Ascardia 2 – Kapitel 5
~Cayden~
Ascardia wanderte Verwunderung über das Gesicht, als sie den Speisesaal betrat.
Es war erst Mittag und normalerweise aßen wir Frühstück oder Abendessen zusammen. Es war das erste Mal, das ich sie zu diesem Mahl einlud und für mich war es seit vielen Jahrhunderten das erste Mal, dass ich wieder etwas um die Zeit aß.
»Setz dich und erzähl«, forderte ich, wobei der Stuhl neben mir sich langsam zurückbewegte.
Ascardia lächelte, wirkte aber etwas überfordert. Außerdem bemerkte ich Issabella, die noch immer im Raum stand. Den Kopf gesenkt.
Ich betrachtete sie kurz. »Sprich«, forderte ich, denn ohne einen Grund würde sie nicht einfach hierbleiben. Sie wusste, dass es nicht gewünscht war. Also musste ihr etwas auf der Seele liegen.
»Bitte verzeiht meinen Ungehorsam. Aber ich mache mir Sorgen. Die Frauen kommen aus Fürst Dornes Anwesen«, setzte Issabella an, die überraschend zögerlich, ja unsicher, klang. So kannte ich sie nicht. Nicht einmal im Umgang mit mir. Nicht mehr, seitdem sie sich eingelebt hatte.
Ich nickte, um ihr zu zeigen, dass sie fortfahren sollte, auch wenn ich ahnte, worauf sie hinaus wollte.
»Ich kann mich irren, aber es könnte sein, dass auch diese Frauen … kontrolliert werden. Dass Fürst Dornes Manipulation noch … nachhallt.«
»Wie kommst du darauf?«, fragte ich. Etwas ähnliches hatte ich mir schon gedacht, doch hatte Issabella vielleicht etwas bemerkt, das mir entgangen war und diese Vermutung bestätigte?
»Vielleicht ist es einfache Respektlosigkeit, aber Shaeli erkennt weder Ascardias Position noch Macht an«, erklärte sie.
Dass ihre Position noch nicht gefestigt war, hatte ich vermutet, doch dass Issabella von Macht sprach, verwunderte mich. Sah sie etwas in ihr, das ich nicht einschätzen konnte? Welche Macht sollte eine Omega über eine Alpha haben?
Ich entschied mich dazu, später nachzufragen.
»Erzähl mir genau, was sie getan hat«, befahl ich, doch zu meiner Überraschung sprach Ascardia.
»Ich möchte bitte berichten«, sagte sie und blickte mich mit großen, bittenden Augen an.
Wollte sie die Sache schönreden oder würde sie mir die Wahrheit erzählen, selbst wenn es ihr unangenehm war?
Ich nickte und deutete Issabella, dass sie nun gehen konnte.
Diese verneigte sich höflich und verließ dann den Raum. Später würden wir jedoch noch einmal reden müssen. Jetzt jedoch richtete ich meinen Blick auf Ascardia.
Diese saß mittlerweile neben mir, wirkte aber unsicher. Sie rieb ihre Hände in ihren Schoß und konnte kaum ruhig sitzen.
Das war ein überraschend niedlicher Anblick, der meine Lippen leicht zucken ließ.
»Ich glaube, ich habe Mist gebaut«, stieß sie hervor, als ich gerade eine Tasse Tee zu ihr schweben ließ.
Ich hob lediglich eine Augenbraue, während ich darauf wartete, dass sie weitersprach.
Ascardia legte ihre Hände um die Tasse, trank jedoch nicht. »Ich habe sie herumgeführt, aber die Frauen haben oft nach Räumen gefragt, die ich nicht kenne«, flüsterte sie, wobei sie in den Tee starrte.
»Was hast du gesagt?«, fragte ich, um es ihr ein bisschen einfacher zu machen.
»Das sie diese Räume nicht betreten dürfen und ich ihnen deshalb auch nicht sagen muss, was sich darin befindet«, gestand sie kleinlaut, bevor sie hilfesuchend zu mir aufblickte.
In einer beruhigenden Geste legte ich ihr eine Hand auf den Kopf. Das führte zu einen vorsichtigen Lächeln auf ihren Lippen. »Das hast du gut gemacht«, versicherte ich. Das war eine gute Variante ihre Unwissenheit zu überspielen. Mir gefiel jedoch nicht, dass es noch immer Räume gab, die sie nicht kannte.
»Aber … was ist, wenn sie doch hineingehen und merken … es passiert nichts?«, fragte sie, wobei noch immer unsicher klang.
»Zeig mir nach dem Essen die Räume. Ich werde dafür sorgen, dass deine Regeln eingehalten werden.«
Ihr Blick wurde überrascht, dann nachdenklich. »Ich wollte wirklich nicht …«, setzte sie an, doch ich unterbrach sie mit einer wegwerfenden Handbewegung.
»Du hast nichts falsch gemacht. Du bist die Dame des Hauses. Deine Regeln gelten. Die Besucher dürfen genau dorthin, wo du es ihnen gestattest.«
Ich hatte es gesagt, bevor ich mir klar wurde, dass ich damit erklärt hatte, dass sie meine Frau war.
In mir stieg ein wohliges, zufriedenes Gefühl auf, doch ich wusste nicht, ob es richtig war. Verstand Ascardia überhaupt, was das bedeutete.
Ascardia legte ihren Kopf schief und musterte mich. »Was heißt das?«, fragte sie. In ihren Augen erkannte ich ihre Ratlosigkeit.
»Das wirst du mit der Zeit lernen«, versicherte ich, denn ihr das jetzt zu erklären, wäre zu überfordernd. »Wichtig ist nur, dass du alles richtig gemacht hast«, versicherte ich noch einmal, bevor ich einen Salat vor sie schweben ließ. »Iss erst einmal.« Sie hatte noch einiges zu erzählen, denn Issabellas Worte gingen mir nicht aus dem Kopf.
Shaeli war respektlos gewesen. Was genau war vorgefallen? Hoffentlich hatte sie Ascardia nicht angegriffen.
Allerdings konnte ich keine Verletzungen sehen und sie hatte meinen Namen auch nicht in einer Art genannt, als hätte sie nach mir gerufen. Mehr als wäre es eine Ansage.
Während Ascardia ihren Salat aß, genoss ich meinen Tee.
Ayden war aufgefallen, dass nach dem Kampf mit Fürst Dorne ihr Gewicht wieder etwas gefallen war. Es hatte lange gedauert, bis ihr Körper ein gesundes Gewicht angenommen hatte, weshalb ich mir nun etwas Sorgen machte. Ihre Arme wirkten zu dünn. Nicht so schlimm wie an dem Tag, als sie hergekommen war, doch nicht so gesund wie vor dem Kampf. Waren das Nachwirkungen der Heilung? Ich konnte es nicht sagen, würde aber schauen, dass sie genug aß.
Normalerweise hatten wir ein gutes Frühstück und ein ausgedehntes Abendessen. Etwas, das reichte, wenn man nicht gerade körperliche Arbeit machte. Daher verstand ich nicht, warum sie wieder abnahm. Von Hunger hatte sie auch nie etwas gesagt.
Ich war so in Gedanken versunken, dass ich erst bemerkte, dass sie fertig war, als sie ihr Besteck zur Seite legte. »Issabella hat es schon angesprochen. Shaeli war sehr … unhöflich. Aber ich möchte das gern selbst klären«, bat sie und blickte mich mit ihren grünen, bernsteinfarbenen Augen an.
Der rote Ring war deutlich zu sehen, doch das Gold war dunkler geworden. Es war mittlerweile eher ein helles Braun, das ihren Haaren ähnelte.
»Wenn du das möchtest. Sollte es jedoch zu weit gehen, werde ich eingreifen.« Sie musste die Chance bekommen, sich selbst zu positionieren. Ascardia hatte viel durchgemacht. Sie war keine schwache Frau und das sollte Shaeli lernen. Selbst einem Alpha würde Ascardia die Stirn bieten können. Da war ich mir sicher.




















































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