04 Balthasar und Uriel

Der Eiskristall funkelt und glitzert in dem magischen Licht. Fast hypnotisch sind die Reflektionen, die
das Leuchten widerspiegeln – doch da ist etwas, mein Auftrag… Zu lange war er vorbereitet worden,
zu viel Mühe investiert worden: zu viel Arbeit hatte mein Alchemist in das Aphrodisiakum gesteckt, in
dem mein Blut verwendet worden war; zu viel hatte mein Spion riskiert, als er es ihr untergemischt
hatte. Nun war sie endlich da, die perfekte Gelegenheit: Uriel, die Herrin der 9. Legion hatte sich
allein zurückgezogen, das wusste ich und ich hatte nur noch eine Aufgabe: Zu warten, bis sie endlich
in ihrer Kammer war. Wie gebannt betrachtete ich die Schrift aus Kristall, die diese Kammer als die
ihre kennzeichnete. Nun öffnete sie endlich die Tür – und verschwindet hinter ihr. Rasch murmelte ich
die Formel, welche den Zauber aktivieren sollte, den meine Meistermagierin in ihrer Kammer
geschmuggelt hatte und der verhindern sollte, dass irgendjemand mitbekäme, was im Inneren
geschehen sollte. Ich wartete noch etwas, gab ihr Zeit. Dann öffnete ich die Tür und sie stand vor mir –
völlig nackt. Ein durchtrainierter Körper, wohlgeformte Brüste, ein kurviges Becken und in mir tobte
es. Meine Linie, die Linie der Dunkelheit des ewigen Drachen würde fortbestehen, sie musste! Ich
ging auf sie zu, mühsam beherrscht. Sie wich keinen Zentimeter als ich direkt vor ihr stand und sah
mir direkt in die Augen mit diesem kämpferischen, schon fast herrischen Blick. Ihre Augen so voller
Licht… Ja, es war mein Auftrag, den Fortbestand meiner Blutlinie zu sichern, doch beim Ewigen
Drachen, in diesem Moment dachte ich nicht mehr an diesen. Ich küsste sie und gab meinem
Verlangen nach. Dann liebten wir uns – heiß, innig, leidenschaftlich, diese Nacht würde ich sicher
niemals vergessen…
„Balthasar?“ Leise raunt die Stimme meiner Hexenmeisterin durch mein Büro und ich löse meinen
Blick von dem Eiskristall, welcher über meinem Schreibtisch in der Luft schwebt und das magische
Licht, das die Höhle erhellt, reflektiert. Ich brauche einen Moment, um mich zu orientieren, völlig aus
meinem Tagtraum zu erwachen, dann wende ich meinen Blick zur obersten Magierin meiner Legion.
„Was gibt es?“ Sie schmunzelt. Hat sie ihren Geist etwa schon wieder in meinem Gedanken? Rasch
konzentriere ich mich auf eine Erinnerung, wie ich einen Leere-Dämon zerlege und sie zuckt leicht
zusammen. ‚Erwischt!‘, denke ich und schmunzele nun meinerseits. „Ich war gerade im Dorf“, setzt
sie an, „und ich kann dir sagen: Die angekündigte Spionin ist da.“ Sagte sie Spionin? Nun, also Plan
„Jung, weiblich, unschuldig“, würde ich meinen – ob meine Hexenmeisterin auch auf diesen
Gedanken kommen wird?






































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