und rührte sich nicht. Dabei hatte ein Betreten seiner Privatsphäre immer sofort einen frostigen Empfang zur Folge.
Das war auch der Moment, in dem ich bemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte.
Und weil ich Ascardias Sorge teilte, war sie jetzt mit mir hier. Auch, wenn wie beide nicht viel machen konnten.
Als ich sie zum Bett fuhr, streckte sie sofort ihre Arme aus. »Cayden«, hauchte sie und griff mach seiner Hand, die auf der Bettdecke lag.
In meinem Hals bildete sich ein Klos, als ich sie leichten, magischen Blitze bemerkte, die zwischen ihnen funkten. War es das, was Cayden gemeint hatte?
Ich blickte an die Stelle, an der sich ihre Haut berührte. Es war nicht sonderlich deutlich, doch unter ihrer Haut bewegte sich Schwärze. Durchzuckt mit blauen Blitzen.
Mein Blick wanderte zu Ascardia, deren Augen sich mit Tränen füllten. »Das ist alles meine Schuld«, flüsterte sie, wobei ihre Stimme brach.
»Quatsch«, fuhr ich sie an. »Fürst Dorne ist Schuld daran«, knurrte ich. Sie sollte auf gar keinen Fall in diesen Gedanken versinken. Außerdem war das hier keine Frage der Schuld!
Ascardia schüttelte den Kopf. »Ich bin schon Schuld daran, dass das Wasserlicht entkommen ist und hätte ich nicht in den Garten gewollt …«, setzte sie an, doch ich unterbrach sie harsch.
»Es ist nichts falsch daran, nach dem Tanzen an die frische Luft zu wollen. Es ist Fürst Dornes Schuld weil er das Schattenlicht nicht richtig versiegelt hat.«
»Was, wenn ich das Siegel gebrochen habe?«, fragte sie und sprach damit das aus, was ich bereits mit Cayden erörtert hatte. Nur würde ich das ihr gegenüber auf gar keinen Fall erwähnen.
Ich setzte mein bestes Grinsen auf und mischte es mit einer Spur Überlegenheit. »Du bist eine Omega. Du glaubst doch nicht, dass du das Siegel eines Fae-Fürsten lösen kannst.« Es war gemein und nicht ganz die Wahrheit, doch es würde sie hoffentlich von diesem dummen Gedanken abbringen.
Vielleicht war sie in der Lage, das Siegel zu brechen, doch sie hatte es nicht mit Absicht getan und Cayden war nicht in diesem Zustand, weil sie es so wollte. Er hatte es selbst so entschieden!
Ich war mit seiner Entscheidung nicht einverstanden, konnte sie aber nachvollziehen. Außerdem hatte er Ascardias Wohlbefinden mir überlassen.
Etwas in mir fürchtete sich davor, dass er vielleicht einfach aufgegeben hatte. Er war so viel älter als ich, dass ich mir das gut vorstellen konnte. Aber musste das gerade jetzt sein? Hatte er durch Ascardia nicht wenigstens ein bisschen Freude gefunden?
Das alles ging mir durch den Kopf, als schwarze Funken um sich schlugen. Ich riss meine Augen auf und zog sofort Ascardias Hand weg.
»Was?«, fragte sie völlig irritiert, während mein Herz vor Aufregung klopfte. Was für eine Art Magie war das gewesen?
»Geht es dir gut?«, fragte ich sofort, denn das Pulsieren unter ihrer blassen Haut war stärker geworden. Ich erkannte die schwarzen Adern sehr deutlich.
»Ja«, erwiderte Ascardia, als hätte sie die Frage gar nicht verstanden.
Ich musterte sie jedoch sehr genau. Sie war blasser geworden und ich hatte gesehen, wie ihre Kraft zu Cayden geschwappt war. Aber von ihm waren auch Blitze zu ihr geschossen.
Was war da passiert?
»Sicher?«, fragte ich und fuhr mit meiner Hand über ihre Wange. Ihre Haut war ein bisschen rau, aber sonst normal.
»Ja, mir geht es wirklich gut«, sagte sie. Es erleichterte mich nur bedingt.
Mein Blick wanderte zu Cayden, der noch immer recht unbeweglich im Bett lag.
»Das reicht für heute«, sagte ich entschieden und schob ihren Rollstuhl von seinem Bett.
»Nein«, rief Ascardia und fiel fast aus dem Stuhl, als sie nach Ayden greifen wollte.
Sofort legte ich meine Macht um sie und hielt sie fest, bevor ich sie zurückdrückte. Dabei bemerkte ich einen überraschenden Widerstand, der da eigentlich nicht sein sollte. Als würde sie sich gegen meine Magie wehren. Doch das sollte nicht möglich sein.
»Cayden«, keuchte Ascardia, während sie sich gegen meinen magischen Griff stemmte.
»Ich sagte, das reicht.« Mit diesen Worten fuhr ich ihren Rollstuhl zur Tür und erst, als wir den Raum verlassen hatten, löste ich meine magischen Fesseln.
Sofort verschränkte Ascardia die Arme. Die einzige Möglichkeit, die sie hatte, um ihre Verärgerung zum Ausdruck zu bringen.
»Morgen wieder«, versprach ich, denn ich wusste, dass sie mich nicht in Ruhe lassen würde. Außerdem konnte ich es zulassen, solange nichts Schlimmes passierte.
Während ich sie zurückfuhr, starrte Ascardia die ganze Zeit zu Boden und sagte kein Wort.
Das war schlimmer als ihr Meckern. Es machte mich nervös, weshalb ich vor ihrer Tür anhielt. »Was ist?«, fragte ich, denn so ruhig kannte ich sie gar nicht. Nicht mehr, seitdem sie sich hier eingelebt hatte und wenn ich ehrlich war, fehlte es mir schnell, wenn sie nicht sie selbst war. Weshalb ich auch froh war, dass sie überlebt hatte.
»Ich … kann meine Zehen bewegen«, bemerkte Ascardia völlig unaufgeregt, weshalb ich ihr nicht sofort folgen konnte.
»Was?«, fragte ich und lief um den Stuhl herum.
Dann sah ich es. Sie hob und senkte ihre Zehen, auch wenn sich ihre restlichen Beine noch nicht wieder bewegten.
Ich blinzelte. »Issabella hat nichts Dergleichen gesagt«, bemerkte ich, denn diese war mit ihren Übungen vertraut.
Jeden morgen massierte sie Ascardias Beine und bewegte sie, damit die Muskeln nicht komplett abbauten. Bis jetzt hatte es jedoch nichts gebracht.
»Heute morgen war das auch noch nicht und meine Kopfschmerzen sind auch weg«, bemerkte Ascardia mit einem Lächeln.
Ich kniff meine Augen zusammen. Für einen Moment glaubte ich, dass sie mich anlog, damit sie mehr Zeit mit Cayden verbringen konnte, doch nichts an ihr wies darauf hin. Dabei war ich sonst immer in der Lage, jegliche Lüge zu durchschauen.
Ich hockte mich vor Ascardia und nahm sanft ihre Füße in meine Hände. Dann fuhr ich mit meinem Finger über ihre Sohle. »Fühlst du das?«, fragte ich, als sie leicht erschauderte. Bis jetzt hatte sie nicht einmal Gefühl darin gehabt.
»Ja«, hauchte sie selbst überrascht, bevor sie ein breites Lächeln aufsetzte. Es löste Erleichterung in mir aus.
»Denkst du … es könnte an Caydens Nähe liegen?«, fragte sie zögerlich, fast ängstlich.
»Möglich. Lass uns das beobachten. Aber nicht übertreiben.«









































Kommentare