Ascardia 2 – Kapitel 7
~Ascardia~
Mit einem langgezogenen Seufzen ließ ich mich nach vorn auf das weiche Bett fallen.
Der Geruch von Lavendel hüllte mich ein, wurde aber kurz darauf von einer frischen, kühlen Brise und einem minzigen Geruch verdrängt.
Das Bett unter mir bewegte sich leicht, als sich etwas Schweres darauf begab.
Ich musste meine Augen nicht öffnen, um zu wissen, dass es Cayden war.
Seine Schnauze berührte leicht meine Haare, als er schnuppern, bevor sich der große Tiger an mir schmiegte und schnurrte. //Du hast dich gut geschlagen//, hörte ich ihn in meinen Gedanken.
Ich spürte das Lächeln, das auf meine Lippen wanderte, tat mir dieses Lob doch gut.
»Danke. Aber ich mache mir Sorgen«, gestand ich.
Es war leichter mit Cayden zu sprechen, wenn er in seiner Tigergestalt war. Es hatte etwas viel intimeres. »Shaeli ist eine Alpha. Ich mache mir Sorgen, dass ich instinktiv auf ihre Befehle reagiere.«
Cayden legte mir eine Pfote auf den Oberschenkel. Die Kühle, die mich einnahm, beruhigte mich etwas. //Du hast nicht auf ihre Alpha-Macht reagiert. Warum solltest du das in Zukunft tun?//, fragte er, was mich überraschte.
»Wie meinst du das?«, fragte ich, denn so ganz verstand ich es nicht.
//Ihre Aura liegt schon die ganze Zeit auf dir. Seit ihrem ersten Auftauchen.//
Ich blinzelte und überlegte kurz. »Ich habe nichts mitbekommen.«
Cayden lachte leise, wobei es sehr niedlich klang und meinen Körper leicht vibrieren ließ.
//Du bemerkst vieles nicht, scheint mir//, sagte er und legte sich etwas auf den Rücken.
Er präsentierte seinen Bauch so einladend, dass ich nicht anders konnte, als mich förmlich auf ihn zu stürzen, meine Finger und mein Gesicht in sein weiches Fell zu vergraben und ihn zu streicheln.
Es war, als würde eine schwere Last von mir abfallen, denn ich wollte nicht an Shaeli denken. Allein die Vorstellung, morgen wieder auf sie zu treffen, machte mich nervös.
Was, wenn ich etwas Falsches machte? Von meinem Auftreten hing ab, wie die Frauen Cayden und dieses Haus sahen.
Ayden hatte es versucht, mir zu erklären.
Ganz verstanden hatte ich es nicht, doch es war wichtig, dass Cayden als starker Herrscher anerkannt wurde, weil er die Fae-Welt zusammenhielt. Oder so. Er durfte sich also keine Schwäche leisten. Und die einzige Schwäche dieses Anwesens war ich, das wusste ich nur zu gut.
Es störte mich nicht, hatte Cayden oder Ayden mich doch nie direkt als solche bezeichnet und sie gaben mir auch nicht das Gefühl, eine Bürde zu sein, doch politisch gesehen war ich unwissend. Ein Welpe, der leicht von einem Fettnäpfchen ins nächste treten konnte.
Ich stieß ein tiefes Seufzen aus, das Cayden anscheinend missverstand. //Denk nicht mehr an diese Alpha. Sie ist irrelevant//, hörte ich seine Stimme in meinem Kopf.
So ganz zustimmen konnte ich ihm nicht. Sie wäre die erste Frau am Hof eines neuen Fae-Fürsten. War das nicht die gleiche Stellung, die auch ich hatte?
Was hieß das überhaupt?
Ich ließ meine Finger über sein Kinn wandern und kraulte ihn. »Ich verstehe das alles nicht«, gab ich zu. Es fühlte sich nicht an, als würde ich eine Rolle spielen, aber klar, wo ich stand, war mir auch nicht.
//Das musst du nicht. Noch nicht//, versicherte Cayden, dessen Schwanz leicht über meinen Arm wanderte.
Ich stieß einen nachdenklich Laute aus, bevor ich mich von ihm herunterdrehte und auf den Bauch legte.
Vorsichtig streckte ich mich in die Richtung des Buches auf meinem Nachttisch und zog es zu mir, um eine Seite aufzuschlagen. »Lesen wir denn weiter?«, fragte ich, um mich abzulenken.
Ich konnte noch nicht so lange lesen, doch nun, da ich alle Buchstaben konnte, wollte ich unbedingt weiter machen.
Cayden drehte sich so, dass er neben mir liegen konnte. Sein Schwanz auf meinem Rücken, der leicht kitzelte, weil er sich bewegte.
Gerade, als ich mit der Geschichte, die eine Kindergeschichte für Fae war, weitermachen wollte, öffnete sich die Tür.
Hitze traf auf Kälte und für einen Moment flirrte der Raum zwischen den beiden Auren, bevor sich eine angenehme Brise auf mich legte.
Kurz darauf lag ein schwarzer Panther neben mir und schnurrte. //Da komme ich ja gerade richtig//, sagte Ayden zufrieden.
Cayden brummte leise, als wäre er nicht begeistert seinen Bruder hier zu wissen.
»Jetzt sind wir ja vollständig«, lachte ich, denn es freute mich, dass Ayden es trotz seiner Arbeit geschafft hatte. Es fühlte sich so gut an, zwischen ihnen zu liegen und zu lesen. Irgendwie war das zu einem Ritual geworden, das ich sehr genoss.
Ich schlug eine Seite auf. Da das Buch aus mehreren kurzen Geschichten bestand, fand ich recht schnell eine, die mir gefiel.
Also begann ich langsam zu lesen.
»Dunkelheit breiteten sich über das Land aus. Das einst saftige Grün, wandelte sich zu Braun, bevor es zu Asche zerfiel«, las ich leise.
Dass die Geschichten düster und für Kinder vielleicht zu gruselig waren, kam mir gar nicht in den Sinn. Nur, weil Issabelle mich gewarnt hatte, wusste ich überhaupt, dass sie verstörend sein könnten. So wie ich aufgewachsen war, störte mich das aber nicht. Ich hatte um mein Überleben gekämpft, seit ich denken konnte. Blut gehörte zum Alltag und Tod ebenso.
»Die Seuche breiteten sich aus wie ein Lauffeuer«, setzte ich fort, runzelte die Stirn und dachte einen Moment nach.
Bevor ich jedoch fragen konnte, erklärte Ayden mir, was es mit dem Begriff Lauffeuer auf sich hatte.
»Warum muss man das so kompliziert formulieren?«, fragte ich etwas frustriert darüber, denn es hatte mich etwas aus dem Konzept gebracht.
Ayden lachte. //Du willst es immer nur möglichst einfach haben//, zog er mich auf, hatte ich mich doch schon mehrmals über die viel zu komplizierte Beschreibung beschwert.
»Viel Information in wenig Text«, brummte ich, da ich damit viel besser lernen konnte.
//Diese Texte sind nicht zum Lernen//, bemerkte Cayden mit einem leichten Gähnen, während er mich entspannt ansah. Generell fiel mir auf, dass mich beide die ganze Zeit anstarrten, als gäbe es nichts Interessanteres. Dabei war ich mir sicher, dass sie die Geschichte schon kannten.
Ich räusperte mich und las weiter.
»Aber ein Fae zog sich nicht zurück. Floh nicht von den betroffenen Inseln. Er stellte sich der Dunkelheit. Mit einem Schert bewaffnet …« Ich hielt inne und runzelte die Stirn. Irgendwas klang falsch und als Ayden leise lachte, war mir klar, dass ich etwas falsch gelesen hatte. »Oh~«, machte ich langgezogen und lachte dann selbst leise. Schwert, nicht Schert! Warum fiel mir dieses w in manchen Worten einfach so schwer?
»Mit eine Schwert bewaffnet …«, las ich noch einmal, wobei ich Schwert dieses Mal bewusst betonte. »… zog er gegen die reine Magie in den Kampf. Tag, Nacht, Tag und Nacht dauerten seine Anstrengungen und dann … dann gelang es ihm, es endgültig zu versiegeln«, murmelte ich, wobei ich das Gefühl hatte, die Geschichte zu kennen. Wir hatten sie aber definitiv noch nicht gelesen.
»Warum erinnert mich das so sehr an Fürst Dorne und das Schattenlicht?«, fragte ich, während ich mich zurückerinnerte. Als ich mit dem Schattenlicht in Kontakt gekommen war, hatte ich Dinge gesehen, die nie öffentlich bekannt gewesen waren.
//Weil es die Geschichte dieses Verräters ist//, seufzte Cayden, der jedoch eher gelangweilt als böse klang.
//Die Version, die er allen glaubhaft machen wollte//, fügte Ayden hinzu.
»Oh! Warum habt ihr das nicht gleich gesagt? Dann hätte ich etwas anderes gelesen«, beschwerte ich mich, erhielt aber keine Antwort.
Ich stieß ein Seufzen aus und schlug das Buch zu. »Ich fragte mich bis heute, warum er das Schattenlicht nicht vernichtet hat, wenn es so gefährlich ist«, sagte ich, wobei meine Worte eine seltsame Reaktion in mir auslösten. Fast so, als würden die Reste des Schattenlichts in mir dagegen protestieren.
//Kein Fae kann ein Elementlicht vernichten. Sie sind die Macht der Welt selbst//, erklärte Cayden, während Ayden zustimmend nickte.
»Hm«, machte ich, als das Buch auch schon aus meinen Händen zurück auf den Nachttisch flog.
//Du solltest jetzt schlafen//, bemerkte Cayden, während eine Decke zu uns flog.
Brummend kuschelte ich mich an ihn, während ich meine Füße um Aydens Bein schlang. Eine Position, die unglaublich gemütlich war und die ich zu schätzen gelernt hatte. »Ich bin überhaupt nicht müde«, beschwerte ich mich, doch mein Körper sagte etwas anderes. Er fühlte sich schwer und ausgelaugt an. Außerdem schmerzten meine Augen schon ein bisschen. Etwas, was Cayden scheinbar vor mir erkannt hatte.
//Natürlich bist du das nicht. Das bist du nie//, witzelte Ayden, dessen warmer Atem meinen Nacken streifte.
Ich spürte, wie mich der Schleier der Träume langsam einnahm und ich hoffte, nicht von Shaeli oder noch schlimmer von Fürst Dorne zu träumen.



























































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