Kapitel 16
Kael war wütend. Sehr wütend.
Eine Explosion war noch nicht in Sicht. Wobei die Betonung auf „Noch“ lag.
Diese gefährliche, kalte Wut, die sich unter der Haut sammelte und jeden Gedanken so scharf wie eine Klinge machte.
Sie hatten nichts gefunden. Wie konnte das sein.
Es gab keine hinterlassenen Abdrücke.
Der Geruch kam auch nicht wieder.
Er hatte nicht geschlafen. War rastlos gewesen, immer auf der Suche.
Der Wald hätte sprechen müssen. Er war mit ihm verbunden, war ein Teil davon. Als Geschöpf der Wildnis und des Mondes, welcher seinen Schimmer langsam dürch das Blätterdach gleiten lies, hätte er etwas erfahren müssen. Tat es aber nicht. Der Wald blieb stumm.
Kael stand am Rand des westlichen Reviers, die Hände in den Taschen seiner Jacke vergraben, der Blick auf die dunkle Linie der Bäume gerichtet. Asher war ein paar Schritte hinter ihm. Weitere Rudelmitglieder standen in der Nähe. Mira hielt etwas Abstand. In der Hoffnung etwas zu bemerken. Dem war aber nicht so. Sie waren Ratlos. Alle miteinander.
„Das ergibt keinen Sinn“, sagte Asher schließlich. „Ein Wilder hinterlässt immer etwas.“
Kael nickte langsam. Genau das war das Problem.
Der Wolf in ihm war unruhig. Alarmiert und immer auf der Hut. Es ist als würde jemand bewusst versuchen ihn herauszufordern. Aber wer.
„Er wurde abgeschirmt“, sagte Kael schließlich.
Asher sah ihn an. „Du meinst-“
„Hexenkunst. Ob helle oder dunkle Hexe lässt sich noch nicht sagen“, unterbrach Kael ruhig.
Das Wort veränderte die Stimmung sofort.
Mira richtete sich auf. „Sicher?“
„So sicher, wie man sein kann, wenn die Natur selbst schweigt und es keine weiteren Spuren gibt.“, antwortete Kael. „Kein Wilder bewegt sich so sauber.“
Asher fluchte leise. „Was hatte eine Hexe davon mit einem abtrünnigen zu arbeiten?“
Kael wusste keine Antwort darauf.
Aber sein Rudel brauchte diese.
Grenzen in Bewegung ebenso.
„Wir ziehen die Patrouillen enger“, entschied Kael. „Keine direkte Konfrontation. Auch keine Alleingänge.“
„Sollen wir sie lebendig fangen?“, fragte Mira.
Kaels Blick verfinsterte sich. „Erstmal, ja. Aber niemals alleine. Wer etwas findet informiert das ganze Rudel.“
Das Rudel schwieg.
Kael spürte wie die Zeit weiter voranschritt. Das Rudel löste sich langsam auf, jeder ging seinen Aufgaben nach.
Dann Spürte we, wie sich etwas in ihm zu spannen begann. Dies hatte nichts mit dem Wald zu tun. Das war die Mate-Verbindung, sie war schon seit Stunden unruhig. Es war nicht schmerzhaft, eher ein Gefühl der Dringlichkeit.
Liv …
Sie ist aufgewühlt, stellten der Mann und der Wolf gleichermaßen fest.
Kael knirschte mit den Zähnen.
Er hatte sie zurückgelassen, um das Rudel zu schützen. Diese Entscheidung war richtig und wichtig gewesen. Eine Notwendigkeit um das zu schützen was seine war. Sein Rudel und seine Gefährtin. Notwendig war das Wort. Er konnte nicht zu lassen das eine Gefahr von außen in seine Stadt eindrang und die Seinen bedrohte.
Der Wolf widersprach nicht. War aber auch nicht ganz zufrieden.
Du hast sie allein gelassen. Einfach so, ohne ihr irgendwas zu sagen. Deswegen war sie auch am Telefon so gereizt und eifersüchtig. Obwohl ihn ihre Eifersucht insgeheim freute.
„Ich gehe“, sagte Kael.
Asher sah ihn an. „Jetzt?“
„Ja.“
„Wohin?“
„Zu meiner Gefährtin. Sie ruft mich. Wahrscheinlich unbewusst.“
„Du solltest es ihr bald sagen.“ Sagte Asher schließlich.
Kael nickte. Er hatte recht. Doch ketzt war noch nicht der richtige Zeitpunkt.„Haltet die Grenze.“
Mira musterte ihn scharf. „Kael-“
Er sah sie an. Ein Blick genügte.
Sie nickte.
Die Fahrt zurück in die Stadt war angespannt. Kael hielt den Wolf kurz und zwang ihn zur Ruhe, aber die Verbindung ließ sich nicht dämpfen. Mit jedem Kilometer wurde sie klarer.
Wie sehr er seine Gefährtin vermisst hatte. Wenn sie ihn sah würde sie sich bestimmt auch freuen. Die Verbindung zwischen ihnen war bereits jetzt umleundbar. Er malte sich schon ihr zusammen treffen bildlich aus.
Er ging durch die Eingangspforte ihres Hotels. Ging zu ihrem Zimmer. Ihre traurigen Augen würden die seinen treffen. Ihre Züge würden sich erhellen und Kael würde sie sanft ansehen, seine Arme öffnen und mit einen freudigen Schluchzen würde sie in seine Umarmung fallen.
Er grinste leicht. Oh ja. Und dann würden sie da weitermachen, wo sie in seinem Büro aufgehört haben.
Aber was er definitiv nicht erwartet hatte, wo ihn das Mateband hinführt, war eine Bar.
Und als Kael die Bar betrat, traf ihn der Lärm wie eine Wand. Musik, Stimmen, fremde Gerüche. Der Wolf bäumte sich auf, doch Kael hielt ihn zurück.
Dann sah er sie. Seine Gefährtin.
Alles andere wurde nebensächlich.
Sie tanzte. Nein, nicht tanzen. Tanzen ist zu ein banalen Wort für die Bewegungen die sie ausführte.
Seine Gefährtin bewegte sich lasziv an einen anderen Männerkörper. Und das auch noch sehr provozierend. Einfach frei. Viel zu frei. Freizügig.
Der Anblick traf ihn härter als jede nicht gefundene Spur im Wald.
Jetzt bewegten sich auch noch die Männerhände dieses Mistkerls hinter ihr an ihren Körper entlang. Er sah rot. Purpurrot.
Die Wut verschob sich.
Weg vom Wald.
Weg vom abtrünnigen.j
Weg von der Hexe.
Hin zu ihr.
Er konnte sehen das Ihre Wangen leicht rot waren. Ihr Blick vernebelt. Ihr zum Küssen gemachter roter Schmollmund hatte sich leicht geöffnet.
Alkohol. Alkohol vermutete Kael sogleich.
Seine Gefährtin war betrunken.
Dann sah sie sich um, sah ihn. Und Ihre Blicke trafen sich.
Du hast sie in diesen Zustand gebracht, knurrte der Wolf. Sein Wolf hatte vielleicht recht.
Aber er würde sie augenblicklich aus diesen Rausch herausholen. Weg von diesem Typen. Weg von der Bar. Nach Hause in sein Penthouse. Am besten fesselte er sie an sein Bett, damit sie niemals wieder auf solche dummen Ideen kommen konnte.
Er setzte sich in Bewegung.
Was auch immer die Hexe plante, was auch immer der Wilde suchte – das hier hatte Priorität.
Denn während Grenzen im Wald unsichtbar waren,
stand seine Gefährtin mitten in einer Bar
und wusste nicht,
dass sie gerade der hellste Punkt in seinem Revier war. Der Mittelpunkt von einfach allen.
Und Kael Ardent verlor nichts aus den Augen,
was unter seinem Schutz stand.
Und heute Abend würde sie das auch verstehen.
Als er bei ihr ankam und knurrte:
„Was zur Hölle tust du da.“
Antworte sie einfach nur mit: „Tanzen?“ Das war eine Frage und sie machte ihn noch wütender als er jetzt schon war.
Und als dann auch noch der Mistkerl der einen Arm um sie geschlungen hatte das Wort ergreifen wollte, packte er einfach dessen Arm, welcher auf Liv lag, verdrehte ihn, sodass er Liv loslassen musste.
Sie schrie erschrocken auf aber das war ihm gerade sowas von egal. Mit einem Knurren warf er sie sich einfach über die Schulter und verschwand aus der Bar.
Die verdutzten Blicke seiner Angestellten die er nebenbei bemerkt hatte, sowie die anderen Gäste ignorierte Kael. Ebenso das gezeter von Liv die meinte er solle sie runterlassen.







































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