Kapitel 41 – Epilog

Epilog

Schnee fiel draußen.
Dicke, lautlose Flocken, die sich in der Dunkelheit fingen, als wären es kleine Sterne, die jemand vom Himmel gelöst hatte. Draußen war die Welt weiß und glänzend. Drinnen brannten Kerzen in warmem Rotgold und ließen die Schatten über Wände und Tannennadeln tanzen.
Skye stand am Fenster und atmete langsam den Duft von Zimt, Kiefer und warmem Gebäck ein. Hinter ihr glitzerte der Weihnachtsbaum – mit roten Bändern, gläsernen Kugeln und Lichterketten, die wie glühende Adern durch das Grün liefen.
Es war ihr erstes richtiges Weihnachten.
Kael kniete gerade vor dem Baum, sortierte Geschenke und versuchte, alles fein säuberlich zu arrangieren. Livia stand daneben, die Arme verschränkt, die Wangen rot vor Aufregung und einem Hauch Frust.
„Wir könnten im Frühling gehen“, sagte sie zum dritten Mal. „Wenn der Schnee geschmolzen ist, kommen wir besser durch die Wälder. Wir holen Belle da raus, bevor diesem alten Bastard noch etwas einfällt!“
Kael richtete sich auf und sah sie ernst an. „Livia.“ Seine Stimme war sanft, aber mit dem unverkennbaren Unterton eines Alphas. „Wir werden Belle holen. Aber nicht mitten im Winter und nicht kopflos.“
„Kopflos wäre es nicht, wenn mich jemand unterstützen würde“, fauchte Livia und schnappte sich eine Plätzchendose als moralische Stütze.
Ronan, der bisher so tat, als ginge ihn das alles nichts an, ließ ein zustimmendes Brummen hören.
Kael seufzte, trat näher und legte zwei Finger unter Livias Kinn, damit sie ihn ansah. „Ich will, dass sie bei der Hochzeit dabei ist. Glaubst du wirklich, ich würde dich unglücklich sehen wollen, nur weil sie fehlt?“
Livia blinzelte überrascht. „Wirklich?“
Kael nickte ruhig. „Ja. Und sobald der Frühling da ist, holen wir sie. Ich verspreche es. Keine Frage. Es ist nur so, dass Belle und Bennett Gefährten sind. Und er wird sie nicht einfach gehen lassen.“
Livia biss sich auf die Lippe, und Skye sah, wie Hoffnung und Angst in ihrem Blick gegeneinander kämpften. Doch dann nickte sie – ein kleines, vorsichtiges Nicken.
„Gut. Aber dann renne ich als Erste durch die Tür. Und Mira holen wir auch.“
„Das sowieso“, sagte Kael und lächelte zum ersten Mal an diesem Abend.




Ronan brummte etwas wie „Ich nehme die linke Seite“, und Livia grinste breit.
Skye spürte, wie sich ihr Herz erwärmte. Diese Menschen – oder Wölfe – waren laut, chaotisch und wild. Aber sie waren Familie.
In diesem Moment trat Asher zu ihr. Leise, wie immer. Er trug zwei Tassen heißen Kakao, reichte ihr eine und stellte sich neben sie ans Fenster. Schnee wirbelte draußen weiter, der Himmel war eine einzige glitzernde Fläche.
„Gefällt es dir?“, fragte er ruhig.
Skye nickte. „Mehr, als ich erwartet habe.“
„Gut“, sagte Asher schlicht. Und dann, als hätte er darauf gewartet, dass ihr Herz gerade weich genug war, zog er etwas aus seiner Hosentasche.
„Ich habe etwas für dich.“
Skye blinzelte und stellte die Tasse ab. Asher hielt eine kleine Schachtel hin – schwarzer Samt, schlicht, ohne Schleife.
Sie öffnete sie langsam.
Darin lag eine schmale, silberne Kette, fein und kühl, und daran ein kleiner Anhänger – ein Wolfskopf, kunstvoll geschnitten, mit scharfen Linien und weichem Ausdruck, als wäre er im Übergang zwischen Wildheit und Sanftheit gefangen.
Skye schluckte. „Er ist wunderschön.“
„Er soll dich schützen“, sagte Asher leise. „Und dich daran erinnern, dass du nicht allein bist.“
Sie schloss die Schachtel wieder und sah ihn an – wirklich sah ihn an, mit all dem, was in ihrem Herzen brannte.
„Danke“, flüsterte sie.
Asher nahm ihr den Anhänger ab, legte die Kette vorsichtig um ihren Hals und schloss sie im Nacken. Seine Finger berührten kurz ihre Haut – warm, vorsichtig, sicher.
Livia, die das aus der Ferne beobachtet hatte, rief: „Jetzt küss sie endlich.“
Asher schnaubte amüsiert, und Skye lachte leise. Dann lehnte sie den Kopf an seine Schulter, während der Wolf aus Silber an ihrem Hals im Kerzenlicht glitzerte.
Draußen fiel weiter Schnee.
Drinnen brannten Kerzen.
Und für den ersten Winter ihres Lebens fühlte Skye sich warm.
Zuhause.

Ende

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