Kapitel 26
Die Stille nach dem Zusammensein war weich und trug noch Wärme in sich. Livias Nachbeben ließen langsam nach. Einen Moment noch ließ sie sich von Kael halten. Dann spürte sie wer er weicher in ihr wurde. Sie fühlte sich nicht unbehaglich sondern zutiefst zufrieden. Ein Nachklingen welches noch blieb, wollte sie für immer behalten.
Kael richtete sich über ihr auf, ungewöhnlich nachdenklich. Sie spürte wie ihm etwas auf der Seele brannte. Kurz bevor er ansetzte etwas zu sagen erstarrte er über ihr.
„Geh doch schon einmal duschen“, sagte er ruhig. „Ich habe eine kleine Überraschung für dich.“ sagte er verschmitzt.
Sie lächelte, noch ganz in dem Gefühl verankert, und verschwand im Bad. Unter dem warmen Wasser holten ihre Gedanken sie ein. Zwischen den Beinen war sie ungewöhnlich feucht und klebrig gewesen. Ein Gedanke trag sie. Kael hatte kein Kondom benutzt und ihre Gedanken waren auch in weiter Ferne gewesen, sodass sie sich keine Gedanken darüber gemacht hatte. Verdammt, sie nahm such keine Pille oder so etwas. Da Liv sich von der Männerwelt fernhalten wollte, brauchte sie sich über sowas keine Gedanken machen. Ob das seine Überraschung war, die er erwähnte?
Sie lehnte die Stirn gegen die Fliesen.
Ein Baby … Sie dachte genauer darüber nach und zu ihrer Verwunderung bekam sie keine Angst. Stattdessen herrschte Sehnsucht in ihr. Der Wunsch war da und diesmal würde sie besser auf ihr Baby aufpassen. Falls es denn eines gab. Vielleichtist auch gar nichts passiert. Sie atmete tief durch, sammelte sich und stellte das Wasser ab.
Als sie zurück in den Wohnbereich trat, blieb sie wie angewurzelt stehen.
Auf dem Sofa saß Belle.
„Belle…?“, brachte Livia hervor.
Belle sah auf, wirkte unsicher, fast scheu. „Hi, Liv.“
Tränen stiegen Livia in die Augen. Sie ging auf sie zu, stockend und unsicher. Aber als sie Belles Augen sah die so etwas wie Sehnsucht zeigten fiel ihr Liv um den Hals. „Ich dachte, ich sehe dich nich wieder.“
„Nein“, flüsterte Belle und hielt sie fest. „Ich war immer da. Ich habe versucht zu dir durchzudringen aber damals war das noch unmöglich. Und jetzt bist du hier. In Sicherheit wie mir scheint.“ ihr Blick schweifte kurz zu Kael.
Am Rand nahm Livia nur wahr, wie Kael einen Schritt zurücktrat und den Raum verließ um Ihnen beiden Freiraum zu geben.
Sie setzten sich einander gegenüber. Einen Moment sagten beide nichts. Die Stille dehnte sich aus. Sie wusste nicht was sie hätte sagen sollen. Wie sie sich entschuldigen sollte, all die mal wo sie nicht für sie da sein können. Aber als beste Freundin hätte sie das gemusst. Als ihr Freund sie mit Ihrer Stiefschwester betrogen und die Eltern sie aus dem Haus warfen.
Sie war immer nur für Marek da gewesen. Er hatte ihr eingeredet das sie das verdient hatte. Sie gingen zusammen in den Kindergarten, in die Schule, besuchten die selbe Uni. Aber Liv hatte alles weggeworfen. Für einen Mann der sie nicht verdient hatte.
In Wahrheit hatte Liv Belle nicht verdient. Und als sie das merkte war es zu spät.
„Mira hat mich gefunden“, begann Belle schließlich. „Sie stand einfach vor mir. Hat deinen Namen gesagt. Und überließ es mir mitzukommen.“
Livia schluckte. „Er hat zugehört.“ flüsterte sie zu sich selbst.
Belle nickte. „Ich wollte schon früher zu dir. Monate lang. Aber Marek…“ Sie brach ab. „Er hat mich eingeschüchtert. Gesagt, meinen Großeltern könnte etwas passieren. Dass Unfälle passieren.“ Bei denen lebte sie nach dem Rauswurf. Livs Schuldgefühle stiegen an die Oberfläche.
„Ich wusste nichts von irgendwelchen Drohungen“, flüsterte Livia und senkte den Blick.
Belle nickte langsam. „Ich habe ihm damals mit der Polizei gedroht“, sagte sie leise. „Er hat nur gelächelt.“
Sie holte tief Luft. „Er wusste, dass ich nichts hätte durchsetzen können. Dafür war ich ihm zu hörig und einfach zu abhängig von ihm.“
Einen Moment schwieg sie, dann fügte sie ruhiger hinzu: „Jetzt nicht mehr.“
Livia atmete zittrig aus. „Ich wollte fliehen. Damals. Nachdem du mir diese Nachricht geschickt hattest – von deinem Freund und deiner Stiefschwester. Ich wollte unsere Freundschaft retten. Ich wollte fpr dich da sein.“
Sie stockte. „Aber an dem Tag, an dem er gemerkt hat, was ich vorhatte…“ Ihre Stimme brach. „Er hat mich geschlagen.“
Belle griff sofort nach ihrer Hand, hielt sie fest. „Es tut mir so leid.“
Livia schüttelte langsam den Kopf. „Das muss es nicht. Als ich im Krankenhaus aufgewacht bin, wollte ich nur noch weg.“
Sie schluckte schwer. „Ich habe deine letzten Nachrichten gelesen. Dass du bei deinen Großeltern untergekommen warst. Danach habe ich mein Handy entsorgt. Ich hatte Angst, dass er mich sonst aufspüren würde.“
Belle schloss kurz die Augen. Dann sagte sie leise: „Ich war da. Im Krankenhaus.“
Livia sah sie überrascht an.
„Ich bin später noch einmal zurückgekommen“, fuhr Belle fort. Man merkte ihr an, wie viel Überwindung es sie kostete, weiterzusprechen. „Ich habe gesehen, wie du eingeliefert wurdest. Ich bin dir gefolgt und habe dich heimlich besucht. Ohne dass er es bemerkt hat.“
Livia hielt den Atem an.
„Ich habe die Ärzte gehört“, sagte Belle schließlich. Ihre Stimme war brüchig. „Wie sie über die Fehlgeburt gesprochen haben.“
Trauer lag in ihrem Blick. Nicht nur um das Geschehene – sondern um ein Leben, das nie beginnen durfte. Ihr wurde das zu viel und Livia wendete den Blick ab.
„In diesem Moment wusste ich, dass ich dich dort hätte herausholen müssen“, sagte sie leise. „Um jeden Preis.“ Das überraschte sie nun doch und sie schaute Bell wieder an.
Sie schwieg einen Moment, sammelte sich.
„Am nächsten Tag warst du verschwunden“, flüsterte sie schließlich. „Und ich wusste nicht, ob ich erleichtert sein durfte – oder Angst haben musste.“
Stille legte sich zwischen sie.
Livia wurde ganz schwer ums Herz. Sie hatte das nicht gewusst.
Sie weinten. Dann wurden es mehr Tränen. Es waren Tränen der Erleichterung, aber auch der Trauer. Es lag nur ein paar Monate der Trennung zwischen Ihnen, doch es fühlte sich wie Jahre an.
Als sie sich schließlich ansahen, waren ihre Augen gerötet, aber klar.
„Ich bin froh, dass du da bist“, sagte Belle.
Livia nickte. „Ich auch.“
„Wie hat sie dich gefunden?“, fragte Livia leise, nachdem sich ihre Atmung wieder etwas beruhigt hatte.
Belle wischte sich über die Wange und lächelte schwach. „Deine Freundin war sehr gründlich.“ grinste Belle.
Sie atmete tief durch, als würde sie die Erinnerung sortieren. „Mira hat alte Mietverträge und Unterlagen aus der Studienzeit überprüft. Darüber ist sie schließlich auf meinen Ex gestoßen.“
Livia spannte sich unwillkürlich an.
„Er hat kein gutes Wort über mich verloren“, fuhr Belle ruhig fort. „Mira hat ihn damit konfrontiert. Als er sich weigerte, mir meine Kontaktdaten zu geben, hat sie ihn körperlich zur Kooperation gezwungen. Seine Verlobte – meine Stiefschwester – und meine Eltern waren anwesend.“ jetzt kicherte sie ein wenig. Sie stellte sich das offenbar bildlich vor.
Livia schluckte hörbar, schon alleine weil sie das der zarten Mira gar nicht zutraute. „Und dann?“
„Dann musste er mich anrufen“, sagte Belle leise. „Du kannst dir vorstellen, wie verwirrt ich war, als plötzlich seine Nummer auf meinem Display erschien. Ich wollte zuerst nicht rangehen. Aber ein Teil von mir wollte wissen, was er von mir wollte.“
Sie schüttelte leicht den Kopf. „Als ich abnahm, hörte ich nicht seine Stimme.“
Livia sah sie aufmerksam an.
„Eine mir unbekannte Frau sprach mit mir“, sagte Belle. „Sie sagte mir nur: Ich kenne Livia. Sie lebt. Und sie hat dich nie vergessen.“
Livias Augen füllten sich erneut mit Tränen.
„Ich habe ihr zunächst nicht geglaubt“, gab Belle zu. „Aber sie hat vorgeschlagen, sich persönlich zu treffen.“
„Und ihr habt euch getroffen“, stellte Livia fest.
Belle nickte. „Am nächsten Tag. In einem Park. Sie hat mir erklärt, woher sie dich kennt, warum sie mich sucht – und sie hat mir ein Foto aus einer Personalakte gezeigt.“
Livia atmete tief ein. „Das klingt schon eher nach Mira.“
„Ja“, sagte Belle leise. „Sie hat mich nur gefragt, ob ich bereit wäre, dich wiederzusehen.“
Livia schloss kurz die Augen.
„Dann bin ich gekommen“, sagte Belle. „Weil ich wusste, dass du frei bist. Und dass ich dich endlich wiedersehen konnte.“
Livia umschlang Belle fest, als müsste sie sich vergewissern, dass sie wirklich da war. Ihre Stirn ruhte an Belles Schulter, ihre Finger krallten sich leicht in den Stoff ihres Shirts.
„Es tut mir leid“, murmelte sie immer wieder. „Es tut mir so leid.“
Die Worte kamen stockend, immer wieder von Schluchzern unterbrochen. Sie hob den Kopf nur kurz, sah Belle an, als suche sie nach Vergebung, nach Bestätigung.
„Ich hätte für dich da sein müssen“, fuhr sie leise fort. „Ich weiß, dass ich es nicht war. Und das werde ich mir nie ganz verzeihen.“
Belle wollte etwas sagen, doch Livia schüttelte kaum merklich den Kopf und zog sie erneut an sich.
„Ich werde es wieder gut machen“, sagte sie entschlossen, auch wenn ihre Stimme noch zitterte. „Ich verspreche es dir. Egal wie lange es dauert.“
Sie atmete tief ein, sammelte sich ein wenig.
„Du warst immer eine gute Freundin“, sagte sie schließlich. „Besser, als ich es in dieser Zeit war. Und das warde ich mir nie verzeihen.“
Belle legte die Arme um sie, hielt sie fest, ohne zu widersprechen.
Und in diesem stillen Moment lag mehr Vergebung, als Worte hätten ausdrücken können.
Und eines war sicher. Kaels Überraschung übertraf alles je dagewesene.





































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