Kapitel 27

Der Abend kam schneller, als Livia erwartet hatte.

Das Penthouse war erfüllt von leiser Musik und dem Duft von Parfum, während Livia und Belle sich für den Abend fertig machten. Belle trug ein dunkelgrünes Kleid, schlicht geschnitten, mit schmalen Trägern und einem Rock, der sich bei jeder Bewegung weich mitdrehte. Sie hatte ihr erklärt das Mira darauf bestand, ein Kleid für eine Feier mitzunehmen.

Ihr Haar hatte sie locker hochgesteckt, ein paar Strähnen umrahmten ihr Gesicht und ließen sie jünger wirken.

Livia betrachtete sich im Spiegel. Das Kleid, das sie gekauft hatte, lag perfekt an – der samtene Stoff bestand aus einem tiefen blau. Das Material schimmerte dezent im Licht und betonte ihre Figur. An der Seite verlief ein Schlitz welches ihr Bein nach jedem Gang freigab. Sie hatte ihr Haar offen gelassen, sanfte Wellen durchzogen ihre Haare und fielen über die Schultern. Zum ersten Mal seit Langem sah sie sich selbst nicht kritisch an, sondern mit etwas, das an Stolz grenzte.

„Du siehst unglaublich aus“, sagte Belle leise.

Livia lächelte. „Du auch.“

Als sie den Wohnbereich betraten, blieb Livia unwillkürlich stehen.

Kael wartete bereits.

Der dunkle Anzug saß wie maßgeschneidert, die Jacke betonte seine breiten Schultern, das Hemd darunter war makellos, den Kragen hatte er leicht offen gelassen. Sein Haar war ordentlich zurückgekämmt.

Er schaute sie an und sein Blick wurde warm. Besitzergier loderte in ihm und auch Bewunderung.

Für einen Moment vergaß Livia zu atmen.

Er sah nicht nur gut aus. Er wirkte unantastbar. Souverän. Wie jemand, der den Raum beherrschte, ohne es zu müssen. Belle musste ihr starren und ihre Sprachlosigkeit bemerkt haben, denn sie stupste sie kichernd an.

„Du…“, begann sie, brach ab und lachte leise. Peinlich berührt. „Du siehst gefährlich gut aus.“

Ein kaum merkliches Lächeln zog über seine Lippen, als er ihr die Hand reichte.

Unten wartete ein Fahrzeug auf sie. Nachdem sie Platz genommen hatten fuhren sie los.

Die Weihnachtsfeier von Ardent Global füllte den großen Saal mit Licht, Musik und Stimmen. Warmes Gold spiegelte sich in Glas und wurde reflektiert so das ein leichter Schimmer entstand. Lachen mischte sich mit leiser Musik, und der Duft von Tannenzweigen und Gewürzen hing in der Luft.



Kael stand neben ihr und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Seine Präsenz wirkte auf sie beruhigend, selbst inmitten des vollen Saals. Auch als sie von allen Seiten begutachtet wurden, weil sie zusammen auf der Feier erschienen.

Er beugte sich leicht zu ihr und sagte leise: „Ich muss gleich noch eine kurze Rede halten.“

Dann führte er sie langsam in Richtung Bühne, als hätte er alle Zeit der Welt. Und dabei ließ er sie nicht los.

Als er die Stufen hinaufstieg und sich dem Mikrofon zuwandte, senkte sich die Lautstärke im Raum beinahe automatisch. Gespräche verebbten, Blicke richteten sich auf ihn. Er hatte einfach diese Ausstrahlung, diese Dominanz die von dem Wolf in Ihm kam, was sie nun vermutete. Ein gebohrenes Alphatier.

Kael ließ den Blick kurz über den Saal gleiten, dann begann er zu sprechen.

„Ich möchte mich zuerst bei Ihnen allen bedanken“, sagte er ruhig. „Dieses Jahr war fordernd. Mit vielen Veränderungen und neuen Projekten. Und doch haben Sie gezeigt, was dieses Unternehmen ausmacht.“

Ein zustimmendes Murmeln ging durch den Raum.

„Ardent Global steht nicht nur für Zahlen.“, fuhr er fort. „Sondern für Menschen, die Verantwortung übernehmen. Für Engagement, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Das verdanken wir Ihnen.“

Er machte eine kurze Pause, ließ die Worte wirken.

„Ich bin stolz darauf, dieses Unternehmen als Ihr CEO zu führen“, sagte er. „Und ich freue mich auf das, was wir gemeinsam aufgebaut haben.“

Dann wandte er sich leicht zur Seite, sah zu ihr und streckte die Hand aus.

Livia zögerte kurz, wurde dann aber von Belle leicht nach vorne geschoben. Schließlich nahm sie seine Hand und ließ sich von Ihm auf die Bühne ziehen.

„Und es gibt noch jemanden, den ich Ihnen heute vorstellen möchte“, sagte er, seine Stimme nun weicher, es kam ihr vor als wollte er seine Worte direkt an sie reichten. „Livia. Meine künftige Frau.“

Für einen Herzschlag lang war es still.

Dann brach Applaus aus, begleitet von freundlichem Murmeln, Lächeln und anerkennenden Blicken. Livia spürte Kaels Hand fest in ihrer.

Sie nahm alles wie im Rausch und verschwommen war. Von irgendwoher nahm sie war wie Belle sagte: „Der macht keine halben Sachen.“



Live hörte weitere Glückwünsche.

Dann traf sie das gesagte mit voller Wucht. Künftige Frau!

Er wollte sie heiraten. Livia spürte, wie ihr die Wärme ins Gesicht stieg, doch Kaels Hand in ihrem Rücken hielt sie Sicher. Am liebsten hätte sie sich Luft zugefächert. Sie murmelte zu Kael das sie jetzt was zu trinken bräuchte.

Der Abend zog sich weiter dahin.

Es wurde viel gelacht ausschweifend getanzt, ausgiebig angestoßen. Livia führte kleine Gespräche mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen, hörte Anekdoten, lächelte über harmlose Bürogeschichten. Belle blieb in ihrer Nähe, entspannter als noch am Morgen, und zog sie immer wieder in kurze, leichtere Gespräche hinein – über Musik, das Kleid, über Pläne für die kommenden Feiertage.

Auf einmal wurde Kael reglos. Als ob er auf etwas anderen konzentriert war. Er sah sie entschuldigend an und teilte ihr mit, dass er kurz wegmüsse.

Sie nahm an das er von einen seiner Rudelmitglieder fortgerufen wurde.

Livia blieb bei Belle, nippte an ihrem Getränk und lachte über etwas Belangloses, als ihr Handy vibrierte.

Unbekannte Nummer.

Sie öffnete die Nachricht – und ihr Lächeln gefror.

Du siehst heute Abend umwerfend aus.

M.

Ein Zittern lief ihr durch die Hände. Das musste ein Scherz sein. Ein schlechter. Ihr Magen zog sich zusammen, kalt und scharf.

Mit einem weiteren Bling signalisierte das Handy eine weitere Nachricht:

Aber weis er das du mir gehörst?

Sie zitterte so heftig, dass ihr das Handy aus den kalten Fingern glitt.

Belle hobe es auf. Sichtlich irritiert über Ihr Verhalten. Sie schaute ohne ein Wort auf das Display. Und in der Stille die folgte wusste sie das sie sich diese Nachrichten nicht eingebildet hatte.

Belles Blick verhärtete sich sofort. „Liv…“

„Ich muss es Kael zeigen“, flüsterte Livia und steckte das Handy ein. Sie wandte sich um, suchte ihn im Raum. Wusste nicht wo sie ihn suchen sollte. Nur keine Panik.

In diesem Moment heulte die Sirene auf.

Der Feueralarm.

Rot blinkende Lichter schnitten durch das warme Gold des Saals. Stimmen wurden laut, versuchten über die Lautstärke der Sirene hinwegzukommen. Stühle rückten zurück. Verwirrung brandete nun auf. Jeder wollte das Gebäude wegen der drohenden Gefahr verlassen. Livia spürte, wie sich die Hand von Belle fest um ihre schloss, als sie gemeinsam mit den anderen Besuchern das Gebäude stromschnellenartig verließ.



 

 

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