29 Auszug aus Liliths Notizbuch 05.01.04-I-II

Auszug aus Liliths Notizbuch 05.01.04-I-II

Was für ein Tag/ Nacht. Ich bin fertig, aber diese Nacht hat sich echt gelohnt und dass in mehrerer Hinsicht.

Alles begann damit, dass Vater aus der Leere zurückkam. Ich hatte mich vorbereitet, um mein Handeln vor ihm zu rechtfertigen, doch das Gespräch verlief ganz anders. Das lag zum einen daran, dass Vater kaum Zeit hatte, da er noch viel zu erledigen hatte. Zum anderen kam ich nicht dazu, zu beweisen,  was ich alles bedacht habe. Aber im zweiten Gespräch gelang es mir, aber dazwischen sollte noch einiges passieren.  Vater sah in meinem Handeln nichts,  was seine Pläne beeinträchtigt und sprach mir zu, dass ich zu denken weiß.  Allerdings wollte er mir meinen “Abschluss” für Leitung und Intrige nicht verleihen. Er sagte zudem: “Der Tag, an dem du nicht mehr von mir lernen wirst, ist der Tag, an dem ich zum Ewigen Drachen gehe.” Mit anderen Worten,  der Tag, an dem er stirbt. Ich sagte, dass ich hoffe, dass dieser Tag noch weit, weit weg wäre. Es war keine große Anerkennung, doch glaube ich, dass Vater doch etwas stolz ist – auch wenn er es nicht offen zeigt. Nun ja, unser Gespräch endete erstmal, weil Vater wichtiges zu organisieren hatte – die Hilfe für Acedocha. Er rief nach dem Hauptmann der 8. Kompan der 10. Legion und fragte diesen, wann er ausrücken könne. Ich hatte die Kompanie bereits in Bereitschaft versetzt und so konnte der Hauptmann ihm sagen, dass sie bereit seien. Er erhielt letzte Instruktionen, z. B. die Order, sich offen zu zeigen und direkte Hilfe zu leisten, um die 5. Legion zu unterstützen und zu beschützen. Ein kleiner Trupp war bereits auf meinen Befehl hin ausgerückt, doch der gesamte Trupp musste auf Balthasars Befehl warten. Der Hauptmann ging und rückte mit seiner Kompanie aus. Ich bete für ihre sichere Heimkehr.

 

Doch auch jetzt hatte Vater noch keine Zeit, meinem Vortrag zu lauschen, denn eine weitere Inszenierung Balthasars war im Begriff umgesetzt zu werden – ein weiterer Auftritt von Aknara; zusammen machten wir uns auf den Weg. Aknara wusste nicht, dass wir in der Nähe waren, doch beobachteten wir ihre Schritte und waren bereit einzugreifen, falls es notwendig würde. Aknara betete ein Gebet, bevor sie ihr Lied anstimmte und durch die Straßen ging. Engel, die das Lied hörten, kamen aus den Häusern und folgten ihr im Sicherheitsabstand.  Das Lied, wunderschön und voller Sehnsucht, verfehlte seine Wirkung nicht und zog viele Engel an (mir trieb es Tränen in die Augen). Als das Lied endete, stand Aknara an einer Kapelle des Ewigen und drehte sich zu der Menge um. Sie begrüßte die Leute und machte mit einem Zauber Lichtpunkte in die Luft. Ein “Oh, ihr seid aber viele!” rutschte ihr raus,  ehe sie sich fing und der Menge erzählte,  dass sie eine Geschichte für sie hätte. Diese Geschichte war eine Version der Anfangsgeschichte und sie erzählte diese nicht einfach,  sondern besang diese in einem Lied. Danach fragte sie, ob ein bestimmter Junge anwesend wäre und überreichte diesem ein Geschenk – ein Kristall, der den Lichtzauber beinhaltet, den sie eben gewirkt hatte. Dieser Junge war das Kind, welches Aknara den Alic mit dem Bild vom Dies Lucis hatte zukommen lassen und Aknara revanchierte sich mit dem Kristall dafür. Zum Abschied sang Aknara noch unser Schlaflied der Dämonen. Sie umarmte den Jungen und schickte ihn zu seinen Eltern, die geduldig, aber auch ängstlich gewartet haben. Aknara bemerkte den Priester,  der an der Kapelle stand und etwas unerfreut dreinschaute, denn schließlich war es bereits spät und die Zeit der Ruhe längst angebrochen. “Ich kenne den Blick. Das letzte Mal musste ich daraufhin Strafarbeit leisten”, meinte Aknara und schlug dem Priester vor, die Versammlung für ein Gebet zu nutzen. Sie machte zudem den Vorschlag, dass man für die Truppen auf Acedocha beten sollte und ihre sichere Heimkehr. Der Priester war sehr angetan von der Idee und machte daraus eine spontane Kurzmesse. Als alle Engel im Gebet waren, nutzte Aknara den Moment, um sich aus dem Staub zu machen. Sie lief mir in die Arme,  total erschöpft suchte sie Halt in meinen Armen.  Ich sagte ihr, dass sie das sehr gut gemacht habe und strich ihr liebevoll über den Kopf. “Was macht ihr hier?”, fragte Aknara, die gedacht hatte, dass sie auf sich allein gestellt gewesen wäre. “Wir wachen über dich. Nicht, dass du es nötig gehabt hättest oder wir dir nicht vertrauen. Wir trauen nur noch nicht den Engeln”, war meine Antwort. Sie grinste – müde, aber zufrieden. Wir nahmen sie mit nach Hause und brachten sie zu Bett. Sie hatte ihre Aufgabe großartig bewältigt und das sagte ich ihr auch offen. Ich gab ihr einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn und sagte ihr, dass ich sehr stolz auf sie sei. Sie grinste voller Freude und schlief mit einem Lächeln schnell ein – sie war einfach erschöpft.



 

Zurück im Büro redete ich mit Vater über den Abend, mein Handeln und unsere weiteren Pläne für die Zukunft.  Ich fragte ihn unter anderem, wo er gedenkt, mich einzusetzen, schließlich könnte ich die 9. Legion wieder anführen,  wenn es nötig wäre. Die Idee gefiel ihm,  doch ich zeigte ihm auch die Fallstricke dieses Planes. Denn schließlich bin ich seine Tochter und gemeinsam ersonnen wir den Plan, dass Liriel zurückkehren sollte. Die Legionen werden denken, dass man mich zurückgeholt habe, um mit meinem Licht in diesen unruhigen Zeiten zu führen und zu beschützen. Niemand außerhalb meiner Familie weiß,  dass Liriel und Lilith ein und dieselbe Person sind.  Ich werde wohl oder übel die Legion wieder wechseln und meinen Stellvertreterposten vorerst aufgeben, auch wenn es mir widerstrebt, meine Kinder wieder zu verlassen. Doch Balthasar hat Recht, Gabriel braucht dringend Hilfe. Zur Zeit ist er nicht nur Führer der Kirche,  sondern auch Kommandant der 9. Legion.  Gabriel macht das zwar gut,  doch er ist überarbeitet und braucht Unterstützung. Dass Vater mir diese Rolle zutraut, gibt mir Mut und macht mich stolz, denn schließlich wird das ein Seilakt, in dem ich alles verlieren kann, sollte mir auch nur der kleinste Fehler passieren. Ich muss mich offiziell von der 10. Legion und Balthasar distanzieren und glaubwürdig allen weiß machen, dass ich erstens Balthasar noch misstrauisch gegenüber bin, aber zweitens gleichzeitig sage, dass ich ihm und der 10. Legion eine Chance geben werde, sich zu beweisen. Beim Ewigen! Das wird hart! Aber ich kann das schaffen! Wenn Vater mir das zutraut und mich einfach machen lässt, dann bin ich die Letzte, die zweifeln sollte. Ich werde sein Vertrauen in mich gerecht werden.  Aber jetzt genug für heute.  Ich bin müde, zudem muss ich morgen vor meiner Abreise einiges organisieren und vorbereiten.

 

Lilith alias Liriel

 

Ps.: Was Aknaras Lieder betrifft, so werden diese bald als Album in der Zeitung erscheinen. Bis dahin sind hier schon mal die Texte:

 

Dies Lucis

[Refrain]
Licht in unser Herz, hell und rein,
fließt von Hand zu Hand, von Sein zu Sein.
Sternenglanz und Himmelsschein,




Dies lucis, wir leuchten heim.

[Strophe]
Eine Flamme, klein und klar,
trägt den Frieden, wunderbar.
Jeder Funke, der hier brennt,
zeigt, was uns voneinander trennt.

 

[Strophe]

Flamme wandert, Herz wird weit,
teilt sich warm in Dunkelheit.
Dämon und Engel, Hand in Hand,
Vergessen, was uns einst verband.

 

[Refrain]
Licht in unser Herz, hell und rein,
fließt von Hand zu Hand, von Sein zu Sein.
Sternenglanz und Himmelsschein,
Dies lucis, wir leuchten heim.

 

[Strophe]
Eine Flamme, klein und klar,
trägt den Frieden, wunderbar.
Jeder Funke, der hier brennt,
zeigt, was uns voneinander trennt.

 

[Strophe]
Flamme wandert, Herz wird weit,
teilt sich warm in Dunkelheit.
Dämon und Engel, Hand in Hand,
Vergessen, was uns einst verband.

 

[Refrain]
Licht in unser Herz, hell und rein,
fließt von Hand zu Hand, von Sein zu Sein.
Sternenglanz und Himmelsschein,
Dies lucis, wir leuchten heim.

 

Spaziergang
[Verse 1]

Wenn wir spät Nachts durch die Straßen zieh‘n
Können wir die Spur‘n der Engel des Tag‘s seh’n
Oft genug erfüllen uns dann Trauer und Neid
Was ihr Tags habt, verliert sich in der Nacht Kleid
So lad ich euch ein, geht mit mir durch diese Nacht
Vielleicht wisst ihr dann, was uns‘re Trauer entfacht

 

[Chorus]

Die Stadt ist leer, so auch mein Herz
Sie ist still, bereitet mir Schmerz
Nur einmal noch möcht ich erleben
Wie es denn ist, sich dem Trubel zu ergeben…

 

[Verse 2]

Siehst du die Bank dort, die an der Ecke steht?
Wie viele Paare hat sie wohl schon erlebt?
Sie saßen dort, haben zusammen gelacht
Und über schöne alte Zeiten nachgedacht
Den Abend geplant, sich auf das neue Buch gefreut
Doch seit ich Dämon bin, die Gemeinschaft mich scheut

 

[Chorus]

Die Stadt ist leer, so auch mein Herz
Sie ist still, bereitet mir Schmerz
Nur einmal noch möcht ich erleben
Wie es denn ist, sich dem Trubel zu ergeben…

 

[Verse 3]

Schau auf das Cafe, heut gibt’s keinen Tee für mich
Auch wenn offen wär: Wer lässt mich an seinen Tisch?
Der Laden dort hat ein wunderschönes Kleid
Doch auch hier gilt: Niemand nimmt sich für mich Zeit




Schau doch selbst, wie du mit mir durch die Straßen gehst:
Nimmst nie meine Hand, weil deine vor Misstrauen bebt.

 

[Chorus]

Die Stadt ist leer, so auch mein Herz
Sie ist still, bereitet mir Schmerz
Nur einmal noch möcht ich erleben
Wie es denn ist, sich dem Trubel zu ergeben…

 

Eine Geschichte

[Verse 1]

Ein Gedicht im Eise für die Ewigkeit,
Im Tempel an der Wand – seit Anbeginn der Zeit.
Eine Geschichte, die heut keiner mehr versteht –
Einen Hinweis geb‘ ich euch, worum es hier geht!

 

[Chorus]

Kommt zu mir Kinder und Eltern, hört mir gut zu!
Eine Geschichte gibt‘s, dann geht’s zur Nachtruh!
Eine Legende, in der Zeit Lauf fast verlor‘n
Doch heute Nacht, in euch wird sie neu gebor‘n

 

[Verse 2]

Ein Kind und ein Gott, im Schnee sie gespielt –
Engel sie schufen – der dann das Leben erhielt.
Aus Licht und Eis haben die beiden sie gemacht,
Der Feind griff, an manch Engel fiel in der Nacht!

 

[Verse 3]

Der Junge, er sah, nachts kann kein Licht sein,
In die Schöpfung des Drachen griff er d‘rum ein
Ersann den Schatten, der kämpft in Finsternis –
So ward der Engel Heer dem Feind ein Hindernis

 

[Chorus]

Kommt zu mir Kinder und Eltern, hört mir gut zu!
Eine Geschichte gibt es, dann geht’s zur Nachtruh!
Eine Legende, in der Zeit Lauf fast verlor‘n
Doch heute Nacht, in euch, da wird sie neu gebor‘n

 

[Verse 4]

Der Kampf fand ein Ende, kaum ein Engel noch stand.
Neun kehrten zurück in das Ursprungsland.
Der Rest zog hinaus, um zu schützen das Sein,
Geheim neun Engel wachten über neues Heim

 

[Verse 5]

Gespalten die Engel, der Schatten war allein.
Gemeinsam bauten Licht und Eis ein neues Heim.
Der Schatten zieht aus, auf seine Wacht er nun geht,
An der Leere Rand als Wächter er heute steht.

 

[Chorus]

Kommt zu mir Kinder und Eltern, hört mir gut zu!
Eine Geschichte gibt es, dann geht’s zur Nachtruh!
Eine Legende, in der Zeit Lauf fast verlor‘n
Doch heute Nacht, in euch, da wird sie neu gebor‘n

 

[Verse 6]

Getrennt von den Brüdern wacht stetig sein Blick.
Niemals, so denkt er, lassen sie ihn zurück.
Doch wacht der Dämon treu über Licht und das Eis




Und jede Nacht fragt er: Wann schließt sich der Kreis?

 

Das Dämonenschlaflied

[Verse 1]
Die Sterne zieh’n auf, wenn die Sonne versinkt
wenn es dunkel wird, dann mein Lied für euch erklingt
in des Drachen Werk schauten wir voller Drang
doch wird es Nacht, wird es vielen oft Angst und Bang
Doch auch wenn es dunkelt, so fürchtet euch nicht
Denn über uns alle wacht des Drachen Blick

 

[Chorus]

Schließ die Augen, mein Kind, schlaf nun friedlich ein
Des Nachts wacht die Dritte über unser Traumheim
Schließ nun die Augen, mein Kind und fürchte dich nicht
Der Ew’ge Drache liebt auch Dämonen wie dich!

 

[Verse 2]

Tags schützt die Erste alle Wesen des Seins
Bald schützt du die Erste, wenn auch im Geheim’
Am Tag lehrt die Zweite dich, was du wissen musst
Bald schützt du die Zweite, und zwar voller Lust
Die Engel, sie wachen über alles was ist
Bald wachst du über sie, wofür der Drache dich liebt

 

[Chorus]

Schließ die Augen, mein Kind, schlaf nun friedlich ein
Des Nachts wacht die Dritte über unser Traumheim
Schließ nun die Augen, mein Kind und fürchte dich nicht
Der Ew’ge Drache liebt auch Dämonen wie dich!

 

[Verse 3]

Engel und Dämonen kämpften einst Hand in Hand
Doch dann zerriss Vergessen das einst mächt’ge Band
Doch wir bewahren was war, wir vergaßen nicht
Verkörpern das Dunkel, doch beschützen das Licht
Wann immer ein Engel der Gefahr sich auch stellt
Ein Dämon ihm zur Wacht steht, damit er nicht fällt

 

[Chorus]

Schließ die Augen, mein Kind, schlaf nun friedlich ein
Des Nachts wacht die Dritte über unser Traumheim
Schließ nun die Augen, mein Kind und fürchte dich nicht
Der Ew’ge Drache liebt auch Dämonen wie dich!

 

[Verse 4]

Das Eis und das Licht, unsere Brüder sie sind
Vergessen wir nicht: Auch wir sind des Drachen Kind
Ist auch die Nacht finster, die Hoffnung sei dein
Wir Kinder des Schatten, wir sind niemals allein
Einsam ist nur, wer den ew’gen Drachen nicht kennt
doch wisse: auch in uns seine Liebe stets brennt

 

[Chorus]

Schließ die Augen, mein Kind, schlaf nun friedlich ein
Des Nachts wacht die Dritte über unser Traumheim




Schließ nun die Augen, mein Kind und fürchte dich nicht
Der Ew’ge Drache liebt auch Dämonen wie dich!

 

[Chorus]

Schließ die Augen, mein Kind, schlaf nun friedlich ein
Des Nachts wacht die Dritte über unser Traumheim
Schließ nun die Augen, mein Kind und fürchte dich nicht
Der Ew’ge Drache liebt auch Dämonen wie dich!

 

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