Ascardia 2 – Kapitel 6
~Shaeli~
Das Bad, das man uns zur Verfügung gestellt hatte, war genauso geschmackvoll eingerichtet, wie der Rest des Anwesens.
Diese Omega hatte und zwar nicht alles gezeigt, doch das, was ich gesehen hatte, faszinierte mich.
Hier ging es nicht darum, dass die Dinge prunkvoll aussahen. Sie waren praktisch und dennoch schön.
Ich streifte mir die Kleidung von den Schultern und ließ sie in den Wäschekorb fallen, bevor ich nach dem Handtuch griff.
Es empfing und bereits warmer Dampf, als ich als erstes, wie es sich für eine Alpha gehörte, den Raum mit den heißen Becken betrat.
Obwohl wir uns in einem Anwesen befanden, wirkte es doch, als wären wir in einer natürlichen, heißen Quelle, was mich noch mehr faszinierte.
Die Pflanzen, die hier wuchsen, wurden durch das Glasdach mit Licht versorgt und boten eine Atmosphäre, die mich an meine Heimat erinnerte. Hier war nichts kalt und distanziert wie bei Fürst Dorne.
»Kaum zu glauben, dass Für Veylenrech einer der Stärksten Fae sein soll«, murmelte Liraya, die sich genauso fasziniert umsah wie ich.
Als ich eine Liege entdeckte, schritt ich genau darauf zu. Ein Handtuch war bereits darauf ausgebreitet und die Kräuteröle, die daneben standen, wiesen auf seine Funktion hin.
»Seine Macht war nicht so drückend wie Fürst Dornes«, stimmte ich zu.
Während ich mich mit dem Bauch auf die Liege legte und Liraya zu mir winkte, damit sie mich massieren konnte, dachte ich an die Begegnungen mit Fürst Veylenrech. Seine Präsenz war kaum wahrzunehmen gewesen. Während selbst sein Bruder, der angeblich so schwach war, in meinem Nacken gebrannt hatte, war Fürst Veylenreach fast wie ein Phantom.
Liraya betrachtete die Öle, bis sie sich eines aussuchte und auf ihre Hände kippte.
Sie hatte die gleiche olivgrüne Haut wie ich. Ihr Haar war schwarz und mit ihren waldgrünen Augen könnte sie recht schön aussehen, doch ihr Körper war auf eine Art abgemagert, die vermutlich nur Fürst Dorne schön finden konnte.
Oder vielleicht Fürst Veylenrech. So wie diese Ascardia ausgesehen hatte, stand er vielleicht auf extrem dünne Frauen.
Oder hatte sie ihn verärgert und er ließ sie hungern? Das war immerhin etwas, das Fürst Dorne das ein oder andere Mal getan hatte. Warum sollten andere Fae es nicht so handhaben? Für diese waren wir nichts weiter als schöner Besitz, den man zwar pflegte, doch der auch entbehrlich war.
Ich schloss meine Augen und genoss für einen Moment Lirayas Hände, die über meinen Rücken wanderten und die Verspannungen beseitigten.
Es war sehr wichtig einen guten Eindruck zu machen und Fürst Veylenreach Wohlwollen zu erlangen. Vielleicht war er doch nicht so stark wie Fürst Dorne, doch solange wir hier lebten und dieser das Anwesen verwaltete, zu dem wir zurückkehren würden, musste ich mir eine gute Position sichern. Vielleicht fand er auch Gefallen an mir und erlaubte mir, hierzubleiben.
Er wirkte wie ein Mann, der sich leicht durch eine Frau den Kopf verdrehen ließ. Wie sonst war es zu erklären, dass eine so hässliche Omega, die bis auf das faszinierende rote Schimmern in ihren Augen, nichts zu bieten hatte? Vermutlich kannte Fürst Veylenreach nicht einmal eine gute Frau. Nachdem was ich hier gesehen hatte … war höchstens diese weißhaarige Alpha ansehnlich. Und sie war nur ein Dienstmädchen. Was für eine Farce. Ein Alpha, der einer Omega diente. Wie lächerlich.
Ich öffnete meine Augen, als ich die anderen Frauen leise flüstern hörte. Obwohl ich jedes Wort verstand, interessierte es mich doch nicht.
Sie testeten die Bäder und waren fasziniert davon. Was ich ihnen nicht verübeln konnte. In Irawyn gab es viele solche Quellen, weshalb ich genau wusste, was mich erwarten würde. Für die meisten anderen war das jedoch eine Premiere.
Also ließ ich sie genießen, während ich an Fürst Veylenreachs Bruder dachte.
Wenn es nach Macht ging, würde ich ihn definitiv bevorzugen. Allerdings konnte ich nicht einschätzen, ob er wirklich Land besaß.
Er hatte sich als Fürst Veylenreachs Bruder vorgestellt, doch es war unschwer zu erkennen, dass er ebenfalls ein Fürst sein musste. Warum nannte er uns dann also nicht das Gebiet, über das er herrschte?
»Fürst Veylenreach sieht fantastisch aus«, hörte ich eine der Frauen leise schwärmen.
Ich wusste noch nicht, ob ich dem zustimmen sollte.
Er war so blass und … unscheinbar. Auch wenn seine intensiven kristallblauen Augen einen leichten Schauer über meinen Rücken wandern ließen, würde ich ihn trotzdem nicht als attraktiv bezeichnen.
Liraya ließ von mir ab, weshalb ich mich erhob und streckte. Ihre Hände waren wie immer ein kleiner Segen gewesen.
Mit langsamen Schritten näherte ich mich der heißen Quelle und ließ mich genussvoll hineingleiten. Allein deshalb würde ich versuchen, hierzubleiben.
Das heiße Wasser umspielte meinen Körper und gab mir ein inneres Gefühl von Ruhe.
Mit einem Lächeln schloss ich meine Augen. Es würde sicherlich nicht schwer werden, dieser Omega den Platz als Lady des Hauses streitig zu machen. Ich musste mir nur überlegen, wie es mir gelang, Fürst Veylenreach um den Finger zu wickeln.
Plötzlich begannen die Wände zu vibrieren und eine Aura so drückend und mächtig, dass es mir die Luft raubte, wanderte durch den Raum.
Mehrere der Frauen hielten den Druck nicht aus und brachen zusammen, während ich um jeden Atemzug kämpfte.
Was war das?
Es ließ mein Herz heftig schlagen. So eine Macht hatte ich noch nie gespürt. Selbst ich als Alpha bekam zitternde Beine.
Aufregung durchflutete mich, während ich versuchte, die Macht zu entschlüsseln. Sie erinnerte mich an … Ayden …
Konnte das sein? War es vielleicht Ayden, der wirklich über dieses Gebiet herschte?
Ich erinnerte mich an die Begegnungen mit ihm. Er hatte schon immer eine hitzige Aura ausgestrahlt. Vielleicht sein Versuch, diese zu unterdrücken?
Ein Lächeln zierte meine Lippen. Vielleicht sollte ich mein Ziel ändern. Cayden war egal, wenn Ayden eine solche Macht ausstrahlte!





























































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